Gemeinsam auf Kurs 2016 - Titelbild

Gemeinsam auf Kurs 2016 (4): Die Visionen und der Visionär

Lesung

Amos 7

1 Gott, der Herr, gab mir eine Vision: Ich sah, wie er Heuschreckenschwärme erschuf. Gerade hatte man das erste Heu eingebracht, das für die königlichen Stallungen bestimmt war, und das Gras wuchs allmählich wieder nach. 2 Da fielen die Heuschrecken über die Pflanzen im ganzen Land her. Als sie alles abgefressen hatten, rief ich: „Ach Herr, Gott, vergib doch! Wie sollen die Nachkommen Jakobs sonst überleben? Sie sind ja ein so kleines Volk!“ 3 Da hatte der Herr Erbarmen mit ihnen und sagte: „Was du dort gesehen hast, wird nicht eintreffen!“ 4 Dann gab Gott, der Herr, mir eine weitere Vision: Ich sah, wie er Feuer herbeirief, um sein Volk zu bestrafen. Zuerst verzehrte es das Wasser im Meer, dann bedeckten die Flammen das ganze Land. 5 Da rief ich: „Ach Herr, Gott, bitte hör auf! Wie sollen die Nachkommen Jakobs sonst überleben? Sie sind ja ein so kleines Volk!“ 6 Da hatte der Herr wieder Erbarmen mit ihnen und sagte: „Auch was du dort gesehen hast, wird nicht eintreffen.“ 7 Dann ließ der Herr mich sehen, wie er auf einer Mauer stand, die mit Hilfe eines Lots gebaut worden war. Er hielt ein Bleilot in der Hand 8 und fragte mich: „Amos, was siehst du?“ „Ein Bleilot“, antwortete ich. Da sagte er: „Ich lege jetzt dieses Lot an mein Volk Israel, in Zukunft gehe ich nicht mehr über ihre Sünden hinweg. 9 Ich verwüste die Orte auf den Hügeln, wo die Nachkommen Isaaks ihre Götter verehren; ja, alle Heiligtümer Israels verwandle ich in Trümmerhaufen. Mein Schwert trifft das Königshaus Jerobeams!“ 10 Amazja, der oberste Priester in Bethel, sandte einen Boten zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm ausrichten: „Amos zettelt mitten in Israel einen Aufstand gegen dich an! Seine Reden sind unerträglich! 11 Er hat behauptet: ‚Jerobeam wird durchs Schwert umkommen, und das Volk Israel wird aus dem Land vertrieben und in die Verbannung geführt.'“ 12 Zu Amos sagte Amazja: „Du Prophet, verschwinde von hier, und geh heim nach Juda! Dort kannst du weiter weissagen und dich dafür bezahlen lassen. 13 Aber hier in Bethel ist Schluss damit! Denn hier steht der Tempel des Königs, das wichtigste Heiligtum Israels.“ 14 Amos erwiderte: „Ich bin kein Prophet, der sich bezahlen lässt, und ich komme auch aus keiner Prophetenschule. Ich bin Viehhirte und pflanze Maulbeerfeigenbäume an. 15 Aber der Herr hat mich von meiner Herde weggeholt und mir befohlen: ‚Geh zu meinem Volk Israel, und richte ihm meine Botschaft aus!‘ 16 Und nun willst du mir verbieten, den Auftrag Gottes zu erfüllen und zu den Israeliten, den Nachkommen Isaaks, zu sprechen? Hör, was der Herr dir ankündigt: 17 ‚Deine Frau soll in dieser Stadt zur Hure werden, deine Söhne und Töchter werden im Krieg getötet, dein Grundbesitz wird an andere verteilt, und du selbst wirst in einem heidnischen Land sterben! Denn die Israeliten werden von hier verschleppt werden. Darauf gebe ich, der Herr, mein Wort!'“

Amos 8

1 Noch etwas ließ Gott, der Herr, mich sehen: einen Korb mit reifem Obst. 2 Er fragte mich: „Amos, was siehst du?“ Ich antwortete: „Einen Korb mit reifem Obst.“ Da sprach der Herr zu mir: „Ja, und so ist auch mein Volk: reif für das Gericht! Von jetzt an sehe ich nicht mehr über ihre Sünden hinweg! 3 Wenn meine Strafe sie trifft, dann werden sich die fröhlichen Gesänge, die jetzt noch im Königspalast erklingen, in Trauerlieder verwandeln. Wohin man auch blickt, liegen die Leichen herum, und überall herrscht Totenstille. Mein Wort gilt!“ 4 Hört zu, die ihr die Armen unterdrückt und die Wehrlosen zugrunde richtet! 5-6 Ihr sagt: „Wann ist das Neumondfest endlich vorbei? Wann ist die Sabbatruhe bloß vorüber, damit wir die Kornspeicher wieder öffnen und Getreide verkaufen können? Dann verkleinern wir das Getreidemaß und machen die Gewichte auf der Waage schwerer, wo die Käufer ihr Silbergeld abwiegen. Auch die Waage selbst stellen wir falsch ein. Bestimmt können wir sogar noch den Getreideabfall verkaufen!“ Ihr macht die Armen schon zu Sklaven, wenn sie euch nur ein Paar Schuhe nicht bezahlen können. 7 Der Herr aber hat bei seiner Ehre geschworen:1 „Niemals werde ich vergeben, was sie getan haben! 8 Ja, ihretwegen soll die Erde beben, sie wird sich heben und senken wie der Nil in Ägypten, und die Menschen werden um ihre Toten trauern. 9 Ich, der Herr, kündige euch an: An jenem Tag lasse ich die Sonne schon am Mittag untergehen, und die Dunkelheit bricht am helllichten Tag über das Land herein. 10 Eure Freudenfeste lasse ich zu Leichenfeiern werden und eure fröhlichen Lieder zu Totenklagen. Als Zeichen eurer Trauer werdet ihr euch Tücher aus grobem Sacktuch um die Hüften binden und euch die Köpfe kahl scheren. Ihr werdet so verzweifelt sein wie jemand, dessen einziger Sohn gestorben ist. Es wird ein bitterer Tag für euch sein, wenn das Ende kommt!“ 11 „Ich, der Herr, sage euch: Es kommt die Zeit, da schicke ich euch eine Hungersnot. Aber nicht nach Brot werdet ihr hungern und nicht nach Wasser verlangen. Nein, nach einem Wort von mir werdet ihr euch sehnen! 12 Dann irren die Menschen ruhelos durchs Land, vom Toten Meer bis zum Mittelmeer, vom Norden bis zum Osten. Doch ihre Suche wird vergeblich sein: Ich, der Herr, antworte ihnen nicht. 13 Auch die schönen Mädchen und die jungen Männer werden an jenem Tag vor Durst zusammenbrechen. 14 Sie werden fallen und nicht mehr aufstehen, denn sie schwören bei dem widerlichen Götzen von Samaria und bekräftigen ihren Eid mit den Worten: ‚So gewiss dein Gott lebt, Heiligtum in Dan!‘ oder: ‚So gewiss die Wallfahrt nach Beerscheba uns Gottes Segen sichert!'“

Text

Im Text dieser Woche geht es um „Visionen“ – geistliche Eindrücke in Bildern, durch die Gott Amos seine Botschaft deutlich macht.
Wir lesen, wie er selbst auf diese Eindrücke reagiert und wie seine Botschaft vom führenden Geistlichen der damaligen Zeit aufgenom-men wird.
Außerdem erzählt Amos hier seine eigene Berufung. Dadurch wird die Person des Propheten, der bisher ganz hinter seiner Botschaft verborgen war, für uns lebendig.

Fragen

1)  Die Visionen

(Amos 7, 1-9 und Amos 8, 1-3)

Zwei mal – jeweils bei den ersten beiden Visionen – bittet Amos um Gnade für das Volk: „Ach Herr HERR, sei gnädig!“ (7,2) und „Ach Herr HERR, lass ab!“ (7,5). Dann heißt es: „Da reute es den HERRN“.

Die Vision führt bei Amos also zu einer Reaktion: Der Fürbitte.

  • Hast du schon einmal erlebt, dass dich Gottes Botschaft für einen Menschen oder eine Situation zur Fürbitte bewegt hat?
  • Hast du schon einmal erlebt, dass sich Gott durch Fürbitte „umstimmen“ ließ?
  • Fallen dir andere Stellen in der Bibel ein, wo Gott mit sich „verhandeln“ lässt?

Was denkst du zu dem Satz:

„Wenn Gott Gericht androht, möchte er nicht, dass es eintritt, sondern dass sich Menschen erschüttern und zur Umkehr bewegen lassen“

Zwei mal – jeweils bei den letzen beiden Visionen – sagt Gott: „Ich will ihm [meinem Volk Israel] nichts mehr übersehen!“ (7,8 und 8,2)

  • Hat Gottes Güte, Geduld und Gnade also doch ein Ende?

Was denkst du zu dem Satz:

„Gottes Gericht ist nicht ein Hinrichten sondern ein Her­richten“ (Christoph Friedrich Blumhardt)

2)  Der Visionär

(Amos 7, 10-17)

Propheten sind – so verstehe ich es – Menschen die Gottes Botschaft in eine ganz konkrete Zeit und Situation, an ganz bestimmten Personen oder Personengruppen weiterzugeben haben.

Solch ein Mensch ist Amos.

Dennoch betont er: „Ich bin kein Prophet und kein Prophetenschüler“

  • Kann man Prophetie überhaupt lehren und lernen?
  • Falls ja:   Wie müsste so eine Prophetenschule aussehen?
    Was sollte dort gelehrt werden?
  • Falls nein: Warum nicht?

Weiter sagt Amos: „Aber der Herr hat […] zu mir gesagt:
Geh und rede als Prophet zu meinem Volk Israel!“

  • Welche Rolle spielt nach deiner Meinung die persönliche Berufung im Leben des Propheten?
  • Welche Berufungsgeschichten kennst du oder hast sie sogar selbst erlebt?

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