Symbolbild Bibel und Herz: Aufgeschlagene Bibel, Seiten sind in Herzform.

Den Heiligen ins Herz blicken…

Bevor die Zeit der Erwartung beginnt, die Zeit des Lichtes, der aufkommenden Freude im Herz, der Wärme und Nähe des Messias, senkt sich mit dem Thema des heutigen Sonntag noch einmal das Schwere und Düstere auf unsere Gedanken herab. Ewigkeitssonntag – so heißt dieser Tag in der christlichen Gemeinde. Für viele Menschen bleibt er aber nur ein Tag der Erinnerung an schlimme Verluste, an Einsamkeit und Hilflosigkeit mit diesem Thema: Tod.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Den Heiligen ins Herz blicken…
Reihe
Datum
20.11.2016
Länge
25:56
Bibelstelle
Psalm 73
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Ein Lied Asafs. Gott ist gut zu Israel, zu allen, die ihm ganz vertrauen. Das kann niemand bestreiten! 2 Ich aber hätte beinahe an ihm gezweifelt, fast hätte ich den Glauben aufgegeben. 3 Denn ich beneidete die überheblichen Menschen: Ihnen geht es gut, obwohl Gott ihnen völlig gleichgültig ist. 4 Ihr Leben lang haben sie keine Schmerzen, sie strotzen vor Gesundheit und Kraft. 5 Sie müssen sich nicht abplagen wie andere Menschen, und die täglichen Sorgen sind ihnen ganz und gar fremd. 6 Sie sind stolz auf ihren Stolz und tragen ihn zur Schau, ja, sie prahlen sogar mit ihren Gewalttaten. 7 In ihren feisten Gesichtern spiegelt sich die Bosheit ihres Herzens wider. 8 Mit Verachtung schauen sie auf andere herab und verhöhnen sie, mit zynischen Worten setzen sie jeden unter Druck. 9 Sie tun, als kämen ihre Worte vom Himmel; sie meinen, ihre Sprüche seien für die ganze Menschheit wichtig. 10 Darum läuft sogar Gottes Volk ihnen nach, es hängt an ihren Lippen und glaubt alles, was man ihm vorsetzt. 11 Denn diese eingebildeten Leute sagen: „Gott kümmert sich um nichts – wie sollte er auch? Er thront so weit oben und weiß nicht, was sich hier unten abspielt!“ 12 Selbstsicher und sorglos leben sie in den Tag hinein, ihr Vermögen und ihre Macht werden immer größer. 13 War es denn völlig umsonst, dass ich mir ein reines Gewissen bewahrte und mir nie etwas zuschulden kommen ließ? 14 Jeder Tag wird mir zur Qual, eine Strafe ist er schon am frühen Morgen! 15 Hätte ich mir vorgenommen: „Ich will genauso vermessen reden wie sie!“, dann hätte ich dein ganzes Volk verraten. 16 Also versuchte ich zu begreifen, warum es dem Gottlosen gut und dem Frommen schlecht geht, aber es war viel zu schwer für mich. 17 Da ging ich in Gottes heiligen Tempel, und dort wurde mir auf einmal klar: entscheidend ist, wie ihr Leben endet! 18 Du stellst sie auf schlüpfrigen Boden und wirst sie ins Verderben stürzen. 19 Ganz plötzlich wird sie das Entsetzen packen, sie werden ein Ende mit Schrecken nehmen. 20 Wie ein Traum beim Erwachen verschwindet, so vergehen sie, wenn du dich erhebst, o Herr. 21 Als ich verbittert war und mich vor Kummer verzehrte, 22 da war ich dumm wie ein Stück Vieh, denn ich verstand dich nicht. 23 Jetzt aber bleibe ich immer bei dir, und du hältst mich bei der Hand. 24 Du führst mich nach deinem Plan und nimmst mich am Ende in Ehren auf. 25 Herr, wenn ich nur dich habe, bedeuten Himmel und Erde mir nichts. 26 Selbst wenn alle meine Kräfte schwinden und ich umkomme, so bist du doch, Gott, allezeit meine Stärke – ja, du bist alles, was ich habe! 27 Eines ist sicher: Wer dich ablehnt, wird zugrunde gehen; du vernichtest jeden, der dir die Treue bricht. 28 Ich aber darf dir immer nahe sein, mein Herr und Gott; das ist mein ganzes Glück! Dir vertraue ich, deine wunderbaren Taten will ich weitererzählen.

Ich aber darf dir immer nahe sein, mein Herr und Gott; das ist mein ganzes Glück! Dir vertraue ich, deine wunderbaren Taten will ich weitererzählen. Klick um zu Tweeten

Predigt

Liebe Gemeinde,

wir haben mit dem heutigen Sonntag das Ende des Kirchenjahres erreicht. Und bevor die Zeit der Erwartung beginnt, die Zeit des Lichtes, der aufkommenden Freude, der Wärme und Nähe des Messias, senkt sich mit dem Thema des heutigen Sonntag noch einmal das Schwere und Düstere auf unsere Gedanken herab. Ewigkeitssonntag – so heißt dieser Tag in der christlichen Gemeinde. Für viele Menschen bleibt er aber nur ein Tag der Erinnerung an schlimme Verluste, an Einsamkeit und Hilflosigkeit mit diesem Thema: Tod.

Und schlimm ist in diesem Zusammenhang: die meisten Menschen in unserer Umgebung wissen nichts von oder glauben nicht an die Auferstehung von den Toten, an Hoffnung und Trost auch in schlimmem, schier unerträglichen Leid. Und sie ahnen vielleicht gar nicht, wie ehrlich gerade die Bibel mit dem Thema Tod umgeht.

Auch im AT und NT wird gelitten unter namenlosem Leid. Es wird geschrien um Hilfe.
Der Unterschied zu vielen Menschen heute ist aber: da rechnen Menschen noch mit einem Gegenüber, das hört – und antwortet – und tröstet.

Ich möchte am heutigen Sonntagmorgen einen Psalm in den Vordergrund stellen, in dem ein Mensch des Alten Bundes eine Bestandsaufnahme anstellt angesichts dieser Grenze des Leidens und des Todes. Es ist ein Psalm von besonderer Schönheit – der Psalm 73.

Zu diesem Psalm hat M. Luther einmal gesagt: ”Hier siehst Du allen Heiligen ins Herz”. Dieser Psalm stammt aus einer Zeit der Anfechtung im Leben eines Menschen – aus überwundener Anfechtung; und das, was besonders ergreift, ist die Tatsache, dass der Psalmist uns einen tiefen Einblick in sein ganz persönliches Ringen um sein Beharren im Glauben gewährt. Der Verfasser ist ein durch Leid geprüfter, einfacher Mann der frommen Gemeinde. Und er geht in diesem Psalm einen Weg. Diesen Weg mitzugehen möchte ich Sie einladen. Es ist ein Weg, an dessen Ende das geschieht, was der Beter bereits in Vers 1 mitteilt: “Gott ist gütig denen, die reinen Herzens sind.”
Es ist ein Weg, der aus der Tiefe des Zweifels heraufführt zu diesem Satz. Wie aber verläuft der Weg?

“Gott ist gütig denen, die reinen Herzens sind.” #Psalm73 Klick um zu Tweeten

1. Der Anstoß – wenn es den Gottlosen gar zu gut geht (VV. 1-12)

Der Psalmist versteht seinen Gott nicht mehr. Alles, was er erlebt, steht in scharfem Widerspruch zu den Zusagen seines Gottes. Und der Anstoß entsteht an einer über alle Jahrhunderte gleichen Beobachtung: Die Gottlosen sind in der Welt obenauf! Sie haben Glück und Erfolg, obwohl sie sich keinen Deut um Gott kümmern. Den Gottlosen geht es ganz hervorragend. Sie leben in Gesundheit und Glück, in Freude und Geld. Den Gottlosen schlägt keine Stunde.

Und sagen Sie einmal: können Sie den Beter des 73. Psalms hier verstehen? Dem ist das unheimlich. Den beunruhigt das zutiefst. Dem Mann wird das zur Anfechtung: der Leib der Gottlosen strotzt vor Gesundheit. Sie befinden sich außerdem in gehobener Position und haben es nicht mehr nötig, in harter mühseliger Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Weder Krankheit noch irgendeine Plage sucht sie so wie andere Leute heim. Sie fühlen sich sicher, bestärkt in ihrem gottlosen Lebensprogramm. Sie können anderen imponieren, haben die Lacher auf ihrer Seite – und die guten Argumente offensichtlich auch.
Können wir das nachempfinden? Das ist nicht Neid, was der Beter hier spürt. Das ist einfach der Widerspruch zu dem, was er aus Gottes Wort weiß. Wie kann das denn so sein, dass die Gottlosen triumphieren? Das macht doch verzweifelt. Stimmt denn Gottes Wort nicht mehr?
Was der Beter uns hier deutlich macht: hier wagt es einer, diese Gedanken überhaupt einmal zu denken. Können wir das auch? Ist das nicht auch manchmal in unserem Kopf – die Frage: warum geht es den Gottlosen nur so gut? Beispiele dafür sind ja schnell gefunden – bei ca. 90% gottlosen, nicht von Gottes Willen gesteuerten Menschen in unserem Land, die kaum einen Gedanken am Tag auf ihn verwenden.

Mich plagt diese Erfahrung manchmal schon. Den Gottlosen geht es so gut – und so viele Jünger Jesus leiden zutiefst. Und mancher von uns mag auch diese tiefen Nöte des Beters erfahren – weil bei ihm vielleicht das hinzukommt, was den Psalmbeter plagte:

2. Die Glaubensnot – wenn das Herz vor Zweifeln schmerzt (VV. 13-22)

Der Psalmist empfindet so stark, weil er dem Leben der Gottlosen sein eigenes Dasein gegenüberstellt. Bei ihm sieht es so ganz anders aus. Vergebens sucht er nach einem sichtbaren Erfolg seines Strebens nach Reinheit. Ein Leiden quält ihn außerdem den ganzen Tag lang. Er, der Gott vertraut und ihm die Ehre gibt, ihm geht es schlecht. Und das alles schürt seine Glaubenszweifel. Verstehen wir den Psalmisten?

Verstehen wir ihn vielleicht heute besonders, an einem Tag, der wie kein anderer in uns all das wachruft, was an Verlust, an Schmerz, an Krankheit, an Angst und Sorge um uns und um andere in unserem Leben und in unserem Herzen arbeitet? Wir, die wir Jesus vertrauen – warum müssen wir das alles ertragen? Warum haben diese Mächte ein Recht, uns anzutasten? Was ist denn dran an einem Glauben, an einem Gott, der die Frommen dem Schmerz preisgibt und die Gottlosen ihren Freuden überlässt?

Hier an dieser Stelle, sitzt der Kern des Zweifels, der Anfrage an Gott. Und nochmals: kennen wir diese Anfrage? Haben wir solche Gedanken auch gehabt, damals, als es uns schlecht ging, als wir in Leid und Verlust saßen; als wir so krank waren. Oder sind diese Fragen heute je und dann immer noch da? Plagen sie uns, nagen sie an unserer Freude über Gott? Oder sind sie gerade erst aufgestiegen, kürzlich, als die Sorge und der schlimme Verlust kamen und blieben?

Mich plagen diese Gedanken schon: was ist das für ein Gott, der mir das alles zumutet und der die Gottlosen ungeschoren davonkommen lässt?
Ich bin der tiefen Überzeugung, dass es falsch ist, diese Fragen, da wo sie uns so oder ähnlich anfassen, wegzuschieben. Sie sind zu gefährlich, als dass wir sie nicht beachten könnten. Der Beter hat diese Fragen auch nicht verdrängt. Er hat sie Gott gesagt – und bestimmt viel härter und anklagender, als dieser Psalm sie wiedergibt. Der Psalm ist ja geschrieben, als die Antwort schon gegeben war. Gelitten hat der Beter aber vorher. Wie mag er Gott bestürmt haben mit den Fragen seines Herzens! Und Gott hat zugehört. Und verstanden. Und auch geholfen. Zu seiner Zeit.

Was machen wir mit den stürmischen Fragen unsers Herzens? Bitte nicht irgendwo ablagern, diese Fragen und Zweifel. Sie müssen heraus. Sie müssen Gott ins Gesicht gesagt – oder auch geschrien werden. Nur so werden wir frei davon. Denn solche Anfragen an Gott machen doch nur eines deutlich: Dass es uns ernst ist mit dem Vertrauen auf Gott! Dass wir uns damit herumplagen, eben weil wir an Gott kleben! Wer mit Gott fertig ist, der hat ihm nichts mehr zu sagen. Der klagt ihm nicht mehr seine Zweifel und Not. Wer aber klagt, der redet mit Gott – indem er ihn anspricht. Ist es nicht gut, zu erleben, wie Menschen das auch heute, auch aus diesem Kreis hier tun? Du bist mit Deinen Anfragen nicht alleingelassen. Gott wird Dir zuhören – und er wird Dich heilen. Habe den Mut zu ganzer Ehrlichkeit.

Der Psalmist hat geklagt. Und sicher nur aus diesem Grunde kann er im Konjunktiv reden, wenn er sagt: “Ich wäre fast gestrauchelt; schier wäre mein Fuß geglitten.” Denn er ist ja nicht. Er ist ja nicht gestrauchelt. Ihm ist in seinen Fragen geholfen worden. Wie?

3. Die Wendung – seine ganze Zuversicht auf Gott setzten (VV. 23-28)

Den Weg, auf dem der Dichter wieder zum Glauben kommt, beschreibt er mit den Worten: “…bis ich wieder eintrat in Gottes Heiligtum” Gott hat sich ihm geoffenbart. Wie denn?

Zum einen hat Gott ihm deutlich gemacht: Die Gottlosen leben in einer Scheinwelt des Glücks. Ihre Lebenssicherheit ruht nicht auf festem Grund. Sie sind von Gott auf einen schlüpfrigen Boden gestellt, und jeden Augenblick droht ihnen von Gott her das Verderben.
Diese Einsicht setzt die Perspektiven des Beters wieder richtig. Er kann sich selber wieder im richtigen Licht sehen. Nicht dass er sich über das ungewisse Schicksal der Gottlosen freut – aber er erkennt wieder Gerechtigkeit. Und dies wird deutlich in den wunderbaren Versen 23-26:

23 Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten.
24 Du leitest mich nach deinem Ratschluss und nimmst mich am Ende auf in Herrlichkeit.
25 Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde.
26 Auch wenn mein Leib und mein Herz verschmachten, Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig.

Diese Verse zählen sicherlich zu den Kernversen dieses Psalms Es sind Worte, in denen das ganze neu gewonnene Vertrauen und die Freude des Beters mitschwingen. Es sind sicherlich Worte zum Ewigkeitssonntag. Denn in diesen Versen macht der Beter deutlich, dass er nun wieder das Leben und Ergehen des Menschen von seinem Ende her, von der Ewigkeit her, sehen kann. Und das gibt ihm neue Kraft und Sicherheit im Vertrauen auf Gott. Was sagt er in diesen Versen?

Nachdem der Beter seine Fragen an Gott gerichtet hat, folgt in Vers 23 dieses Wort “Dennoch”. “Dennoch bleib ich stets an Dir.” – so stark hat Martin Luther dieses “Nun aber “ übersetzt: Dennoch. Wie ein Dennoch des Glaubens klingt das. Dieses Dennoch trennt die Zweifel von dem neuen Vertrauen ab. Es blickt in eine andere Richtung. In die Richtung neu gefasster Hoffnung auf Gottes Hilfe und Trost. Drei Dinge sind es die das ´Dennoch` klar herausstellt:

a. Gott hält mich bei meiner rechten Hand! (V. 23)

Wenn wir in Sorgen und Fragen stecken, wenn wir das Traurigsein über den Verlust geliebter Menschen sehr spüren, dann kann eben nur eines helfen: dass ein Größerer als wir uns bei der Hand nimmt. Dass er unsere Rechte ergreift und uns führt. So wie der Vater die Hand des Kindes ergreift, so ergreift Gott die Hand seiner Kinder und führt sie.
(Beispiel: mein Kind an meiner Hand)

Wir dürfen in der lichten Zeit unseres Lebens so wie in der Finsternis unserer Traurigkeiten erleben: Gott hält uns an unserer rechten Hand. Gott hält fest. Er lässt uns nicht los. Während die Gottlosen rechts und links von uns schließlich in Verzweiflung und ohne Antwort umstürzen. Gott hält uns. Während andere in Kummer und Sorge zerbrechen – Gott hält uns. Er lässt nicht los. Er schenkt Geborgenheit. Gott hält fest – dennoch.

Gott hält uns. Er lässt nicht los. Er schenkt Geborgenheit. Gott hält fest - dennoch. Klick um zu Tweeten

b. Gott ist immer mein Fels (V. 26)

Der Beter kann dies in neuem Vertrauen sagen: Selbst wenn mir das Schlimmste von allem passieren würde – dass mein Leib und meine Seele langsam verschmachteten, d.h. dahinvegetierte, austrocknete; selbst wenn das so wäre – ich würde fest stehenbleiben. Gott ist immer mein Fels.
Das Leben der Gläubigen, vielleicht auch Dein Leben gerade, mag gekennzeichnet sein von Sorge und Trauer. Es mag ein schwer zu lebendes Leben sein. Aber es ist niemals ein sinnloses, vergängliches Leben. „Gott ist mein Fels und mein Teil.“ Das heißt auch: Nicht erst in der Ewigkeit – schon jetzt, hier im Zentrum der Traurigkeiten ist Gott. Schon hier, gerade hier darf ich sprechen: “Dennoch, dennoch bleibe ich stets bei Dir, Gott. Du, Gott, bist immer mein Fels. Ich habe einen festen Standpunkt. Mein Fuß wird nicht ausgleiten. Ich werde auch die Kraft haben, weiter zu vertrauen und zu glauben – auch wenn Leib und Seele austrocknen sollten oder müssen – Gott ist immer mein sicherer Standpunkt, mein Fels.“

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c. Gott verheißt mir seine Herrlichkeit (V. 24)

Dieser Psalm 73 ist eine der wenigen AT – Belege für eine Hoffnung über den Tod hinaus. Die Grenze des Todes wird normalerweise vom AT sehr streng beachtet. Das AT macht keine Aussagen über das, was nach dem Tode passiert. Hier aber spricht der Beter von klarer Hoffnung. Er sagt nicht viel davon. Er weiß nur: auch im Tode und nach dem Tode bin ich ein von Gott Angenommener, Gehaltener. Gott ist auch dort, wo ich noch nie gewesen bin, wo ich dann auch nicht mehr mit meinen irdischen Sinnesorganen und Erfahrungswerten aufnehmen und prüfen kann. Wo ich wehrlos hingleite – Gott ist auch dort. Er nimmt mich hernach, wenn alles hinter mir liegt – auch mein irdisches Leben und mein Todeskampf – er nimmt mich zur Herrlichkeit auf. Gott verheißt mir Zukunft, Ewigkeit. Der Felsgrund Gottes ragt über den irdischen Tod hinaus. Ich werde nie mehr ins Bodenlose fallen, sondern einer ist da, der trägt. Der hält. Der führt. Der rettet.
Und was der Beter noch nicht so klar sehen konnte wie wir: wir wissen, dass Jesus Christus die Hoffnung auch des AT – Beters geworden ist. Das Vertrauen auf Jesus Christus als den Erretter und Herrn meines Lebens setzt ewige Tatsachen. Es gibt diesem Psalm seine letzte und tiefe Gewissheit für uns heute. Für mich – und für Sie; für uns alle.
Und wenn wir einmal an Grenzen unserer Kraft, oder auch an die Grenze unsere Lebens geraten, so gebe es dieser Herr, dass wir zusammen mit denen hier von uns, die vielleicht gerade jetzt in Schmerz und Traurigkeit leben, dass wir mit ihnen zusammen bekennen und glauben können: “Du leitest mich nach Deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an. Darum ist das meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setzte auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun.”

Und schauen Sie: darum dürfen wir von ganzem Herzen beten, wann immer wir von Unglücken und Katastrophen hören: dass die Angehörigen der Opfer eben nicht nur in namenloses Leid, in Anklage und Verzweiflung versinken, sondern dass sie in ihrer Lebensnähe auf Menschen treffen, die ihnen eben nicht mit frommen Sprüchen das Leben schwer machen, sondern die aus dem eigenen Gehaltensein in Gott vermitteln können: gerade im Leiden schenkt der Lebendige unvergleichlichen Trost. Gerade im Leiden lässt er sich erkennen. Gerade im Leiden und im schrecklichen Verlust bietet er mir an, mich bei meiner Rechten zu fassen und mich zu führen.

Gerade im Leiden und im schrecklichen Verlust bietet GOTT mir an, mich bei meiner Rechten zu fassen und mich zu führen. Klick um zu Tweeten

Seien Sie also selber getröstet durch diesen Psalm, in dem Fragen und Zweifel dann doch zu neuer Freude und Gewissheit des Glaubens werden. Gott segne Sie zum Ewigkeitssonntag 2016.

Amen

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