3. Advent. Symbolbild "Der lange Atem zum Warten". Nahaufnahme von vier roten Kerzen, 3 brennen.

Der lange Atem zum Warten

In der Adventszeit bleibt ja ein Gedanke immer wieder Thema dieser drei bis vier Wochen: das Warten. Und mit diesem Thema verbindet sich ein Wort: „Der lange Atem“. Wer auf das Kommen Jesu in Herrlichkeit wartet, braucht seit 20 Jahrhunderten einen wahrhaft langen Atem. Auch wir brauchen ihn. Wir leben im Jahr 2016 – und wir wissen nicht, wann genau die Adventszeit Gottes zu Ende geht und wann Jesus Christus sichtbar erscheinen wird.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Der lange Atem zum Warten
Reihe
Datum
11.12.2016
Länge
18:10
Bibelstelle
Jakobus 5, 7-11
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

7 Darum, liebe Schwestern und Brüder, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! Auch der Bauer wartet auf die kostbare Frucht der Erde, er wartet geduldig, bis im Herbst und im Frühjahr der Regen fällt.
8 Ebenso geduldig sollt auch ihr sein. Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor.
9 Klagt nicht übereinander, liebe Geschwister, damit ihr nicht gerichtet werdet. Seht, der Richter steht schon vor der Tür.
10 Liebe Schwestern und Brüder, im Leiden und in der Geduld nehmt euch die Propheten zum Vorbild, die im Namen des Herrn gesprochen haben.
11 Wer geduldig alles ertragen hat, den preisen wir glücklich. Ihr habt von der Ausdauer des Ijob gehört und das Ende gesehen, das der Herr herbeigeführt hat. Denn der Herr ist voll Erbarmen und Mitleid.

Predigt

Liebe Gemeinde,

In der Adventszeit bleibt ja ein Gedanke immer wieder Thema dieser drei bis vier Wochen: das Warten. Und mit diesem Thema verbindet sich ein Wort: „Der lange Atem“. Wer auf das Kommen Jesu in Herrlichkeit wartet, braucht seit 20 Jahrhunderten einen wahrhaft langen Atem. Auch wir brauchen ihn. Wir leben im Jahr 2016 – und wir wissen nicht, wann genau die Adventszeit Gottes zu Ende geht und wann Jesus Christus sichtbar erscheinen wird.

Dabei lassen Sie uns dies schon gleich zu Anfang ganz klar sagen:

Wir warten auf Jesus Christus, den auferstandenen und gen Himmel gefahrenen Sohn Gottes. Deshalb warten wir ganz sicher nicht mehr auf ein kleines hilfloses Baby in einem Stall. Das ist ja der große Irrtum unserer Weihnachts-Klischees – bis heute: ein kleines greinendes Kind in einer Krippe tut keinem von uns weh! Es fordert keinen von uns heraus. Es stellt keinen von uns in Frage!

Deswegen heißt das Thema auch nicht: Warten auf das heilige Baby! Unser Warteauftrag heißt ganz klar: Warten auf den auferstandenen, vom Himmel herab kommenden Gottessohn, auf den Weltenrichter. Auf den, der uns dann sagen wird, ob unser gelebtes Leben ausreicht für den Himmel – oder nicht! Dazu, zu dieser Aussicht brauchen wir den langen Atem.

Wir warten auf #Jesus Christus, den auferstandenen und gen #Himmel gefahrenen Sohn Gottes. Klick um zu Tweeten

Dazu wollen wir heute Morgen ein Bibelwort befragen, wie wir diesen langen Atem behalten können. Es steht erfreulicherweise im Jakobusbrief, den wir ja in einer Gemeinsam-auf-Kurs-Aktion in 2011 gut kennengelernt haben.

Zunächst zur Verdeutlichung des Themas „Warten“ zwei kleine Beispiele:

a. Eine Straße wird aufgerissen. Wochenlang erleben die Anwohner Lärm, Schmutz, Ärger. Fenster könne nicht geputzt werden; alle warten sehnlichst darauf, dass die Baukolonne wieder abzieht. Manche fragen die Bauarbeiter: „Wann machen Sie denn hier endlich Schluss?“ Aber alle Aufregung nutzt nichts! Dadurch wird die Arbeit nicht beschleunigt! Man muss halt geduldig warten.

b. Da hat einer schon als Kind gelernt, Geige zu spielen! Nach dem Besuch einer guten Musikschule reifte in ihm der Entschluss, auf diesem Instrument einer der besten zu werden. Aber trotz aller Mühe lässt der Durchbruch als Solist auf sich warten. Seine Freunde merken ihm die Enttäuschung an. Und sie machen ihm neuen Mut! Der Erfolg würde mit Sicherheit kommen, sagen sie ihm. Er habe nur geduldig zu warten!“ Bis dahin heißt es eben: Weiterüben, weiterüben, weiterüben.

In beiden Beispielen wird Geduld verlangt, aber das jeweils erforderliche Verhalten ist doch nicht dasselbe. Im ersten Fall ist Geduld ein „Warten müssen“ in dem Wissen, dass man sowieso nichts verändern kann. Im zweiten Fall dagegen geht es um ein geduldiges Warten, indem der Geiger noch intensiver übt und sich für seinen Erfolg noch stärker einsetzt!
Die erste Geduld setzt Hilflosigkeit, die zweite aktives Engagement voraus. Was ist nun das Warten in der Adventszeit? Die erste oder die zweite Variante von Warten?

1. Geduldiges Warten auf die Ankunft Jesu

In dem Bibelwort ruft Jakobus zur Geduld auf. – Aber welche meint er? Welches Warten ist denn für den Christen das angemessene? Auf den ersten Blick kann man denken: es geht um in der Bibel um ein Warten aus Hilflosigkeit. Und das biblische Beispiel in den Evangelien von dem Landwirt, der aussät, um dann zu warten auf den kargen Regen und das Aufgehen von guter Saat und Unkraut, scheint das ja zu unterstreichen.

Warten also aus Hilflosigkeit? Für diese Art von Geduld suchen wir uns gern Gründe, denn das ist eine recht bequeme Warterei. Die Welt liegt im Argen, sagen die Christen. Ihre Ungerechtigkeit können wir sowieso nicht beseitigen! Also warten wir mit Geduld, bis der Herr Jesus wiederkommt. Natürlich haben wir durch die Verkündigung die gute Saat ausgestreut, und wir werden das weiter tun, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Doch die Hauptsache ist: wir freuen uns auf die Frucht, die der Herr bei seiner zweiten Ankunft mit sich bringen wird. Wir haben ja keinen Einfluss auf sein Kommen. Wir können halt nichts tun. Schon genug, wenn wir nicht mutlos oder ungeduldig werden.

Ist aber dieses fast tatenlose Warten wirklich das, was Jakobus uns in seinem Brief mitteilen möchte? Es spricht einiges dagegen. Denn wenn wir uns das grie Wort anschauen, was hier für den Begriff Geduld gebraucht wird – dann hat dieses „„makroqumia“ wenig mit passivem Herumstehen im Wartesaal des Lebens zu tun. Makroquymia – das heißt Langmut – oder eben: der lange Atem.

Und wenn wir nun dazu den Bibeltext im Gesamtzusammenhang des Jak betrachten, dann müssen wir uns daran erinnern: Jakobus spricht hier von „Tätern des Wortes“. Er nennt Lebensbereiche, die während der Zeit des Wartens unsere ganze Aufmerksamkeit und Pflege fordern und uns an der Arbeit und am Tun halten. Jak sagt z.B., dass Nächstenliebe nicht bei den Gemeindegliedern aufhört, dass Frieden und Gerechtigkeit untereinander nicht nur bei den Christen gelten. Das alles hat einen Bezug zu den Menschen unseres Alltags.
Das aber hat wieder sehr viel mit sehr bewusstem Handeln zu tun. Wenn wir das alles zusammenfassen und auf das Thema „geduldiges Warten“ beziehen, dann heißt das:
In dieser Adventszeit wieder neu sehen: wir brauchen einen langen Atem – und wir haben bis zum Kommen Jesu noch viel vorzubereiten – in aller Geduld, aber mit klaren Zielen. Deshalb heißt es:

2. Geduldiges Warten auf Gottes neue Schöpfung

Im neuen Testament heißt Warten nicht nur: ich glaube und erwarte die Maßstäbe und das Erscheinen der neuen Schöpfung und freue mich auf sie. Warten heißt in der Bibel eben auch: ich nutze die Zeit des Wartens und übe diese Maßstäbe jetzt ein!

Es ist natürlich einfach zu sagen: Ich glaube und erwarte die neue Schöpfung Gottes am Ende der Zeit. Es ist aber ganz schwierig, mit langem Atem und Geduld die von Jesus Christus uns verordnete Wartezeit zum Einüben geistlichen Lebens und geistlicher Maßstäbe zu nutzen.

Jakobus gibt in seinem Brief – und das ist ja nun eigentlich nur eine Erinnerung an unsere JakobusAktion vor einigen Jahren – Jakobus gibt die Übungsfelder an. Er fragt uns in Kap 2,5:
– Offenheit für die Armen dieser Welt
– Verantwortungsvoller Umgang mit dem, was wir dank unserer Zunge auszusprechen vermögen
– Sorge um den innergemeindlichen Frieden bis zum Kommen Jesu.

Auf das Kommen Jesu warten – das bietet uns so viele Möglichkeiten zum Einüben in Sachen Gemeinde und Nachfolge. Denken Sie an den jungen Geiger und sein Bemühen im zweiten Beispiel. Der konnte die Wartezeit intensiv nutzen zum Vervollkommnen seiner Befähigungen. Genau das möchte Jesus auch von mir und Dir. Denn die Adventszeit heißt auch:

3. Geduldiges Warten auf Gottes Gericht!

Wenn wir uns für die guten Ziele Gottes einsetzen, dann entdecken wir aber nicht nur den Feind in uns selber – in unserer Schwachheit bei so vielem, sondern – wir empören uns auch über das Böse in der Welt.

Sei es die sich zur Schau stellende Gewalt in unserem Land, seien es die letzten politischen Affären oder die aktuellen Zustände im Nahen oder Fernen Osten – und bei alledem neigen wir leider oft dazu, andere verurteilend abzuschreiben.

Jakobus regt sich auch auf über das Böse – und er prangert es in seinem Brief auch an! Aber gerade nach diesen Versen ermahnt er zur Geduld.
Dadurch macht er den Christen damals und auch uns heute klar: natürlich sollen wir Ungerechtigkeit beim Namen nennen; aber – weil wir geduldig auf das Gericht Gottes warten, dürfen wir andere nicht richten. Durch die ganze Bibel hindurch wird deutlich, dass der lange Atem vor allem eine Eigenschaft Gottes ist, die seinen Umgang mit uns prägt.

Gott ist langmütig mit uns, damit wir zur Umkehr finden. Wenn er uns auf diese Weise seine Barmherzigkeit zeigt, dann möchte er, dass auch wir in seiner Langmut an anderen handeln, ihnen entgegenkommen, ihnen vergeben und sie ermutigen.

Das bedeutet: wir decken das Böse auf, nur weil und nur wenn wir die Menschen auch zum Guten führen wollen. Wir wissen ja schon längst: Urteile über andere sind nur dann legitim, wenn wir uns betend und arbeitend dafür einsetzen, dass neue zwischenmenschliche Wege eingeschlagen werden. Dazu gehört, dass wir mit gutem Beispiel vorangehen, dass wir die Zeit des Wartens nutzen, um anderen zu helfen, selber Christus recht zu erwarten. Dass wir gute Beispiele sind. Und damit haben wir genug zu tun. Das Jammern über das Böse in dieser Welt ist nicht unsere Aufgabe! Das Verurteilen einer bösen Welt ist nicht unsere Aufgabe. Wir dürfen als gute Beispiele vorangehen. Tun wir das? Dann haben wir noch Arbeit genug! Und das alles bedeutet dann:

4. Geduldiges Warten ist nicht das wirklich Besondere unseres Lebens.

Liebe Gemeinde, die Adventszeit ist eigentlich gar keine besondere Zeit. Es ist lediglich eine Zeit, die uns auf das hinweist, was wir 365 Tage im Jahr tun dürfen – aber auch tun sollen. Wir warten tagaus, tagein auf das Kommen des Messias Jesus Christus als des Weltenrichters. Das Besondere ist nun: wir warten nicht wie die von Baulärm umgebenen Straßenbewohner auf das Abziehen der Baukolonne – als Wartenmüssen, weil man doch sowieso nichts ändern kann.
Vielmehr warten wir neutestamentlich – so wie der Geiger die Zeit nutzte, um zu über und durch Übung vorbereitet zu sein auf den großen Tag, auf den Durchbruch als Solist.

So, liebe Gemeinde, dürfen wir warten, indem wir die Zeit nutzen – nutzen zum Einüben in die guten Gedanken und Taten Gottes, damit Jesus, wenn er kommt, uns tätig findet! Tätig in Liebe in seiner Gemeinde – für die Armen um uns herum, im Umgang mit unserem Reden, im Bemühen um Einmütigkeit und im Vermeiden von Streitigkeiten.

Tätig aber auch in Liebe in seiner Welt – in der Verantwortung für Gottes Schöpfung und nicht bei ihrer fröhlichen Zerstörung.

Warten als Wartenmüssen ist langweilig. Warten als langer Atem gibt Kraft. Es macht Mut. Es weckt Hoffnung. Denn Advent – ist immer. Tag für Tag, Stunde für Stunde. Bis Jesus Christus, der Herr dieser Welt, wiederkommt!

Und 2000 Jahre sind überhaupt kein Argument dagegen. Warten Sie mit – Warten Sie weiter. Auch über 2016/17 hinaus. Jesus kommt gewiss. Und ich freu mich schon drauf.

– Amen.

Warten Sie mit – Warten Sie weiter. Auch über 2016/17 hinaus. #Jesus kommt gewiss. Klick um zu Tweeten

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