Die verlorene Geldbörse

Seit Jahren fahren wir gerne mit unseren Freunden in den Urlaub, ich denke es ist schon unsere 16. gemeinsame Reise – diesmal wollten wir Umbrien kennenlernen, eine Region in Italien, die vom großen Tourismus oft „links liegen gelassen“ wird  – dadurch ist Umbrien recht ursprünglich geblieben.

Wir waren in einem sogenannten „Agriturismo“, einem italienischen Landgut, auf einem einsamen Hügel in der Nähe von Città di Castello, in einem kleinen Ferienhaus „Il mulino“ untergebracht – wunderschön – mitten in der Natur.

Italien1Täglich machten wir Ausflüge in die schönen und geschichtsträchtigen Städte wie Perugia, Gubbio, Cortona, usw. – es waren sehr ausgefüllte Tage.

Schön war auch, daß wir von den Eigentümern ganz herzliche Gastfreundschaft erlebten. So waren wir am Abend nach unserer Ankunft zum Abendbrot mit hauseigenen Produkten eingeladen. Zwischendurch zum Frühstück und zum Cena (italienisches Abendessen) mit mehreren Gängen, u.a. mit selbst hergestelltem Olivenöl und eigenem Wein. Die gerade reifen Früchte und Gemüse durften wir kostenfrei auf dem herrlichen Gelände ernten, an dessen Hängen sich Pinien und Zypressen aneinander reihten. Man hätte noch wesentlich längere Zeit, als nur 7 Tage, dort verbringen können.

Auf der Rückfahrt am 10.Juni passierte dann etwas sehr ungewöhnliches. Ich ließ an einer italienischen Autobahnraststätte (einem sog. Autogrill) zwischen Cesena und Bologna mein Portemonnaie liegen. So ein wirklich unverzeihlicher Fehler ist mir noch nie zuvor passiert. Ich merkte dies aber erst bei der nächsten Rast ca. 3 Stunden später in der Nähe des Brennerpasses. Das erste was ich tat, wir standen noch sehr betroffen auf dem Parkplatz zu viert im Auto – ich betete, daß Gott es schenken möge, daß meine Geldbörse vielleicht doch einem ehrlichen Finder in die Hände fallen möge…. Ich war bei diesem Gebet plötzlich sehr berührt von der unfaßbaren Realität, daß Gott absolut den Überblick über jede Lebenssituation hat, und auch jetzt diese hier genauestens kennt und jederzeit helfend eingreifen kann. Es ging mir in diesem Augenblick weniger um den eventuellen Verlust von Bargeld, Scheckkarten und Personalausweis – ich war einfach tief ergriffen, so betend mit meinem Vater im Himmel reden zu dürfen, in großem kindlichem Vertrauen, daß ich wirklich Mühe hatte diese Worte meines Gebets über die Lippen zu bringen.

Italien2Bemerkenswert ist, daß exakt 7 Tage später, sogar auf die Stunde genau am Freitag den 17.Juni, ein Anruf zu mir nach Hause kam mit italienischer Vorwahl 0039… . Zunächst dachte ich an unsere Kinder, die auch gerade in Italien Urlaub machten. Dann meldete sich eine Frauenstimme mit italienischem Akzent und sagte „Deutsches Konsulat Rimini, bei uns ist ihr Portemonnaie abgegeben worden….“, dann zählte sie das Geld vor, zunächst die Münzen, dann die Scheine, nannte die Scheckkarten und den Personalausweis mit meiner Adresse, und sagte abschließend, sie könne die Geldbörse aber erst am darauffolgenden Montag an mich abschicken.

Während dieses Anrufs war ich wiederum sehr bewegt über dem unglaublichen und doch so erhofften Geschenk der Erhörung meines Gebets vor sieben Tagen. Mit gebrochener Stimme konnte ich mich grade noch bedanken, und rasch nachfragen wer denn der Finder gewesen sei. Die Anruferin nannte einen italienischen Frauennamen – ich bat sie mir ihre Adresse zu schreiben…

Ich danke Gott für diese sehr ermutigende Urlaubserfahrung.

S.R.

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