Gerd Ballon am 06.12.2015 bei der Predigt zum Thema "Macht hoch die Tür!"

Gemeinde Jesu Christi – immer ein Grund zu danken!?

Es gehört sicherlich zu den Kardinalfehlern der Christen, immer viel zu schnell herumzukritisieren. Der Dank bleibt auf der Strecke. Und so kann sich die Atmosphäre in einer Gemeinde verschlechtern, obwohl eigentlich recht viel Dankenswertes geschieht. Zum Wesen von Gemeinde aber gehört Dankbarkeit. Auch Dankbarkeit für die Gemeinde. Deshalb soll heute im Gottesdienst einmal dieser Dank stehen. Daher heute morgen dieses wirklich schöne und Mut machende Wort aus dem 1. Kor. 1

Lassen Sie uns schauen, was Paulus als Gottes Bote meint.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Gemeinde Jesu Christi – immer ein Grund zu danken!?
Reihe
Datum
06.09.2015
Länge
32:05
Bibelstelle
1. Korinther 1,4-9

Lesungstext

4 Ich danke Gott jederzeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus geschenkt wurde,
5 dass ihr an allem reich geworden seid in ihm, an aller Rede und aller Erkenntnis.
6 Denn das Zeugnis über Christus wurde bei euch gefestigt,
7 sodass euch keine Gnadengabe fehlt, während ihr auf die Offenbarung Jesu Christi, unseres Herrn, wartet.
8 Er wird euch auch festigen bis ans Ende, sodass ihr schuldlos dasteht am Tag Jesu, unseres Herrn.
9 Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn.

Predigt

1. Für welche Gemeinde kann man danken?

Paulus also schreibt einen Brief an die Gemeinde. Nicht an irgendeine Gemeinde, sondern an die in Korinth. Und er schreibt auch nicht in eine spannungsfreie Situation hinein! Diese Gemeinde war vor kurzem nicht sehr liebenswürdig mit ihrem Apostel umgegangen. Herumgehackt hatte man auf dem armen Paulus, was sein Rücken aushielt. Es war nicht sehr schön für ihn gewesen.

Sagen wir also: es ging ganz normal zu damals in Korinth. So wie es bis heute eben auch geht in der christlichen Gemeinde allgemein. Und ich denke, dass das im Fürstenfeldbrucker Umland auch so ausschauen wird.

An diese Gemeinde schreibt Paulus nun. Und er tut angesichts dieser Situation etwas für uns vielleicht Seltsames: er dankt! Und wir dürfen ihm das schon glauben: er dankt aus sicher ehrlichem Herzen! Pls steht dieser Gemeinde betend und freundlich gegenüber. Pls übersieht nicht einfach das, was nicht gut ist und was sich ändern muss in Korinth. Und er hat Verletzungen genauso erlebt und gespürt wie wir heute. Aber er hat die Fähigkeit von Gott geschenkt bekommen, über das alles hinauszublicken auf noch Wichtigeres – und das ist des Rätsels Lösung. Das macht die Kraft dieser Verse hier aus. Der Dank des Pls meint nicht: „Wie schön das alles doch bei Euch ist. Prima läuft’s! Wir können mächtig stolz aufeinander sein.“

Oh nein! Paulus war nicht feige und schlich nicht um den heißen Brei herum. Er macht an anderer Stelle im Brief sehr deutlich, wo er die Gemeinde in Schuld verstrickt und dringend der Umkehr bedürftig ansah.

Aber was Paulus jetzt hier sieht – mitten in der Gemeinde – das ist der lebendige Herr. Jesus steht inmitten dieser seiner Gemeinde. Er hat diese unterschiedlichen Menschen berufen. Er hat sie befreit von einem falschen Weg. Er liebt sie unendlich. So wie nur der Erlöser Menschen lieben kann. Und Jesus beschützt seine Schar in Korinth nach allen Seiten hin. Jesus hält es gut aus in seiner Gemeinde – bei allem, was da nicht so gut aussah. Denn dieser Herr kennt seine Erlösten zu genau, als dass er nicht wüsste: „So, wie ich mir meine Nachfolger vorstelle – die, die zu meiner Gemeinde dazugehören – so werden sie leider niemals sein. Nicht von sich aus, und nicht dauernd.“

Jesus hatte das bei seinen 12 Jüngern erlebt, lange bevor die Gemeinde in Korinth gegründet wurde. Gemeinde Jesu ist eine Schar der Unvollkommenen, Fehlerhaften, der viel zu oft Unerfreulichen; der geistlich labilen und oft feigen Nachfolger. Aber Jesus weiß das. Und gerade deshalb ist er ja mitten unter uns. Gerade deshalb hat er uns ja so lieb. Was täten wir Schwächlinge denn ohne ihn? Wir brauchen ihn doch ganz besonders dringend.

Das alles weiß Paulus genau. Der Herr hat ihm die Augen geöffnet. Und deshalb kann Paulus frohen Herzens danken und beten für diese Gemeinde.
Und ich sag’s ehrlich: ich wünsche mir den Blick des Paulus für mich und für Dich! Ich wünsche mir, dass wir diesen Blickwinkel immer parat haben. Besonders aber dann, wenn unser heimlicher Brief an unsere Gemeinde einen Überhang bekommen könnte – ins Klagen, in Beschwerden, in Ärger und Enttäuschung. Gerade dann brauchen wir den Blick Jesu auf unsere Gemeinde. Denn dann verstehen wir:

Eine Gemeinde, die ihren Herrn Jesus Christus im Mittelpunkt hat, die ihn als Herrn will und in der er als Herr wirkt, eine solche Gemeinde ist immer ein Grund zum danken und zur Freude über Gottes Tun. Immer!

Also nochmals: Gemeinde Jesu, Gemeinde mit Jesus in ihrer Mitte, ist immer ein Grund zum danken!! Denn der Herr steht im Zentrum unserer Gemeinde und passt auf uns auf – und wirkt! Ganz sicher! Auch hier bei uns in FFB.

2. Was macht eine Gemeinde reich?

Tja, was macht eine Gemeinde reich? Was fördert die Karriere? Schöne Gottesdienste, schöne Gemeindezentren, viele Mitarbeiter, ausreichend finanzielle Mittel?

Paulus kennt diese Gedanken schon damals. Und er sagt: „Schön und gut, aber was ist denn nun mit Gemeinden, die keine so großen Häuser haben, die nicht angesehen sind, sondern unscheinbar? Wo die Mitarbeiter nicht zugeflogen kommen? Wo man statt der missionarischen Wochen mühsam viele Einzelkontakte pflegt; wo Menschen, wenn überhaupt, sich im Stillen bekehren?“

Pls sagt: „Nicht verkürzt denken! Ihr müsst schon etwas genauer hinsehen“. – Und wir möchten ihm natürlich sofort recht geben – nur: geben wir ihm auch in unserem Herzen recht?

Selbstgefälligkeit und Stolz entstehen ja zunächst unter der Oberfläche unseres Herzens. Und leider haben unsere Herzen noch immer ausreichend Platz für Selbstgefälligkeit und Stolz über Äußerlichkeiten – auch wenn wir eigentlich wollen, dass alles in uns mit Liebe und Treue ausgefüllt ist.

Pls sagt: Ihr müsst schon etwas genauer hinsehen. Erst dann werdet Ihr den wahren Reichtum einer Gemeinde aufspüren. Er sitzt nicht nur gleich an der Oberfläche. Er sitzt auch nicht bloß in meinem Verantwortungs – und Arbeitsbereich in der Gemeinde. Wenn es bei mir in der Gruppe, die ich zu verantworten habe, nicht klappt, deswegen geht das Gemeindeschiff noch lange nicht unter.

Pls sagt den Korinthern – und er sagt es uns: Ihr seid reich. Wirklich – sehr reich. Ihr habt einen großen Reichtum an Gaben. Gott hat Euch durch jeden Menschen, der in der Gemeinde lebt, Gnadengaben geschenkt. Es gibt so viele Glieder an dem Leib der FeG Fürstenfeldbruck: Lehrer, Propheten, Evangelisten, Seelsorger, Dienende, Ideenreiche, Gestalter, Tröster, Ermahner, Ermutiger, Menschen mit der Gabe der Liebe; Menschen, die Erbarmen weitergeben können! Menschen der Treue! Es ist soviel da. Und miteinander sind wir ein gesunder, funktionsfähiger Körper.

Ihr lieben Menschen hier in FFB, wir haben alle viele Macken. Aber wir haben auch viele Begabungen. Denn den Reichtum Gottes zu erleben macht so froh! Hier ist eine Fülle an Reichtum. So viele Gaben und soviel treue Liebe zu Jesus Christus. Soviel Liebe zueinander und Erbarmen und Freude. Da sind Äußerlichkeiten nicht mehr wesentlich. Gemeinde – das sind die Menschen, nicht die Gebäude und der öffentliche Ruf.

Arm wird eine Gemeinde nämlich nur, wenn die einzelnen Menschen ihren Gabenplatz verlassen oder erst gar nicht einnehmen. Wenn man herumredet, aber nichts tut. Wenn man einander kritisiert, ohne es besser zu machen. Das sind doch die abschreckenden Beispiele in den Metropolen ehemaliger Erweckung: Gemeinden mit prächtigen Bauten und hohem Spendendurchfluss – nur mitmachen will niemand mehr. Und ein paar wenige Treue schuften sich zu Tode.

Und, liebe Gemeinde, das ist es, wovor ich Angst habe. Wie werden wir als Gemeinde mit unseren Mitarbeiteraufgaben fertig werden? Wie mit Ermüdungserscheinungen bei Altgedienten? Wie mit dem Absacken in den persönlichen Erlebnisdschungel. Mich erschrecken in den letzten Jahrzehnten die Geschwister in unseren Gemeinden, die sich in diesem Erlebnisdschungel wie Tarzan an Lianen immer weiter in die grüne Hölle hinein schwingen – und dabei in der Gefahr sind, sich immer mehr von der Gemeinde zu lösen. – Und viele fragen nicht mehr: was bedeutet es den anderen Gottesdienstbesuchern, dass ich regelmäßig dabei bin – sondern nur noch: was bringt es mir?

Dort aber, und nirgendwo sonst, beginnt die Verarmung der Gemeinde Jesu. Und der Herr segne und bewahre uns miteinander davor, unseren unermesslichen Reichtum achtlos zu opfern und zu verarmen – diesen Reichtum an Gaben, an Willigkeit, an Charisma, an Gebefreudigkeit in der Mitarbeit, an Liebe zum kleinen Anfang im Leben eines Menschen usw. Gott bewahre uns davor.

Paulus sagt: Ja, das ist Armut. – Ihr aber seid reich. Und er sagt noch mehr. Reich seid Ihr auch, sagt Pls, weil das Evangelium in Euch fest gegründet ist. Es ist verankert in Euren Herzen. Und das bedeutet, Gott sei Dank, dass es gar nicht so einfach ist, einen von Euch von der Frohen Botschaft und aus der Gemeinde abzuziehen. Schließlich sind wir von Jesus selber verankert. Und die Kette hält mehr aus, als wir glauben. Da kann man keinen so einfach losreißen.

Und, so sagt Paulus weiter: Gott segnet durch Euch sein Botschaft an den Menschen. Das Evangelium zeigt Wirkungen, wenn Ihr es bezeugt. Die Kraft Gottes ist durch Euch im Heiligen Geist wirksam.

Was macht eine Gemeinde reich? Wer tiefer schaut als bis auf die Oberfläche, der weiß: nicht Bauwerke, nicht florierendes Gemeindeleben, sondern – der Herr macht reich. In Gaben, am Evangelium und an seiner Zukunft. Auch deshalb wieder haben wir allen Grund, dankbar zu sein heute Morgen! Denn wir verfügen über einen gottgeschenkten großen Reichtum. Du, freu Dich doch mit heute morgen.

3. Welche Gemeinde hat Zukunft?

Bestimmt nicht die Gemeinde hat Zukunft, die sich auf Persönlichkeiten, Ämter, kurz: auf Menschen gründet! Eine solche Gemeinde geht unter. Irgendwann – spätestens am jüngsten Tag!“

Pls sagt das unmissverständlich: „Gott wird Euch Festigkeit verleihen. Gott wird gerecht sprechen. Frei von Tadel werden nur die sein, die sich nicht auf Menschen, sondern auf Gott verlassen.“

Pls setzt einen neuen Akzent! Er sagt an anderer Stelle: „Nein, nein! Nicht der Zukunftsgarant oder gar der Herr über Euren Glauben bin ich. Das würde mich unfrei machen und in Lüge verstricken! Das kann kein Mensch schadlos und schuldlos überstehen. Nein, der Herr über Eure Zukunft und Euren Glauben ist Gott! Er hat ihn geschenkt! Er kann ihn allein erhalten und segnen. Er hält das alles fest und sorgt auch in Zukunft für Euch.“

Und deshalb – deshalb braucht die Gemeinde Jesu weltweit nicht angstvoll oder gar enttäuscht auf ihre geistlichen Leiter zu schauen. Diese Leiter sind wichtig, keine Frage. Und es wäre sicherlich auch falsch, geistliche Leiterschaft nun ganz herunterzuspielen und dadurch wiederum Menschen zu verletzen. Wir dürfen in unserer Gemeinde dankbar sein, wenn wir gute Leiter haben. Die Gemeinde Jesu wird immer Frauen und Männer brauchen, die den Mut haben, Entscheidungen zu treffen und zu führen. Aber diese Männer und Frauen werden nur in dem Maße brauchbar und wichtig sein, indem und solange sie in der unmittelbaren Abhängigkeit von Christus bleiben. Das wird sie in Demut halten und zu kritischer Selbstbeobachtung ermutigen.

Nur: sie sind letztlich nichts gegen den die Gemeinde gründenden und erhaltenden Herrn. Jesus Christus bringt uns durch – kein anderer. Weil er inmitten seiner Gemeinde stehen bleibt, wird diese seine Gemeinde als unsträfliche, als seine geläuterte Schar das Reich Gottes erblicken.

Deshalb hat die Gemeinde Jesu, deshalb hat auch unsere Gemeinde hier in FFB, Zukunft. Deshalb haben wir allen Grund, dem Apostel Paulus in seiner Haltung zu folgen und nicht auf Menschen zu blicken, sondern auf den Herrn Jesus Christus.

Worum geht es uns heute Morgen?

Es geht darum, dass wir, jeder einzelne, dort sind, wo der Herr Jesus ist. Und der ist inmitten seiner Gemeinde, indem er seinen Reichtum austeilt und bis ans Ende aller Tage für sie sorgen wird.

Deshalb gehört jeder, der Christ sein will, auch dorthin: in das Gefüge einer lebendigen Gemeinde – als Glied an einem Leib – und bitte höre – bei aller kritischen Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen und Hässlichkeiten – dankbar, reich und hoffnungsvoll!
Es ist ja wahr: der Umgang miteinander ist nicht immer unproblematisch und braucht viel Liebe und Vergebung.

Und Freude und Dankbarkeit für meine Gemeinde sind nicht selbstverständlich, sondern wollen wachsen und brauchen Pflege.

Hinter und vor und neben allem aber steht Jesus Christus. Er hat seine Gemeinde lieb. Er gibt uns Mut. Er schenkt Versöhnung. Er vermittelt Hoffnung. Und wir dürfen nachfolgen und vertrauen.
Dazu aber segne uns der barmherzige Gott!

Und der möge es schenken, dass wir am Ende dieses Jahres manche neuen Impulse zum Thema „Wesen der Gemeinde Jesu“ empfangen haben, dass wir sogar manches in unserem Leben umgesetzt haben und im Glauben gewachsen sind. Wie schön, wenn wir auch dann sagen könnten: „Für unsere Gemeinde können wir weiterhin anhaltend danken!“ Gott segne uns dazu.

Amen

Kommentar verfassen