3 Herzen aus geschnittenem Holz, nebeneinander aufgehängt an Drähten

Uneingeschränkte Liebe zu Jesus

Liebe zu Jesus – ist das nicht doch manchmal sehr verschwommen, was Liebe ist – Liebe zu Jesus? So wie das bei Judas damals war, so ist das dann bei uns: Betriebsamkeit statt Liebe, Eifer statt Liebe, Hektik statt Liebe.

Lassen Sie Sich deshalb heute Morgen auf ein Wort aus dem Johannesevangelium ein – und versuchen Sie etwas zu lernen zum Thema „Liebe zu Jesus“…

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Uneingeschränkte Liebe zu Jesus
Reihe
Datum
10.07.2016
Länge
32:19
Bibelstelle
Johannes 12,1-8
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Sechs Tage vor Beginn des Passahfestes kam Jesus wieder nach Betanien, wo er Lazarus von den Toten auferweckt hatte.
2 Jesus zu Ehren hatte man dort ein Festmahl vorbereitet. Marta half beim Bedienen, während Lazarus unter den Gästen war, die mit Jesus aßen.
3 Da nahm Maria ein Fläschchen1 mit reinem, kostbarem Nardenöl, goss es über die Füße Jesu und trocknete sie mit ihrem Haar. Der Duft des Öls erfüllte das ganze Haus.
4 Aber einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, meinte entrüstet:
5 „Das Öl hätte man besser für dreihundert Silberstücke verkauft und das Geld den Armen gegeben.“
6 In Wirklichkeit ging es ihm aber nicht um die Armen, sondern um das Geld. Er verwaltete die gemeinsame Kasse und hatte schon oft etwas für sich selbst daraus genommen.
7 Jesus erwiderte: „Lass sie doch! Maria hat damit nur die Salbung für mein Begräbnis vorweggenommen.
8 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben, ich dagegen bin nicht mehr lange bei euch.“

Predigt

Wenn ich Sie jetzt fragen würde: „Lieben Sie Jesus?“ – dann würde mancher heute Morgen ganz ehrlich sagen: „Nein! Ich kann nicht jemanden lieben, den ich noch gar nicht wirklich kennengelernt habe. Ich kann auch nicht jemanden lieben, von dem ich keine klare Vorstellung habe.“

Viele aber würden antworten: „Ja, ich liebe Jesus Christus!“
Aber dann frage ich weiter: „Wie drücken Sie Ihre Liebe aus? Ihre Liebe zu Jesus? Ist das nicht eine sehr theoretische Antwort auf eine sehr theoretische Frage: „Lieben Sie Jesus?“

Wenn man das damals den Judas gefragt hätte, den Jünger Jesu, damals, als noch alles so schön ordentlich und revolutionär lief, da hätte Judas sicherlich geantwortet: „Ja, ich liebe Jesus! Wie könnte man ihn auch nicht lieben? Alle hier mögen ihn!“
Und hätte man ihn gefragt: „Und wie, lieber Judas, liebst Du ihn?“, dann hätte er vielleicht gesagt: „Ich führe die Jüngerkasse. Ich habe Ja gesagt, als Jesus mich gefragt hat. Und ich bin sehr genau. Eine Menge Arbeit, das ganze. Aber was tut man nicht alles für Jesus!“

Liebe zu Jesus – ist das nicht doch manchmal sehr verschwommen, was Liebe ist – Liebe zu Jesus? So wie das bei Judas damals war, so ist das dann bei uns: Betriebsamkeit statt Liebe, Eifer statt Liebe, Hektik statt Liebe.

Lassen Sie Sich deshalb heute Morgen auf ein Wort aus dem Johannesevangelium ein – und versuchen Sie etwas zu lernen zum Thema „Liebe zu Jesus“.

Der Hintergrund der Verse der Lesung hat mit der Auferweckung des Lazarus durch Jesus zu tun. Jesus war ein Freund im Hause des Lazarus und seiner Schwestern Maria und Martha. Einige Zeit nach der Auferweckung des Lazarus ist Jesus wieder in Bethanien; es ist kurz vor dem Passahfest. Martha, die Aktive, schwitzt in der Küche, um ihren geliebten Gast durch ein gutes Essen zu erfreuen. Maria sehen wir wieder in der Nähe Jesu. Beide Schwestern verdanken Jesus die Auferweckung ihres Bruders. Maria ist eine Frau. Frauen ahnen manchmal mehr, als sie erkennen können. Ahnt Maria den baldigen Tod Jesu? Jedenfalls ist sie Jesus sehr dankbar. Und ihre Liebe dem Freunde ihres Bruders gegenüber zeigt sie sehr konkret. Und das wollen wir miteinander betrachten. Denn auch wir verdanken Jesus sehr viel. Wir verdanken ihm unser Leben, unsere Rettung. Wir verdanken ihm eigentlich alles. Jeden Atemzug. Jedes bisschen Glück. Jeden Trost, jede Hoffnung. Wie danken wir ihm für all das? Wie zeigen wir ihm unsere Liebe? Wie tust Du das ganz persönlich? Maria wusste, wie: Dazu drei Gesichtspunkte:

1. Liebe, die nicht kleinlich fragt: Genügt nicht auch weniger?

Das war verrückt damals. Kommt da eine Frau daher, nimmt ein ganzes Pfund kostbarsten Salböls, nimmt es und salbt Jesus damit – ja, nicht den Kopf salbt sie ihm, sondern seine Füße. Seine Füße, die in der Zeit Jesu auch nicht gerade als die wichtigsten Gliedmaßen galten – unreine, schmutzige Füße, spröde vom Herumlaufen auf staubigen Landstraßen. Ja, konnte diese Frau denn nicht denken? So locker saß den beiden Schwestern des Lazarus der Geldbeutel doch wirklich nicht! Wie übertrieben, diese Reaktion der Maria. Reines Gefühl! Aber – ohne Verstand. Damals wird nicht nur Judas erschrocken sein, als Maria Jesus auf so überschwängliche Weise dankt.
Maria aber würde erwidern: „Dank kann nicht abgewogen sein, sondern verschwenderisch, wenn er aus einem liebenden Herzen kommt.“

Das ist doch auch unter uns Menschen so. Was ist denn ein Geschenk wert, das in dem Gedanken gekauft worden ist: „Genügt nicht auch weniger? Muss es denn unbedingt so kostspielig sein? Man sieht dem Geschenk den Preis ja auch gar nicht an. Ach nein, lieber etwas billigeres. Das genügt doch auch. Auch darüber wird sich der andere freuen!“

Oh ja, man kann sich auch über kleinliche Geschenke freuen – solange man nicht spürt, dass der andere sie in dem Gedanken eingekauft hat: „Genügt nicht auch weniger?“ Sobald man das herauskriegt, ist man verletzt. Und man fragt dann nach der Echtheit der Liebe. Dann ist der andere sicherlich sparsam, aber nicht dankbar. Auch Sparsamkeit kann eine Tugend sein. Aber hier wertet sie die Liebe und Dankbarkeit ab.

Maria mag die entsetzten Blicke gespürt haben. Aber ihre Liebe zu Jesus war nicht kleinlich. Sie war so groß – da konnte sie nicht fragen: Genügt nicht auch weniger? Da war das Beste gerade gut genug!

Und wir? Wie lieben wir Jesus? Geben wir ihm unser Bestes? Unsere erste, innigste Liebe? Unser Bestes an Zeit, Einsatz und Vertrauen? Oder können wir auch kleinlich fragen: „Genügt nicht auch weniger? Jesus wird’s schon verstehen!“

Oh ja, Jesus versteht uns dann sicherlich. Aber es wird ihn immer wieder traurig machen, unsere Sparsamkeit zu erleben, wo auch immer wir sie einsetzen – ob da, wo es wirklich um Geld für Gott geht; oder um unsere Kraft im Bereich der Diakonie oder der Kinderarbeit. Jesus hat nicht gespart für uns. Er hat damals nicht mit seinem Vater gehandelt um den Preis der Rettung von uns Menschen. Er hat nicht gefragt: „Genügt nicht auch weniger?“ Das war seine Liebe!

2. Liebe, die nicht berechnend fragt: Rentiert sich das denn auch?

Als Maria das feine Öl ausgoss und Jesus die Füße wusch, da schaltete Judas voller Entsetzen seinen Taschenrechner ein. Und er berechnete blitzartig: „Rentiert sich nicht! Steht in keinem Verhältnis zum Effekt. Wasser hätte es auch getan. Ein Unfug das Ganze!“
Und bitte schön: hatte Judas nicht recht? Was nützte das denn eigentlich? Gut, Jesus hatte wunderbar saubere, duftende Füße, duftend und zart. Aber der nächste Tritt auf die Straße – und alles war wieder so wie vorher! Und Maria – die musste ihre fettige Haarfrisur in Ordnung bringen.
Wem nützt das alles? Rentiert sich das? Hätte man nicht das Öl verkaufen sollen? Hatte Judas nicht recht?
Und: wäre es nicht auch im Interesse Jesu, statt dieser liturgischen Salbung eine diakonische Speisung durchzuführen?
Und Jesus? Was sagt Jesus auf die Frage: Rentiert sich das denn auch?

Jesus sagt: „Sicherlich: Katastrophenhilfe ist wichtig. Und eine Gemeinde muss kalkulieren können. Die Frage nach der Rentabilität muss gestellt werden.“ Aber er sagt auch: „Arme und Kranke habt Ihr allezeit bei Euch. Mich – so wie jetzt – nicht mehr sehr lange.“ Wehe, wenn im Reich Gottes nur noch danach gefragt wird in der Gemeinde Jesu: Was bringt das ein? Wenn Nützlichkeitserwägungen an erster Stelle stehen – und nicht zuerst die Liebe zu Jesus!

„Soviel Geld für eine Großevangelisation? Und dann beginnen nachher nur dreißig Menschen ein Leben mit Jesus Christus neu? Und nur drei bleiben in unserer Gemeinde hängen? Ha!“
„Was – soviel Geld für die Gestaltung des Gemeindezentrums? Warum nicht besser mehr Geld in die Mission? Und jeden Sonntag ein kostspieliger Blumenschmuck. Rentiert sich das denn?“

Jesus macht Judas und seinen Nachfolgern etwas ganz wichtiges deutlich: Gottes Liebe geht nicht auf in der Nächstenliebe! Gottesliebe muss noch weitergehen als Diakonie und Bruderliebe.
Beim Bau eines Gemeindehauses soll nicht geknausert werden! Liebe zu Gott zeigt sich auch in der einladenden, liebevollen Gestaltung. Zumal die Wohnungen der Christen meist auch nicht mehr spartanisch eingerichtet sind.
Verstehen wir Jesus hier? Vor allem darin, dass Gottesliebe nicht in Nächstenliebe und Diakonie aufgeht. Ist das nicht der große Fehler der Kirche heute, dass sie meint, alles im Sinne Gottes getan zu haben, wenn man nur den Nächsten im Blickfeld behält. Liebe zu Gott ist aber mehr. Sie verschwendet sich selber an den Herrn der Welt. Sie gibt, ohne ständig zu rechnen: Rentiert sich dieser Dienst, dieses Fest für Gott, diese Geste der Liebe zu Gott, diese gefühlvolle Hingabe?

Judas flüchtet damals. Er flüchtet sich in seine Berechnungen -aus Angst vor Marias Dankbarkeit.
Flüchten die Menschen heute nicht auch die Dankbarkeit?

Ich empfinde immer wieder, selbst wenn ich für die täglichen Gaben bei Tisch – und hoffentlich nicht nur aus Routine – Gott danke: es ist so wichtig für uns als Menschen, Gott in Liebe danken zu können für alles. Ein Mensch, der nicht mehr dankt – und es sind in unserem Land die meisten – verliert das Verständnis dafür, hilfloses und abhängiges Geschöpf zu sein. Ein solcher Mensch verliert aber dann auch sein Verständnis von Menschsein und wird – unmenschlich. Wer aufhört zu danken, denkt auch nicht mehr nach über sich. Und er verliert seinen Platz in der Schöpfung Gottes.

Dankbarkeit ist lebenswichtig für uns. Und sie bleibt geprägt von der echten Liebe zu Gott und seinem Sohn Jesus Christus. Echte Liebe aber kennt auch immer das Verschwenderische, das nicht nachrechnet: Rentiert sich das denn auch?

Jesus fragte damals auch nicht: „Rentiert sich das denn auch?“ Wenn sein Tod am Kreuz auch nur einem Einzigen geholfen hätte zum ewigen Leben – ich glaube fest, er wäre trotzdem am Kreuz gestorben – auch für diesen einen! Er hätte nicht gesagt: „Vater, lass uns doch diese schmerzhafte und entwürdigende Rettungsangelegenheit vergessen. Es lohnt sich doch nicht für diesen einen!“

Die Menschen sagen: Überfließendes ist überflüssig. Jesus freut sich über ein überfließendes Menschenherz in Dankbarkeit – weil er spürt: dieses Menschenherz hat verstanden!

3. Liebe, die nicht ängstlich fragt: Muss es denn gerade jetzt sein?

Was hatte Jesus, was hatte die Nachwelt von dieser Tat der Maria, jetzt, d.h. damals, zu diesem Zeitpunkt? Warum diese Verschwendung für einen Todeskandidaten? Drei Jahre zuvor – das wäre noch begreifbar gewesen, am Anfang der Wirksamkeit, sozusagen als ein Zeichen seines außerordentlichen Auftrags. – Aber jetzt?

Maria hat, und wohl ohne es zu wissen, in ihrer Liebe etwas Wunderbares getan:
Sie hat für eines der wenigen Zeugnisse in der Bibel gesorgt, wo ein Mensch seine Liebe zu Jesus in überschwänglicher Weise zeigt – und sie hat ihrem Herrn diesen Dienst der Salbung erwiesen. Die Salbung der Maria war eine Salbung Jesu zum König in Ewigkeit – und sie war eine Einbalsamierung zum Tode.
Hier, in Bethanien, erlebt unser Herr die überschwängliche Liebe eines Menschen – bevor er das andere erleben muss – den Hass, den Geifer, die Feigheit der engsten Freunde, die Einsamkeit am Kreuz. Maria hat Jesus einen unvergleichlichen Dienst getan! Ihr waren die Blicke der Leute egal. Ihr waren auch egal die Fragen: Muss es denn gerade jetzt sein? Wirkt es nicht vielleicht geradezu peinlich? – Diese Fragen nahmen ihr nicht den Mut. Und das Öl floss auf die Füße Jesu.

Wie oft fragen Jünger Jesu: „Muss es denn gerade jetzt sein?“ Gerade jetzt soll ich mich zu Jesus Christus als dem Herrn der Welt bekennen? Gerade jetzt dieses offenen Bekenntnis: „Ich gehöre zu Jesus!“? Gerade jetzt der Schritt heraus aus der Masse, heraus aus der Anonymität, hin zu Jesus – aus Liebe und Dankbarkeit?
Jesus fragte nicht: Muss es gerade jetzt sein? Oder doch – im Garten Gethsemane lag ihm diese Frage auf der Seele. Aber dann ging er; er trat vor die Soldaten und sagte: „Hier bin ich, den Ihr sucht!“ Denn seine Liebe zu uns überwand alle Angst vor dem Schrecklichen, das dann folgte.

Am Anfang haben wir gefragt: Lieben wir Jesus?
Ich möchte das ganz neu lernen, was das konkret bedeutet – in meinem Alltag – Jesus lieben! Ich möchte das ganz neu lernen, weil ich so viele Situationen in meinem Leben kenne, wo ich frage:

  • Genügt denn nicht auch weniger? Ist Jesus nicht auch mit wenigem zufrieden?
  • Rentiert sich das alles denn auch? Der Spott der anderen gegen das bisschen Wirkung auf mein Bekenntnis zu Christus? Ist Schweigen jetzt nicht doch klüger?
  • Muss es denn gerade jetzt sein? Gibt es nichts Wichtigeres, Drängenderes?

Ich möchte von Maria ganz neu und offen lernen: Das Beste ist gerade gut genug – für ihn!
Nicht Aktivismus, nicht Diakonie, nicht der Einsatz für die Armen und Kraft für alles Mögliche – sondern das Beste – jetzt!

Dabei möchte ich und dürfen wir miteinander allerdings auch nicht vergessen: Diese Salbung in Bethanien war der überschwängliche Ausdruck einer tragfähigen Liebe der Maria jetzt und hier! Maria ist auch nicht laufend hinter Jesus her gerannt und hat Ölfläschchen über seinen Füßen zerbrochen. Auch sie musste ihre Liebe zu Jesus danach im ganz normalen Alltag beweisen.
Und wir – ja auch! Liebe zu Jesus ist Liebe auch im – Alltag. Aber: in einer echten Liebe liegt auch etwas Überschwängliches, das dann und wann besonders sichtbar werden kann – und soll. Von dieser Überschwänglichkeit lebt die echte Liebe zu Jesus im dann ganz normalen Alltag! Ohne sie wird sie auf Dauer zugrunde gehen!

Liebe zu Jesus hat viele Ausdrucksformen. Eine davon ist die Liebe der Maria im Salben der Füße Jesu. Gott wird uns die Phantasie der Liebe erhalten, die eigene Ausdrucksformen findet – immer wieder – damit unsere Liebe zu Jesus tief und fest bleibt. Und immer wieder überschwänglich.

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