Gezeichnete Tulpen und bunte Ostereier

Die Emmausjünger und die Auferstehung

Das Ereignis der Auferstehung ist entscheidend für den christlichen Glauben und für die Gemeinde. Es kann nicht nur an Ostern abgehandelt werden. Wie aber leben Menschen nach Ostern damit? Nehmen sie es wirklich ernst; gestaltet das Ereignis der Auferstehung Jesu Christi ihren Alltag. Bleibt es präsent, mächtig, wirksam?

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Die Emmausjünger
Reihe
Ostern
Datum
19.04.2015
Länge
36:52
Bibelstelle
Lukas 24, 13-35
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

13 Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist.
14 Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte.
15 Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen.
16 Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten.
17 Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen,
18 und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
19 Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk.
20 Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen.
21 Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.
22 Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab,
23 fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe.
24 Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht.
25 Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben.
26 Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen?
27 Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht.
28 So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen,
29 aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben.
30 Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.
31 Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr.
32 Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?
33 Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt.
34 Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen.
35 Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

Predigt

Liebe Gemeinde,

Wir machen uns das in unserer dahineilenden Zeit kaum bewusst: aber Ostern liegt wirklich erst zwei Wochen zurück! Das ist noch gar nicht lange her – und wie viel ist bereits wieder geschehen; wie viel hat sich bereits wieder dazwischen geschoben – zwischen diesen Ruf

„Der Herr ist auferstanden –
er ist wahrhaftig auferstanden“

und unseren Alltag.

Nur – das Ereignis der Auferstehung ist entscheidend für den christlichen Glauben und für die Gemeinde. Es kann nicht nur an Ostern abgehandelt werden. Wie aber leben Menschen nach Ostern damit? Nehmen sie es wirklich ernst; gestaltet das Ereignis der Auferstehung Jesu Christi ihren Alltag. Bleibt es präsent, mächtig, wirksam?

Deshalb soll es heute Morgen in der Predigt nachösterlich zugehen. So nachösterlich, wie das für die zwei Männer war, die am Abend nach der Auferstehung unterwegs waren. Wie leben Menschen nach Ostern? Lassen Sie uns nachschauen. Den biblischen Text haben wir ja schon gehört.

Hier gehen zwei einen Weg. Und ich möchte mit Ihnen zusammen diesen Weg nachgehen. Es ist ein Predigtweg mit 7 Etappen. Und am Ende sind wir, wenn’s gut geht, dort angekommen, wo überzeugte Zeugen Angst, Zweifel und Unwissenheit und Not verlieren – und Jesus Christus als den Auferstandenen bezeugen. Also – gehen wir los.

1. „Und sie redeten miteinander von den Geschichten“ – wie das wichtigste Thema verkannt wird

Man möchte meinen, hier wären zwei Märchenerzähler unterwegs und tauschten gegenseitig Geschichten aus, damit ihnen ihre Wanderung nicht zu langweilig wird. Was hier aber wirklich passiert, lässt einen Zuhörer stark aufhorchen: die „Geschichten“ – das sind Passion, Sterben und Auferstehung Jesu Christi. Die beiden Männer wissen bereits von den Frauen, die das leere Grab entdeckt haben. Über 12 Stunden ist Jesus schon auferstanden, vor über 12 Stunden ist das größte Ereignis aller Zeiten geschehen – und diese zwei reden miteinander von „den Geschichten“. – Auch das also ist nachösterlich. Und doch nicht nur damals auf dem Weg nach Emmaus. Man kann soviel Wichtiges zerreden. Die wichtigsten Dinge werden dann zum Geschwätz. Alles kann zerredet werden, wenn das Wesentliche unverstanden bleibt. Schöne Erfahrungen in der Gemeinde; Gebetserfahrungen anderer; Berichte über wunderbare Erhörungen; Glaubenserfahrungen mit Jesus – auch das alles kann zerredet werden – obwohl vor einer Woche Ostern war. Mangelndes Verstehen macht plumpe Gedanken. Was mögen diese beiden Männer an Unsinn geredet haben; was für irrige Schlüsse mögen sie gezogen haben.

Und wie viel Unnützes wird von der nachösterlichen Gemeinde heute geschwätzt – obwohl das leere Grab vor zwei Wochen Thema war! Überprüfen Sie sich einmal! Überprüfen Sie die letzte Woche! Haben Sie da gelebt wie Zeugen der Auferstehung? Oder konnte die Macht des Todes wieder zuschnappen und Trauer und Deprimiertheit wieder fest installieren in unseren Herzen? – Es folgt das nächste Wegstück!

2. „Ihre Augen wurden gehalten“ – wenn wir die Wirklichkeit nicht erkennen

Und jetzt verstehen wir gar nichts mehr. Da reden zwei über „diese Geschichten“. Und dann – steht der Auferstandene einen Schritt neben ihnen. Sie sehen ihn – und sehen ihn doch nicht. Denn ihre Augen werden gehalten. Sie sollen also Jesus nicht erkennen. Jetzt noch nicht!

Und ich frage mich: Wie oft mag es mir passiert sein, dass ich mein kleines Leben in der unmittelbaren Nähe des Auferstandenen gelebt habe – ohne es zu spüren. Da war Jesu so nahe bei mir – und ich erkannte ihn nicht. Warum? Warum werden hier Augen daran gehindert zu sehen? Und zu erkennen? Weil zwei menschliche Herzen schon vorher blind waren. Hier wussten zwei Menschen vom offenen Grab – und sind blind und taub für das Wichtige.
Und wieder: wie oft geht es mir so. Vom offenen Grab predigen ist eines. Aber es leben; leben in der tiefen Überzeugung: „Der Herr ist bei uns!“ – das ist ein anderes. Vor allem in schwierigen Lebenszeiten.
Und Jesus – Jesus ist hier barmherziger Seelsorger. Bis heute. Anstatt sich aufzubauen und mächtig aufzutrumpfen, anstatt wieder Wunderglauben zu wecken und über seiner Erscheinung alles Verstehen doch nur auszuschalten, will er mehr. Jesus will, dass diese beiden Menschen endlich verstehen; verstehen bis in alle Zusammenhänge hinein – und dann bis ins Innerste bewegt werden. Deswegen bleibt er hier noch verhüllt. Aber: er ist da! Er ist schon da!
Und dann:

3. „Und einige von uns gingen hin zum Grab“ – ein leeres Grab macht noch keine Auferstehungsfreude!

Da ist es nun wieder – das leere Grab. Diese zwei hatten alles Wesentliche mitbekommen. Sie wussten – und wussten nichts. Die verkannte Auferstehung. Und hier spüren wir: ein leeres Grab allein sagt noch gar nichts. Jesus wegtragen in irgendein Erdloch – das ging damals nicht. So ließ sich damals Auferstehungsfreude nicht erreichen! Denn schauen Sie: das Grab war leer. Und diese nachösterlichen Jünger verkennen die Situation. Sie haben nicht begriffen. Ihr Verständnis ist ebenso leer wie das Grab Jesu.

Und eigenartig – so geht das bis heute! Da kann ich monatelang, jahrelang mit Berichten anderer bombardiert werden, dass da einer nicht mehr, schon 2000 Jahre lang nicht mehr in seinem Grab liegt – und ich verkenne das alles und begreife nichts. Da kann es mir mein Mann, meine Frau, mein Nachbar, mein Sohn oder meine Tochter immer wieder bezeugen: es gibt keinen Leichnam Jesu mehr. Jesus ist nicht tot. Er ist auferstanden! – Und in mir rührt sich nichts. Da habe ich vielleicht die Osterpredigt vor einer Woche gehört. Da bin ich heute Morgen hier auf meinem Stuhl in diesem Gottesdienst. Und nun? Werde ich weiterhin unwissend bleiben? So kann man ein Leben lang die Auferstehung Jesu Christi verkennen. Die zwei da vor Emmaus wissen so viel – und doch wissen sie nichts. Sie wissen vom leeren Grab, aber: sie sehen nicht den Auferstandenen. Sie bleiben hilflos und traurig – zunächst. Aber dann?

4. „Und er fing an bei Mose und allen Propheten“ – wenn die Bibel spannend wird

Das ist ja ein Irrglaube bis heute: dass die Auferstehung Jesu, dass das Kommen des Sohnes Gottes zu uns Menschen, dass seine Art zu leben, zu leiden und zu sterben – dass das alles so völlig unverbunden, so wie ein fremder erratisch – archaischer Block in dieser Welt steht. Ohne Hintergrund. Ohne Vorankündigung. Ohne Erklärung. Empfinden Sie das auch manchmal so – dieses ganze Geschehen um Karfreitag und Ostern? – Aber das ist nicht wahr! Genau das macht Jesus seinen Jüngern auf dem Weg nach Emmaus damals klar: er macht sich die Mühe der Schriftauslegung. Deshalb dürfen diese beiden ihn noch nicht entdecken. Sie sollen zunächst hören – hören auf das Altbekannte – aber richtig hören. Und dann endlich verstehen!!
Jesus legt Heilige Schrift aus, und er macht klar: Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Das Leben, Leiden und Sterben, aber auch die Auferstehung Jesu – das musste so ablaufen damals! Das konnte gar nicht anders laufen. Das war ein paar hundert Jahre vorher so prophezeit worden. Das war Offenbarung Gottes – lange vor der Geburt Jesu!!
Können Sie Sich das vorstellen? Lesen Sie daraufhin doch einmal die Gottesknechtlieder von dem leidenden und zerschundenen Gottesknecht. Hören Sie dieses alte Wort doch einmal so, wie es gemeint ist: als Wegbeschreibung des Retters – Jesaja 53, 7ff:

„Er wurde misshandelt, aber er duldete es ohne ein Wort. Er war stumm wie ein Lamm, das man zur Schlachtung führt. Und wie ein Schaf, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird, hat er alles widerspruchslos ertragen. Man hörte von ihm keine Klage.“ usw. Jesaja 53, 7ff

Da ist doch alles gesagt! Da braucht keiner mehr auf die Idee zu kommen, den Leichnam Jesu zu stehlen und dann etwas von Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu erfinden. Es ist doch alles klar!
Und sehen Sie – das ist die Kraft des Wortes Gottes. Daher kommt die Kraft aller Predigt. Heute Morgen soll – und das gilt für jeden unserer Gottesdienste – heute Morgen soll hier keiner zu irgendetwas überredet werden. Gott selber legt sein Wort aus. Von dieser Verheißung lebt die Kirche, lebt die Gemeinde Jesu bis heute.
Gott legt sein Wort heute so aus, wie er es damals durch seinen Sohn den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus auslegte. Und was passierte damals: so langsam dämmerte es den beiden Männern: Ja, hier war mehr als ein leeres Grab und ein paar verworrene Sätze von einigen hysterischen Frauen. Hier war Erfüllung von Verheißungen! Die Errettung der Menschen war dann vor Grundlegung der Welt schon beschlossene Sache; sie war Hunderte von Jahren vor dem entscheidenden Ereignis prophezeit worden. Welche Sicherheiten braucht es eigentlich noch, um zu verstehen? Wann begreifen wir alle das alles?
Der fünfte Schritt:

5. „Und als er mit ihnen zu Tische saß, nahm er das Brot“ – das Abendmahl öffnet die Augen für Gottes Realitäten

Jesus hat bisher Heilige Schriften ausgelegt. Das entscheidende aber kündigt sich hier erst an, als Jesus selber das Wort Gottes wird. Hier setzt sich das fleischgewordene Wort zu Tisch – und offenbart sich selbst.

Was für eine Dynamik hat Lukas als der Berichterstatter in diese Emmausschilderung gelegt. Spüren Sie das? Und ihm mögen selber die Tränen in den Augen gestanden haben, als er damals diese ergreifende Szene aufgeschrieben hat: Jesus setzt sich mit seinen Gastgebern zu Tisch. Alles noch normal. Dann nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen – und jetzt spüren wir bis in die Formulierung des griechischen Textes hinein: jetzt wird die Begegnung des Auferstandenen mit diesen beiden Männern ungemein dicht. Denn diese beiden spüren mit jedem Wort ihres Gastes: hier wiederholt sich etwas, hier vor ihren Augen und Ohren – das kennen sie doch schon – und das erinnert sie, erinnert sie immer stärker an das, was vor drei Tagen passiert war. Aber – ja, konnte das denn sein? Was ging auf einmal hier vor?
Als Jesus sich mit seinen Jüngern an den Tisch setzt, da werden ihnen mit Macht die Augen für Gottes Realitäten geöffnet!

Und nicht umsonst ist das Abendmahl der Gemeinde Jesu bis heute ein Zusammensein voller wesentlicher Aussagen. Das Abendmahl ist heute und war schon in den Tagen der Alten Kirche Wort Gottes – in sichtbarer Gestalt. Abendmahl ist der Ort der Klarheit – und Ort der Klärung. Ort der Gemeinde und der bewährten Bruderliebe. Ort, an dem quälende Fragen, Zweifel und Anfechtungen zu froher, fester Gewissheit und neuer Hoffnung werden wollen.
Haben Sie das schon einmal erlebt, beim Abendmahl? Wann zuletzt?

Bei den Emmausjüngern jedenfalls explodierte damals die Erkenntnis, als sie mit Jesus zu Tisch saßen!!

6. „Da wurden ihre Augen geöffnet“ – der Auferstandene lebt wirklich!

Wo Menschen zum wichtigsten Thema kommen, wo das Thema auf dem Tisch ist, da ist der Auferstandene nicht weit! In der Art und Weise, wie Jesus das Brot austeilt, erkennen diese beiden Menschen plötzlich und blitzartig: „Das ist ja der Herr. So hat er das immer gemacht. Jesus lebt!“
Können Sie sich vorstellen, wie da eine Welle des Verstehens und Empfindens durch diese beiden Männer schwappt, wie sie augenblicklich mitgerissen werden in diese Erkenntnis: dieser Fremde vor uns, das ist keine anderer als Jesus Christus selber; es ist der, den wir mit unseren eigenen Augen am Kreuz gesehen haben; es ist der, dessen Leichenzug wir bis zum Grab mit begleitet haben. Und nun – sitzt er leibhaftig vor uns – und teilt mit uns Brot und Wein! – So ist das, wenn Menschen die Augen geöffnet werden und sie dann Gottes Wirklichkeit sehen können!

Allerdings – Begreifen, Ergreifen und Verlieren liegen hier so furchtbar eng beieinander. So nah waren diese beiden Menschen Jesus. Stundenlang hätten sie ihn nun umarmen und festhalten mögen. Und dann – verlieren sie ihn wieder aus den irdischen Augen.
Wir erleben so etwas ja manchmal im Traum nach. Einige Wochen nach dem Tod meines Vaters sah ich ihn im Traum auf einmal wieder. Und im Traum begriff ich das Außergewöhnliche und Besondere, und dann habe ich ihn umarmt und gefragt und im Traum gehofft, dass das jetzt kein Traum wäre. Aber natürlich war das ein Traum, und auf dem Höhepunkt der Gefühle erwachte ich – traurig, aber auch dankbar für diese außergewöhnliche Begegnung. Ergreifen – und verlieren liegen so eng beieinander. – So auch damals.

Jetzt, da diese beiden Männer den wertvollsten Gast erkennen, wo sie erfassen, was das für sie bedeutet – da entzieht er sich ihnen auch schon. Da wird er für sie nicht mehr greifbar.

Schauen Sie – auch für die Jünger von Emmaus war Jesus nicht mehr greifbar. Auch diese beiden hatten ihn nicht zum Anfassen nahe – nicht so, wie sie wollten. Aber jetzt war das für diese beiden Männer nicht mehr wichtig! Sie hatten den Auferstandenen erlebt. Sie hatten verstanden: Er lebt! Er lebt! Die Nachhilfestunde Jesu, sein bibelkundlicher Exkurs durchs Alte Testament – und die Offenbarung zu Tisch – das alles war erfolgreich beendet. Und fortan war die Beziehung dieser Menschen zu ihrem Herrn fest. Auf einmal wurde aus dieser Begegnung ein „Christsein zum Anfassen“! Alle Zweifel, alle Ängste, alle Resignation, alle Geschichtenerzählerei – alles verflogen. Ihnen waren die Augen geöffnet worden. Und dann – hatten sie wohl genug gesehen, um für immer verstanden zu haben!!

Wie ist das bei uns? Haben wir endlich begriffen? Der auferstandene Herr kann auch eine Woche nach Ostern noch Zweifel, Anfechtung, Sorgen, Schuld, Not und Trauer aus unserem Alltag herausreißen. Und er wird es tun – er wird uns die Augen öffnen, wann immer wir ihn darum bitten. Er, der Auferstandene selber, will uns erleben lassen: Jesu lebt! Er will uns so erfüllen mit dieser Gewissheit, wie er es damals den Jüngern zu Emmaus geschenkt hat. Auch die beiden damals hatten ihn nach kurzer Zeit nicht mehr zum Greifen und Anfassen nahe – und doch wurde ihr Leben ein für alle Mal verändert! Wie, das erleben wir auf der 7. Wegetappe:

7. „Brannte nicht unser Herz in uns?“ – gelebte Auferstehung

Am schönsten in dieser Erzählung der Jünger zu Emmaus empfinde ich diesen Satz: „Brannte nicht unser Herz in uns?“
Jetzt, da sie Überzeugte sind, jetzt, da sie begriffen haben und neu und eigentlich erst richtig glauben an den Auferstandenen – jetzt, da sie begreifen, wer die ganze Zeit schon mit ihnen unterwegs war – jetzt erinnern sie sich und spüren: „Wir haben’s ja empfunden.“
Das kann’s ja nicht geben, dass Jesus zwei Menschen so nahe kommt, und dass seine Gegenwart nicht irgendwie spürbar wird – spürbar wird im Lebenszentrum, im Herzen. Wenn Jesus in seiner Liebe und Kraft so nahe ist, das müssen Menschenherzen spüren – da brennt seine Liebe! Und da brennt die Vorfreude aufs Erkennen. Wo diese beiden Menschen es noch nicht verstehen mit ihrem Verstand – da haben’s ihre Herzen bereits wahrgenommen und – brennen!

Wir Menschen sind ja so dumpfe Geschöpfe. Bis wir überzeugt sind, bis wir’s begriffen haben, hat Jesus schon so lange in uns gewirkt, ist er schon so lange mit uns unterwegs gewesen, um uns Verständnis zu schenken. Jeder Mensch, der zum glaubenden Vertrauen auf Christus findet, ist schon lange vorher in Begleitung des Herrn Jesus gewesen. Sein Herz hat’s vielleicht gespürt. Aber noch nicht sein Verstand.

Und ich brauche kein Prophet zu sein, wenn ich sage: Heute Morgen gibt’s hoffentlich Menschen hier in diesem Raum, da hat das Herz schon längst begriffen, dass Jesus lebt, dass er da ist, dass er sie liebhat. Aber der Verstand hinkt noch hinterher. Der sorgt sich, der zweifelt, der hält das alles für irgendwelche Geschichten. Der will noch überzeugt und überwunden werden von der Kraft des auferstandenen Christus. Erst danach, wenn alles klar ist, dann spüren wir vielleicht auch: Ja, brannte nicht schon unser Herz in uns? Diese Freude, sie war doch schon da, noch ehe der ganze Mensch begriffen hatte!

Gott segne alle die, deren Herzen brennen und deren Verstand noch zögert! Jesus ist ganz nahe! Er ist schon mit Ihnen unterwegs! Seine erklärenden Worte dringen an Ihr Ohr; vielleicht auch heute Morgen. Das Ziel ist fast erreicht.

Und – was ist das Ziel? Am Schluss dürfen Menschen erleben: „Wir sind restlos überzeugt!“

Das leere Grab kannten sie schon! Sogar die Botschaft vom leeren Grab war schon über ihre Lippen gekommen.
Aber Zeuge und Zeuge ist ein Unterschied. Auch Christ und Christ – das kann ein Unterschied sein.
Denn nur die durch Christus Überzeugten lassen sich dann hören. Nur die überzeugten Zeugen machen die Türen wieder auf – mutig – und riskieren was.

Ostern und Ostern ist ein Unterschied.
Wie steht’s bei uns – zwei Wochen nach Ostern? Alles wieder beim Alten? Ostern wie jedes Jahr? Alle Jahre wieder?

Oder lebst Du durch Ostern von der Hoffnung auf die Auferstehung von den Toten? – Meine Frau und ich freuen uns schon auf einen bestimmten Augenblick, und wenn wir an ihn denken, erfüllt uns richtige Auferstehungsfreude. – Wir haben vor 32 Jahren gleich nach der Geburt unseres zweiten Kindes Stefan dieses Kind bald darauf wieder verloren. Es war nicht lebensfähig – PotterSyndrom. – Und wir freuen uns auf den Augenblick, wenn wir – jeder wahrscheinlich unterschiedlich bald – da oben im Himmel auftauchen dürfen. Und der erste, der uns dann entgegenkommt – so stellen wir uns das vor – ist dieser Sohn Stefan – ohne Behinderung, aber erkennbar ausgewachsen. Und der klopft mir kräftig auf die Schultern und sagt: „Mensch, Alter – hast Dir ja ganz schön viel Zeit gelassen da auf dem komischen Planeten. Aber jetzt ist ja alles gut. Jetzt bist Du ja hier aufgetaucht. Und jetzt darf ich Dich Jesus vorstellen. Und dann zeige ich Dir den Himmel. Ist nämlich echt schön hier oben. Unvorstellbar schön.“

Diese Welt, liebe Gemeinde, braucht auch nach Ostern 2015 überzeugte Zeugen mit brennenden Herzen und dem Mut, durch Türen zu schreiten, die der Auferstandene selber ihnen öffnet, um mit dem Osterruf und zur eigenen tiefen Ermutigung zu bekennen: „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“ – Die Ewigkeit steht offen. – Mir und Dir. Und allen, wirklich allen Menschen!!!

Amen

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