Gerd Ballon, Predigt am 10.04.2016 zum Thema "Erweckung in der Gemeinde (1)"

Erweckung in der Gemeinde (3)

Heute beenden wir die Kennzeichen von Erweckung, … fürs erste…

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Erweckung in der Gemeinde (3)
Reihe
Erweckung in der Gemeinde
Datum
01.05.2016
Länge
27:37
Bibelstelle
Hesekiel 37, 1-14

Lesungstext

1 Der Herr legte seine Hand auf mich, und sein Geist hob mich empor und brachte mich in ein weites Tal, das mit Totengebeinen übersät war.
2 Dann führte er mich durch die ganze Ebene, und ich sah dort unzählige Knochen verstreut liegen. Sie waren völlig vertrocknet.
3 Der Herr fragte mich: „Sterblicher Mensch, können diese Gebeine je wieder lebendig werden?“ Ich antwortete: „Herr, mein Gott, das weißt du allein!“
4 Da sagte er zu mir: „Sprich zu diesen dürren Knochen, und fordere sie auf: Hört, was der Herr euch sagt:
5 Ich erfülle euch mit meinem Geist und mache euch wieder lebendig!
6 Ich lasse Sehnen und Fleisch um euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Meinen Atem hauche ich euch ein, damit ihr wieder lebendig werdet. Dann erkennt ihr, dass ich der Herr bin.“
7 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Noch während ich redete, hörte ich ein lautes Geräusch und sah, wie die Knochen zusammenrückten, jeder an seine Stelle.
8 Sehnen und Fleisch wuchsen um sie herum, und darüber bildete sich Haut1. Aber noch war kein Leben in den Körpern.
9 Da sprach der Herr zu mir: „Sterblicher Mensch, ruf den Lebensgeist, und befiehl ihm, was ich dir sage. Er soll aus den vier Himmelsrichtungen kommen und diese toten Menschen anhauchen, damit sie wieder zum Leben erwachen!“
10 Ich tat, was der Herr mir befohlen hatte. Da erfüllte der Lebensgeist die toten Körper, sie wurden lebendig und standen auf. Sie waren zahlreich wie ein unüberschaubares Heer.
11 Der Herr sprach zu mir: „Sterblicher Mensch, die Israeliten gleichen diesen verdorrten Gebeinen. Sie klagen: ‚Wir sind völlig ausgezehrt und haben keine Hoffnung mehr, uns bleibt nur der Tod!‘
12 Darum sag ihnen: Hört die Botschaft des Herrn! Ich, der Herr, öffne eure Gräber und hole euch heraus, denn ihr seid mein Volk.
13 Wenn ich euch wieder lebendig mache, werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.
14 Ich erfülle euch mit meinem Geist, schenke euch noch einmal das Leben und lasse euch wieder in eurem Land wohnen. Ihr werdet sehen, dass ich meine Versprechen halte. Mein Wort gilt!“

Predigt

Liebe Gemeinde,

ich möchte nun heute morgen weitermachen und unser Thema „Erweckung“ zu einem vorläufigen Abschluss bringen. Bewegen soll und muss dieses Thema uns weiterhin. Das Gesamtkonzept kann jeder sich per Email bei mir bestellen. Danke, wenn Sie weiter gründlich nachdenken darüber und beten für Sich selber und für unsere Gemeinde.

Bisher haben wir nachgedacht über die Gesichtspunkte:

  1.  Erweckung in der Gemeinde – durch eine erweckte Leitung
  2. Erweckung in der Gemeinde durch die lebendige, erweckliche und gewissensbezogene Predigt
  3. Erweckung in der Gemeinde – den Lauen und Trägen in großer Treue, Liebe und Konsequenz nachgehen
  4. Erweckung in der Gemeinde – in der Weckung eines Gebetsgeistes in der ganzen Gemeinde
  5. Erweckung in der Gemeinde – in dem glaubensvollen Ergreifen des göttlichen „Ich will!“
  6. Erweckung in der Gemeinde – wenn Menschen tief erfasst werden von der Sündhaftigkeit der Sünde
  7. Erweckung in der Gemeinde – durch einen unaufhaltsamen Drang, die Sünde vor Gott und, wo notwendig, vor den Menschen zu bekennen

Und nun, nach dem siebten Gesichtspunkt:

8.Erweckung in der Gemeinde – in einem freien und ungehemmten Walten des Heiligen Geistes

Wo Gott erweckt, liebe Gemeinde, da ist der Heilige Geist die treibende Kraft. Was tut er?

Er offenbart sich zuerst in einem freudigen Zeugnis. Da können Menschen, die vielleicht schon ganz lange mit Jesu leben, auf einmal wieder frisch, fröhlich und neu erfüllt ihren Glauben an Jesus Christus bezeugen. Da verlieren sie Angst vor ihrer Unfähigkeit und den Menschen. Da wird ihr Zeugnis von Christus lebendig und überzeugend.

Da offenbart sich der Heilige Geist in neuen Liedern. Wie viele Lieder unserer jeweiligen Gemeindeliederbücher sind entstanden in Zeiten der Erweckung. Deshalb spüren wir ihre Kraft auch noch heute. Dass sie mittlerweile zu den alten Liedern gehören, hemmt oft nicht die erweckliche Kraft, die in ihnen herrscht.

Der Heilige Geist offenbart sich im willigen Dienst für Jesus. Da hört das Jammern in der Gemeinde auf. Da kommt eine neue Freude am Dienen auf. Ja, da wollen Menschen auf einmal – dienen. Da werden Gemeinden von innen her lebendig – durch den freien und ungehemmt in der Gemeinde waltenden Geist Gottes.

Dieser Geist gibt Kraft zum freudigen Opfer. Ein Beispiel aus einer erweckten Gemeinde:

Da hatte ein Ehepaar in der Gemeinde ein Darlehen aufgenommen und das eigene Haus renoviert. Und dann brauchte die Gemeinde irgendwann dringend Geld. Die beiden hatten ihr Darlehen fast abgezahlt. Und da gingen diese beiden Menschen hin, nahmen abermals ein Darlehen in gleicher Höhe auf wie vorher – und gaben es ans Reich Gottes. Denn, so sagten sie, es ging vorher für uns – also wird es auch jetzt für Gott gehen.

Erweckung in der Gemeinde – durch vom Heiligen Geist erweckte Menschen.

Der Heilige Geist schenkt aber auch noch etwas weiteres ganz Wunderbares: nämlich unaussprechlichen Frieden und Freude in die Herzen der Menschen. Menschen, die erweckt sind, wissen, was Friede und Freude wirklich bedeuten. Das sind nicht die Rinnsale, wie wir sie oft erleben und wie sie uns enttäuschen und manchmal unser Glaubensleben erschüttern. Wie viele unglückliche Christen gibt es aufgrund mangelnden Friedens und geringer Freude im Glauben. –

Erweckte Menschen erleben auf einmal solch einen unaussprechlichen Frieden und eine Freude, dass sie manchmal keine Kanäle in ihrem alten Leben finden, um ihre Freude zum Ausdruck bringen zu können. Ich kenne Menschen auch in unserer Gemeinde, die während ihrer persönlichen Gebetszeit diese Freude und Begeisterung für Gott in einer von Gott geschenkten Sprachenrede ausdrücken. Und in diesem Zusammenhang kann ich diese Gnadengabe durchaus als ein Geschenk persönlicher Auferbauung sehen und mich mit dem so Begabten freuen.

Auf dem Hintergrund dieser großen Freude an Gott verstehe ich gut und verstehen wir vielleicht miteinander, warum man sich so sehr nach Erweckung sehnen kann. Und nach dieser unaussprechlichen Freude. Und das sage jetzt ich, der ich ein ausgesprochen nüchterner Glaubensknochen bin – und auch im Wesentlichen wohl bleiben werde.

9. Erweckung in der Gemeinde – in einer großen Liebe zum Wort Gottes

– Wenn wir in unseren Gedanken bei der Predigt abschweifen, dann mag das wohl auch einmal an einer weniger interessanten Predigt liegen – oder an dem Spätfilm am Samstagabend, dem wir nicht widerstehen konnten.
– Wenn wir uns in der Stille des Tages so wenig auf die vor uns liegende Bibel und die aufgeschlagenen Verse konzentrieren können, dann mag das an der falschen Tageszeit liegen oder an einer robusten Störung unseres Tagesablaufs.
– Wenn wir die Bibelgespräche unseres Hauskreises nicht attraktiv finden und sie uns am liebsten schenken, dann mag es an schlechtem Material zur Gesprächsrunde liegen oder an einer noch ausbaubaren Gesprächsführung unseres Leiters.

– Wenn wir für unseren Alltag als glaubende Menschen Hilfestellungen vermissen und nach Maßstäben fragen –

– wenn das alles so ist – dann hat das sicherlich oft äußere Gründe, die verständlich sind.

Aber dann hat das sehr oft auch innere Gründe, die unser geistliches Leben betreffen. Gott möchte seine Menschen zu einer großen Liebe zum Wort Gottes zurückführen. Denn er kennt die Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit seiner Kinder, die sich langsam einstellt, wenn ihnen diese Liebe zum Wort Gottes verloren geht.

Wir haben ja nichts anderes als das Wort Gottes, um für unseren Glauben Kraft und Mut zu gewinnen; um Antworten zu finden; um als Christen leben zu können.

Wo Gott Erweckung schenkt, werden Menschen immer fester hingezogen zu einer Sehnsucht nach dem Wort Gottes. Da wollen sie ihr Leben verstehen und leben aus diesem Wort Gottes heraus. Was für ein Geschenk, das in unserer Gemeinde zu erleben, oder? Lieben Sie das Wort Gottes schon?

10. Erweckung in der Gemeinde – in Gemeindeerneuerung und Wachstum

Und dann, am Ende dieser Predigtreihe, dann kommt auch noch dieser Gesichtspunkt hinzu:
Wo Gott Erweckung schenkt – und das zeigt sich immer wieder in der Kirchengeschichte, da werden schließlich Gotteshäuser zu klein, da ist der Platz auf der Fensterbank ein begehrter Sitzplatz. Da werden Bibeln zur Mangelware. Da sind die Gottesdienste irgendwann größere oder kleinere Massenveranstaltungen. Da geht es nicht mehr um Liturgie, sondern um Leitung durch Gottes Geist; um Ursprünglichkeit der Liebe zu Jesus.

Und an diesem letzten Punkt wird sehr deutlich, was für alle 10 Punkte gilt: dies alles kann man nicht machen. Nicht dadurch, dass man das Wort Erweckung oder Erneuerung dauernd im Munde führt; nicht durch Appelle und Aufrufe. Nicht durch erzwungene Gebetsgemeinschaften.

Unsere Gemeinde wird nicht wachsen durch neue Konzepte und Aufrufe an die Bevölkerung.

Es hängt alles, besonders das zahlenmäßige Wachstum, von dem Einen ab, der erweckt – von Gott in Jesus Christus. Er, Christus, erweckt die Leitung und Pastoren, er weckt den Gebetsgeist und ein Erkennen eigener Sündhaftigkeit. Er schenkt das Walten des Geistes.

Wir aber – wir wollen doch bereit sein für seine Erweckung unter uns. Deshalb erinnern wir einander an das, was er tun will. Deshalb dieses Thema, diese Predigten, diese Richtung im Gemeindeleben.

Wollen wir eine ganz natürliche und gottgeschenkte Erweckung – in unserer Gemeinde und in unserem Land? Beten wir darum? Sind wir bereit? Hat bei uns schon etwas begonnen? Wie wird es weitergehen können?

Erweckung in der Gemeinde – durch einen erweckenden Christus Jesus, unseren Herrn – die schenke uns Gott. Denn nur er allein kann das tun. Er lässt sich nicht von uns zwingen. Aber er möchte, dass wir ihn weiter darum bitten. Gott segne unsere Bitten.

Und vielleicht wird es dann dazu kommen, dass wir miterleben dürfen, wie Gott Erweckung schenkt – in meinem und Deinem Leben. Im Leben unserer Gemeinde – und womöglich auch weit darüber hinaus.
Dazu segne Gott uns miteinander.

Amen.

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