Gemeinsam auf Kurs 2016 - Titelbild

Gemeinsam auf Kurs 2016 (2): „Eine Begegnung der anderen Art – mit Gott!“

Lesung

Amos 3

1 Ihr Israeliten, hört, was ich, der Herr, euch zu sagen habe! Es gilt eurem ganzen Volk, das ich damals aus Ägypten befreit habe. 2 Unter allen Völkern der Erde seid ihr das einzige, das ich als mein Eigentum erwählt habe. Deshalb ziehe ich euch nun dafür zur Rechenschaft, dass ihr euch von mir abgewandt habt.“ 3 Gehen etwa zwei Menschen miteinander denselben Weg, ohne sich vorher verabredet zu haben? 4 Brüllt der Löwe im Wald, wenn er kein Tier reißen will? Knurrt ein junger Löwe in seinem Versteck, ohne dass er etwas erbeutet hat? 5 Wird ein Vogel gefangen, wenn das Netz nicht gespannt wurde? Schnappt eine Falle zu, obwohl kein Tier hineingelaufen ist? 6 Wenn in einer Stadt Alarm geblasen wird, erschrecken dann nicht ihre Einwohner? Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, das der Herr nicht geschickt hat? 7 Gott, der Herr, tut nichts, ohne es vorher seinen Dienern, den Propheten, anzuvertrauen. 8 Wenn der Löwe brüllt – wer bekommt da keine Angst? Wenn Gott, der Herr, für die Menschen eine Botschaft hat – welcher Prophet wollte sich da weigern, sie weiterzusagen? 9 „Sagt den Mächtigen in den Palästen von Aschdod und Ägypten: Versammelt euch auf den Bergen rings um Samaria und schaut euch an, wie es in dieser Stadt zugeht! Dort herrschen unerträgliche Missstände: Die Schwachen werden unterdrückt, 10 und niemand übt Gerechtigkeit. Die führenden Männer schrecken vor keiner Gewalttat zurück, um fremde Güter an sich zu reißen. Damit füllen sie dann ihre Paläste. 11 Darum sage ich, der Herr, zu den Einwohnern Samarias: Die Feinde werden das Land überfallen und euch von allen Seiten belagern. Sie reißen eure Bollwerke nieder und plündern eure schönen Häuser aus. 12 Ja, ich versichere euch: Auf Rettung könnt ihr nicht hoffen. Oder hat ein Hirte etwa sein Schaf gerettet, wenn er gerade noch zwei Schenkelknochen und einen Zipfel von seinem Ohr aus dem Rachen eines Löwen zieht? Genauso wenig wird von euch Israeliten übrig bleiben, die ihr in Samaria auf euren Polstern sitzt und euch auf Betten mit feinen Damastbezügen räkelt! 13 Ich, der Herr, der allmächtige Gott, sage zu den anderen Völkern: Tretet als Zeugen gegen die Nachkommen Jakobs auf! 14 An dem Tag, an dem ich die Israeliten zur Rechenschaft ziehe, zerstöre ich auch die Altäre im Heiligtum von Bethel. Ihre Hörner werden abgeschlagen und fallen zu Boden. 15 Die herrlichen Sommer- und Winterhäuser verwandle ich in Trümmerhaufen; die elfenbeinverzierten Paläste reiße ich nieder, ja, alle Häuser lasse ich vom Erdboden verschwinden! Mein Wort gilt!“

Amos 4

1 Hört zu, ihr Frauen Samarias, die ihr wohlgenährt seid wie die Kühe auf den saftigen Weiden von Baschan: Ihr unterdrückt die Hilflosen und knechtet die Armen. Ihr verlangt von euren Männern: „Besorgt uns etwas zu trinken!“ 2 Der Herr schwört euch bei seinem heiligen Namen: „Es kommt der Tag, da wird man euch alle aus den Häusern herausholen, so wie man Fische mit Angelhaken aus dem Wasser zieht! 3 Eine nach der anderen jagt man durch die Breschen in der Stadtmauer fort und treibt euch in Richtung des Berges Hermon. Darauf könnt ihr euch verlassen!“ 4 So spricht der Herr: „Ihr Israeliten, geht ruhig weiterhin zum Heiligtum nach Bethel, und sündigt gegen mich! Lauft nur nach Gilgal, und ladet noch mehr Schuld auf euch! Bringt doch jeden Morgen eure Opfer dar! Liefert alle drei Tage den zehnten Teil eurer Erträge ab! 5 Mischt Sauerteig in eure Dankopfer, und lasst den Rauch zu mir aufsteigen! Erzählt es überall, wenn ihr mir freiwillige Gaben darbringt! So habt ihr es doch gern! 6 Ich, der Herr, ließ bei euch eine Hungersnot ausbrechen, in euren Städten und Dörfern gab es nichts mehr zu essen. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen! 7 Drei Monate vor der Ernte schickte ich euch keinen Regen mehr. Auf die eine Stadt ließ ich es regnen, auf die andere fiel kein einziger Tropfen. Ein Feld bekam genug Feuchtigkeit, das andere blieb trocken, und alles verdorrte. 8 Wenn es in einer Stadt noch etwas zu trinken gab, schleppten sich die Einwohner mehrerer Städte dorthin, dem Verdursten nahe; aber es reichte nicht für alle. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen! 9 Ich, der Herr, habe euer Getreide durch Dürre und Pilzbefall vernichtet; ich ließ eure Gärten und Weinberge vertrocknen, und die Heuschrecken fraßen eure Feigen- und Olivenbäume kahl. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen! 10 Ich schickte euch die Pest, wie sie in Ägypten gewütet hat. In den Kriegen trieb ich eure jungen Männer in den Tod, und eure Pferde gab ich dem Feind zur Beute. In euren Feldlagern stank es nach verwesenden Leichen. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen! 11 Ich, der Herr, ließ Unheil über euch hereinbrechen wie über Sodom und Gomorra. Nur wenige kamen davon, so wie ein Holzscheit, das gerade noch aus dem Feuer gerissen wird. Und doch seid ihr nicht zu mir zurückgekommen! 12 Darum müsst ihr Israeliten jetzt die Folgen tragen – ihr habt keine Wahl. Macht euch bereit, eurem Gott zu begegnen!“ 13 Ja, Gott ist der Herr, der die Berge formte und den Wind schuf, er lässt die Menschen wissen, was er tun will. Morgengrauen und tiefste Nacht sind sein Werk, er schreitet über die höchsten Gipfel der Berge. „Herr, allmächtiger Gott“ wird er genannt!

Text

1. Ein Prophet – Gefangener göttlichen Auftrags (3, 3-8)

In der Form sprichwörtlichen Redens reiht Amos hier Weisheitssprü-che aneinander, um am Ende in Vers 8 dann seine Pointe zu markie-ren: „Ich, Amos, kann gar nicht anders, als Gottes Prophet sein. Wenn Gott spricht – und das tut er gerade – dann sage ich als Prophet sein Wort. Deshalb: Glaubt mir doch! Wenn Gott sich wie ein brüllender Löwe gebärdet, dann sind ihm seine Ermahnungen sehr wichtig!“

2. Gegen die vornehmen Frauen von Samaria (4,1-3)

Mit tief dringendem Scharfblick erkennt der Prophet die letzen Zu-sammenhänge der Korruption – und denkt sie unerschrocken auf. – Basanskühe – mit dem edelsten Rassevieh des Landes vergleicht er die vornehmen Frauen – nur um seinen Vorwurf umso härter zu for-mulieren: die Begehrlichkeiten der Frauen treiben deren Männer zu immer schlimmeren Taten an, anstatt sie zu Mäßigung und Umkehr zu bewegen.

3. Wenn Menschenherzen hart werden gegen Gottes Heimsuchung

Amos schlüpft in die Rolle eines Priesters, der die Pilger zum Gottes-dienst motiviert – um dann umso deutlicher zu machen: Gott ekelt sich vor den süßlichen Gottesdiensten des Volkes, die stumpf machen – anstatt für die Schuld des Alltags zu sensibilisieren.
Und dann macht er deutlich, wie verstockt die Herzen der Menschen schon sind: nichts kann sie zum Umdenken bewegen.

Die Konsequenz ist eine Begegnung der anderen Art mit Gott – mit einem Gott, der zur Rechenschaft zieht, und vor dem die Frommen sich verantworten müssen. – Dabei erscheint das abschließende Lob der Schöpfung als ein letztes Argument: der allmächtige Gott kann Gericht üben – deshalb wäre Umkehr die Rettung!! Aber…

Fragen

  • Menschen, die sich auf eine Wallfahrt zum Heiligtum oder Gottesdienst machen, so beißend zu kritisieren, ist überraschend und ungewöhnlich. Warum tut Amos das trotzdem? (Kap 4,4+5)
  • Amos attackiert vor allem die falsche Einstellung. Genau da muss die Umkehr ansetzen. Wie kann eine solche Umkehr funktionieren? Wo ist es mir mit Gottes Hilfe gelungen, mich von schlechten Einstellungen, Gewohnheiten oder Eigenschaften zu lösen?
  • Das Anbetungslied von Amos 4,13 ist nicht idyllisches Lob der Natur, sondern Verdeutlichung der Macht Gottes, die auch bedrohlich sein kann. Finden wir dieses Element göttlichen Machtanspruchs in heutiger Lobpreismusik so deutlich als Aufruf zur Umkehr wieder?
  • Der jüdische und christliche Glaube rechnet mit einem Gott, der Rechenschaft fordert (Vgl. Röm 14,10; Kor 5,10) und Begnadigung ermöglicht. Es bleibt also ein Abstand zwischen Gott und Mensch. Komme ich als Kind meiner Zeit damit zurecht? Welche Chance liegt für uns in diesem biblischen Denken?
  • Was bedeutet es für mich / für meine Gemeinde, mit dem „Tag des Herrn“ zu rechnen? Was ist richtige und was falsche Endzeiterwartung?
  • Wird bisher bei Amos die Spannung zwischen Gericht und Gnade gehalten? Wenn nicht – was mag der theologische Grund sein?

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