Gerd Ballon, Predigt am 10.04.2016 zum Thema "Erweckung in der Gemeinde (1)"

Erweckung in der Gemeinde (2)

Heute also führen wir die Kennzeichen von Erweckung weiter.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Erweckung in der Gemeinde (2)
Reihe
Erweckung in der Gemeinde
Datum
17.04.2016
Länge
32:56
Bibelstelle
Hesekiel 37, 1-14

Lesungstext

1 Der Herr legte seine Hand auf mich, und sein Geist hob mich empor und brachte mich in ein weites Tal, das mit Totengebeinen übersät war.
2 Dann führte er mich durch die ganze Ebene, und ich sah dort unzählige Knochen verstreut liegen. Sie waren völlig vertrocknet.
3 Der Herr fragte mich: „Sterblicher Mensch, können diese Gebeine je wieder lebendig werden?“ Ich antwortete: „Herr, mein Gott, das weißt du allein!“
4 Da sagte er zu mir: „Sprich zu diesen dürren Knochen, und fordere sie auf: Hört, was der Herr euch sagt:
5 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache euch wieder lebendig!
6 Ich lasse Sehnen und Fleisch um euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Meinen Atem hauche ich euch ein, damit ihr wieder lebendig werdet. Dann erkennt ihr, dass ich der Herr bin.“
7 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Noch während ich redete, hörte ich ein lautes Geräusch und sah, wie die Knochen zusammenrückten, jeder an seine Stelle.
8 Sehnen und Fleisch wuchsen um sie herum, und darüber bildete sich Haut1. Aber noch war kein Leben in den Körpern.
9 Da sprach der Herr zu mir: „Sterblicher Mensch, ruf den Lebensgeist, und befiehl ihm, was ich dir sage. Er soll aus den vier Himmelsrichtungen kommen und diese toten Menschen anhauchen, damit sie wieder zum Leben erwachen!“
10 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Da erfüllte der Lebensgeist die toten Körper, sie wurden lebendig und standen auf. Sie waren zahlreich wie ein unüberschaubares Heer.
11 Der Herr sprach zu mir: „Sterblicher Mensch, die Israeliten gleichen diesen verdorrten Gebeinen. Sie klagen: ‚Wir sind völlig ausgezehrt und haben keine Hoffnung mehr, uns bleibt nur der Tod!‘
12 Darum sag ihnen: Hört die Botschaft des Herrn! Ich, der Herr, öffne eure Gräber und hole euch heraus, denn ihr seid mein Volk.
13 Wenn ich euch wieder lebendig mache, werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
14 Ich erfülle euch mit meinem Geist, schenke euch noch einmal das Leben und lasse euch wieder in eurem Land wohnen. Ihr werdet sehen, dass ich meine Versprechen halte. Mein Wort gilt!“

Predigt

Bisher haben wir nachgedacht über:

  • 1. Erweckung in der Gemeinde – durch eine erweckte Leitung
  • 2. Erweckung in der Gemeinde durch die lebendige, erweckliche und gewissensbezogene Predigt
  • 3. Erweckung in der Gemeinde – den Lauen und Trägen in großer Treue, Liebe und Konsequenz nachgehen

4. Erweckung in der Gemeinde – in der Weckung eines Gebetsgeistes in der ganzen Gemeinde

In unserer Gemeinde hört man immer wieder den Satz: „Wir müssen mehr beten!“ – In der Regel lässt sich darauf nur antworten mit einem kraftvollen „Ja“. Denn – wer könnte wirklich von sich sagen, dass er selber oder seine Gemeinde genug bete. Nur – ist dieser Satz das, was mit der „Weckung eines Geistes des Gebetes“ gemeint ist?

Ich habe erlebt, dass dahinter manchmal das magische Empfinden stand: `Mehr Gebet wird alles in Ordnung bringen. Es ist der Schlüssel zum Erfolg.‘ – Das aber ist im NT so nicht verheißen.

Die Weckung des Geistes des Gebetes aber hat mit der inneren Einstellung zum Gebet allgemein zu tun! Uns fehlt heute in unserem geistlichen Inneren der Glaube an das Gebet. Wir lehnen erwartungsvolles Beten um die kleinen Dinge manchmal als „Naivität“ ab.

Und auch um unsere Ausdauer im Beten ist es oft auch traurig bestellt. Wie oft muss ich selber erleben, wie ich wichtigste Anliegen schlichtweg vergesse oder nach kurzer Zeit die Energie verliere, anhaltend zu beten und zu bitten.

Wenn Gott aber einen Gebetsgeist in der Gemeinde weckt, dann kann das nur so aussehen, dass das Bedürfnis steigt, mit dem Herrn der Welt zu reden; dass Gebet auf einmal nicht mehr langweilige Verpflichtung des Glaubens ist, sondern erwartungsvolles Loben, Danken und Bitten einem allmächtigen Gott gegenüber; dass unsere Anliegen nicht länger frommes und glaubensarmes Ansammeln unserer eigenen Unfähigkeiten bleiben, so nach dem Motto: „Herr, Du siehst uns hier in unserer Schwachheit. Segne uns trotzdem.“ Dann werden Gebetsanliegen von der vertrauensvollen Erwartung auf Erhörung geprägte Sammlung unserer Herzensanliegen, die wir vor Gott in diesem Vertrauen ausbreiten: Er als der Allmächtige wird sich all dessen annehmen und es in seiner Weise gut machen.

Wenn Gott einen Gebetsgeist in der Gemeinde weckt, dann muss man nicht mühsam nach Möglichkeiten suchen, Gebetsgruppen, Zweierschaften und Kreise einzurichten, in denen dann – hoffentlich – gebetet und nicht fromm daher geplaudert wird. Da wird das Gebet zur natürlichen Handlung im Rahmen einer Begegnung von Christen; es wird zum überaus freudigen Ereignis in den Veranstaltungen der Gemeinde, auf das sich alle freuen, denn es führt in die Verbindung mit einem Gott, der lebendig eingreift und handelt.

Wir dürfen Gott dankbar sein für alle Gebetsangebote in unserer Gemeinde. Einzelne in der Gemeinde beten ja sehr regelmäßig montags und freitags.
Und als ein allgemeines Angebot an alle gibt es die Einladungen der Gebetsinitiative jeweils am 2. Sonntag des Monats um 19.00 Uhr.

Wenn irgendetwas eine von Gott geschenkte Erweckung vorbereitet, dann wird es der Geist erwartungsvollen Gebetes in der Gemeinde sein, der eben nicht geprägt ist von unseren schlechten Erfahrungen, sondern von den großen Verheißungen, die Gott auf das Gebet legt. Und wir werden neu staunen, was sich um uns herum tut, wenn Gott Erweckung schenkt.

Ich glaube aber, dass wir noch ziemlich weit entfernt sind davon. Noch platzt der Gebetskreis sonntags nicht aus allen Nähten. Noch ist es nicht so, dass wir in diesen Gebetsveranstaltungen Andacht und Lieder und alles Reden streichen müssen, weil alle nur so darauf drängen, Gott im Gebet anhaltend zu begegnen. – Dann aber, liebe Gemeinde – wenn das geschehen wird: „dann erhebt Eure Häupter und seht auf, weil sich Eure Erlösung naht!!“

5. Erweckung in der Gemeinde – in dem glaubensvollen Ergreifen des göttlichen „Ich will!“

Hört sich sehr geschwollen an, nicht? Was heißt das denn?
Wir gehen in unserem Denken und auch in unserem Gebet oft nur von den Möglichkeiten Gottes aus: Gott kann mich ändern. Gott kann die Christenheit verändern. Gott kann diese Menschen wieder zurück – und zu Recht bringen. Gott kann in dieser Gemeinde Erweckung schenken. Ja, Gott kann das. Und unser Vertrauen auf Gott wäre nicht viel wert, wenn wir Gott das nicht zutrauen könnten. Gott kann das. Und wir bitten Gott, weil er das kann!

Wir haben unseren Alltag und unsere Hoffnungen mit und auf Gott auf ein Umgehen mit Möglichkeiten eingegrenzt. Aber wo bleibt das Rechnen mit Gottes Verheißungen? Wann ergreifen wir wieder im Glauben dieses göttliche „Ich will!“

Am Anfang dieser Predigtreihe habe ich Hesekiel 37 lesen lassen. Und diese 14 Verse sind eine äußerst mächtiges Bild für Gottes Erweckung in seinem Volk. In Hes 37 im ganzen Kapitel taucht sie über 30mal auf, diese Formulierung: Ich will!

Gott kann nicht nur – Gott will.

Gott will ja Erweckung! Nicht nur weltweit. Gott will Erweckung hier bei uns. Mit jeder Faser seines göttlichen Liebe und Kraft drängt Gott auf Erweckung hier bei uns – davon bin ich überzeugt. Es kann ihm ja nicht egal sein, Christen beim Einschlafen und Sich-in-dieser-Welt-Einrichten zu beobachten. „Ich will“ – sagt er. Aber: wann wollen wir das endlich begreifen und ergreifen und zur Verheißung unseres Glaubens, unserer Gebete und Erwartungen machen? Ich bete anders um Erweckung, ich hoffe anders auf Erweckung, wenn ich begriffen habe: Gott will. Und indem ich ihn bitte, von Herzen bitte, bin ich im Einklang mit seinem Willen für mich und meine Gemeinde.

6. Erweckung in der Gemeinde – wenn Menschen tief erfasst werden von der Sündhaftigkeit der Sünde

Wir leben heute in einer Zeit der Bagatellisierung der Sünde. Außer Parksündern und solchen, die durch zuviel Schlagsahne gesündigt haben, taucht das Wort Sünde in unserer Gesellschaft nicht mehr auf – doch, nun gerade auf dem Hintergrund der PanamaPapers als Steuersünde. – Das ist nicht verwunderlich, denn all zu viele Begriffe verschwimmen derzeit. Vor allem Worte, die mit unserem Gewissen zu tun haben; die es belasten könnten, werden bagatellisiert. Und ich bin sicher, dass es diesen Trend in die Gemeinde Jesu hinein sehr wohl auch gibt.

Erweckung durch Christus aber heißt genau anders herum: ganz neu und tief erfasst werden von der Sündhaftigkeit der Sünde. Schauen Sie Sich doch das Buch der Bücher an. Es ist voll von dieser tiefen Bestürztheit über die Sündhaftigkeit der Sünde. Es ist voll von dem Bewusstsein: „Ich bin bis tief in mein Leben hinein bedroht von der Sünde.“
Die Wurzel der Sünde ist – Sünde. Erweckung heißt nun aber: da wird von Gott nicht brutal in der Sünde herumgestochert. Da wird aber durch Gottes Geist auf die Tiefe der Sünde im menschlichen Leben hingewiesen. Und dann – reagieren Menschenherzen, die erweckt sind. Dann erschrecken Menschen bis in ihr Innerstes hinein vor der Sünde. Warum? Weil sie die Heiligkeit Gottes erkannt haben. Dann erkennen Menschen, wie sehr sie schon gewöhnt sind an die Sünde; wie viel Halbherzigkeit in allen Lebensbereichen bereits existiert; wie viel Kompromisse im Laufe der Zeit geschlossen worden sind; und wie viel Lagen Watte und Decken über dem schreienden Gewissen lagern – damit es nicht mehr stören kann.

Warum ist Erweckung in der Gemeinde so wichtig?
Weil sie zu einem überwältigenden Erfasst werden von der tiefen Sündhaftigkeit der Sünde führt – und zu einem wieder hörbaren Aufschrei des unterdrückten Gewissens, das mir eine neue Perspektive klarmacht. Und das etwas folgen lässt, nämlich:

7. Erweckung in der Gemeinde – durch einen unaufhaltsamen Drang, die Sünde vor Gott und, wo notwendig, vor den Menschen zu bekennen

Die Erfahrungen aus der Beobachtung der großen Erweckungen auf diesem Planeten kommen immer wieder auf diesen Punkt: Menschen machen Schluss mit der Sünde als Macht. Eine unaufhaltsame Kraft treibt sie dahin, die Sünde im eigenen Leben vor Gott auszusprechen – und dann zu lassen. Ganze Gemeinden werden davon erfasst. Und dann – geht es oft auch an die Öffentlichkeit!

Festo Kivengere, längst verstorbener Bischof einer erweckten Kirche in Uganda, berichtet in seinem Buch, wie in einer Zeit geistlicher Aufbrüche in seinem Land auf einmal einzelne Gemeindeteilnehmer vor die Gemeinde treten, und wie sie ihre Schuld vor den Menschen bekennen, weil sie es nicht mehr aushalten, mit einem derart belasteten Gewissen zu leben. Weil da das alles endlich heraus muss – um bekannt und vergeben zu werden.
Und Kivengere berichtet: da ist es in einer Gemeinde einmal passiert, dass ein Presbyter während einer Zeit der Erweckung eines Sonntags vor der Gemeinde den Mord an seiner Frau beichtet – der bisher nie aufgedeckt worden ist – sich dann der Polizei zur Vernehmung stellt und nach dem Prozess im Gefängnis seine Schuld büßt.

Erweckung schenkt Befreiung zur Beichte und Buße vor Gott und vor Menschen.

Und ich habe es in einem Gottesdienst vor vielen Jahren und als blutiger Anfänger und Gemeindepraktikant selber erlebt: meine Predigt hatte damals das Thema: „Vergebung weitergeben – Joseph und seine Brüder in Ägypten“. Und da steht nach der Predigt ein Mann auf, geht nach vorn zum Mikrofon und sagt vor der Gemeinde: „Ihr wisst, ich bin Mitglied im Ältestenkreis. Aber Ihr wisst auch von meinem Spannungen zu meiner Schwägerin wegen vieler Streitigkeiten in der Familie. Das war so schlimm. Einzelne in der Gemeinde haben das besonders stark mitbekommen. Und ich möchte Euch sagen, dass ich mich dessen schon lange schäme. Aber wir haben uns nun vor wenigen Tagen ausgesprochen. Gott hat eingegriffen. Und jetzt ist alles gut geworden. Wir haben uns versöhnt. Gott hat uns Frieden geschenkt. Aber ich bitte auch Euch: Vergebt mir, dass ich die Gemeinde Gottes und ihren Ruf so sehr und so lange belastet habe.“

Danach war es ganz still. Und diese wenigen Worte eines Sündenbekenntnisses haben die Herzen der Gottesdienstbesucher viel mehr bewegt als die Predigt vorher.

Wo Gott Menschen erweckt, da wird der Drang unaufhaltsam, mit Schuld und Sünde aufzuräumen, sie vor Gott und, wo nötig, vor den Menschen auch der Gemeinde zu bekennen. Gerade deshalb: Gott segne uns mit Erweckung. – Und wir spüren vielleicht gerade bei diesem heute letzten Punkt: es ist herausfordernd, gefährlich und manchmal so peinlich, wenn Erweckung sich Bahn bricht. Aber – es lohnt sich so sehr, darum anhaltend zu beten.

Liebe Gemeinde,
dies waren nun sieben von 10 Gedanken zur Erweckung in der Gemeinde Jesu. Ich wünsche es mir und Ihnen, dass wir darüber nachdenken. Am 1. Mai geht´s weiter mit den vorerst letzten 3 Gedanken. Gott segne uns beim Weiterdenken. Und die Predigt werde ich wieder versenden an alle in der Gemeinde. Sie ist Pflichtlektüre für jeden, der es ernst meint mit Erweckung.

Amen

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