Nahaufnahme der Blüte einer roten Rose, auf der Straße liegend

Gottes Dienst – mit allen Sinnen

Wir stehen vor der Passionswoche. Wir sind vielleicht belastet mit Sorgen und Not, mit unvergebener Schuld und mit Ängsten. Gottes Dienst mit allen Sinnen. Lassen Sie Sich beschenken von Jesus.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Gottes Dienst – mit allen Sinnen
Reihe
Passionsandachten 2014
Datum
13.04.2014
Länge
18:59
Bibelstelle
Johannes 17, 1-3.8.17-26
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Als Jesus diese Rede beendet hatte, blickte er zum Himmel auf und sagte: „Vater, die Stunde ist gekommen! Setze deinen Sohn in seine Herrlichkeit ein, damit der Sohn deine Herrlichkeit offenbar machen kann.
2 Du hast ihm ja die Macht über alle Menschen gegeben, damit er denen, die du ihm anvertraut hast, ewiges Leben schenkt.
3 Und das ewige Leben besteht darin, dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus.

8 Ich habe ihnen die Worte weitergesagt, die du mir gegeben hast, und sie haben sie aufgenommen. Sie haben erkannt, dass ich wirklich von dir komme, und sind zum Glauben gekommen, dass du mich gesandt hast.

17 Lass sie in deiner göttlichen Wirklichkeit leben und weihe sie dadurch zum Dienst. Dein Wort erschließt diese Wirklichkeit.
18 Ich sende sie in die Welt, wie du mich in die Welt gesandt hast.
19 Ich weihe mein Leben für sie zum Opfer, damit sie in deiner göttlichen Wirklichkeit leben und zum Dienst geweiht sind.
20 Ich bete nicht nur für sie, sondern auch für alle, die durch ihr Wort von mir hören und zum Glauben* an mich kommen werden.
21 Ich bete darum, dass sie alle eins seien, so wie du in mir bist, Vater, und ich in dir. So wie wir sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Ich habe ihnen die gleiche Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, so wie du und ich.
23 Ich lebe in ihnen, und du lebst in mir; so sollen auch sie vollkommen eins sein, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass du sie, die zu mir gehören, ebenso liebst wie mich.
24 Vater, du hast sie mir gegeben, und ich will, dass sie mit mir dort sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon liebtest, bevor die Welt geschaffen wurde.
25 Vater, du bist gerecht. Die Welt hat dich nicht erkannt; aber ich kenne dich, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast.
26 Ich habe ihnen gezeigt, wer du bist, und werde es weiter tun. So wird die Liebe, die du zu mir hast, auch sie erfüllen, und ich werde in ihnen leben.“

Predigt

Liebe Besucher dieses Gottesdienstes,

mit dem heutigen Sonntagmorgen beginnen wir in dieser Gemeinde eine Reihe von Andachten und Gottesdiensten, die die Passionswoche ausfüllen und am Ostersonntag mit einem Festgottesdienst zur Auflösung kommen: dann feiern wir das offene Grab, den Auferstandenen Jesus Christus, den Sieg Gottes über die Sünde, den Tod und die Hölle, die Hoffnung auf eine Auferstehung von den Toten und ein ewiges Leben.

Heute aber, in diesem „Gottes Dienst mit allen Sinnen“, werden wir alle – nicht nur die Gäste, die heute Morgen zum ersten Mal hier sind, sondern wir alle – die Besucher dieses Gottesdienstes, überrascht. Überrascht zunächst von ganz unterschiedlichen und ungewöhnlichen Gottesdienstelementen, der Sitzordnung zum Beispiel, dem Gabentisch in der Mitte, der Symbolhandlung der Fußwaschung. Wir werden überrascht von einem Gott, der sich nicht zu schade ist, zu dienen. Wir werden überrascht von einem Jesus Christus, der für jeden von uns betet und bittet. Und wir erleben das mit allen Sinnen. Nicht nur mit dem Gehör; unsere Augen sind gefragt, unsere Gefühle. Und unser Herz.

Denn vor allem geht es heute Morgen um unser Herz – um meines und um Ihres. Wir dürfen einen Augenblick hineinschauen in das Herz Gottes.

a. Wir erleben einen Gott, der uns dient.

Nennen Sie mir eine göttliche Gestalt, die sich jemals eine Schürze umgebunden hat und dann daran gegangen ist, die schmutzigsten Teile unseres Körpers selber zu reinigen. Der leibhaftige Sohn des Weltenschöpfers hat das getan. Er hat das getan. Und bis heute ist das so ungeheuerlich, dass Jahr für Jahr im Vatikan nachgespielt wird, was Jesus Christus seinen Jüngern als Sklavendienst erwiesen hat: der Papst wäscht anderen die Füße.

Ungeheuerlich ist das: Gott wäscht seinen Geschöpfen die Füße. Und kurz bevor Jesus das tut, betet er in einem sehr innigen Gebet diese Worte:

1 Als Jesus diese Rede beendet hatte, blickte er zum Himmel auf und sagte: »Vater, die Stunde ist gekommen! Setze deinen Sohn in seine Herrlichkeit ein, damit der Sohn deine Herrlichkeit offenbar machen kann.
2 Du hast ihm ja die Macht über alle Menschen gegeben, damit er denen, die du ihm anvertraut hast, ewiges Leben schenkt.
3 Und das ewige Leben besteht darin, dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus. Joh 17, 1-3

Liebe Besucher dieses Gottesdienstes,

Gott macht sich erkennbar. Und wie gelingt es ihm am besten? Indem er sich eine Schürze umbindet und erst einmal staubige Füße wäscht, abtrocknet und mit Öl salbt. Und gewiss wären Sie genauso verdutzt wie die Jünger Jesu damals. Das hatte es noch nie gegeben: der Ranghöhere leistet Sklavenarbeit.
Der Gott, der vom Himmel heruntergekommen ist – Sie erinnern sich: aus der Herrlichkeit in eine einfache Futterraufe, eine Krippe – dieser heruntergekommene Gott bindet sich nun auch noch eine Schürze um und reinigt schmutzige Füße.

Was soll das deutlich machen, mir und Ihnen heute Morgen? Vielleicht auch dies: vor so einem braucht man sich nicht zu fürchten; zwischen mir und diesem heruntergekommenen Gott gibt es keine unüberbrückbare Distanz. Nein, da ist ganz viel Nähe. Da kann Vertrauen wachsen zwischen uns und Gott. Und da zeigt uns einer, was wir ihm bedeuten. Nicht wir sind seine Sklaven, nein, er ist unser Diener.
Gott macht seine Herrlichkeit offenbar, indem er unsere Füße in die Hand nimmt und wäscht.

So ein Mensch ist Jesus Christus, der Sohn Gottes, geworden, als er sich eine Schürze umband: einer, der die Schuhe putzt und die Lasten trägt. Einer, der von sich selber sagt: „Ich bin nicht gekommen, dass ich mir dienen lasse, sondern dass ich diene und gebe mein Leben zur Bezahlung für viele!“

Jesus wird der Hausknecht. Aber nun wird er es nicht, damit wir ihn schonen und ihn möglichst schnell wieder – im Bild gesprochen – zum Oberkellner oder besser noch zum Hotelbesitzer machen. Wir würden den Gott in der Schürze beleidigen, würden wir seinen Dienst zurückweisen wollen. Wir sollen seinen Dienst für uns in Anspruch nehmen.
Die Schürze Jesu ist eine Fahne der Hoffnung für alle, die müde sind und sich abschleppen mit Schmutz und Lasten. Und wer von uns gehörte nicht dazu? Was klebt alles an uns, was Jesus uns abwaschen muss!? Immer wieder, auch heute! Nehmen Sie an!

Ich weiß nicht, ob Sie Sich vorstellen können, wie das ist, wenn jemand Ihnen die Füße im warmen Wasser vorsichtig wäscht und sie dann in Leinen hüllt, um sie abzutrocknen. Das stelle ich mir vor als ein Gefühl von Geborgenheit, eine Wohltat, als einen Augenblick der Ruhe schlechthin! – Sie können das nach diesem Gottesdienst ja mal ausprobieren. Das geht dann wirklich. –

Die Jünger damals haben diesen Augenblick jedenfalls erlebt! Und ich stelle mir vor, dass sie sich sehr gern und dankbar an diesen Augenblick erinnert haben, als sie später dann mit wunden Füßen unterwegs waren fürs Evangelium; oder wenn sie in feuchten Kerkern mit den Füßen in den Block gespannt wurden; oder erst, als ihre eigenen Füße durchbohrt wurden von den Nägeln ihrer Peiniger, die dann sie, die Nachfolger Jesu, ans Kreuz schlugen.

Da erinnerten sie sich vielleicht daran, wie ihre Füße damals im Schoß, in der Schürze Jesu gelegen hatten; geborgen und rein. So wie sie selber – durch die Vergebung Jesu – frei von Schuld leben konnten. Rein, geborgen in der Liebe Gottes

Denn das sagt Jesus damals in seinem Gebet als stellvertretender Hohepriester vor dem Thron Gottes:

2 Du, Gott, hast ihm, dem Sohn Gottes, Jesus Christus, ja die Macht über alle Menschen gegeben, damit er denen, die du ihm anvertraut hast, ewiges Leben schenkt.
3 Und das ewige Leben besteht darin, dich zu erkennen, den einzig wahren Gott, und den, den du gesandt hast, Jesus Christus. Joh 17, 2-3

Und schauen Sie: das darf uns heute zu einem Bild werden für die Geborgenheit, die Jesus schenkt; jenseits all dessen, was uns jetzt noch Angst machen will, was uns Wunden schlägt und unser Leben mit Schuld überzieht.
Jesus dient uns als Knecht – aus Liebe. Jesus rettet uns ganz persönlich. Sein Kreuz und seine Auferstehung gelten mir! Jesus schenkt Geborgenheit über alle Ängste hinweg!

Möchten Sie das erleben? Nach dem Gottesdienst können Sie Sich die Füße waschen lassen. Aber – die Geborgenheit Gottes dauerhaft erleben – das geht ja noch weiter. Auch dazu muss ich mich bereit finden und Ja sagen. Das ist ganz einfach. Wie das geht, auch danach dürfen Sie am Ende dieses Gottesdienstes fragen. Wir erklären es Ihnen gern.

b. Wir erleben einen Gott, der uns einlädt

Aber das ist ja noch nicht alles. Gottes Dienst geht ja noch weiter. Sie sehen ja auch noch den gedeckten Tisch – mit allen ihren Sinnen.

Jesus hat ja damals noch weiter gebetet. Er hat zu Gott gesagt:

21 Ich bete darum, dass sie alle eins seien, so wie du in mir bist, Vater, und ich in dir. So wie wir sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.
22 Ich habe ihnen die gleiche Herrlichkeit gegeben, die du mir gegeben hast, damit sie eins sind, so wie du und ich.
23 Ich lebe in ihnen, und du lebst in mir; so sollen auch sie vollkommen eins sein, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass du sie, die zu mir gehören, ebenso liebst wie mich.
24 Vater, du hast sie mir gegeben, und ich will, dass sie mit mir dort sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon liebtest, bevor die Welt geschaffen wurde. Joh 17, 21-24

Liebe Besucher dieses Gottesdienstes,

wann hat das letzte Mal jemand für Sie gebetet? Wann haben Sie das letzte Mal für jemanden gebetet? Für mich sind solche Gebetsbegegnungen immer ein ganz intensives Erlebnis von Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen. Das rührt ungemein an. Da stellt sich jemand hin und bittet Gott für mich, für meine Belange, für mein Leben. Das tut so gut.
Jesus Christus betet in Joh 17 für mich und für Sie. Und in seinem Gebet wird die unermessliche Liebe deutlich, die er für uns Menschen hegt. Der Sohn Gottes bittet damals, kurz vor seiner Kreuzigung, seinen Vater darum, seinen Gefolgsleuten, seinen Jüngern, die ihn drei Jahre lang durch dick und dünn begleitet hatten, seine Herrlichkeit, seine ganze Herrschaft, seine Macht und Größe zu zeigen – nicht um sie einzuschüchtern, sondern im Gegenteil: um sie zu ermutigen. Diese Menschen würden bald ziemlich verschüchtert und ängstlich irgendwo in einem geheimen Raum sitzen. Ihr Vorbild Jesus würde nach der Kreuzigung irgendwo in einem Felsengrab liegen. Und alle Hoffnung und Zukunft wäre mit ihm begraben. Was sollte jetzt werden?

Jesus wusste, was in Kürze passieren würde. Deshalb betet er damals sein Hohepriesterliches Stellvertretungsgebet für sein Jünger – und für alle, die noch seine Jünger werden würden.

Und deshalb feierte er mit ihnen noch kurz vor seiner Festnahme das Passahmahl, das Mahl der Freiheit und der Hoffnung. Sozusagen im Angesicht der in Kürze triumphierenden Feinde sitzt er mit denen, die er am meisten liebt, zusammen – und feiert. Und macht Mut. Und versucht zu trösten.
Und damit tut Jesus damals das, was lange vor ihm schon der Beter des Psalm 23 so gesagt hat: „Du bereitest vor mir einen Tisch – im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.“

Liebe Besucher dieses Gottesdienstes,
bis heute ist Gott, bis heute ist Jesus Christus einer, der uns gut tun will, der uns liebt, der uns Hoffnung und Geborgenheit schenken möchte. Die Füße waschen, das Haupt salben, den Tisch decken und feiern – das tut Gott für mich und für Sie – als Zeichen seiner Liebe – und im Angesicht von Verhaftung, Kreuzigung, Leid, Tod, Sterben, Hass und Gier. Er tut es also auch heute in 2014 sehr aktuell in unsere Welt hinein.
Wie betet Jesus damals:

24 Vater, du hast sie mir gegeben, und ich will, dass sie mit mir dort sind, wo ich bin. Sie sollen meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast, weil du mich schon liebtest, bevor die Welt geschaffen wurde. Joh 17, 24

Wir stehen vor der Passionswoche. Wir sind vielleicht belastet mit Sorgen und Not, mit unvergebener Schuld und mit Ängsten. Gottes Dienst mit allen Sinnen. Lassen Sie Sich beschenken von Jesus. Er liebt mich und Dich unfassbar und tief. Lass Dich einladen zu seinem Fest. Lass Dich verwöhnen mit Salböl und liebevoller Zuwendung. Lass Dir Schuld vergeben. Fang neu an. Gott möchte Dir als Liebe dienen. Erfasse es mit allen Sinnen.
Und – in einer Woche explodiert das Leben. Dann ist Ostern. Mach mit. Lebe – auch Du! Gott segne Dich.
Amen

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