Freudige Stärkung

„Die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Nehemia 8, 10

Da stehen sie nun auf der breiten Gasse vor dem Wassertor, umgeben von der neuen Stadtmauer Jerusalems, Alteingesessene und Zurückgekehrte aus Babylon. Wie gebannt hören sie zu, als Esra aus der Gesetzesrolle vorliest. Tiefe Erschütterung über das Versagen in der Vergangenheit macht sich breit, als das Volk sich so massiv den göttlichen Normen gegenübergestellt sieht. Deshalb also Verbannung, deshalb Babylon! In diese Erschütterung hinein redet Nehemia, der Statthalter: „Seid nicht traurig; weint nicht! Feiert das Laubhüttenfest wieder ganz neu! Und bekümmert euch nicht! Denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“ Da löst sich die Bedrückung; das Freudenfest kann beginnen.

Erst der Zusammenhang dieses Bibelwortes macht deutlich, welche mutmachende Botschaft hier weitergegeben werden soll. Und Mut und neue Zuversicht haben auch wir immer wieder einmal nötig, oder?

Schauen wir uns in unserer Welt um, dann erschrecken wir angesichts der kalten und heißen Kriegsschauplätze. Die Bedrohung des inneren und äu- ßeren Friedens auch in Europa nimmt ständig zu. Das Böse bestimmt das Tempo der Weltereignisse. Die Schwierigkeiten unserer engeren Umwelt kommen hinzu: Bedrohung des Arbeitsplatzes, Ärger mit den Nachbarn, Streitereien in der Gemeinde. Schwer belastet eine Krankheit oder auch die missliche Lage der eigenen Ehe. Die Kinder gehorchen nicht mehr. Wor- über kann sich da ein Mensch noch freuen?

Und am schlimmsten ist das Gefühl: Ich bin mitverantwortlich. Ich bin schuldig geworden an dem allen. Dass die Ehe so belastet ist – meine Schuld. Dass die Kinder ihrer Wege gehen – ich bin verantwortlich. Ich hätte etwas ändern können. Das kann traurig machen. Das bringt zum Weinen.

Brauchen wir da nicht auch jemanden, der uns sagt: „Sei nicht traurig; weine nicht. Verzage nicht angesichts der Welt und deiner Schuld. Denn die Freude am Herrn ist deine Stärke.“

Lassen Sie das als Ermutigung zu sich sprechen! Erinnern Sie sich an Gottes Taten in Ihrem Leben – vor allem an seine Heilstat am Kreuz Jesu – und feiern Sie ein Fest der Freude am Herrn, der auch Ihre Stärke sein will!

Eines allerdings geht dieser Freude vorauf – oder wie in Nehemia 9, folgt ihr nach: die Buße. Freude am Herrn kann nur dort ungetrübt sein, wo Schuld vergeben und Umkehr vollzogen ist – auch wenn Jahre dazwischen liegen. Dann aber kann das Freudenfest beginnen. Dann hat die Dankbarkeit das Wort. Dann schwinden Sorgen dahin.

Denn: „Die Freude am Herrn ist unsere Stärke!“

Mit herzlichem Gruß

Euer

Unterschrift Gerd Ballon

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