Symbolbild: "Weinberg": Ein Berg mit Weinblättern

Die Arbeiter im Weinberg – ein sozialunverträgliches Verhalten Gottes?

Die Arbeiter im Weinberg lassen herzlich grüßen. Gott möchte uns genauso wie sie damals von der falschen Formel des Neides wegbringen. Jesus ist auf seine Art und nach seinen eigenen Maßstäben gnädig zu seinen Menschen. Und wir kommen allemal auf unsere Kosten! Gut, wenn wir auch diese Lektion lernen.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Die Arbeiter im Weinberg – ein sozialunverträgliches Verhalten Gottes?
Reihe
Datum
09.10.2016
Länge
[Länge]
Bibelstelle
Matthäus 20,1-16
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 „Mit der neuen Welt Gottes ist es wie mit einem Weinbauern, der frühmorgens Arbeiter für seinen Weinberg anwarb. 2 Er einigte sich mit ihnen auf den üblichen Tageslohn und ließ sie in seinem Weinberg arbeiten. 3 Ein paar Stunden später ging er noch einmal über den Marktplatz und sah dort Leute herumstehen, die arbeitslos waren. 4 Auch diese schickte er in seinen Weinberg und versprach ihnen einen angemessenen Lohn. 5 Zur Mittagszeit und gegen drei Uhr nachmittags stellte er noch mehr Arbeiter ein. 6 Als er um fünf Uhr in die Stadt kam, sah er wieder ein paar Leute untätig herumstehen. Er fragte sie: ‚Warum habt ihr heute nicht gearbeitet?‘ 7 ‚Uns wollte niemand haben‘, antworteten sie. ‚Geht doch und helft auch noch in meinem Weinberg mit!‘, forderte er sie auf. 8 Am Abend beauftragte er seinen Verwalter: ‚Ruf die Leute zusammen, und zahl ihnen den Lohn aus! Fang beim Letzten an, und hör beim Ersten auf!‘ 9 Zuerst kamen also die zuletzt Eingestellten, und jeder von ihnen bekam den vollen Tageslohn. 10 Jetzt meinten die anderen Arbeiter, sie würden mehr bekommen. Aber sie erhielten alle nur den vereinbarten Tageslohn. 11 Da beschwerten sie sich beim Weinbauern: 12 ‚Diese Leute haben nur eine Stunde gearbeitet, und du zahlst ihnen dasselbe wie uns. Dabei haben wir uns den ganzen Tag in der brennenden Sonne abgerackert!‘ 13 ‚Mein Freund‘, entgegnete der Weinbauer einem von ihnen, ‚dir geschieht doch kein Unrecht! Haben wir uns nicht auf diesen Betrag geeinigt? 14 Nimm dein Geld und geh! Ich will den anderen genauso viel zahlen wie dir. 15 Schließlich darf ich doch wohl mit meinem Geld machen, was ich will! Oder ärgerst du dich, weil ich großzügig bin?‘ 16 Ebenso werden die Letzten einmal die Ersten sein, und die Ersten die Letzten.“

Predigt

Liebe Gemeinde,

wir denken morgen einmal nach über das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg in Matthäus 20,1-16. Dieser Bibeltext ist ja hochaktuell! Denn es wird ein Problem unserer Zeit angesprochen. Ein Problem, von dem wir gerade in Deutschland nicht so sehr betroffen sind, das uns aber jederzeit ereilen kann, bevor wir uns versehen – das Gespenst der Arbeitslosigkeit. Arbeitslosigkeit – Schlangen wartender Menschen vor den Schaltern der Arbeitsämter. Müde Gesichter; in den Herzen viele Demütigungen und innere, manchmal auch äußere Not!

Auch unser Bibeltext spricht von der Arbeitslosigkeit – und auch davon, wie sie hier gelöst wird. Und am Schluss regen sich – wie das ja immer dazugehört – auch ein paar ganz furchtbar auf!

 

Da sitzen Leute auf dem Marktplatz. Tagelöhner. Jeden Tag bieten sie ihre Arbeitskraft und Leistung an. Momentan ist die Arbeitsmarktlage auch in Israel mies. Täglich bleiben eine ganze Reihe Leute bis zum Abend sitzen. Dann heißt es für sie und für ihre Familien: den Gürtel enger schnallen – und vielleicht hungern.

Heute aber scheint das anders zu sein. Da war zweimal schon ein Weinbergbesitzer da und hat Leute eingestellt. Schon früh am Morgen hat er sich die ersten geholt. Mittags nochmals. Und jetzt eben kommt dieser Mann schon wieder und holt sich ein paar zusätzliche Leute. Die hatten schon ihre Siebensachen gepackt und wollten gehen. Mit einem Lohnauftrag hatten sie schon nicht mehr gerechnet. Und jetzt werden sie geholt! Und der Lohn ist gut! –

Am Abend ist Lohnauszahlung. Alle erhalten den gleichen abgemachten Betrag. Jetzt allerdings regen sich die einen auf, dass sie unter glühender Sonne arbeiten mussten und doch nicht mehr bekommen als die, die nur ein paar Stunden in der Abendkühle aktiv gewesen sind. Das ist doch kein reeller Tarif! So kann man doch nicht mit Arbeitnehmern umspringen! Das sollte sich aber heute mal jemand leisten. Er würde von den Gewerkschaften zerrissen. Außerdem wäre doch bald kein Mensch mehr so blöd und würde schon am frühen Morgen mit der Arbeit beginnen. Am Nachmittag würde es doch auch reichen! Dieser Weinbergbesitzer ist ein Narr und bringt die ganze Ökonomie durcheinander!!

Na prima. Nun geht es heute Morgen aber nicht um einen Aufruf zum Klassenkampf. Es geht auch nicht um eine Kritik an den Gewerkschaften, obwohl sich auch dazu ja einiges sagen ließe. Dieses Gleichnis steht in der Bibel. Und es steht in einem bestimmten Zusammenhang. In welchem?

Petrus, der Jünger aus dem Kreis um Jesus, der immer ein deutliches Wort führt, hat gerade zu Jesus gesagt: „Du, wir haben alles verlassen um Deinetwillen: unsere Existenz, unseren Beruf, Familie und Heim. Was erhalten wir dafür? Sollen wir etwa auf derselben Stufe stehen wie die Leute, die das alles nicht aufgegeben haben? Wie sieht Deine Belohnung aus, Jesus? Nenn uns Deinen Tarif!“

Oder in anderen Worten: „Jesus, sollen wir, die wir von Kind auf Dir nachfolgen, etwa auf derselben Stufe entlohnt werden wie die Leute, die erst einmal ihr Leben ungeniert und ungehemmt genießen, die das lasterhafte Leben in großen Zügen trinken; und die dann, als alte Leute, ausgepumpt und zu leer zum weiteren Amüsieren, dann endlich den Weg in Richtung Himmel nehmen, sozusagen aus religiöser Torschlusspanik heraus? Willst Du uns, Jesus, die wir soviel aufgegeben haben, mit dem gleichen Lohn abspeisen?”

Und Jesus? Jesus antwortet mit diesem Gleichnis. Und er sagt uns zunächst einmal: „Ja, das will ich. Genauso! Ich zahle das ewige Leben auch dem noch voll aus, der in letzter Minute kommt. Im Himmel gibt es nicht einen Wohnblock für Spätheimkehrer – sozusagen mit drittklassigem Komfort!“

Kennen Sie eigentlich auch diese Empfindungen? Woher mag es eigentlich kommen, dass derjenige, der schon früh, vielleicht als Kind, mit der Frohen Botschaft in Berührung gekommen ist, neidisch auf die blickt, die noch genießen dürfen bis ins hohe Alter? Wo ist bei den Neidischen die Freude über Gottes Geschenk – über den sicheren Lohn? Wo ist bei Ihnen der Blick für die Realität ihres Lebens und für die der anderen? Und – ist es andererseits wirklich ein Genuss, auf der Wartebank des Lebens warten zu müssen, ohne Hoffnung auf Lohn? Ohne Ziel, ohne Ausweg? Ohne ein Empfinden für den Sinn des Lebens Jahr um Jahr abzusitzen – und dabei langsam alt zu werden?

Dieses Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg will ausgelegt werden. Und Jesus meint folgendes: Gott ist der Weinbergbesitzer; der Weinberg ist Gottes Reich, oder: das Arbeitsfeld und der Lebensraum der Gemeinde Jesu in dieser Welt! Der Lohn – das ist das Geschenk des ewigen Lebens und die Freude des Himmels. Die Tagelöhner sind die Menschen in dieser Welt. Gott ruft sie. Die einen kommen früher, die anderen später zum lebendigen Glauben; sie begeben sich in den Weinberg Gemeinde und arbeiten dort mit. Manche stoßen erst sehr spät dazu. Manche gar nicht. Sie leben in der Hoffnung auf Lohn – bis zum späten Abend. Sie meinen, der Sinn ihres Lebens würde sich noch irgendwann zeigen.

Jesus aber sagt in diesem Gleichnis im Nebensatz auch dieses: „Wer nicht in die Lohnarbeit gerufen wird, der hat vergeblich gewartet, vergeblich gelebt. Darum lass Dich rufen in meinen Weinberg, in mein Reich!“, sagt Jesus. –

Ich nenne einige wesentliche Gesichtspunkte:

1. Die Arbeit im Weinberg ist sinnvoll, fruchtbar und lohnenswert!!

Manche Kritiker des Christentums behaupten ja immer wieder, dass das Arbeiten im Weinberg, das Arbeiten also für Gottes Reich, nur bedeute: schuften, schuften und nochmals schuften. Als billiger Knecht; unter großen Strapazen, unterbezahlt und ohne Dank. Und mancher Diener Gottes wird manchmal mit einem Stöhnen sagen: Leider ist es je und dann genauso!

Wenn das alles wäre – und wenn das immer so wäre – dann könnten wir allerdings neidisch auf die schauen, die später kommen, die erst einmal genießen und doch denselben Lohn erhalten. Die auch ganz zum Schluss in den Himmel kommen und sich nicht so abrackern müssen in der Nachfolge!

Aber – wenn wir ganz ehrlich sind, dann müssen wir doch sagen: so ist es ja nicht! Das Leben in der Nachfolge hinter Jesus her ist doch alles andere als nur Strapaze und Freudlosigkeit. – Wie aber ist es denn wirklich?

Jesus Christus hat auf dieser Erde gelebt, um jedem von uns klarzumachen: Der Weinberg Gottes ist nicht geprägt und bestimmt von Gesetzlichkeit, von alle Freizeit auffressender Arbeit, von Entbehrung und fragwürdiger Lebensqualität!

Nein: in Gottes Weinberg arbeiten, leben dürfen, das ist ein großes Geschenk; es ist bestimmt von wunderbaren Möglichkeiten und Hoffnungen. Wenn ich für Jesus Christus im Weinberg arbeite, wenn ich ihn ehre mit meinem Tun, mich anderer helfend annehme, für sie bete, wenn ich Gottesdienste besuche, irgendwo mitarbeite und die Bibel regelmäßig lese – dann doch nicht deshalb, um mir dadurch das Himmelreich zu erkaufen. Woher kommt denn der Gedanke, dass die Arbeit im Weinberg unergiebig und nicht lohnenswert sei? Woher kommt das? Wir denken einen Augenblick darüber nach.

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a. Wir machen oft den Fehler, die Lohnzahlung in diesem Gleichnis zu einem theologischen Lohngedanken zu machen und von einem Anrecht auf den Himmel zu sprechen.

Dabei vergessen wir einen ganz wichtigen Aspekt: Die Lohnzahlung war nicht etwa die Gewinnausschüttung einer christlichen Lotto – Zentrale. Die Arbeiter damals sind nicht steinreich geworden am Abend. Sie erhielten das, was sie, zusammen mit ihrer Familie zum Überleben brauchten. Sie empfingen eine Überlebensgarantie für den jeweiligen Tag. Dafür hatten sie teilweise hart zu arbeiten. Aber dafür konnten sie eben auch – täglich sorgenfrei leben.

Arbeit im Reich Gottes heißt: Ich bin beschenkt worden mit der Möglichkeit zu überleben. Ich bekomme die Chance, mir das zu erwerben, was meinem Leben Sinn, Hoffnung und Wahrheit gibt. Ich empfange geistliche Gaben, die ich täglich nötig habe, um täglich geistlich zu überleben.

Wer das übersieht, der zieht allerdings völlig falsche Schlüsse aus der Arbeit im Weinberg. Der übersieht dann nämlich: wer nicht im Weinberg arbeitet, läuft Gefahr, nicht zu überleben!! Diese Einsicht aber ist wichtig, sonst wird alles andere falsch bewertet. Nochmals:

Arbeit im Reich Gottes heißt: Ich bekomme die Chance, mir das zu erwerben, was meinem Leben Sinn, Hoffnung und Wahrheit gibt. Ich empfange geistliche Gaben, die ich täglich nötig habe, um täglich geistlich zu überleben.

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b. Vielleicht kommt der Neid mancher Christen auf die ach so freien und freizügigen Nichtchristen auch daher, dass sie die Arbeit nicht mehr gern tun.

Sie tun sie gequält, müde und freudlos. Wer aber müde und gequält ist, der mag manchmal denken: Oh wie gut haben es doch die anderen, die jetzt ein gemütliches, faules Wochenende in den Bergen oder sonst wo genießen können!!

Nur: wenn es Dir so geht, dann sieh noch einmal genau ins Gleichnis: schau Dir die Männer an, die in der Mittagshitze im Weinberg arbeiten. Woran haben sie wohl gedacht? Hör doch einmal genau hin! Was denken sie? Hätten sie nur auf ihren schwitzenden Körper geachtet – sie hätten nicht lange durchgehalten. Hätten sie sich vorgestellt, wie schön es sich jetzt auf dem Marktplatz bei einer eisgekühlten Coca – Cola sitzen und palavern ließe – sie wären vor der Lohnauszahlung davongelaufen. Was hat sie dazu gebracht, Ja zu sagen, mitzugehen und bis zum Abend zu arbeiten?

Sie haben sich klar gemacht: Dieser heutige Tag ist nicht vergebens gewesen. Ich kann überleben. Und ich habe noch genug für meine Frau und die Kinder. Die Gedanken der Sorge und Not sind doch erst verflogen, als der Weinbergbesitzer mich gerufen hat in seinen Dienst. Klar, es ist heiß hier; und die Arbeit ist hart; einige ruhen sich sogar auf meine Kosten aus. Aber: ich darf leben. Überleben. Das zählt. Das gibt Kraft – und neue Freude.

Hast Du gut zugehört: du darfst mit einem Ziel leben! Überleben. Du musst nicht nach dem Sinn Deines Lebens in dieser Welt suchen wie die vielen anderen, die darüber sterben. Du weißt, wozu Du da bist. Du bist von dem Besitzer des Weinbergs gerufen worden. Sei dankbar dafür. Gewinne wieder den richtigen Blickwinkel. Denn das macht Jesus jedem von uns deutlich: Es ist ein Vorrecht, Gottes Mitarbeiter zu sein. Klar, dass ich nicht sehr überzeugend bin im Loben, wenn mir in der Mittagshitze des Lebens die Zunge ausgedörrt im Munde liegt. Aber es gibt ja auch immer wieder die Kühle des Abends. Und auch dann begegne ich dem, der mich unbeschreiblich lieb hat und der auch in der Hitze bei mir aushält, wenn alles so schwer wird – dem Besitzer des Weinberges, meinem Herrn und Retter, dem Heiland Jesus Christus.

Und wer das erlebt hat, der weiß, dass es eigentlich nichts Schöneres, Erfüllenderes gibt als leben zu dürfen bei einem, der mich herausgerufen hat aus der großen Halle der hoffnungslos wartenden Lohnarbeiter – in seine Nähe!

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2. Die Arbeit im Weinberg – Theorie und Praxis

Nun hört sich das alles theoretisch ja ganz gut an, magst Du sagen. Aber wie, wenn’s praktisch werden muss.

Dass der Weinbergbesitzer gütig und freundlich zu jedermann ist, das würde ja vielleicht niemand von uns ablehnen. Nur da, wo es ganz praktisch wird mit der Großzügigkeit Gottes, dort, wo Gott unsere Mitmenschen beschenkt, da gefällt uns das dann auch wieder nicht. Wir akzeptieren die Liebe Gottes ja gern – solange sie uns zukommt! Die Arbeiter damals hätten sicher nichts dagegen gehabt, wenn die Großzügigkeit des Weinbergbesitzers ihnen selber zugeflossen wäre. Wir haben ja nichts gegen Gottes Güte – aber dann her damit. Wir haben breite Schultern. Wir können sie schon tragen.

Wie aber, wenn der andere mehr Vorteile davon hat? Dann können wir leicht eingeschnappt sein. So leicht verkraften wir das nicht, dass der andere mehr hat – mehr Freizeit, mehr Reichtum, wenn sein Beruf mir leichter erscheint als meiner; wenn sein Lebensschicksal weniger belastend zu drücken scheint als meines. Dann verurteile ich ganz im Innern Gottes Barmherzigkeit. Dann hat der Segen Gottes den Falschen erwischt.

Kennst Du auch diese Gefühle? Die Arbeiter im Weinberg lassen herzlich grüßen. Und Gott möchte uns genauso wie sie damals von dieser falschen Formel wegbringen. Jesus ist auf seine Art und nach seinen eigenen Maßstäben gnädig zu seinen Menschen. Und wir kommen allemal auf unsere Kosten! Gut, wenn wir auch diese Lektion lernen.

Denn nochmals und abschließend: „Wer nicht in die Lohnarbeit gerufen wird, der hat vergeblich gewartet, vergeblich gelebt. Darum lass Dich rufen in meinen Weinberg, in mein Reich!“

Und freu Dich über jeden, der auch noch ganz am Schluss seines Lebens gerettet wird und in den Himmel kommt!

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Amen

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