Symbolbild: Unkraut und Weizen: Nahaufnahme Weizenkorn, umgeben mit grünen Blättern und Stengeln

Unkraut unter dem Weizen

In diesem Bibelwort wird von zwei krassen Gegensätzen gesprochen: Unkraut und Weizen, Landbesitzer und Feind, Verbrennen und Sammeln. Und dieser Gegensatz zieht sich durch die ganze Bibel hindurch – dieser Dualismus:

  • Licht – Finsternis;
  • Himmel – Hölle;
  • Weizen- Unkraut.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
„Unkraut unter dem Weizen“ – Gleichnis
Reihe
Datum
07.08.2016
Länge
27:06
Bibelstelle
Matthäus 13,24-30;36-43
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

24 Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.
25 Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.
26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?
28 Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?
29 Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.
30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

36 Dann verließ er die Menge und ging nach Hause. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.
37 Er antwortete: Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;
38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen;
39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel.
40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein:
41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gottes Gesetz übertreten haben,
42 und werden sie in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen.
43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

Predigt

Liebe Gemeinde,

in diesem Bibelwort wird von zwei krassen Gegensätzen gesprochen: Unkraut und Weizen, Landbesitzer und Feind, Verbrennen und Sammeln. Und dieser Gegensatz zieht sich durch die ganze Bibel hindurch – dieser Dualismus: Licht – Finsternis; Himmel – Hölle; Weizen- Unkraut.

Und wenn wir diesen Gegensatz in unserer Welt aufzuspüren versuchen, dann fällt uns das ja gar nicht schwer: neben Friedensbemühungen der kalte und heiße Krieg; neben der Entdeckung der Kernphysik ihre tödlichen Gefahren. Da sind kein Acker und kein Garten der Welt, auf dem nur Ähren oder nur Blumen wüchsen. Beides ist ganz eng zusammen.

Da hören wir vielleicht eine Predigt über den Weg zu Gott und den Rat der Gottlosen, hören von den Gefahren und dem Unsinn, diesem Rat Gehör zu schenken – aber es ändert sich nichts. Der Weizen wird von dem Unkraut in unseren Gedanken erdrückt.

Was sagt dieses Gleichnis nicht – und was sagt es? Das ist bei den Gleichnissen Jesu immer eine ganz wichtige Frage. Anders wird nämlich ganz leicht der falsche Schluss gezogen. Also:

Da hat ein Mann hart gearbeitet. Er hat ordentlichen Samen gesät. Jetzt legt er sich schlafen. Er kann das nach der Arbeit auch gut tun. Niemand kann von ihm erwarten, dass er Tag und Nacht sein Ackerfeld bewacht. Vielleicht hat er vorher ähnlich dem Liederdichter Matthias Claudius gesungen: „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen liegt nicht in unsrer Hand“.

Aber dann ist auch noch eine ganz andere Hand mit im Spiel.

Zunächst passiert einmal gar nichts. Alles wächst heran. Doch dann, eines Tages, stellt der Mann fest: da ist irgendwann über Nacht etwas Schreckliches passiert: Unkraut unter dem Weizen. Und nicht nur so zufällig, sondern bewusst hineingesät. Da ist jemand mit einer Unkrautmischung nachgegangen und hat das Weizenfeld ganz bewusst und heimlich verunkrautet.

Zunächst wird es dem Mann erst einmal schlecht gegangen sein mit dieser Erkenntnis.

Und wir? Wie geht es uns damit, wenn auch wir in unserem Leben das Gute neben dem Schrecklichen sehen? Das Böse in seiner Macht – sogar in unserem Leben?

Da haben Eltern ihr Kind sorgfältig erzogen. Sie haben Abend für Abend an seinem Bett gesessen und mit ihm gebetet. Sie haben ihm ihren Glauben vorgelebt. Und dann stellen sie auf einmal fassungslos fest, dass da noch etwas anderes aufgeht: Regungen im Kind, die ihnen unheimlich sind. Da strahlt von einer anderen Seite etwas hinein, gegen das sie nichts machen können.
Das Böse sät neben dem Guten. Es gibt so viele Beispiele in unserem Leben.

Was kann in diese Situation hinein dieses Gleichnis sagen? Was sagt es nicht?

Bevor wir zu einem Versuch einer Auslegung finden, ist dies sicherlich erst einmal zu beachten (denn sonst missverstehen wir Jesus sehr):
Der Acker ist die Welt, nicht die Gemeinde! Es geht also hier überhaupt nicht um Überlegungen zu unbußfertigen Sündern in der Gemeinde oder um Fragen der Gemeindeseelsorge. Es geht um die Situation in der Welt. Dabei wird die Gemeinde Jesu als der Weizen verstanden, die gottlosen Menschen aber als das Unkraut, genaugenommen: als der Lolch. Das ist erst einmal wichtig, um dieses Gleichnis nicht falsch zu verstehen und zu interpretieren. – Was aber kann es uns dann sagen?

1. Beides kommt zur Vollendung – das Gute und das Böse

Der Sämann sagt hier seinen Knechten auf deren Anfrage: Nicht ausreißen! Lasst beides wachsen. Zur Zeit der Ernte wird dann der Weizen vom Unkraut geschieden. Und wir fragen entsetzt: Warum? Warum konnte Gott nicht sofort den Weizen vom Unkraut lösen? Wie viel Sorge und Last hätte uns das erspart!

Aber – beides wächst heran, kommt zur Vollendung. Beides wird größer und stärker. Die göttliche Saat neben der satanischen. Und so erleben wir es heute in unserer Gesellschaft doch mit: Das Böse greift immer mehr und schrecklich um sich. Es scheint überhand zu nehmen.

Die Hochrüstung floriert; die Kriege nehmen kein Ende. Afrika kippt schon lange als Kontinent durch Kriege, Aids und Hunger um.
Die Werte werden umgedreht. Das Böse wächst prächtig heran. Und die meisten Menschen lassen sich blenden.

Was aber ist zu tun angesichts dieser Lage? Aufgeben? Mit den Wölfen heulen?

Nein. Das Ende unseres Gleichnisses macht in erschreckender Weise deutlich, was passiert. Gott wird sich dereinst nicht blenden lassen. Er wird am Tage seines Gerichts seinen Engeln befehlen, das Unkraut auszusondern und zu vernichten. Es hat keine Zukunft. Es wird verbrannt. Die Hölle lässt grüßen.

Aber deshalb, weil die Dinge so liegen, brauchen und wollen wir uns nicht überraschen lassen angesichts des zunehmenden Bösen. Es kommt ja zur Reife – so wie Gott es will. Es muss und wird weiter wachsen. Wichtig ist, dass wir am Ende zum Weizen gehören, zur guten Saat. Und dass wir dabei bleiben – als Nachfolger Jesu Christi.

Deswegen gilt: Menschen, die zu Gott gehören, sind in diesem Bereich Realisten. Sie ertragen das Wachstum der bösen Saat und wundern sich nicht darüber.
Aber sie halten sich zum Weizen und versuchen, andere davon zu überzeugen, dass Unkraut eine fruchtlose Zukunft hat. Welche?

Das Wort Hölle ist ja hier am richtigen Platz. Das Gleichnis spricht ja sehr bewusst vom Verbrennen des Unkrauts.

Und es muss einen Predigthinweis auf unserer Homepage geben auf eine Predigt über die Hölle. Danke, wenn die Technik sie sonst wieder zugänglich macht.

Davor, vor der Hölle, vor dem Verbrennen aber lassen Sie uns möglichst viele heute mit uns lebende Menschen bewahren helfen. Lassen Sie uns ihnen helfen, das richtige Erbgut zu pflegen, das des Weizens. Und lassen Sie uns selber Weizen bleiben. – Aber noch etwas sagt das Gleichnis:

2. Weizen und Unkraut sind schwer zu unterscheiden!

Der Herr im Gleichnis sagt das ganz deutlich: Lasst das Unkraut wachsen. Ihr würdet sonst beim Sammeln des Unkrauts zugleich auch den Weizen ausreißen. Das heißt doch wohl: Weizen und Unkraut sind erst bei der Ernte wirklich klar und schadlos zu unterscheiden und zu trennen. Das Unkraut ist ja hier wohl verstanden als der giftige Lolch, wie er in Israel bekannt war. Lolch ist in der Tat erst unterscheidbar vom Weizen, wenn er seine schwarzen giftigen Fruchtstände zeigt. Vorher sieht er dem Weizen sehr ähnlich.

Was Jesus uns also deutlich macht: Habt Geduld mit den Menschen und Zuständen in der Welt. Organisiert keinen Christenstaat mit Christengesetzen und christlich festgeschriebener Lebensweise. Lasst die Menschen draußen in der Welt so leben, wie sie das wollen. Ihr werdet sie nicht ändern. Tut alles, damit Christus möglichst viele verändern kann. Lebt missionarisch in dieser Welt. Bekennt Euch als gute Saat zu Christus. Aber hadert nicht mit der Bosheit in der Welt. Habt Geduld.

Dieses Gleichnis Jesu spricht damit sehr deutlich gegen christliche Parteiprogramme, die das Böse in der Welt verkennen und glauben, man könnte eine ganze Gesellschaft christianisieren, wenn man nur genügend Wählerstimmen bekommt. Lassen Sie Sich nicht fangen von der Ungeduld mancher christlicher Parteien und Politiker. Martin Luther hatte recht, wenn er scharf trennte zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Welt. Die Bergpredigt gilt den Christen, nicht den nichtglaubenden Menschen. Die Gemeinde soll sich rein halten; die Welt – denkt gar nicht daran. Und wenn es womöglich irgendwann in diesem Land eine moslemische Regierung gibt, die den Moscheenbau fördert und kirchliche Zusammenkünfte verbietet – dann geht vielleicht am Ende das christliche Abendland vor die Hunde. Aber die Gesellschaft bekommt ab, was sie verdient.

Und die Gemeinde geht dadurch garantiert nicht unter. Im Gegenteil – sie gewinnt dann erst klarste Konturen. Warten wir´s doch ab. Lassen wir´s gemeinsam aufwachsen. Unser Herr will es so. Von uns erwartet er Wachsamkeit – und Evangelisation.

3. Einziges Erkennungszeichen bleibt – die Frucht!

Ein Erkennungszeichen gibt es doch dann auch: die Frucht. Sie ist das Erkennungszeichen am letzten Tage des Gerichts. Sie ist es aber auch dann schon in den Tagen davor. Auch heute ist wahrnehmbar:

Böse Menschen bringen böse Frucht hervor. Gleichgültige Menschen leben fruchtlos. Vertrauende Menschen aber haben einen Fruchtstand, der gute Früchte trägt.

Hier liegen die Erkennungsmöglichkeiten. Innerhalb der Gemeinde sind sie derzeit wichtiger als nach außen hin. Denn erst am Tage des Gerichts wird die Scheidung zwischen Gemeinde und Welt offenbar werden. Solange müssen wir geduldig in der Umgebung des Bösen leben. Nicht angepasst, aber als gute Saat. Denn wir dürfen und sollen so leben, wie es Gottes Auftrag und Chance ist: als Weizen unter dem Lolch. Als Zeichen der Herrschaft Gottes über menschliche Herzen angesichts des Aufwachsens der bösen Saat. Voller Hoffnung und voller Zeugniskraft Jesus Christus gegenüber.

Denn im Gegensatz zum giftigen Unkraut können Menschen durch die Gnade Gottes jederzeit ihr Herz öffnen und den Fruchtstand ändern. Böse Menschen können gerettet werden. Sie können sich Jesus Christus anvertrauen und seinen Tod am Kreuz als ihre Chance zur Veränderung begreifen. Sie können umkehren und dann – werden sie zum Weizen – und ihr Fruchtstand wird der Fruchtstand des Weizens – zehnfältig, hundertfältig, tausendfältig.

Wer aber soll dem Unkraut den Weg zu dieser Veränderung zeigen – wenn nicht wir, der Weizen in der Welt.

Deshalb lassen Sie uns unsere Energie nicht vergeuden durch das Stöhnen und Ächzen über die ach so böse Welt. Die Welt ist wie sie ist. Und Gott lässt sie heranreifen – damit der Weizen nicht verletzt wird, sondern im Gegenteil – damit er sich vermehrt.

Deshalb ist die Antwort auf diese böse Welt – eine große Gelassenheit in der Gemeinde Jesu – und das mutige Zeugnis für das Leben aus Christus. Dabei mach auch Du bitte mit – und: dabei segne uns Gott. Gelassenheit – und Treue zu Jesus. – Amen

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