Symbolbild zur Predigt "Welt ging verloren - Ich bin verloren!": Riesenwelle im Ozean

Welt ging verloren – Ich bin verloren!

Im Grunde ist es ja nicht zusammenzukriegen: das, was in unserer Welt geschieht – und das, was mit Weihnachten zu tun hat. Und es gibt genug Zeitgenossen, die schreien: „Hört doch auf zu feiern! Das Dunkle in der Welt ist doch größer! Macht Euch doch nichts vor!“ Und dann zählen diese Leute auf – Tatsachen! Die Zeitungen sind voll davon! Immer.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Welt ging verloren – Ich bin verloren!
Reihe
Datum
24.12.2016
Länge
13:19
Bibelstelle
Lukas 2, 1-7
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 In dieser Zeit befahl Kaiser Augustus, alle Bewohner des römischen Reiches in Listen einzutragen. 2 Eine solche Volkszählung hatte es noch nie gegeben. Sie wurde durchgeführt, als Quirinius Statthalter in Syrien war. 3 Jeder musste in seine Heimatstadt gehen, um sich dort eintragen zu lassen. 4 So reiste Josef von Nazareth in Galiläa nach Bethlehem in Judäa. Denn er war ein Nachkomme Davids und in Bethlehem geboren. 5 Josef musste sich dort einschreiben lassen, zusammen mit seiner Verlobten Maria, die ein Kind erwartete. 6 In Bethlehem kam für Maria die Stunde der Geburt. 7 Sie brachte ihr erstes Kind, einen Sohn, zur Welt. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Futterkrippe im Stall, denn im Gasthaus hatten sie keinen Platz bekommen.

Predigt

Liebe Gemeinde,

wenn Sie vorhin aufmerksam die Lesung der Weihnachtsgeschichte verfolgt haben, dann haben Sie recht – das ist nicht die Weihnachtsgeschichte. Nicht ganz! Es fehlen noch etliche Verse. Aber wir haben ja auch heute nicht Weihnachten! Es ist Heiliger Abend! Die Nacht vor dem größten Ereignis der Menschheit. Gott kommt zu uns! Und vielleicht war heute vor 2016 Jahren und noch sieben dazu Gott auch noch unterwegs. Der Heilige Abend war damals nicht ganz so heilig, wie wir ihn heute machen. Wie, glauben sie, muß das heute abend sein? Stimmung, Heilige Stille? Der Glanz des Sternes von Bethlehem in diesem Haus? Nicht so schnell! Wir singen oft zu schnell das Lied: „Oh du fröhliche, oh du selige gnadenbringende Weihnachtszeit“. Und wir singen dann zu schnell über einen wichtigen Satz hinweg, der nicht unwichtig, ja, der sogar höchst bedeutsam ist: „Welt ging verloren!“ Diese drei Worte meine ich. Und um sie solle es jetzt erst einmal gehen.

Im Grunde ist es ja nicht zusammenzukriegen: das, was in unserer Welt geschieht – und das, was mit Weihnachten zu tun hat. Und es gibt genug Zeitgenossen, die schreien: „Hört doch auf zu feiern! Das Dunkle in der Welt ist doch größer! Macht Euch doch nichts vor!“ Und dann zählen diese Leute auf – Tatsachen! Die Zeitungen sind voll davon! Immer.

Und – einmal abgesehen von Syrien und dem Nahen Osten – es gibt derzeit so viel Entmutigendes in der Welt. Ich zitiere die SZ aus ihrem Abonnentenbrief:

In Jemen hat eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition im Kampf gegen die aufständischen Huthi-Milizen bereits einen Großteil der Infrastruktur des Landes zerstört und Hunderte Zivilisten getötet, um die Regierung von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi zu stützen. Millionen Menschen hungern.
In der Ostukraine kämpfen, trotz offiziellen Waffenstillstands, mit Unterstützung Moskaus weiterhin prorussische Separatisten für die Autonomie des Donbass, gegen die ukrainische Armee. Frieden ist nicht in Sicht.
In den USA hat Donald Trump mit Hassreden und Lügen die Wahl gewonnen und wird in fünf Wochen sein Amt als Präsident antreten. In Frankreich könnte der rechtsextreme Front National im nächsten Jahr das Staatsoberhaupt stellen – mit unabsehbaren Folgen für die EU.

Welt war verloren – ich bin verloren.

Und vielleicht denken Menschen auch heute abend so, die verloren haben. Einen Menschen vielleicht. Niemand bringt ihn mehr zurück. Die Gesundheit vielleicht, die Arbeit. Jemand anders hat seine Ideale verloren, ein anderer spricht davon, daß er seinen Glauben verloren hat. Das Leben ist ein einziges Verlustgeschäft. Welt war verloren.

Da wird eine Volkszählung einberufen. Soldatenstiefel sorgen dafür, daß sie in allen Weltteilen des damaligen Römischen Reiches funktioniert. Es gibt Aufstände. Die israelitischen Zeloten morden unschuldige Männer und -Frauen. Die Menschen haben Angst! Welt war verloren.

Und ein Mann unterwegs mit einer schwangeren Frau! Die Volkszählung hat sie aus ihrer behüteten Umgebung herausgetrieben. Schließlich sind sie irgendwo in Bethlehem. Sie kommen zu spät. Kein Platz in den Gasthäusern. Die Stadt platzt vor lauter Fremden aus allen Nähten. Niemand nimmt Rücksicht auf die hochschwangere Frau. Irgendwer läßt ihnen den Schuppen. Aber sollen sie sehen, wie sie fertig werden. Heilige Nacht? – Unheilige, erbarmungslose Nacht! Welt war verloren.

Und da klagen wir heute: „Ach, damals – da konnte man noch Weihnachten feiern. Da war die Welt noch in Ordnung.“ – Falsch! Niemals war die Welt so in Ordnung, daß es leicht gewesen wäre, Weihnachten zu feiern!
Welt ging verloren – das heißt heute nun mal: Haß, Kriege, Hungersnöte, Katastrophen, Angst, Terrorismus, Kälte, tote zwischenmenschliche Beziehungen. Das alles steht zwischen uns und einem friedevollen Heiligen Abend.

Aber – ist das nicht gut so? Verstehen wir so nicht erst wirklich, was sich damals, etwa 7 Jahre vor dem Beginn unserer Zeitrechnung, zugetragen hat?

Maria hat an der Krippe sicherlich nicht gesungen: „Still, still, weil´s Kindlein schlafen will.“ Und Joseph hatte alle Hände voll zu tun, ein paar Ratten im Stall totzuschlagen. – Welt war verloren!
Und sehen Sie – gerade diese Erkenntnis ist es gewesen, die den Himmel in Bewegung gesetzt hat! Gott wollte nicht länger zusehen, wie seine Menschen verloren waren und weiter verloren gingen. Seine unbändige Liebe zu uns hat zu der entscheidenden Hilfsaktion geführt: Christ ward geboren!

Deshalb halten Sie diesen Satz und seinen Lebenshintergrund erst einmal aus: Welt ging verloren!

Denn in dieser verlorenen Welt taucht unser eigenes verlorenes Leben auf. Verloren nicht, weil es vielleicht so böse und durchtrieben wäre. Verloren aber, weil auf weite Strecken ohne Gott gelebt. An seiner Liebe vorbei. Weg von seiner Freude. Weg von Jesus. Und vielleicht in der tiefen Überzeugung: „Ich schaffe es schon. Ich schaffe es auch ohne Gott!“
Sah unser Leben einmal so aus? Sieht es noch so aus?

Es hat durch alle Jahrtausende hindurch immer Menschen gegeben, die sich nicht für verloren hielten, die auf ihre Religiosität oder auf ihre Menschenfreundlichkeit bauten.
Aber es hätte keine Geburt Jesus gegeben – niemals – wenn Gott ein anderer Weg möglich gewesen wäre, unser aller verlorenes Leben zu retten. Welt ging verloren – ich war verloren. Nur so stimmt´s. Und deshalb wollte Gotte es so: Christ ward geboren.

Die Rettungsaktion Gottes lief an. Sie war allerdings keine Generalamnestie Gottes. Sie war geknüpft an die Begegnung der Menschen mit Jesus!
Deshalb schickt der Engel die Hirten in den Stall. Deshalb holt der Stern die Weisen an die Krippe. Mein wahres Leben finde ich bei ihm erst – bei Jesus!
Die Menschen damals fanden ihr verlorengegangenes Leben nicht durch die nächtlichen Freudenrufe der Hirten. Sie fanden lediglich die richtigen Schimpfworte für diese nächtlichen Unruhegeister! Sie hätten zur Krippe gehen und Jesus begegnen müssen. Dann hätten sie keine Schimpfworte mehr gewußt und gebraucht.

Welt ging verloren – Mensch ging verloren.

Schauen Sie: Heute nacht wird nicht irgendwo auf diesem Planeten ein Mann mit seiner Frau ein kleines Kind bewachen, mit Stern über dem Schuppen und Englein in den Zweigen und auf den Balken der Scheune.

Heute nacht kann aber ein verlorenes Leben gefunden werden – da, wo ich mir meine heillose Verlorenheit eingestehe. Da, wo ich Jesus Christus begegne. Das kleine Baby ist in den letzten 2000 Jahren mächtig groß geworden. Es ist Herr der Welt. Und es versteht das schweigende Reden meines Herzens. Da, wo ich sage: „Komm! Ich will, ich muß Dir begegnen. Ich muß mein verlorenes Leben wiederfinden. Bei Dir. In Deinem strahlenden Licht. Damit ich meine Angst verlieren kann; meinen Haß, meine Leere, meine Ungeborgenheit, meine Heillosigkeit. Damit ich fröhlich werden kann, endlich wieder fröhlich. Damit ich Ja sagen kann zu Dir – zu den Menschen, die Du liebst. Ich will mein Leben wiederfinden.“

Und dann, nur dann singen wir alle das Lied weiter: Freue Dich, oh freue Dich, Du Christenheit – Du Menschheit; Du, der Du dein Leben gefunden hast.

Dann ist der Heilige Abend mit diesem Gottesdienst nicht zu Ende. Dann ist er es nicht um 24.00 Uhr. Dann geht er über in einen strahlenden Morgen. Den vielleicht ersten wiedergefundenen Morgen Ihres Lebens. Gott segne Sie jetzt!

Freue Dich, oh freue Dich, Du Christenheit - Du Menschheit; Du, der Du dein Leben gefunden hast. Klick um zu Tweeten

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