Jahreslosungsmotiv-Dorothee-Krämer

Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Das Volk Israel, zu dem dieses Bibelwort in Jesaja 66 als erstes gesagt wurde, brauchte damals echten Trost, weil es so sehr darunter litt, dass ein Großteil seiner Glaubensgeschwister noch immer in der babylonischen Gefangenschaft saß. Es war ein Volk, das voller Traurigkeit war und dringend Hoffnung und Zukunft brauchte. Denn die Zeit bis zum Wiederaufbau sollte noch lang werden.

Und wir heute in 2016 – wie geht es uns?

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
„Ich will Euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ – Predigt zur Jahreslosung 2016
Reihe
Datum
10.01.2016
Länge
24:59
Bibelstelle
Jesaja 66, 1-14

Lesungstext

1 So spricht der Herr: „Der Himmel ist mein Thron und die Erde mein Fußschemel. Und da wollt ihr mir ein Haus bauen? An welchem Ort soll ich mich denn niederlassen?
2 Ich habe das alles doch geschaffen, Himmel und Erde kommen aus meiner Hand! Dennoch achte ich auf die Menschen, die in Not sind. Ja, ich kümmere mich um die Verzweifelten und um alle, die voll Ehrfurcht auf meine Worte hören.
3 Aber die Opfer von Menschen, die eigene Wege gehen, verabscheue ich. Sie schlachten ein Rind für mich, aber zugleich opfern sie ihren Göttern auch Menschen. Sie bringen mir ein Schaf dar, aber heimlich opfern sie auch Hunde. Mir setzen sie ein Speiseopfer vor, und zugleich gießen sie Schweineblut als Trankopfer aus. Sie verbrennen Weihrauch für mich und preisen auch ihre Götzen. Sie haben ihre Wahl getroffen: Ihnen gefällt alles, was ich hasse.
4 So habe auch ich für sie gewählt: Ich lasse Unheil über sie hereinbrechen. All das, wovor ihnen graut, soll sie nun treffen. Denn als ich sie rief, hat mir keiner geantwortet. Ich habe mit ihnen geredet, doch niemand hat mir zugehört. Lieber haben sie getan, was ich hasse, und sich für das entschieden, was ich verabscheue.“
Freut euch mit Jerusalem!
5 Hört nun, was der Herr euch sagt, die ihr voll Ehrfurcht auf seine Worte achtet: „Die Menschen eures eigenen Volkes hassen euch und stoßen euch aus, weil ihr zu mir haltet. Ständig spotten sie: ‚Soll der Herr doch seine Macht zeigen und euch helfen, damit wir euch endlich einmal fröhlich sehen!‘ Doch es kommt die Zeit, da werden diese Spötter in Schimpf und Schande dastehen.
6 Hört ihr den Lärm in der Stadt? Er kommt vom Tempel her. Ich, der Herr, halte Gericht! Mein Vergeltungsschlag trifft alle meine Feinde.
7-8 Kann eine Frau ein Kind gebären, noch ehe die Wehen über sie kommen? Wer hat so etwas schon gesehen oder davon gehört? Kann ein ganzes Land an einem einzigen Tag zur Welt kommen? Wird ein Volk in einem Augenblick geboren? Ja, Zion wird es so ergehen! Kaum spürt sie die ersten Wehen – schon sind ihre Kinder da.
9 Warum sollte ich diese Geburt erst einleiten und dann im letzten Moment noch verhindern? Meint ihr, ich verschließe den Mutterleib, damit das Kind nicht zur Welt kommt – ich, euer Gott?
10 Freut euch mit Jerusalem! Jubelt über diese Stadt, alle, die ihr sie liebt! Früher habt ihr um sie getrauert, doch jetzt dürft ihr singen und jubeln vor Freude.
11 Lasst euch von ihr trösten wie ein Kind an der Mutterbrust. Trinkt euch satt! Genießt die Pracht dieser Stadt!
12 Denn ich, der Herr, sage euch: Frieden und Wohlstand werden Jerusalem überfluten wie ein großer Strom. Ich lasse den Reichtum der Völker hereinfließen wie einen nie versiegenden Bach. Und an dieser Fülle dürft ihr euch satt trinken. In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost.
13 Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Die neue Pracht Jerusalems lässt euch den Kummer vergessen.
14 Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein, und neue Lebenskraft wird euch durchströmen.“ Dann zeigt der Herr seinen treuen Dienern, wie mächtig er ist; seine Feinde aber werden seinen Zorn spüren.

Predigt

Liebe Gemeinde,

das Volk Israel, zu dem dieses Bibelwort in Jesaja 66 als erstes gesagt wurde, brauchte damals echten Trost, weil es so sehr darunter litt, dass ein Großteil seiner Glaubensgeschwister noch immer in der babylonischen Gefangenschaft saß. Es war ein Volk, das voller Traurigkeit war und dringend Hoffnung und Zukunft brauchte. Denn die Zeit bis zum Wiederaufbau sollte noch lang werden.
Und wir heute in 2016 – wie geht es uns?

Wer die Welt sieht wie sie ist, der empfand damals und empfindet heute Trostlosigkeit. Die Bibel nimmt diese wahrgenommene Realität immer wieder auf. Jahrhunderte später im Neuen Testament redet der Apostel Paulus davon, wie bedrängt und unsicher unser Leben ist. Und zwar für alle: für Mensch und Tier, für die gesamte Schöpfung. Sie stöhnt und seufzt. Wie von selbst wird manches immer schlimmer. Da verhungern Menschen, werden entwürdigt, werden ihrer Möglichkeiten beraubt, von einem Tumor zerfressen. Korruption und Ausbeutung macht sich immer schneller breit. Dass Gott tröstet, kann man sich daher nur schwer vorstellen. Wie soll das gehen? Der Prophet Jesaja baut uns deshalb eine wunderbare Brücke des Trostes und erinnert uns daran, dass Mütter besonders gut trösten können.

Aber – versuchen wir zunächst einen Einstieg. Nutzen wir dazu doch das Bild von Dorothea Krämer zur Jahreslosung. Viele haben es als Lesezeichen am Heiligen Abend letzten Jahres bekommen. Mancher hat es vielleicht gerade zur Hand. Ansonsten: bitte hier auf die Stirnseite schauen. Ich möchte zunächst eine kleine Meditation zu diesem Bild versuchen…

1. Einstieg (Blick auf das Bild von Dorothea Krämer)

Jahreslosungsmotiv-Dorothee-KrämerDieses Bild ist zweigeteilt. Triste Grautöne hüllen die Gestalten auf der linken Bildseite ein. Wirken sie nicht müde und ausgelaugt, so als hätten sie ihre Kräfte aufgebraucht, nur noch erschöpft und hilflos? Solche Situationen kenne ich – und Du bestimmt auch. Erschöpft bin ich vielleicht, weil ich mir zu viel zugemutet habe oder andere zu viel von mir wollten. Verletzt und müde ist meine Seele, wenn ich mich nicht akzeptiert fühle oder wenn mein Selbstwertgefühl leidet.

Die Bewegung im Bild aber geht von der rechten Bildseite aus. Hier herrschen die warmen Farbtöne. Aus dem Sonnengelb und Orangerot hat sich die größere Person auf die kleinere zu bewegt. Die Botschaft: Gott kommt mit seinem Trost auf uns zu. Wie im Gleichnis vom verlorenen Sohn und dem liebenden Vater in Lukas 15,11-32. Als der Sohn zerlumpt und zerkratzt, nach Schweinemist stinkend und völlig am Ende nach Hause kommt, wartet der Vater nicht mit verschränkten Armen ab, bis er da ist. Er stellt ihm keine Bedingungen, die er zuerst zu erfüllen hätte, bevor er ihn in die Arme nimmt. „Als der Sohn aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“

Es ist etwas Besonderes, dass Gott in dem Bibelvers aus Jesaja 66,13 mit einer Mutter verglichen wird. Die sonstigen Bilder und Vergleiche in der Bibel sind oft männlich. Steht diese Aussage im Gegensatz zu dem Gleichnis vom liebenden Vater? Ich verstehe die Vergleiche so, dass sie sich gegenseitig ergänzen. Das Bild vom liebenden Vater ergänzt das Bild von der tröstenden Mutter.

Die Figuren in der Graphik zur Jahreslosung sind nicht auf ein Geschlecht festgelegt, deshalb können wir beide Vergleiche darin wiederfinden. Gott ist ebenso Mutter wie Vater. Sein starker väterlicher Arm schützt und seine zarte weibliche Hand streichelt. Im Trost Gottes wohnt beides: Stärke und Schutz, aber auch Zartheit und Empfindsamkeit.

Rembrand - Der Verlorene Sohn - Detailsaufnahme HändeEine interessante Ergänzung dieser zwei Naturen Gottes bietet ein Blick auf die Hände des Vaters in Rembrands Bild vom verlorenen Sohn. Wenn wir genauer hinschauen, können wir eine weibliche und eine männliche Hand erkennen. Gott ist Mutter wie Vater. – Aber schauen wir noch einmal auf das Bild von Dorothea Krämer…

Starke rote und gelbe Linien umrahmen die Personen in der Bildmitte. Dadurch entsteht eine Art Mantel. Dieser Mantel der Liebe schützt vor den dunklen Schatten und dem Grauen der Nacht. In den schemenhaften Umrissen kann man mehrere Personen, vielleicht auch Kinder, entdecken, die in den Armen der Mutter Schutz gefunden haben. Gott ist da und bietet mir Schutz. Bei ihm finde ich einen Ort, um auszuruhen. Unter dem Mantel seiner Liebe bin ich sicher und geborgen.

2. Vater – und Mutterbild – Hindernis oder starke Trosterfahrung

Was wir in der Jahreslosung miterleben, ist mit einem Fachwort gesagt: anthropomorphes Reden von Gott. „O Anthropos“ – der Mensch; „h morfh“– die Gestalt: Ganz oft in der Bibel reden nicht nur Menschen, sondern redet Gott selber von sich in Vergleichen menschlicher Gestalt: Gottes Arm ist stark; Gottes Ohr hört; sein Auge sieht – und eben hier: Gott tröstet, wie uns eine Mutter tröstet.
Nur – genau das macht es für uns immer auch zu einem Problem: Welches Mutter- und Vaterbild haben wir in unserem Innersten gespeichert? Was scheint in unserer Seele auf, wenn wir von mütterlichem Trost hören?

Ich selber habe vor einigen Jahren mit Gewinn ein „Vater“ -Seminar besucht – und einige hier haben das auch schon getan. Bei diesem Seminar ging es auch darum, Heilung zu empfangen von traumatischen Erfahrungen mit dem eigenen Vater. Und auf diesem Seminar berichteten Menschen davon, wie schwer es ihnen wurde, von tief belastenden Vatererfahrungen geheilt und dadurch erst fähig zu werden, Gott als meinem guten Vater zu begegnen, der mich liebhat, der mich in den Arm nimmt, der mich – und das Rembrandtbild von dem Vater, der seinen Sohn wieder aufnimmt in die Familie, hat da eine große Rolle gespielt (Bild zeigen) – Gott, der mich umhüllt mit seiner väterlichen Liebe. Eine wunderbare Erfahrung.

Nur – gilt diese Herausforderung nicht auch für traumatische kindliche Erfahrungen mit Müttern? Zitat eines Satzes auf einem Grabstein: „Zwei treue Mutterhände haben aufgehört zu schlagen!“ – das ist für manchen von uns vielleicht gar nicht so witzig, wie es sich anhören könnte. – Mancher von Euch hat in seinem Innersten abgespeichert eine Mutter, die hart und abweisend reagierte, anstatt mütterlich zu trösten; die ungerecht war, strafte und verstieß; die Kinder gegeneinander ausspielte und eben auch verletzend zuschlagen konnte. Mancher war vielleicht mehr dankbar als traurig, als seine Mutter dann starb.
Ich habe einmal erzählt, dass ich in den letzten Lebensmonaten meiner Mutter Versöhnung mit ihr erlebt habe; dass ich vergeben konnte – und um Vergebung bat; dass Wut und Zorn schwanden einer Mutter gegenüber, die aufgrund ihrer Alkoholsucht und einer unstillbaren Suche nach Liebe und Anerkennung ungerecht und aggressiv Menschen gegeneinander ausspielte und dabei auch meine Kinder verletzte und gefährdete. Dennoch war ich am Ende – anders als beim Tod meines Vaters – mehr dankbar denn traurig, als sie neunundsiebzigjährig starb. Das muss ich mir ehrlich eingestehen. –

Aber – Gott sei Dank – ich habe auch abgespeichert viele Erfahrungen in meiner früheren Kindheit, in denen meine Mutter, die ihren einzigen Sohn gewiss sehr liebte, mir ihre weiche, tröstende, beruhigende, umarmende Seite schenkte, die mich beschützte, für mich kämpfte, mich lobte, meinen Weg ins weitere Leben unterstützte, ihren Stolz auf mich offen zeigte – und immer wieder tröstete, wenn ich nicht weiter wusste. Gewiss gibt es auch deshalb ein Lebensfundament in meinem Leben – nicht so stabil wie bei meiner Frau – aber doch so tragfähig, dass ich an neuralgischen Lebenspunkten genug Vertrauen in Welt und Menschen zu setzen und hoffnungsvoll nach vorn zu blicken vermag. Und mein Humor lässt mich oft nicht nur fröhlich über mich und meine Dummheiten lachen, sondern auch über manchen Deppen in meiner Umgebung.
Aber aus der eigenen Biographie heraus freue ich mich sehr über jeden hier heute morgen, der mit mütterlicher Wärme, Liebe und Trost so richtig urversorgt wurde und diese Jahreslosung liebt, seitdem er sie zum ersten Mal gelesen hat. Genießen Sie diese Zusage des Trostes Gottes in Ihrem Leben. Sie ist von unsagbarem Wert.
Nur – bedenken sie mit mir zusammen auch diesen Gesichtspunkt:

3. Gemeinschaft des Trostes, keine Individualität der Ermutigung

smybol-mutter-kindTrösten – das wird beim Lesen der Bibel alten und Neuen Testamentes deutlich – ist typisch für Gott. Und das ist so gut. – Denn wir erkennen immer wieder, dass dann, wenn es uns wirklich schlecht geht und wir empfindsamen Trost brauchen, uns nichts hilft, was so nach dem Motto daher kommt: „Es ist doch gar nicht so schlimm!“ oder „Nimm’s dir jetzt doch nicht so zu Herzen.“ – Als kürzlich eines unserer Kinder spät abends anrief und aufgewühlt seine Lebensängste angesichts der aktuellen Weltlage aussprach, da brauchte es Eltern, die eine volle Ladung Trost hinüber sandten übers Telefon; die zuerst Verständnis, dann aber Zuversicht, Hoffnung und Gottvertrauen überzeugend vermitteln konnten. Und Gott sei Dank ist uns das offensichtlich gelungen. – Gott sei Dank ist Gott selber so: trostvoll wie eine empfindsame Mutter (siehe Bild Flüchtlingsmutter/Kinder)

Gott setzt in Christus sein ABER in die Welt. Ein ABER gegen alles Böse, was geschieht. Ein ABER gegen alles, was durch uns an Bösem geschieht. Es ist ein ABER seines Erbarmens. Es ist das ABER der Auferstehung. Wir haben das Versprechen Gottes, dass er alles umdrehen wird. Was diese Welt und uns quält, wird er zu Recht drehen, wenden, beugen, beenden, besiegen – Jesus hat das letzte Wort. Ja – Gott tröstet!

Aber – nun spricht Gott diese Worte damals ja nicht so in den individualistischen Raum, wie wir das heute gern hätten. Gott redet damals zu ganz vielen Menschen. Zu seinem Volk. Zu einem Volk mit einer gemeinsamen sehr belastenden Geschichte in ganz schwerer Zeit. Er redet zu den Menschen, denen er um ihrer selbst willen Schweres zugemutet hat – eine Verbannung nämlich, den Zusammenbruch aller bekannten Werte und Ordnungen. Er redet zu Menschen, denen er das zugemutet hat, um sie vor dem Schlimmsten zu retten: zu retten vor dem Verlust der Gottesgemeinschaft, zu retten vor Ziellosigkeit und Verderben. Und dieser Gemeinschaft verletzter und gedemütigter Menschen, die ausgezehrt da stand und auf die Unterdrückermacht Neubabylonien blickte, diesen Menschen sagt er dann:

13 Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost.Jesaja 66, 13

Und deshalb, liebe Gemeinde, haltet einmal diese Zuspitzung meines Auslegungsversuches aus, wenn ich sage: Die tiefste Erfahrung mütterlichen Gottestrostes kann ich erleben in der Gemeinschaft der Kinder Gottes, in der christlichen Gemeinde, genau dort, wohin mich Jesus Christus in seiner Weisheit sendet – in einer lebendigen Gemeinde an meinem Ort, z.B. in der FeG FFB. Denn uns hier in dieser unserer Gemeinschaft gilt dieses Wort, das schon 2600 Jahre alt ist. Es gilt uns in alle Not, alle Sorge, alle Hilflosigkeit, in alle Fragwürdigkeit, in all unsere hilflosen Veränderungsversuche hinein:

13 Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem – und an jedem anderen heiligen Ort meiner Gegenwart, findet ihr Trost.Jesaja 66, 13

Deshalb, liebe Gemeinde: Bitte dieses Trostwort der Jahreslosung nicht zu schnell individualisieren: „Mein mütterlicher Trostgott und ich!“ – Sondern bitte wahrnehmen: der Ort mütterlicher und väterlicher göttlicher Gegenwart, dieser Ort ist gerade auch in meiner Ortsgemeinde. Und gerade auch das macht sie so wertvoll und einzigartig.

Hier, heute Morgen, sagt Gott uns allen (und natürlich darin jedem einzelnen Glaubenden):

13 Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich Euch.Jesaja 66, 13


Gott sei Dank – ein ganzes Jahr lang in 2016
Und – wie tröstet Gott uns? Noch ganz kurz:

4. Was bietet mir beim Blick auf Gottes mütterliche Seite den meisten Trost?

Ja, liebe Gemeinde – wie fühlt sich solch ein mütterlicher Gottestrost an, der mitten in der Welt zum Lob Gottes anstiftet? – Mit Worten lässt sich Trost ganz schwer beschreiben oder definieren. Von erfahrenem Trost muss man deshalb erzählen. Wo wir uns gegenseitig solche Trostgeschichten erzählen, wird etwas davon deutlich, was die Bibel mit Trost meint: aufatmen lassen, Hilfe herbeirufen, ermahnen. Mütterlicher Gottestrost schenkt also Luft zum Atmen, er ist etwas Befreiendes.
Und jeder Mensch erlebt ihn an einer anderen Stelle.

So erzählt vielleicht der eine, dass er täglich seine Bibel liest und sich dabei ganz oft von Gott getröstet fühlt. –
Für jemand anders ist Gottes Trost spürbar, wenn er am Ostermorgen sehr früh auf dem Friedhof steht und hört: Jesus ist auferstanden. –
Und wieder jemand sagt dann vielleicht: „Nach unserem letzten Urlaub habe ich gesagt: Doch, jetzt starte ich mit der Jungschar! Als ich diese Entscheidung nach langem Ringen getroffen hatte, habe ich dabei einen tiefen Trost empfunden.“

Was tröstet mich, Gerd Ballon, am meisten? Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr mich dieses Wort in Jesaja 54,10 anspricht und trösten kann – und dann eben auch ganz persönlich:

Denn es mögen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade wird nicht von Dir weichen; und der Bund meines Friedens wird nicht hinfallen, spricht, der Herr, Dein Erbarmer.Jesaja 54,10

Es tröstet mich ungemein und mütterlich, dass Gott das zu seinem Volk und auch zu mir sagt – zu mir, einem Menschen, der alles andere ist als ein Optimist; der so viel Andockstationen für Sünde in seinem Leben kennt; der sich immer wieder auch friedlos, hoffnungslos und gnadenlos erlebt; der sich dann fragt, wieso eigentlich Gott sich immer noch die Mühe macht, ihn liebzuhaben und ihm zu begegnen – dass Gottes mütterlicher Trost mich in die Tiefe meiner Seele hinein vergewissert:

Denn es mögen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade wird nicht von Dir weichen; und der Bund meines Friedens wird nicht hinfallen, spricht, der Herr, Dein Erbarmer.Jesaja 54,10

Was für ein Geschenk Gottes an mich, an Gerd Ballon. Ich preise ihn dafür.

Am Ende dieser Predigt über die Jahreslosung soll stehen – ein trostvolles Wort des Apostel Paulus, das uns ermutigen will zum gegenseitigen Dienst des Tröstens. Hören Sie noch einmal diese Worte aus 2. Korinther 1, 3-4:

Gepriesen sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus! Denn er ist ein Vater, der sich erbarmt, und ein Gott, der auf jede erdenkliche Weise tröstet und ermutigt. In allen unseren Nöten kommt er uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen.2. Korinther 1, 3-4

Gott segne uns mit der Fähigkeit, einander in dieser Weise zu trösten. Geben wir einander doch Gottes mütterlichen Trost weiter. Wir alle brauchen ihn so dringend – denn die Welt, in der wir leben, wird bitter kalt.

Amen

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