Ein fliegender Adler über einem spiegelnden See, im Hintergrund Berge

Flügel wie Adler

In dieser Predigt geht es darum, Gottes Perspektive zu übernehmen, dass wir auffliegen wie Adler, dass wir laufen und nicht müde werden, wandern und nicht ermatten. Der Weg ist nicht zu weit. Und wir müssen weder in Bezug auf die Weltsituation noch in Bezug auf unser eigenes persönliches und geistliches Leben in dumpfen Befürchtungen und unaussprechlichen Ängsten verharren.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Flügel wie Adler
Reihe
Datum
19.06.2016
Länge
16:29
Bibelstelle
Jesaja 40, 12-31
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

12 Wer misst das Meer mit der hohlen Hand? Wer kann mit der ausgespannten Hand den Himmel vermessen? Wer misst den Staub der Erde mit einem Scheffel? Wer wiegt die Berge mit einer Waage und mit Gewichten die Hügel?
13 Wer bestimmt den Geist des Herrn? Wer kann sein Berater sein und ihn unterrichten?
14 Wen fragt er um Rat und wer vermittelt ihm Einsicht? Wer kann ihn über die Pfade des Rechts belehren? Wer lehrt ihn das Wissen und zeigt ihm den Weg der Erkenntnis?
15 Seht, die Völker sind wie ein Tropfen am Eimer, sie gelten so viel wie ein Stäubchen auf der Waage. Ganze Inseln wiegen nicht mehr als ein Sandkorn.
16 Der Libanon reicht nicht aus für das Brennholz, sein Wild genügt nicht für die Opfer.
17 Alle Völker sind vor Gott wie ein Nichts, für ihn sind sie wertlos und nichtig.
18 Mit wem wollt ihr Gott vergleichen und welches Bild an seine Stelle setzen?
19 Der Handwerker gießt ein Götterbild, der Goldschmied überzieht es mit Gold und fertigt silberne Ketten dazu.
20 Wer arm ist, wählt für ein Weihegeschenk ein Holz, das nicht fault; er sucht einen fähigen Meister, der ihm das Götterbild aufstellt, sodass es nicht wackelt.
21 Wisst ihr es nicht, hört ihr es nicht, war es euch nicht von Anfang an bekannt? Habt ihr es nicht immer wieder erfahren seit der Grundlegung der Erde?
22 Er ist es, der über dem Erdenrund thront; wie Heuschrecken sind ihre Bewohner. Wie einen Schleier spannt er den Himmel aus, er breitet ihn aus wie ein Zelt zum Wohnen.
23 Er macht die Fürsten zunichte, er nimmt den Richtern der Erde jeden Einfluss.
24 Kaum sind sie gesät und gepflanzt, kaum wurzelt ihr Stamm in der Erde, da bläst er sie an, sodass sie verdorren; der Sturm trägt sie fort wie Spreu.
25 Mit wem wollt ihr mich vergleichen? Wem sollte ich ähnlich sein? spricht der Heilige.
26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht: Wer hat die (Sterne) dort oben erschaffen? Er ist es, der ihr Heer täglich zählt und heraufführt, der sie alle beim Namen ruft. Vor dem Allgewaltigen und Mächtigen wagt keiner zu fehlen.
27 Jakob, warum sagst du, Israel, warum sprichst du: Mein Weg ist dem Herrn verborgen, meinem Gott entgeht mein Recht?
28 Weißt du es nicht, hörst du es nicht? Der Herr ist ein ewiger Gott, der die weite Erde erschuf. Er wird nicht müde und matt, unergründlich ist seine Einsicht.
29 Er gibt dem Müden Kraft, dem Kraftlosen verleiht er große Stärke.
30 Die Jungen werden müde und matt, junge Männer stolpern und stürzen.
31 Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt.

Predigt

Diese Verse sind an ein Volk in der Gefangenschaft geschrieben. An ein Volk, das noch einen langen Atem braucht, um nicht zu resignieren. An ein Volk, das nicht von Augenblickserfahrungen leben kann, sondern von einer großen Hoffnung zehren muss. Diese Verse sind gerichtet an die Gottesgemeinde in Babylon. Und diese Gottesgemeinde glaubte allen Grund zum Klagen zu haben. Und ihr Gott – hörte zu.
Gott hörte, was die Menschen seines Volkes damals sagten. Er hörte, wenn sie zueinander sagten: „Was will Gott schon ausrichten gegen die Macher der Babylonier? Wir haben ihre Heere gesehen. Wir sehen die befestigten Städte. Nie wieder werden wir frei sein!“ Gott hört auch, wenn die Gefangenen in Babylon flüstern: „Unser Weg ist Gott gar nicht bekannt. Er ist ihm verborgen. Gott achtet nicht mehr auf unsere Rechte als sein auserwähltes Volk. Er lässt uns im Stich.“

Und Gott handelt. Er weiß: er kann seine Menschen nicht so dahinleben lassen. Er sieht sie abdriften in Schuld und Gottesferne. Und er handelt. So wie er ca. 700 Jahre später in Jesus Christus gehandelt hat, um uns zu erretten. Was tut Gott?

1. Gott macht deutlich: Ich bin größer als alles!

Gott stellt sich seinem Volk wieder klar heraus. Und er stellt sich heraus als der Größere – größer als all das, was Angst machen oder entmutigen kann. Dazu gebraucht er Vergleiche. Und die sind prächtig – nicht nur für die damalige Zeit:
Gott sagt:

Wer misst die Wasser des Meeres mit der hohlen Hand?
Wer misst die Weite des Himmels mit seinem Unterarm aus?
Wer wiegt die Berge und Hügel auf einer Marktwaage?

Unmöglich, wenn nicht solch ein Mensch Millionen Jahre alt werden würde. Gott ist größer als alles. Wer will Gott Ratschläge erteilen? Oder welches Opfer wäre groß genug für Gott? Und das am Vergleich mit dem Libanon festgemacht bedeutet:

Gott ist größer als alles. Der Libanon, der strotzte vor Bäumen, Zedern und anderen Arten. Wie lange würde der brennen, wenn man alle Bäume für ein großes Opfer fällen würde? Und der unermessliche Reichtum an Tieren. Was für ein Opfer würde das geben! Aber Gott sagt: Zu wenig! Zu wenig! Ich bin unvergleichlich! Die Menschen sind wie Heuschrecken vor ihm. So winzig, so hilflos. Ein Blick zum nächtlichen Sternenhimmel genügt, um die Unfassbarkeit der göttlichen Schöpfermacht herauszustellen.

Gott macht deutlich: Ich bin größer als alles. Und er macht es den Menschen damals in ihrer Sprache und in ihren Bildern klar. Nun, Gott muss das sicherlich auch uns immer wieder klarmachen: Ich bin größer als alles! Du kannst mir vertrauen!
Wenn ich nachts zum nächtlichen nördlichen Sternenhimmel aufblicke – ein Sternenfernrohr macht mir das etwas leichter – dann empfinde ich sehr wohl, wie winzig ich bin – und wie groß der ist, der das alles gemacht hat – mein Herr und Gott in Jesus Christus.

Aber vielleicht würde Gott heute aus unserer Sicht andere Vergleiche wählen müssen. Vielleicht würde er uns in unserer Generation deutlich machen: Lasst die besten Elektronengehirne meine Größe ausrechnen. Lasst sie ein Kompendium des Weltwissens herstellen – es reicht lange nicht an mein Wissen heran. Sammelt alle vom Menschen gemachten Waffenarsenale aller Zeiten und legt sie auf einen Haufen – und dann zündet sie. Seid sicher: es wird bei der Zündung all dieses Potentials nur ein müder Funken sichtbar sein im Vergleich zu meinem göttlichen Licht.

Oder noch anders: Nehmt alle Liebe aus den Herzen aller Menschen heraus und sammelt sie zu einer großen Liebesglut des Kosmos – sie wird noch immer nichts sein im Vergleich zu der Liebe, die ich für Euch hege.

Gott macht deutlich: ich bin größer als alles. Aber was noch wichtiger ist – er sagt uns, Dir und mir: Ich bin größer als alles – um Deinetwillen! Um aller Menschen willen. Alles, was ich habe, meine ganze Liebe, gebe ich Euch Menschen. In Jesus Christus am Kreuz ist das ja geschehen. Damit Ihr nie mehr verzweifelt fragen und sagen müsst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber“ (oder wie es die ´Hoffnung für alle` sagt: „Der Herr weiß nicht, wie es uns geht! Es macht unserem Gott nichts aus, wenn wir Unrecht leiden müssen!“)

Wenn der Gott, der größer ist als alles, seine ganze Liebe in seine Schöpfung und vor allem in uns Menschen investiert, dann kann es auf Dauer bei denen, die das begriffen haben, doch nur zu positiven Reaktionen, zu neuer Hoffnung, zu gutem Vertrauen kommen; zu neuer Liebe in ganzer Kraft. Gott macht deutlich: Ich bin größer als alles – für Euch. Und…

2. Gott macht deutlich: Ich schlafe nicht!

Die Städte des Altertums lebten von der Wachsamkeit ihrer Wächter auf den Mauern. Es gibt bis ins Mittelalter hinein Beispiele dafür, dass verschlafene Wachmannschaften die Gefahr zu spät erkannten und damit die Ursache waren für den Untergang einer mit dicken Mauern und mächtigen Wehranlagen befestigten Stadt.

Was nun früher der Wächter auf der Zinne war, das ist heute der im schnellen Rhythmus abgelöste Beamte am Radarschirm großer Flughäfen oder in der Sicherheitszentrale des Pentagon. Da darf keiner schlafen. Und doch – letztes Vertrauen in die Wachsamkeit der Menschen gibt es nicht.

Gott aber sagt von sich: „Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt.” Gott schläft nicht. Denn Gott achtet in jedem Augenblick auf seine Welt und auf seine Kinder. Stellen Sie Sich einmal vor, was es in Ihrem Leben bedeuten würde zu denken, dass Gott in irgendeinem Augenblick Ihres Lebens gerade sein Nickerchen machte. Und dass dann etwas passieren könnte, was Gott nicht gesehen hätte, wo er nicht bewahren und segnen könnte. Der Gedanke ist undenkbar. Und gäbe es solche Unaufmerksamkeit Gottes auch nur für den Bruchteil einer Sekunde – unser Glaube, unser Vertrauen müsste ins Wanken geraten angesichts dieser existentiellen Bedrohung. Machen Sie Sich einmal bewusst, wie sehr wir alle damit rechnen, dass Gott immer und in jedem Augenblick da ist, voll ansprechbar, immer wachend, immer für uns sorgend, ob wir schlafen oder selber wach sind. Gott macht deutlich: Ich schlafe nicht!

Und deshalb scheint Gott hier, menschlich gesprochen, bestürzt zu sein über das Misstrauen, das ihm entgegengebracht wird durch sein Volk. Wir Menschen sind oft so misstrauisch. Wir sind misstrauisch zueinander, aber auch gegen Gott. Wie oft tun wir so, als ob Gott schlafe und wir für uns selber sorgen müssten? Wie oft quälen uns Ängste, die nur dann erklärbar sind, wenn wir von einem schlafenden Gott ausgehen. Ängste vor der Zukunft, Sorgen um unsere Gesundheit, um den Lebenspartner, die Kinder und deren Zukunft.

Gott aber sagt uns: Ich schlafe nicht – um Euretwillen. Habt Vertrauen. Ihr lebt glücklicher, wenn Ihr nicht vergesst: Ich schlafe nicht! Ich achte auf Euch!

3. Gott sagt: Ich schenke Euch eine neue Perspektive!

Gott macht das Entscheidende in diesem Abschnitt deutlich an einem kraftvollen Bild. Er sagt: Es kommt ja sogar vor, dass kräftige junge Männer einen Schwächezustand erleben und stürzen, so ungewöhnlich das auch sein mag. Aber: wer auf mich vertraut, der wird wie ein Adler und fliegt hoch empor. Der kriegt Kräfte, die unerschöpflich sind, so wie ich, der lebendige Gott, unerschöpflich bin.

Gott gibt uns Anteil an seiner Kraft. Deshalb brauchen wir nicht dauernd nach unserer Kraft zu fragen. Wir brauchen nicht dauernd zu fragen: was kann ich, was können wir ausrichten? Wir brauchen nur Gott zu vertrauen, und wir werden seine Kraft erfahren; wir werden Anteil haben an seinen unerschöpflichen Möglichkeiten. Wir gewinnen eine neue Perspektive. Und lassen Sie mich das so sagen:

Gewöhnlich ist unsere Perspektive die einer Haus – und Wühlmaus. Die Hausmäuse werkeln im Haus, die Wühlmäuse wühlen draußen auf der Arbeit. Wir sind deshalb klein und hilflos, und die Probleme wachsen schnell und hoch. Die Sorgen werden zu Mauern und verdunkeln die Sonne. Deshalb sitzen wir sehr schnell im Schatten, kriegen Angst, frieren und verlieren den Überblick. Durch Emsigkeit und Fleiß versuchen wir, diese Mängel auszugleichen – und hoffen darauf, dass die Sonne höher steigt, und dass sie dann irgendwann über die Mauer scheint – und wir wieder einen Platz in der Sonne haben. Das ist die menschliche Perspektive.

Gottes neue Perspektive aber ist das Gegenbild:
Die auf den Herrn vertrauen, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler. Adler – das ist das Gegenbild. Und Gott hat es sehr bewusst so gesagt.

Adler – das ist für den Menschen das Bild für Freiheit, für Kraft, Schönheit, Stärke. Für Verbundenheit mit der Sonne, für den erhöhten Standpunkt und den Überblick. Adler scheinen keine Grenzen zu kennen oder sie zu überfliegen.

Gott möchte uns diese Perspektive schenken. Er möchte uns zu Menschen machen, die sich nicht von den Mauern ihrer Probleme und Grenzen erdrücken lassen, sondern die in der Kraft Gottes auffliegen, höher als jede Wühlmaus jemals springen kann, höher als alle Mauern der Sorge und Angst – so hoch, dass die Sonne Gottes immer sichtbar bleibt. Gott möchte uns die Perspektive des Adlers schenken, denn von oben gesehen sind die Mauern unserer Probleme oft nur noch kleine Hürden, und dahinter geht die Welt und geht das Leben weiter; dahinter tun sich neue, von Gott geschenkte Möglichkeiten auf; dahinter sehen wir Wege, die weiterführen ans Ziel; dahinter können wir dürres Land überfliegen. Die Perspektive Gottes zeigt immer – immer: Gott ist größer als alles. Und wer ihm vertraut, braucht nicht als Wühlmaus weiter in Angst und Begrenztheit zu schmachten. Er darf mit Gottes Augen sehen und kann in neuer Kraft laufen und nicht matt werden, wandern und nicht müde werden. Die schlechte Luft der Resignation erreicht ihn nicht mehr. Stattdessen atmet er die Freiheit der Kinder Gottes. Und eines, das wichtigste überhaupt, kann er aus der Adlerperspektive ganz sicher immer sehen und erreichen: das Kreuz Jesu Christi. Dieses Zeichen des Heils hatten die Gefangenen in Babylon noch nicht sicher vor sich. Wir aber haben es. Das Kreuz ist der Orientierungspunkt der neuen göttlichen Perspektive, es ist der Anziehungspunkt unseres Lebens bzw. für unser Leben. Es erneuert immer wieder Kraft und Hoffnung, Liebe und Zuversicht. Es schenkt Geborgenheit und Trost.

Und ich wünsche es Ihnen: dass wir Gottes Perspektive übernehmen, dass wir auffliegen wie Adler, dass wir laufen und nicht müde werden, wandern und nicht ermatten. Der Weg ist nicht zu weit. Und wir müssen weder in Bezug auf die Weltsituation noch in Bezug auf unser eigenes persönliches und geistliches Leben in dumpfen Befürchtungen und unaussprechlichen Ängsten verharren, denn Gott sagt:

Ich bin größer als alles!
Ich schlafe nicht!
Ich schenke eine neue Perspektive!

Denn die dem Herrn vertrauen, kriegen neue Kraft!
Lassen Sie uns diese Verheißung nachbuchstabieren und erleben: es stimmt! Es stimmt auch in unserem Leben! Gott sei Dank!

Amen

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