Gerd Ballon, Predigt am 13.03.2016

Gemeinsam auf Kurs 2016 (5): Es wird schon nicht so schlimm kommen…falsche Hoffnung auf ein Happy End!

Wir beenden heute Morgen die Aktion „Gemeinsam auf Kurs bleiben 2016“, die unter dem herausfordernden Thema stand: „Wenn Gott laut wird…Begegnungen mit seiner wilden Seite“ und in der wir den Propheten Amos während seiner unangenehmen Mission als Sprachrohr Gottes im Nordreich Israel begleitet haben.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Wenn Gott laut wird…Begegnungen mit SEINER wilden Seite
Amos 9 – Es wird schon nicht so schlimm kommen…falsche Hoffnung auf ein Happy End!“
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2016
Datum
13.03.2016
Länge
23:42
Bibelstelle
Amos 9

Lesungstext

Amos 9

1 Ich sah den Herrn am Altar stehen; er befahl: „Schlag auf die Kapitelle der Tempelsäulen, dass die Türschwellen erbeben! Zerschmettere die Säulen, damit die Trümmer den Leuten auf den Kopf fallen! Und wer das überlebt, den lasse ich vom Schwert durchbohren. Keiner wird fliehen können, niemand wird entkommen und sich retten. 2 Auch wenn sie in die Totenwelt eindringen und sich verstecken könnten – ich würde sie sogar von dort zurückholen! Und wenn sie in den Himmel hinaufsteigen könnten, würde ich sie herunterstürzen. 3 Wollten sie auf den Gipfel des Karmel fliehen, würde ich sie auch dort finden und zurückholen. Könnten sie sich auf dem Meeresboden verbergen, würde ich der Meeresschlange befehlen, sie mit einem Biss zu töten. 4 Und wenn sie unter den Gefangenen wären, die in ein fremdes Land verschleppt werden, würde ich sie auch dort noch mit dem Schwert umbringen! Denn bei mir finden sie keine Hilfe mehr, ich schicke ihnen nur noch Tod und Verderben.“ 5 Der Herr ist der allmächtige Gott! Berührt er die Erde, so fängt sie an zu schwanken. Sie hebt und senkt sich wie der Nil in Ägypten, und die Menschen trauern um ihre Toten. 6 Im Himmel hat er die Stufen zu seinem Thron gebaut und auf der Erde die Fundamente für das Himmelsgewölbe gelegt. Er lässt das Wasser aus dem Meer aufsteigen und die Erde überfluten. Sein Name ist „der Herr“! 7 So spricht der Herr: „Glaubt ihr Israeliten wirklich, ihr wärt besser als die Äthiopier? Es ist wahr: Ich habe euch aus Ägypten befreit. Aber genauso habe ich die Philister aus Kreta1 herausgeführt und die Syrer aus Kir. 8 Ich, der Herr, sehe ganz genau, wie ihr Israeliten in eurem Land gegen mich sündigt. Darum lasse ich euch vom Erdboden verschwinden! Doch ich will euch Nachkommen Jakobs nicht völlig ausrotten. Das verspreche ich, der Herr! 9 Ich zerstreue euch unter alle Völker. So wie in einem Sieb die Steine hängen bleiben, 10 so siebe ich die Schuldigen aus, sie, die jetzt noch selbstgefällig sagen: ‚Menschen wie uns lässt der Herr nichts zustoßen. Kein Unglück wird uns treffen.‘ Gerade sie werden vom Schwert durchbohrt!“ 11 So spricht der Herr: „Es kommt der Tag, an dem ich das Reich König Davids wieder aufbauen werde. Jetzt gleicht es zwar einem zerstörten Haus, doch dann richte ich die umgestürzten Wände wieder auf und schließe die Risse in der Mauer. 12 Die Israeliten werden in Besitz nehmen, was vom Gebiet der Edomiter übrig geblieben ist. Auch über die Nachbarvölker, die einst mir gehört haben, werden sie ihre Herrschaft ausdehnen. 13 Es kommt die Zeit, da wird es eine sehr reiche Ernte geben: Die Arbeiter mähen noch das Getreide ab, wenn der Bauer schon kommt, um den Acker wieder zu pflügen. Man tritt die Trauben noch in der Kelter, obwohl die Zeit der Aussaat schon wieder begonnen hat. Ja, es wird so viele Trauben geben, dass ihr Saft die Berge und Hügel herabfließt! 14 Ich werde das Schicksal meines Volkes wieder zum Guten wenden. Die Israeliten bauen die verwüsteten Städte wieder auf und wohnen darin, sie pflanzen Weinberge und trinken Wein, sie legen Gärten an und ernähren sich davon. 15 Ich werde sie wieder in ihr Land einpflanzen, und niemand kann sie mehr herausreißen. Denn dieses Land habe ich, der Herr, ihr Gott, ihnen gegeben. Mein Wort gilt!“

Predigt

Liebe Gemeinde,

wir beenden heute Morgen die Aktion „Gemeinsam auf Kurs bleiben 2016“, die unter dem herausfordernden Thema stand: „Wenn Gott laut wird…Begegnungen mit seiner wilden Seite“ und in der wir den Propheten Amos während seiner unangenehmen Mission als Sprachrohr Gottes im Nordreich Israel begleitet haben.

Unser Wunsch als Vorbereitungsteam war dabei, dass das Herausfordernde des Amosbuches in diesen Wochen auch wirklich deutlich werden möge – auch in den Predigten und bezogen auf unsere Gegenwart.

Und ich habe – auch wenn ich die letzten beiden Predigten nicht persönlich miterlebt, wohl aber über Podcast angehört habe – den Eindruck, das konnte gelingen. Da waren Herausforderungen hörbar. Und Eure Reaktionen haben das ja auch gezeigt. Dabei haben wir drei auch recht unterschiedliche Herausforderungen formuliert – und nicht jeder muss dabei immer die Auffassungen teilen, die der andere oft sehr persönlich vermittelt hat. Gerd Ballon, Albrecht Hesmert und Jürgen Klammt sind sehr unterschiedliche Menschen mit sehr unterschiedlichen Biographien und geistlichen Prägungen. So bunt ist unsere Gemeinde. Und ich empfinde das als Geschenk und Herausforderung gleichzeitig, in jedem Fall als Reichtum Gottes bei uns.

Aber – liebe Gemeinde: wie hätten wir Gottesdienste und Predigten denn gern? Unaufgeregt, unseren Auffassungen in allem angepasst? Nun jedenfalls kommt die Abschlusspredigt zum Amosbuch. Und ich bitte ich Sie heute Morgen: Setzen Sie Sich erst einmal bequem hin, recken Sie Sich. Und dann hören Sie erwartungsvoll zu, während ich diese Bibelstelle auszulegen versuche. Und erleben Sie dieses 9. Kapitel des Amosbuches als ein immer noch herausforderndes, aber auch Mut machendes Wort an jeden von uns. Einverstanden? Auf geht´s.

Dieses Kapitel 9 – es wurde ja schon gelesen – wurde von Albrecht Hesmert in seinem ersten Teil, der letzten Vision, ja schon mit in seine Auslegung hinein genommen. Es beginnt mit der letzten Vision von einem Gott, der gewaltig über dem Altar steht und ein unentrinnbares Gericht verkündet – und ein paar Jahrzehnte später dann ja auch wirklich ausführt im Nordreich Israel ausführt.

Und, liebe Gemeinde, nach so vielen Gerichtsworten in acht Kapiteln – wäre es da nicht wirklich eine wirklich freundliche Geste des Amos und des dahinter stehenden Gottes, wenn nun in Kapitel 9 so etwas wie eine richtig gute Entspannung der Situation einträte, so ein Happy End – ein Contrapunkt nach so viel Schrecken und Zerstörung?

Wir brauchen diese Entspannung im Leben doch so. Und ich erinnere mich an ein paar Katastrophenfilme aus Hollywood, die ich gesehen habe, vielleicht erinnert sich der eine oder andere auch.
„Independence Day“ zum Beispiel – die Menschheit kämpft dagegen, von einer Armada heuschreckenähnlicher technisch hochentwickelter Wesen ausgelöscht zu werden. Ein verzweifelter Kampf; nicht einmal Atombomben helfen da. Und doch – am Ende gibt es diesen Schwenk auf rauchende Luftschifftrümmer des Feindes überall auf der Welt: der Feind ist besiegt. Das Leben geht weiter, kann neu beginnen. –
Oder „Armageddon“ – ein Riesenmonstrum von Meteorit rast auf die Erde zu, wie ein Strafgericht Gottes wird es sie treffen und zertrümmern. Und dann schaffen es Menschen, auf dem Meteoriten zu landen, eine Atombombe zu zünden – und die Trümmer des zerstörten Himmelskörpers werden an der Erde vorbeigelenkt in den Weltraum. Happy End. Noch einmal davon gekommen.

Als die Flüchtlingswelle auf ihrem Höhepunkt angekommen war und die Stimmung teilweise kippte, konnte man bei uns hören: „Wir sind in diesem Land im Umgang mit Sturmfluten und Katastrophen erprobt. Da kommt ein Unglück; aber es geht auch wieder. Es bleibt absehbar. Und mit den Aufräumarbeiten kommt die Entspannung. Was an dieser Flüchtlingswelle Angst macht, ist die Unübersehbarkeit. Man sieht kein Ende, kein Happy End. Ganz schwer auszuhalten! Wo wird das enden? Wir werden alle weggespült aus Europa.“

Aber nun, liebe Gemeinde? Happy End? Amos, Kapitel 9 erreicht auch in der Flüchtlingsfrage? Alle Zäune dicht? Derzeit tröpfeln ein paar versprengte Syrer nach Deutschland. Die Polizei darf aufatmen und sich erst mal wieder erholen. – Und dann räumen wir auf und schaffen Ordnung, schieben erst mal ordentlich ab? „Es wird schon nicht so schlimm kommen – endlich Hoffnung auf ein Happy End!“

Liebe Gemeinde, ich freue mich ehrlich für jeden Polizisten und freiwilligen Helfer, für jeden Landrat in Deutschland mit seiner Beamtentruppe, der sich gerade etwas entspannt und sich freut, dass es anscheinend nicht so schlimm gekommen ist wie befürchtet.
Nur – wir alle müssen diese Bilder weiter aushalten von Menschen, die vor den Zäunen an der Grenze Griechenlands oder in anderen Lagern im Land in Verzweiflung und Panik geraten, weil sie kein Happy End erleben, sondern den SuperGAU ihres Lebens und ihrer Familien. – Und vielleicht wird uns dann irgendwann dämmern wie den Menschen im Nordreich Israel – ein paar Jahre oder Jahrzehnte später: „Es wird schon nicht so spät kommen – falsche (!!) Hoffnung auf ein Happy End“.

Aber es ist ja wirklich anders – dieses Kapitel 9, das Schlusskapitel des Amosbuches. Und für einen alttestamentlichen Propheten gehört es sich auch, irgendwo die von Gott geschenkte Hoffnung zu verpacken. Es wäre für mich eine Enttäuschung, wollte Amos uns das vorenthalten, was er da in den Versen 8 und den folgenden steht – bis zum Kapitelende:

11 An jenem Tag richte ich die zerfallene Hütte Davids wieder auf und bessere ihre Risse aus, ich richte ihre Trümmer auf und stelle alles wieder her wie in den Tagen der Vorzeit,
12 damit sie den Rest von Edom unterwerfen und alle Völker, über denen mein Name ausgerufen ist – Spruch des Herrn, der das alles bewirkt.
13 Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn -, da folgt der Pflüger dem Schnitter auf dem Fuß und der Keltertreter dem Sämann; da triefen die Berge von Wein und alle Hügel fließen über.
15 Und ich pflanze sie ein in ihrem Land und nie mehr werden sie ausgerissen aus ihrem Land, das ich ihnen gegeben habe, spricht der Herr, dein Gott.

Und so wird damit deutlich, worauf wir als Vorbereitungsteam die ganze Gemeinde hinweisen wollten: die Herzenseinstellung Gottes zu uns Menschen, die sich nicht von uns behindern oder gar auslöschen lässt, und die wir so beschrieben haben

Gott sagt: „Ich lasse mir trotz aller Bosheit meines Volkes und der notwenigen Konsequenzen daraus mein allertiefstes Wesen nicht rauben. Ich bin und bleibe Gott: ein gütiger, barmherziger und von Liebe zu seinem einzigen Kind erfüllter Vater. Und der bin ich im AT, in Amos 9 – so wie im NT mit der Sendung meines Sohnes. Die Wege sind unterschiedlich, aber im Wesen bleibe ich derselbe. Denn ich bin Dein Gott. Ich liebe Dich. Und dem Gehorsamen gehört das Himmelreich auf ewig.“

So ist Gott, liebe Gemeinde. Im Alten und im Neuen Testament derselbe. Und in der Obhut dieser Barmherzigkeit und der tiefen Menschenliebe dieses Gottes dürfen wir geborgen leben.

Also doch: das versöhnliche Happy End am Schluss? Die prophetische Harmonie des Amosbuches?

Nein, liebe Gemeinde, lasst uns ganz genau hinschauen, damit wir jetzt nach fünf Wochen Amos kein falsches, kein irreführendes Happy End hinlegen und die Botschaft des Amosbuches am Ende versemmeln.

Gott ist kein nettes Emoticon; er rettet, er vergibt, er schenkt Barmherzigkeit unter einer wichtigen Voraussetzung – und die liegt jenseits eines seichten Happy Ends. Was zeichnet denn diese Menschen aus, die am Ende vielleicht zu dem kleinen Teil derer gehören, mit denen Gott ganz neu anfangen will?

Formuliert ist das in ganz besonderer Weise im AT in 2. Chronik 7,14. Dort heißt es nämlich:

„Wenn mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt und betet, mein Angesicht sucht, und von seinen bösen Wegen umkehrt – so will ich vom Himmel her hören; so will ich ihre Sünden vergeben und ihr Land heilen.“

Viele von Euch wurden durch das Amosbuch ganz persönlich berührt und herausgefordert. Die Frage bleibt: Wie lebe ich mit Gott – heute, in meinem Alltag, Tag für Tag? Was hat sich aus Gottes Sicht in meinem Leben zu ändern? Was ist nicht gut? Wo muss ich eine Kehrtwendung vollziehen, damit die Dinge wieder in Ordnung kommen. Also – Umkehr? Neuanfang?

Und jetzt, liebe Gemeinde: ganz wichtig!
Vergebung, Neuanfang – ein Happy End im Sinne Gottes bekomme ich also nicht so einfach auf dem Goldenen Tablett serviert. Neuanfang hat laut dem Wort Gottes mit ganz herausfordernden Dingen zu tun:

  • mit demütigem, vor Gott auf die Knie gehenden Gebet, das die eigene Sünde und Falschheit nicht entschuldigt, sondern benennt
  • mit der Bereitschaft, Gottes Angesicht, seine Gegenwart in meinem Leben von ganzem Herzen zu suchen und mich von ihm finden zu lassen – koste es, was es wolle
  • von ganzem Herzen Umkehr zu wollen und dann auch zu tun – dann auch wirklich zu tun!

Deshalb, lieber Einzelner in dieser Gemeinde: was willst du lernen aus Amos? Und was willst Du in Deinem Leben ganz konkret tun? Das entscheidest Du ganz allein, und niemand anders. Du kannst nach dem heutigen Sonntag zur Tagesordnung übergehen und Gottes Reden vergessen. Du kannst alles in Erinnerung behalten, worüber Du dich in den letzten Wochen sonntags geärgert hast – oder ärgern wolltest. Oder Du freust Dich über einen heilenden, Sünden vergebenden und barmherzigen Gott in Jesus Christus – und suchst demütig sein Herz. Umzukehren gilt es immer irgendwo – in meinem und in Deinem Leben. Auch – wenn das nie einfach ist.

Und zieh dann wirklich durch. Denn vergiss nicht: Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Das Nordreich hat das damals seine Zukunft gekostet.

Gott segne Dich – und mich – damit Gott vom Himmel her hört – und meine und Deine Sünde vergibt – und unser Land heilt. Wir singen jetzt dieses Lied – stehend bitte.

Amen

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