Gerd Ballon, Predigt am 10.04.2016 zum Thema "Erweckung in der Gemeinde (1)"

Erweckung in der Gemeinde (1)

Im Vorfeld unserer Gemeinsam-auf-Kurs-Reihe über Amos habe ich in einer Predigt zum Thema Hauskreise eine kleine Geschichte erzählt von Menschen, die sich auf meine Fersen hefteten, um etwas über Gott zu erfahren. Und ich habe damals gesagt: vermutlich wünscht sich jeder, der fröhlich mit Jesus Christus unterwegs ist, dass in Deutschland eine Erweckung ausbricht und Menschen wieder innig nach dem Willen Gottes und nach Errettung fragen.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Erweckung in der Gemeinde (1)
Reihe
Erweckung in der Gemeinde
Datum
10.04.2016
Länge
21:58
Bibelstelle
Hesekiel 37, 1-14

Lesungstext

1 Der Herr legte seine Hand auf mich, und sein Geist hob mich empor und brachte mich in ein weites Tal, das mit Totengebeinen übersät war.
2 Dann führte er mich durch die ganze Ebene, und ich sah dort unzählige Knochen verstreut liegen. Sie waren völlig vertrocknet.
3 Der Herr fragte mich: „Sterblicher Mensch, können diese Gebeine je wieder lebendig werden?“ Ich antwortete: „Herr, mein Gott, das weißt du allein!“
4 Da sagte er zu mir: „Sprich zu diesen dürren Knochen, und fordere sie auf: Hört, was der Herr euch sagt:
5 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache euch wieder lebendig!
6 Ich lasse Sehnen und Fleisch um euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Meinen Atem hauche ich euch ein, damit ihr wieder lebendig werdet. Dann erkennt ihr, dass ich der Herr bin.“
7 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Noch während ich redete, hörte ich ein lautes Geräusch und sah, wie die Knochen zusammenrückten, jeder an seine Stelle.
8 Sehnen und Fleisch wuchsen um sie herum, und darüber bildete sich Haut1. Aber noch war kein Leben in den Körpern.
9 Da sprach der Herr zu mir: „Sterblicher Mensch, ruf den Lebensgeist, und befiehl ihm, was ich dir sage. Er soll aus den vier Himmelsrichtungen kommen und diese toten Menschen anhauchen, damit sie wieder zum Leben erwachen!“
10 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Da erfüllte der Lebensgeist die toten Körper, sie wurden lebendig und standen auf. Sie waren zahlreich wie ein unüberschaubares Heer.
11 Der Herr sprach zu mir: „Sterblicher Mensch, die Israeliten gleichen diesen verdorrten Gebeinen. Sie klagen: ‚Wir sind völlig ausgezehrt und haben keine Hoffnung mehr, uns bleibt nur der Tod!‘
12 Darum sag ihnen: Hört die Botschaft des Herrn! Ich, der Herr, öffne eure Gräber und hole euch heraus, denn ihr seid mein Volk.
13 Wenn ich euch wieder lebendig mache, werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
14 Ich erfülle euch mit meinem Geist, schenke euch noch einmal das Leben und lasse euch wieder in eurem Land wohnen. Ihr werdet sehen, dass ich meine Versprechen halte. Mein Wort gilt!“

Predigt

 

Erweckung – es gibt ganze Gemeindegruppen, die glauben, je mehr man um Erweckung bete, umso schneller und heftiger werde es zu Erweckung kommen. Leider, liebe Gemeinde: ein Irrtum, de schon 40 Jahre mindestens anhält in unserem Land. Man sagt heute schlichtweg: „Wir haben uns geirrt. Wir sind hier einfach zu weit gegangen. Wir haben geglaubt, wir könnten Gott durch intensive und anhaltende Gebete und das Reden über Erweckung dazu zwingen, sie dann auch zu schenken und voranzutreiben. Das aber geht nicht. Erweckung ist und bleibt ein souveränes Geschenk eines souveränen Gottes. Er schenkt sie – und erst dann ist sie da.“

So geht Erweckung also nicht. Aber was ist Erweckung? Und wie kann sie sich ereignen? Wer sind die Protagonisten, wenn nicht Gott selber? Und was passiert mit mir und Dir, wenn Erweckung losgeht??

Auf diese Fragen möchte ich in drei oder vier Predigten mit Euch zusammen nachdenken. Heute also geht es los.
Denn – auch unsere Gemeindeleitung glaubt, dass dieses Thema virulent ist gerade bei uns. Dass der Heilige Geist uns bewegen möchte. Und deshalb wünschen wir uns, dass er in unseren Herzen Offenheit vorfindet und keine Barrieren. Deshalb geht es also heute morgen und an den kommenden Sonntagen um eines der wichtigsten Themen christlichen Glaubens: Erweckung in der Gemeinde. Eine Grundlage allen Nachdenkens über Erweckung sehe ich in dieser wunderbaren alttestamentlichen Bibelstelle, die wir vorhin gehört haben: Hesekiel 37,1-10.

Liebe Gemeinde,
hier wird ja in unvergleichlicher Weise der Wille Gottes zum Leben beschrieben. Ein unbeschreiblich düsteres Bild zunächst: Wirr und wild verstreut liegende Knochen. Ein Gräberfeld riesigen Ausmaßes, das Gott dem Hesekiel zeigt. Und dann kommen diese Knochen wieder zusammen, bewegen sich, ordnen sich. Muskeln und Haut wachsen darüber: Gott will Leben. Gott erweckt Totes. Um seiner Gnade willen. Deutlicher kann das nicht beschrieben werden. Klarer als hier in Hesekiel 37 kann Erweckung nicht werden. Diese Bibelstelle lassen Sie uns im Hinterkopf behalten als einen Beleg dafür, wie und in welcher Konsequenz Gott Erweckung schenkt.

Predigen möchte ich zu diesem Thema allerdings thematisch. Deshalb werde ich mich nicht allein auf die Auslegung dieses Textes beziehen. Ich möchte mit zehn Grundsätzen zur Erweckung zum Nachdenken anregen über Erweckung in Deutschland und wo auch immer, z.B. in FFB.
Wie aber beginnt mitten darin Erweckung in der Gemeinde Jesu?

1. Erweckung in der Gemeinde – durch eine erweckte Leitung

Wenn Jesu in seiner Gemeinde handeln will, wenn er Veränderung schaffen will, dann beginnt er, das ist vielfache Erfahrung, oft bei der Leitung der Gemeinde. Er erweckt die Frauen und Männer im Ältesten – und Leitungsdienst. Er macht sie sensibel – für die brennenden Probleme in der Gemeinde. Er macht sie offen für Änderungen in der eigenen bisher gewählten Position des Glaubens und der Erkenntnis des Wortes Gottes. Er setzt sie in Bewegung und verändert sie zuerst. D.h. alles das, was in der Gemeinde an Wandel, an neuer Erkenntnis, an Schuldbekenntnis und Vergebung, aber auch an Hemmnis uns Last sich ereignet, wenn Jesus erweckt, das ereignet sich oft zuerst im Kleinen – im Gefüge der Leitung.
Dabei sollen wir bedenken: wenn Jesus auf die Spur setzt, dann bringt das häufig Probleme. Und ich sage das, um sowohl unserer Gemeinde als auch unserer Leitung Mut zu machen – auch angesichts mancher vielleicht erwartbarer Schwierigkeiten in der Zukunft. Mut deshalb, weil da, wo Jesus erweckt, er ja zu sich hin, auf seinen Weg hin erwecken will. Und wo neue Bewegung, neues Denken, geistliche Veränderung passiert, da kommt es zu Entladungen, da passiert eben etwas. Deswegen lassen Sie uns auch in Zukunft dankbar sein für Turbulenzen, die Jesus anfacht. Es sind Signale auf dem rechten Weg. Jesus schenke mir selber und unserer Gemeindeleitung den Mut, weiterhin zielstrebig auf dem Weg zu gehen, den Jesus vorangeht, um immer wieder zu fragen: Was willst Du, Herr? Welchen Weg zeigst Du uns – und dann diesen Weg zu gehen. – Dabei kommt es übrigens nicht auf die Menge von Bildern und Eindrücken an; auch nicht darauf, ob ich jemals solche Eindrücke hatte oder haben werde – sondern darauf, ob ich offen bleibe für Gottes ganz individuellen Weg mit meiner Persönlichkeit als Leiter, ihn wahrzunehmen und zu hören!!

2. Erweckung in der Gemeinde durch die lebendige, erweckliche und gewissensbezogene Predigt

Und jetzt bitte hinhören: Ich behaupte nicht, daß wir diese Art von Predigten Sonntag für Sonntag in dieser Gemeinde erleben. – Aber da, wo Erweckung geschenkt wird, da wird es dazu gewiß noch deutlicher kommen – zur lebendigen und gewissensbezogenen Predigt. In der ersten großen Erweckung in Amerika hat die Auslegung des Römerbriefes eine große Rolle gespielt. Hier fielen damals Entscheidungen im Glauben. Hier wurde Schuld bewusst. Hier taten sich Menschenherzen auf und wurden erfüllt mit Gottes Heiligem Geist.

Ich bin der tiefen Überzeugung, darum geht es auch bei uns. Daß Predigt deutlich lebendige, erweckliche und gewissensbezogene Predigt ist. Predigt, die belehrt; die herausfordert; die auch ärgerlich ist.
G.W. Peters, Professor für Erforschung von Erweckungen in aller Welt, sagte das so: „Ein Pastor, der nach dem Gottesdienst zu viele Dankeschön hört, hat wenige Gewissen erreicht.“

Vielleicht hat er Recht. Aber er hat auch dies gesagt: „Man kann viele Gesichter in Tränen hüllen, aber dadurch erfolgt noch lange keine Buße.“

Es geht nicht um erweckliche Gefühle; es geht z.B. um das, was in Offb 2 und 3 in den Sendschreiben geschieht: Jesus scheut sich dort nicht; er fürchtet sich nicht vor den Menschen; er schont die Gemeinden um der Liebe willen nicht. Er spricht in den Sendschreiben geistliche Wahrheiten klar aus.

Wenn Sie also in den nächsten Wochen für die Predigtvorbereitung beten – beten Sie nicht um erbauliche Predigten, die Ihre Meinung bestärken und Frohsinn verbreiten. Beten Sie um klare belehrende Auslegung des Wortes Gottes – und um den Mut des Predigers, die Dinge so zu sagen, wie Jesus sie gesagt haben will. Predigt des Wortes Gottes will das Gewissen ergreifen und erwecken. Und nur wenn Sie das kann, wird sie zur Buße führen und bleibende Freude schenken.

Deshalb einmal ganz deutlich: Erweckliche Predigt führt in der Regel nicht zu Lacherfolgen, sie ist nicht geprägt von Witz und Wortspiel; sie ist aber durchdrungen von der Liebe zum Wort Gottes und vom Wunsch, ihn zu hören und dazu anzuregen, Gottes Willen dann auch zu tun.

3. Erweckung in der Gemeinde – den Lauen und Trägen in großer Treue, Liebe und Konsequenz nachgehen

Die paulinischen Briefe sind voll von der Ermutigung, den lau und träge gewordenen Christen nachzugehen und sie zu ermuntern – eine Hauptaufgabe der Apostel damals. Pls ermuntert ständig die Ältesten und die ganze Gemeinde, diejenigen nicht einfach zu übersehen und untergehen zu lassen in der Masse, die lau und träge geworden sind. Pls macht deutlich, dass diese Geschwister immer wieder die Ansprache brauchen – in Ermutigung, in Ermahnung durch das in Liebe gesagte offene und klare Wort – in der Herausforderung vor dem Wort Christi. Eine Gemeinde, die die Lauen in der Gemeinde ihren Weg unkorrigiert und unangefragt einfach gehen lässt, vielleicht über viele Jahre, kann nicht erweckt werden. Eine Gemeinde, die ihre Gemeindeleitung bremst, wenn diese den schwierigen Dienst dieser Seelsorge an den Lauen und Trägen tut, aus welchen Gründen auch immer, wird den Segen der Erweckung nicht erfahren. Eine Gemeinde und eine Gemeindeleitung kann nicht auf der einen Seite um Erweckung beten – und an dieser Stelle feige oder mutlos handeln. Denn nur in dem treuen Nachgehen den Lauen gegenüber erhält sich die Gemeinde die klaren Maßstäbe des an Christus orientierten Glaubenslebens. Indem sie den Lauen mit diesen Maßstäben nahe kommt, immer wieder – indem sie das tut, macht sich die Leitung der Gemeinde und die Gemeinde als Ganzes immer wieder selber deutlich: So soll Dein und mein persönliches Leben im Glauben verlaufen. Das will Jesu von mir und Dir!

Die Lauen in der Gemeinde laufen lassen, das ist die größte Lieblosigkeit der Christen untereinander – und sie ist der Tod der Lehre, des Neufanfangs und des Vorbildes Jesu.

Treues Nachgehen der Lauen hat natürlich Folgen. Einmal wird die Gemeindearbeit viel umfangreicher. Es kostet Kraft, diejenigen nicht aus dem Blickfeld zu verlieren, die in ihrer Glaubenskonsequenz nachgelassen und sich in irgendwelche Nischen zurückgezogen haben.

Und es führt auch dazu, dass die Lauen und im Glauben Trägen sich in der Gemeinde nicht mehr so wohl fühlen wie früher. Sie spüren die Sorge der anderen – und sie spüren biblische Erwartungen an ihr Leben. Man redet ihnen in ihr geistliches Leben hinein.

Oft wird das dann von den Betroffenen verwischt: dann ist es die engherzige Gemeinde, die ermahnt – anstatt zuzugeben, dass es doch Jesus Christus selber ist, der zur Buße ruft. Dann nervt einen die Gemeindeleitung oder der Pastor – dabei ist es doch Jesus, der sich im Gewissen meldet und lockt.

Erweckung in der Gemeinde zeigt sich da, wo die Lauen in der Gemeinde spüren: die anderen sorgen sich um uns. Und sie kümmern sich um uns. Und Jesus redet zu uns.

Liebe Gemeinde, dies sind drei von 10 Merkmalen von Erweckung.
Am kommenden Sonntag geht es weiter mit dem Thema.
Gott segne Euch.
Amen

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