Hauskreise – Erweckung in Kleingruppen

Du selber brauchst die Gemeinschaft eines Hauskreises, wenn Du nicht auf Dauer untergehen willst in den Abgründen Deines Herzens. Du brauchst Liebe, tragfähige Mitchristen, Gebet, Korrektur und auch einmal Ermahnung, Zuwendung und Freundschaft. Du brauchst das, weil Du ein Mensch bist. Und wenn Du darauf verzichtest, dann nimmst Du Dir etwas Wesentliches.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Hauskreise – Erweckung in Kleingruppen
Reihe
Datum
24.01.2016
Länge
27:01
Bibelstelle
Apostelgeschichte 2, 42

Lesungstext

Alle in der Gemeinde ließen sich regelmäßig von den Aposteln im Glauben unterweisen und lebten in enger Gemeinschaft, feierten das Abendmahl und beteten miteinander.Apostelgeschichte 2,42

Predigt

Liebe Gemeinde,

ich möchte Ihnen zunächst gern erzählen, was ich in dieser Woche erlebt habe:
Ich fahre mit der S – Bahn zum Marienplatz, steige aus und erreiche über die Rolltreppen die Oberfläche. Schon in der Bahn ist mir jemand aufgefallen, der immer wieder intensiv in meine Richtung geschaut hat. Er ist modern gekleidet und scheint mir zur Arbeit zu fahren. Als ich mich auf dem Weg zum Domplatz umschaue, sehe ich, wie dieser Mann mir folgt. Er tut das gar nicht heimlich, und der Abstand zwischen uns verringert sich. Und plötzlich macht er ein paar schnelle Schritte auf mich zu, fasst mich zwar schüchtern, aber bestimmt am Ärmel meines Mantels und sagt: „Bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie anspreche, aber ich glaube, Sie sind ein Mensch, der Gott kennt; und ich suche so sehr nach einem Menschen, der mir hilft, Gott zu finden. Ich möchte neu anfangen mit meinem Leben. Sagen Sie mir, wie ich das machen kann; denn ich spüre: mit Ihnen ist Gott.“

Ich bin total verwirrt und rede irgendetwas von Eile und von Gottesdienstbesuch am nächsten Sonntag in meiner Gemeinde in FFB. Aber der Mann lässt sich nicht abschütteln. Er ist so froh, mich angesprochen zu haben und läuft redend neben mir her. Plötzlich sieht er in der Menge ein bekanntes Gesicht. Er ruft dem Mann etwas zu, und auf einmal macht der kehrt und heftet sich ebenfalls auf meine Fersen. Als ich mittags wieder die S – Bahn besteige, habe ich zehn oder zwölf Menschen im Schlepptau, Frauen und Männer, die immer wieder betonen, dass sie gern eine lebendige Verbindung zu Jesus Christus gewinnen wollen, und dass ich Ihnen doch dabei helfen möge. Und es scheint, wie ich auf meinem Weg durch die Innenstadt wahrgenommen habe, noch ein paar mehr zu geben, denen es ähnlich ergangen ist wie mir und denen das, so wie mir schien, ebenfalls sehr peinlich war, mit solch einer geschwätzigen, aufgeregten Menschentraube durch München zu laufen.

Haben Sie das in der letzten Woche vielleicht auch erlebt? Und sind diejenigen, die Sie da angesprochen haben, vielleicht heute Morgen hier im Gottesdienst? Sagen Sies nur! Melden Sie Sich jetzt einfach: wer hat das in dieser Woche auch erlebt?

Tja – schön wär’s, nicht? Und es wäre nur, sollte es einmal so kommen, es wäre lediglich das erfüllt, was in dem alttestamentlich Buch Sacharja in Kap 8 etwa so steht:

„Es kommt die Zeit, da werden viele Menschen aus anderen Völkern und aus großen Städten einander auffordern: „Kommt, wir wollen nach Jerusalem gehen und den Herrn, den allmächtigen Gott, anbeten und um Gnade anflehen“. Ja, viele mächtige Völker werden nach Jerusalem ziehen und mich um meinen Segen bitten, sagt Gott. – Zu jener Zeit schließen sich zehn Männer aus den verschiedenen Völkern einem Juden an. Sie halten ihn an seinem Gewand fest und bitten: „Wir wollen mit Dir gehen! Wir haben gehört, dass Gott auf eurer Seite ist!“

Eine Zukunftsvision von Erweckung, bezogen auf Israel. Und wenig später steht in dem Buch Sacharja dieses zukunftsweisende Wort: „Du Tochter Zion, freue Dich sehr, und Du Tochter Zion, jauchze! Siehe, Dein König kommt zu Dir, ein Gerechter und ein Helfer..“ usw. – Tja, schade: die Adventszeit liegt schon ein wenig hinter uns…

Erweckung im Großraum München 2016 – wäre das etwas? Oder macht Dir dieser Gedanke Angst?

Zeitblende. 2000 Jahre retour.

Ein paar Männer und Frauen in einem engen Wohnraum beieinander. Einige bereiten das Essen vor. Die kleine Gemeinde betet um Heiligen Geist. Sie hat das schon des Öfteren getan. Jesus hatte ihn ja angekündigt. Also betet man. Keiner erwartet etwas Großartiges. Obwohl: schön wäre es ja schon, wenn ein paar Menschen dazukämen; wenn ein paar mehr Menschen gläubig würden an das junge Evangelium von Jesus Christus. Also betet man. Schließlich ist auch in dieser engen Stube noch etwas Platz. Und wenn alle etwas zusammenrücken, dann kann der Hauskreis sogar noch wachsen.

Und dann – plötzlich – die Explosion: Feuer auf den Häuptern der Apostel, eine freudige Unruhe, heftige und geisterfüllte Reden, betroffene Menschengesichter – und dann: Bekehrungen, Bekehrungen, Bekehrungen. Taufen, Taufen, Taufen. Seelsorgerliche Gespräche erübrigen sich. Es sind ja gar nicht genug Christen da für diese Massen. Und der Heilige Geist ist so klar spürbar, dass die Neubekehrten selber wissen, was zu tun ist jetzt.

Und am Abend dieses Tages: eine total erschöpfte, aber zutiefst glückliche Kerngemeinde, die völlig überfordert ist mit der Ernte Gottes. An ein bisschen Wachstum im Hauskreis hatte man gedacht. Oh ja, der riesengroße Glaube der christlichen Gemeinde – damals und heute. Und nun wird fieberhaft an einem neuen Konzept gearbeitet. 3000 Menschen, man überlege das einmal: 3000 Menschen sind, ganz ohne Laptop, Excel und andere Officeprogramme, 3000 Menschen sind aufzuteilen in überschaubare Gemeinde. An einem Tag, an dem ein kleiner Hauskreis um Heiligen Geist und Erweckung gebetet hat, sind vermutlich Hunderte von Hauskreisen entstanden und mit Leitern versehen worden. Kein Problem – die findet man gerade haufenweise. Gut ausgebildet vom Heiligen Geist. Schnellkurs – 6 Stunden oder so.

Ein Alptraum für jeden stressgeplagten Pastor, Ältesten und Diakonen. Der Herr verschone uns mit diesem Erweckungsschrecken unübersehbaren Ausmaßes!

Aber mal ehrlich: Wünschen wir uns nicht sehnlichst Männer und Frauen, die uns in S – Bahnen auflauern, um sich auf uns zu stürzen und um Hilfe zur Bekehrung zu bitten. Und sind unsere Welt, unsere Stadt FFB und der Großraum München nicht reif für eine Erweckung, für eine Erneuerung und Hinwendung zu Jesus? Und wünschen wir uns nicht wachsende Gemeinde – und das nicht zuerst (wie lächerlich auch) als Macht – und Ansehensgewinn, sondern um der erneuerten Menschenherzen willen, die da zusammenkommen?

Nur: wenn ich Ihnen jetzt Geschmack gemacht habe auf Erweckung und Zuwachs – wie passt das zusammen mit unseren Ängsten vor Hauskreisteilnahme, vor Hauskreisteilungen gar, vor Leitungsverantwortung und Termindruck. Denn das alles geistert ja herum in unseren Köpfen. Wir wollen heute Morgen motivieren zu Gemeinsam-auf-Kurs, einem fünfwöchigen Hauskreiskurs, diesmal im Amosbuch. Unsere Hauskreise werben um Zuwachs. Und es wäre richtig gut, wenn zu den schon bestehenden sieben deutschsprachigen und einem englischsprachigen Hauskreis noch, sagen wir, sechs weitere dazukämen. Sechs Kreise mit je mindestens zehn Stühlen – das sind 60 Stühle – was für eine gute Zahl! 60 Stühle. Vielleicht fragt sich jetzt mancher hier, ob Gerd Ballon wohl verrückt geworden sei. 60 Stühle, sechs neue Hauskreise.
Wissen Sie was: wenn wir alle miteinander hier ganz ernst machen würden mit dem, was das Neue Testament unter Gemeinde Jesu versteht, dann wären nach diesem Gottesdienst diese sechs neuen Kreis gegründet; und etliche würden auf die Gemeindeleitung zukommen und um Nachorganisation bitten. – Denn wenn das wahr ist, dass jeder Christ in dieser Gemeinde so leben will, wie die Urgemeinde in Jerusalem – und unter dieser grundsätzlichen Voraussetzung treten Freie evangelische Gemeinden an, – dann wird es mehr als sechzig Personen geben, die Raum suchen. Viele Teilnehmer unserer Gemeinde besuchen ja noch gar keinen Hauskreis.

Warum sage ich das alles? Ich sage das, um jedem von uns deutlich zu machen, dass soviel geistliches Potential in unserer Gemeinde verborgen ist und sichtbar werden möchte. Ich sage das, um heute Morgen jedem Lust zu machen auf neue Erfahrungen mit dem gemeinsamen Hauskreiserlebnis Freie evangelische Gemeinde Fürstenfeldbruck. Du, Mann, Du Frau, Jesus liebt unsere Gemeinde. Er liebt diese Stadt FFB. – Und er braucht Gemeinden, die an seine Liebe zu den Menschen glauben, auch wenn sie selber gerade mal kurzzeitig etwas weniger Menschen werde. Was soll denn sein, liebe Gemeinde, wenn wirklich die Menschen kommen und uns die Türe einrennen mit dem heißen Wunsch nach Evangelium, wenn alle Kirchen dieser Stadt überfluten, nicht nur am Heiligen Abend, sondern Sonntag für Sonntag? Was denn dann? –

Oder rechnest Du nicht mehr damit und betest gar nicht dafür? Bist Du zufrieden mit der Gemeinde, wie sie hier versammelt ist. Also: Erwartungen gegen null. Kopf eingezogen, geistliche Antennen eingefahren. Und dann durch – irgendwie?

Lassen Sie mich das einmal sagen: Ich habe mich nie in meinem Dienst um Wachstumszahlen der Gemeinden groß gekümmert, in denen ich gearbeitet habe. Ich bin so vor viel Getrommel und Schein-Visionärem bewahrt geblieben. Und ich habe keine Lust, das hier noch zu ändern. Aber: wenn Gott uns Wachstum schenken will um seines Evangeliums und der Kraft des Heiligen Geistes willen – dann wünsche ich mir, dass wir miteinander offene Herzen haben für das alles, Herzen der Erwartung, der Vorfreude. Dann wünsche ich mir, dass die Menschen, die sich auf unsere Fersen heften, Antworten finden, Raum zum Hören und – ja, Kleingruppen, die sich auf sie freuen, auf ihre unbeholfenen Fragen, auf ihre hilflosen suchenden Schritte, auf ihre Begeisterung über Gott.

Und deswegen möchte ich den Rest der Predigt verwenden auf zwei kurze Statements zum Thema Gemeinde. Ich beziehe mich dabei auf Apg 2,42:

42 Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten.

1. Gemeinde Jesu heißt: innen wachsen

Kritiker der Gemeinde Jesu mögen das ‚Indoktrination` nennen oder so etwas. Aber eines ist klar: ein frischgebackener Jünger Jesu braucht Lehre. Und er will auch Lehre. Er hat so viele Fragen. Er möchte es jetzt richtig machen. Zu groß ist das Geschenk neuer Hoffnung, zu schön die gewonnenen Veränderungen im Alltag, zu groß aber auch die herausfordernden Fragen der Familie und des Freundeskreises. –
In Jerusalem wurde damals heftig gelehrt. Wahrscheinlich zum einen durch Freiluftpredigten auf Plätzen. Denn 5000 Leute brachte man in keinem Haus unter. Noch vor hundertfünfzig Jahren predigten Männer wie Charles Haddon Spurgeon oder John Wesley im Freien vor Riesenansammlungen von Menschen. Und sie wurden gehört.

Lehre ist ein wesentliches Merkmal christlichen Gemeindelebens. Gerade in einer Zeit eines neuerlichen Synkretismus, einer verführerischen Vermischung religiösen Gedankengutes braucht die christliche Gemeinde Wegweiser und Glaubenshilfen. Nur: je größer eine Gemeinde wird, umso deutlicher suchen die Dazugehörenden nach einer neuen Gemeinschaftsform: nach Kleingruppen; nach Hauskreisen.

2. Gemeinde Jesu heißt: Gemeinschaft pur

Und nun schau bitte einmal: Du selber brauchst die Gemeinschaft eines Hauskreises, wenn Du nicht auf Dauer untergehen willst in den Abgründen Deines Herzens. Du brauchst Liebe, tragfähige Mitchristen, Gebet, Korrektur und auch einmal Ermahnung, Zuwendung und Freundschaft. Du brauchst das, weil Du ein Mensch bist. Und wenn Du darauf verzichtest, dann nimmst Du Dir etwas Wesentliches. Und Du entziehst anderen das Geschenk Deiner Persönlichkeit, Deiner Gaben, Deiner Bereicherung in einem Hauskreis. Du fehlst den anderen. Du machst Dich und andere arm. Und ich ermutige jeden hier heute morgen, ob Mitglied, ob im Freundeskreis unserer Gemeinde ansässig oder ob gerade eben erst dazugekommen: beschenke Dich und andere mit Deiner Teilnahme an einem dieser Kreise. Riskiere nicht weniger. Das Neue Testament lehrt Gemeinschaft in Kleingruppen. Menschen brauchen das. Mancher etwas distanzierter, mancher total. Aber ohne kommen wir auf Dauer nicht aus. Und wenn 60 Stühle – siehe oben – nicht reichen, dann schaffen wir noch mehr. An Platz fehlt es nicht. Gemeindezentren wie dieses haben irgendwann eine Stuhlgrenze erreicht. Hauskreise niemals. Denn Wohnungen wird es immer geben, solange Gemeinde Jesu existiert.

Hauskreise haben übrigens noch einen endzeitlichen Aspekt: Kleingruppen lassen sich schlechter zerschlagen. Pastoren kann ich ins Gefängnis werfen oder in ihrer Ehre vernichten, Älteste vor aller Welt blamieren. Kleingruppen können lange überleben. Im Bild gesagt: „Einen Elefanten kann man leicht töten – ein Feld voller Mäuse nicht so gut!“ Lassen Sie uns in FFB doch weiter für viele kleine Mäusegruppen sorgen. Dann bleiben wir bereit und lebendig, bis Jesus wiederkommt.

Und nun – lass Dich heute morgen ein auf diese erwecklichen Gedanken im Blick auf unsere Hauskreise! Trag Deinen Namen in die Liste am Eingang ein oder sprich nachher mit den Hauskreisen und entscheide Dich für Deine Teilnahme an einem der bestehenden Kreise. Und stell Dir vor: die Plätze reichten nicht. Gott schenke uns Erweckung. Organisatorisch kriegen wir das sicher hin. Werden ja nicht gleich 3000 Neubekehrte sein. Oder doch?

Amen.

Ein Gedanke zu “Hauskreise – Erweckung in Kleingruppen

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