Mit einem offenen Haus, einem Kaffee und einem Lächeln Vorurteile abbauen und Vertrauen aufbauen

Nachbericht zum Gottesdienst „Flüchtlinge – immer noch willkommen?!“

Fürstenfeldbruck (dk): Zusammen mit dem 2. Bürgermeister Erich Raff sowie zahlreichen Stadträten feierte die Freie evangelische Gemeinde (FeG) Fürstenfeldbruck am 8. November einen besonderen Gottesdienst, der der Brucker Bevölkerung Mut machte, sich gegenüber Menschen aus anderen Kulturen aufgeschlossen zu zeigen und der für eine Kultur des Willkommens und des wertschätzenden Miteinanders in Fürstenfeldbruck warb. Eine zentrale Frage des Gottesdienstes war, wie man Vorurteile in der Bevölkerung abbauen könne. Die persönlichen Statements von zwei Flüchtlingen und von zwei ehrenamtlichen Helfern aus dem Asylhelferkreis lieferten hierzu bewegende und aufschlussreiche Antworten:

Inge Ammon, die selbst 1945 aus Ostpreußen fliehen musste, hat die Erfahrung gemacht, dass sich die Einstellung der Bürger ändert, sobald sie persönlichen Kontakt zu Asylsuchenden und Flüchtlingen bekommen; es wachsen Liebe und Vertrauen. Sie warb dafür, dass sich die Bürger ihrem Beispiel anschließen und ihre Häuser öffnen. Vor drei Jahren hat Inge Ammon, die ehrenamtlich im Brucker Asylhelferkreis mitarbeitet, ihr Reihenhaus in eine WG umgewandelt und beherbergt seitdem eine Person, zurzeit einen anerkannten Asylbewerber. Im Zusammenleben mit den Fremden lernen beide Seiten gegenseitig etwas über den Glauben, die Kultur, die Landessitten des Anderen.

Die Leiterin des Asylhelferkreises, Birgitt Epp, schlug in eine ähnliche Kerbe und plädierte dafür, dass mehr Bürger in die Asylbewerber-Unterkünfte am Hardtanger fahren, dort mit den Flüchtlingen reden oder einfach nur einen Kaffee mit ihnen trinken. Schon mit solch einfachen Aktionen können Vorurteile abgebaut werden. Manchmal reicht schon ein tröstendes oder aufmunterndes Wort, um bei den Fremden ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern und Dankbarkeit zu bewirken.

Notwendig ist es aber auch, dass die Asylbewerber von ihrer Seite aus auf die Einheimischen zugehen und offen sind. Mehdi Hemation aus dem Iran, der mit seiner Frau und seinen zwei Kindern vor fünf Jahren aus dem Iran geflohen ist, findet es aus eigener Erfahrung wichtig, dass die Asylbewerber schnell deutsch lernen, sich integrieren wollen und Eigeninitiative zeigen. Er hat schon früh gelernt, dass es für einen Fremden gut ist, sich an die deutschen Gepflogenheiten anzupassen, d.h. z.B. nicht zu lügen und fleißig zu sein.

Viola Nassazi aus Uganda, die vier Kinder hat und 2013 über Kenia und die Türkei nach Deutschland geflohen ist, berichtete in einem bewegenden Statement über ihr persönliches Schicksal, die Traumatisierung durch den Bruder ihres verstorbenen Ehemanns und ihre Flucht, die sie über Kenia und die Türkei weiter über Bulgarien und Ungarn bis nach Deutschland führte. Drei ihrer Kinder leben noch mit ihrer Mutter in Uganda. Die Trennung von ihren Kindern und die Erinnerung daran macht ihr sichtlich schwer zu schaffen.

Pastor Gerd Ballon wies in seiner Predigt darauf hin, dass Christen sich in ihrer Einstellung gegenüber Flüchtlingen an dem Jesuswort aus Mt. 25,34 über das Weltgericht orientieren können: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ Für ihn gibt es „keine lebbare Alternative zu Achtung, Wertschätzung und Barmherzigkeit gegenüber Menschen auf der Flucht und in der Fremde.“ Er gab den Gottesdienstbesuchern eine Herausforderung mit auf den Weg: wenn auf einmal in unserer Gesellschaft und in unserem Leben der Wind des Wandels weht, dann bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.

Woran wirst du mitbauen?

 

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