Gerd Ballon am 06.12.2015 bei der Predigt zum Thema "Macht hoch die Tür!"

Bitte ein Plätzchen – Herr Wirt!

Es geht nicht um die köstliche Backkunst in der Fastenzeit im Advent – Es geht um einen – oder auch meinen – Platz an der Krippe Jesu in Bethlehem – damals und heute.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
„Bitte ein Plätzchen – Herr Wirt!“ – Andacht am Heiligen Abend
Reihe
Datum
24.12.2015
Länge
[Länge (siehe unten)]
Bibelstelle

Lesungstext

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Predigt

Liebe Gemeinde,

heute abends und morgen früh wird das Thema fast dasselbe sein: „Bitte ein Plätzchen“…
Das ist sogar ein wenig zweideutig. Aber es geht mir nicht um die köstliche Backkunst in der Fastenzeit im Advent – Es geht um einen – oder auch meinen – Platz an der Krippe Jesu in Bethlehem – damals und heute.

Die Krippe hier vorn bietet viele Möglichkeiten, sich zu identifizieren und seinen Platz zu finden. Und wir haben vor ein paar Jahren festgestellt: wenn ich mich als Esel an der Krippe verstehe, ist das eine hervorragende Position. Denn die Bibel macht deutlich: dann habe ich verstanden: hier, zur Krippe Jesu, da gehöre ich wirklich hin. Da ist mein Plätzchen. Da schenkt Gott mir, was ich zum Leben brauche.

Aber – was ist mit einer der Hauptpersonen damals um das Krippengeschehen. Ich meine den Wirt. Den Wirt der Übernachtungseinrichtung damals in Bethlehem. Übrigens, in der Erzählung des Lukasevangelium wird er nirgendwo erwähnt. Irgendwann stehen zwei Menschen vor ihm, die noch sehr junge Mutter, vielleicht sogar auf einem Esel hockend (wir wissen es ja nicht). Der schon etwas reifere Mann an ihrer Seite schaut den Wirt mit bittenden Augen an, die Absagen und unfreundliche Blicke gewöhnt sind, und sagt: „Bitte, Herr Wirt – ein Plätzchen! Wir sind lange unterwegs. Und meiner Frau geht es nicht gut. Sie wird in Kürze ihr Kind bekommen. Bitte – nur ein Plätzchen für uns.“

Tja, der Wirt damals. Und Du und ich heute, am Heiligen Abend 2015. Einige seiner Kollegen haben diesem Paar vorher gewiss schon einige harsche Worte gesagt. „Lasst mich in Ruhe. Das Boot ist voll!“ – „Geht doch dahin zurück, wo Ihr hergekommen seid.“ – „Was schert mich, ob Ihr zu einer Volkszählung nach Bethlehem gekommen seid.“ – „Ich habe ja selber nicht genug für die eigenen Familie.“

Und unser Wirt hier jetzt?

Vielleicht war er herausgerufen worden aus seinem Schankgeschäft. Was wollten alle diese vielen Menschen von ihm? Sahen sie denn nicht, dass hier alles belegt war? – Und dann schaute er auf einmal genauer hin: er sah dieses blutjunge, völlig erschöpfte Mädchen, hochschwanger. Und er sah den verzweifelten, sorgenvollen Blick des Vaters, der eigentlich viel zu alt war für diese junge Frau. Und dann macht es klick in seinem Herzen. Er versucht zu lächeln und sagt vielleicht: „Hier drinnen ist alles besetzt. Bis auf den letzten Platz. Volkszählung eben. Wie eine Völkerwanderung das Ganze. Aber egal. Wir schaffen das. Ich kann euch doch nicht hier draußen herumsitzen lassen. Schaut, dort drüben, die Grotte. Dort bei der Futterkrippe und dem Ochsen. Wenn Euch das erst mal reicht: dann herzlich willkommen.

Liebe Gemeinde, dieser Wirt hier. Ein Zaungast also war er in unmittelbarer Nähe des größten Weltereignisses um das Jahr 6 vor Christus nach unserer Zeitrechnung. Aber einer, der an der richtigen Stelle die richtige Antwort gibt. Und der dann auf einmal in unmittelbarer Nähe Gottes leben darf.

Eines, liebe Gemeinde, ist ganz klar: Gott will auch im Jahr 2015 keine Randfiguren, nicht am Heiligen Abend. Gott will keine Zaungäste beim weihnachtlichen Geschehen, sondern nur solche, die sich direkt angesprochen fühlen, wenn sie herausgefordert werden. Und die ein Plätzchen freihaben, wenn Jesus Christus sie freundlich bittet: „Ein Plätzchen bitte!“

Denn – auch in diesem Jahr zu Weihnachten gibt es wieder so viele Gründe, die falsche Antwort zu geben oder sein Leben dichtzumachen, wenn Gott bei uns anklopft. Ein paar Gründe möchte ich sagen. Und der Wirt soll uns dabei begleiten. Ein Grund für eine kritische Antwort auch in diesem Jahr könnte sein:

1. Kein Plätzchen frei – alles schon besetzt

Wer auch immer Maria und Josef dieses Plätzchen im Stall gegeben hat – er hätte auch wie seine Vorgänger sagen können: „Tut mir leid! Platz besetzt!“ – „`No room´ – kein Zimmer frei!“

Und wir, Du und ich? Haben wir ein offenes Haus für die Hauptpersonen der Welt – und Heilsgeschichte?

Platz in unserer Wohnung oder in unserem Haus – den haben wir wohl eher als die Menschen in Bethlehem damals. Nur – haben wir ihn in unseren Herzen? Denn Wohnungen hat Jesus Christus im Himmel genug. Aber findet er auch Platz in unserem Herzen? Wie sieht das denn bei uns aus? Was sammelt sich im Haus unseres Lebens so alles an? Derzeit vielleicht eine Menge Sorgen um Beruf und Finanzen, um Sicherheit im Leben und Gesundheit, was weiß ich. –

Tatsache ist aber: auch bei uns bleibt Gott auf der Matte stehen. Er lässt sich nicht so leicht abwimmeln; denn er liebt uns, und er weiß: Heil wird unser Leben nur mit ihm zusammen. Also – haben wir Platz? Wollen wir Platz schaffen für Jesus Christus? Was denkst Du? Denn es gibt ja noch andere Hindernisse für Jesus Christus bei uns.

2. Kein Plätzchen frei – viel zu beschäftigt

Tja, der Wirt damals. Der hatte sich ja wohl zu allererst um das Wohl seiner schon angekommenen Gäste zu kümmern und nicht um das Heil des Heilands Jesus. Der Kunde ist König – und nicht dieses Kind. Die Kasse muss stimmen – und nicht ein Engelsgesang.

Weihnachten wäre damals beinahe weitergezogen, auch an unserem Wirt. Seine Kollegen jedenfalls hatten anscheinend dafür keine Zeit gehabt. –
Anders aber entschieden sich da die judäischen Hirten – die gingen zur Krippe Jesu selbst bei Nacht. Anders entschieden sich auch die babylonischen Astrologen – die nahmen einen tagelangen Weg unter die Füße. Und für unzählige Zeitgenossen bis auf den heutigen Tag wurde die Begegnung mit dem Jesuskind zum Heilserlebnis ihres Lebens, weil sie in diesem elenden Herrgottswinkel Bethlehem und in der Krippe endlich den entdeckten, der nicht nur Friede und Freude verspricht, sondern der Friede und Freude ist – bis heute.

Aber wir, Du und ich, wie geht es uns mit dem kommenden Herrn Jesus Christus? Auch zu beschäftigt? Wir leben ja in einer Zeit, in der vor allem die Rentner und Pensionäre den Berufstätigen erst einmal zeigen, was Zeiteinteilung und Einsatz eigentlich bedeuten. Wer heute aus dem Berufsleben aussteigt, der verliert scheinbar jegliche Form von Zeiteinteilung und ist nur noch beschäftigt – rund um die Uhr. Emails mit der Zeitangabe „01.14 Uhr“, „02.17 Uhr“ oder gar „04.45 Uhr“ – sie alle kommen von Senioren im besten Alter, so etwas über 70.

Nun übertreibe ich natürlich ein wenig. Aber was die Raumanfrage Gottes in unseren Herzen betrifft, so herrscht bei uns in Deutschland in dieser Hinsicht Vollbeschäftigung. Die Menschen haben keine Zeit, sich mit Gott zu befassen. Wir haben im Advent das Haus innen und außen mit unvorstellbar vielen Lichtern geschmückt. Aber – der ankommende Herr der Welt findet nirgendwo Quartier.

Und dabei haben die Menschen um uns herum; und dabei haben wir selber, Du und ich, nichts nötiger als die Anwesenheit des Sohnes Gottes in den Schaltzentralen unserer Gefühle, unseres Denkens, unserer Zeiteinteilung. Wir sind so hilflos; so hilflos im Umgang mit diesen Dingen. Wir stehen kurz vor dem Zusammenbruch und glauben immer noch, es ginge noch. Wir empfinden die ganze Friedlosigkeit, die Hektik, die Akzeleration, das Drehen im Rad.

In Jesus Christus aber bricht der Friede auf Erden an, der höher ist als alle Vernunft; und in Jesus Christus fängt die Freude auf Erden an, die nicht und durch nichts getrübt werden kann. Er ist nicht fern von uns, nur ein paar Schritte weit. Wer zu ihm geht und bei ihm niederkniet, der weiß mit Paul Gerhard: „Sehet, das hat Gott gegeben, seinen Sohn zum ewigen Leben. Dieser kann und will uns heben aus dem Leid in Himmelsfreud“.

Diese Himmelsfreud´ – die brauchen wir, Du und ich. Anders schaffen wir es ja nicht. Anders gehen wir kaputt und landen auf der Straße. Jesus schenkt uns himmlische Freude – er fragt auch Dich und mich: „Noch ein Plätzchen frei?“

Aber – können und wollen wir den Sohn Gottes aufnehmen, die Hoffnung der Welt? Der Wirt damals – der Wirt, der Maria und Josef seinen Stall zuwies, der wollte noch. Und hoffentlich hat er selber erfahren, dass da in der folgenden Nacht die Hoffnung der Welt, der Herr der Vergebung, der König des Lebens und der Geber aller Liebe in seinem Stall geboren wurde. Hoffentlich hat er noch zu denen gehört, die Jesus Christus später nachfolgten, weil sie heil, gesund an der Seele und frei von Schuld werden wollten.

Also – lieber Besucher dieser Christvesper im Gotteshaus der Freien evangelischen Gemeinde in FFB – haben Sie in Ihrem Herzen noch ein Plätzchen frei?
Gott steht heute Nacht bei Ihnen auf der Matte; er schaut Sie freundlich an und fragt Sie: „Darf ich hinein in Dein Leben? Ich werde Dir nur gut tun und Dich und Dein Haus segnen; ich werde mit Dir zusammen Ordnung bringen in Dein Leben. Wir beide zusammen – wir schaffen das.

Gott segne Sie – und das Plätzchen, das sie Gott überlassen in Ihrem Leben. Machen Sie ihm die Tür doch auf.

Amen

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