Burn Out

Ich möchte euch ein wenig teilhaben lassen an meiner Geschichte in den letzten zweieinviertel Jahren.

Wie die meisten von euch wissen, bin ich Ende Februar 2011 zusammengebrochen. Im Volksmund nennt man es Burn Out, obwohl es gar keine Krankheit gibt, die so heißt. Man könnte es eher als Erschöpfungsdepression bezeichnen.

Ich war sehr erschöpft und sehr depressiv. Die folgende Wochen und Monate waren sehr hart: ich habe erstmal 2 Wochen nur geschlafen, und auch danach habe ich lange Zeit nur auf dem Sofa dahinvegetiert. Ich war total abwesend und musste selbst die einfachsten Dinge wieder neu erlernen, so wie z.B. vor die Tür gehen. Ich habe Antidepressiva bekommen und eine Verhaltenstherapie begonnen. An Arbeit war in den ersten Monaten gar nicht zu denken.

Schlimm an dieser Zeit war vor allem, dass ich nicht beten konnte und mich fast komplett von Gott zurückgezogen habe. Das Einzige, was mein Christsein noch am Leben hielt, war der sonntägliche Gottesdienstbesuch. Aber eine persönliche Beziehung zu Gott oder Jesus – unmöglich (zumindest von meiner Seite aus). Ich habe auf T&T vertraut (Tabletten und Therapie), aber nicht auf Gott. Eine Reha in einer christlichen Klinik brachte nicht den erhofften Erfolg – vielleicht kam das zu früh, aber es hat auch eine positive Seite – dazu später mehr. Ich konnte während des Aufenthalts nur sehr schwer beim Lobpreis mitmachen oder ihn erdulden, aber immerhin konnte ich manchmal kurz beten. Und die Gemeindeleitung kam zum Krankengebet zu mir. Das war ein sehr schönes Erlebnis, hat mich gestärkt und ermutigt. Geholfen haben mir in der Zeit auch die liebevolle Anteilnahme und das Gebet von einigen lieben Menschen in der Gemeinde. Ich bin ihnen dafür sehr dankbar. Vielen Dank euch allen!

Seit September 2011 wurde ich schrittweise in die Arbeit wiedereingegliedert. Ich habe sehr verständnisvolle Vorgesetzte. Auch das hat mir geholfen.

z2_bild2Im Juni 2012 hielt ich mich auch sonst für so stabil, dass ich mit der Strategie „T&T“ aufhörte – ein schwerer Fehler. Auch für unsere Ehe war die Zeit eine schwere Belastung. Im September eskalierte die gesamte Situation, so dass ich seit Oktober 2012 erneut Tabletten bekomme und eine diesmal andere Therapie mache. Beides hilft sehr gut. Ich habe gelernt und akzeptiert, dass Gott auch solche „weltlichen“ Dinge nutzen kann, um Gutes daraus entstehen zu lassen.

Zur gleichen Zeit hing auch mein Glauben nur noch an einem seidenen Faden. Ich haderte mit Gott wegen meiner ganzen negativen Erfahrungen seit meiner Krankheit, war total kritisch Glauben und Gemeinde gegenüber und dachte ernsthaft an Austritt. So vegetierte ich als „Karteichrist“ dahin, bis zu einem bedeutenden Datum: Es ist der 6. Januar 2013. Historisch / biblisch gesehen bringen an dem Tag die drei Weisen aus dem Morgenland Geschenke für Jesus. Für mich ist dieser Tag ein Geschenk von Gott an mich. Gott brachte mir ein Geschenk in Form eines jungen nigerianischen Christen. Ich weiß, dass Gott ihn mir geschickt hat, so wie es in der Bibel steht „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an…“ (Offb. 3,20). Gott hat ihn benutzt, um an meine Tür zu klopfen. Und ich habe ihm die Tür aufgemacht. Eigentlich war ich ja zu dem Begegnungs- und Spielnachmittag mit den Asylbewerbern gekommen, weil mich das Wort „Spielen“ animiert hat. Aber Gott hatte einen anderen Plan mit mir: ich setzte mich an den Tisch, an dem der junge Mann bereits saß, und wir kamen ins Gespräch. Nach zweieinhalb Stunden musste er gehen, und ich habe in der Zeit gar nicht gespielt (so wie ich es mir vorgenommen hatte), sondern durfte teilhaben an seinem Leben und Glauben. Er ist ein unheimlich tolles Vorbild. Am Abend war ich auf der einen Seite begeistert von diesem wahrhaft erfüllten und erfüllenden Leben mit Gott, auf der anderen Seite war ich skeptisch, weil ich schon öfter in meinem Leben gedacht hatte, diese oder jene Person könnte ein Vorbild für mich sein, und ich solle ihm oder ihr nacheifern. Aber diesmal war es anders. In mir wurde ein Feuer entfacht, und so fing ich am kommenden Morgen einfach an, mit Gott zu reden, ihn zu loben und zu preisen, ihm mein Herz auszuschütten, für andere Menschen zu beten und in einem Andachtsbuch zu lesen, das mir eine sehr liebe Freundin, die ich in der Reha kennenlernte, geschenkt hat. Das Merkwürdige daran: es fiel mir total leicht, von jetzt auf gleich umzuschalten auf den „Kind Gottes“-Modus. Der Heilige Geist hat in mir gewirkt und mich dazu befähigt.

z2_bild3Seit dem Tag setze ich mich jeden Tag symbolisch gesehen auf den Schoß meines Vaters und genieße die Gemeinschaft mit ihm. Und nach dem Lobpreis habe ich meist ein Lächeln im Gesicht, weil ich dadurch tiefe Freude erlebe. Und ich habe neu entdeckt, was das Wichtigste ist: eine lebendige Liebesbeziehung zum Vater aufzubauen und zu pflegen.

Im Rückblick auf die letzten zweieinviertel Jahre kann ich sagen, dass Gott mich immer getragen hat, er war immer bei mir, er hat mich nie im Stich gelassen. Ich weiß, er hat einen Plan mit mir gehabt, und er hat ihn umgesetzt (siehe 6. Januar). Er hat mich durch viele Dinge darauf vorbereitet, dass ich am 6. Januar erneut „Ja“ zu ihm sagen konnte. Ich weiß, Gott lässt Leid zu, aber ich bin mir sicher, er hat geweint, als er mich in meinem Elend gesehen hat. Aber ich musste da durch, es war Gottes weiser Plan, dass ich erst am Boden liegen musste, um zu merken, was ich an ihm habe und wie ich leben soll.

Ich bin meinem himmlischen Vater unendlich dankbar für dieses tolle Geschenk, das er mir am 6. Januar gemacht hat, für seine Treue zu mir in den zwei Jahren, seine Geduld mit mir, auch wenn ich weit weg war von ihm, und für seine so unendlich große Liebe zu mir. Ich spüre dies jeden Tag.Gott mit euch!

Kommentar verfassen