Symbolbild zur Jahreslosung 2017: "Gott spricht: ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch." - Hesekiel 36,26: Bild einer offenen Bibel, die Seiten bilden ein Herz

Jahreslosung 2017: Gott spricht: ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch

Wir schauen uns heute Morgen, wie angekündigt, die Jahreslosung für 2017 genauer an. Und wir haben den Zusammenhang gelesen, in dem dieser eine Vers steht. Es geht ja im Alten Testament immer auch darum, in welchen Zusammenhang des Volkes Gottes damals dieses Wort hineingesagt ist. Immerhin geht es wieder um ein prophetisches Wort des Hesekiel an die Menschen damals – aber auch an uns heute. Sonst könnten wir uns die Jahreslosung gewiss sparen. Also – wie war es damals?

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Gott spricht: ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch.
Reihe
Jahreslosung
Datum
08.01.2017
Länge
24:28
Bibelstelle
Hesekiel 36, 24 -28
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

24 Ich hole euch heraus aus den Völkern, ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land.
25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
26 Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.
27 Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt.
28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gab. Ihr werdet mein Volk sein und ich werde euer Gott sein.

Predigt

1. Hesekiel redet von dem großen Geschenk eines unverbesserlich gnädigen Gottes, der unbelehrbar menschenfreundlich handelt!

Das Volk Israel lebt immer noch in der Verbannung. Depression inbegriffen. Hoffnung gering. Wer hat Worte, die aufbauen können? Der Prophet Hesekiel redet als Gottes Stimme. Und er erinnert damals daran, dass der Glaube an einen lebendigen Gott, an den Gott der Bibel, Jahwe, eine Herzensangelegenheit ist. Dies tut Hesekiel aus gutem Grund, denn das Volk Israel steht damals – wie so oft – in seiner inneren Verfassung im Widerspruch zu seiner Berufung. Das Volk Israel war aus der Gemeinschaft mit Gott ausgeschert, das führte zu großem Leid und Hungersnot, und wie von selbst wurde Gott immer weniger wichtig. Eine damals – und doch auch heute – spürbare „Gott-ist-weit-weg“ oder „Gott-ist-mir-egal-Haltung“ bei den Menschen hat sich ausgebreitet. Und diese allen Glauben zersetzende Lebensphilosophie trifft nun offensichtlich auf einen Gott, der unbelehrbar optimistisch und unverbesserlich gnädig ist. Gott lässt sich nicht beirren, um immer wieder neu anzufangen. Er kann sich nicht abfinden mit Herzen, die langsam immer mehr verhärten, um irgendwann zu Stein zu werden und aufzuhören, zu pulsieren, zu empfinden, zu danken und zu loben. Gott überlässt uns Menschen nicht uns selber. Denn dann – sterben wir alle am verhärteten Herzen.

So wie damals in der Zeit des Hesekiel ist auch heute, da wir leben, Glaube eine Herzensangelegenheit; und dieses Bewusstsein kann uns schnell abhanden kommen. Im Grunde ist das leider der Normalfall. Ja, wir sind, wenn es um Gott geht, hartherzig, eigensinnig und widerspenstig. Wenn die Bibel von Herz spricht, dann ist damit weniger unsere „Pumpe“ gemeint. Im biblischen Sprachgebrauch ist das Herz der Sitz des Willens, der Grundrichtung des Lebens, der Gefühlswelt, der Vernunft, des Denkens und aller Pläne, die wir machen. In einem Gespräch mit seinen Jüngern sagt Jesus einmal, dass aus dem Herzen der Menschen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen kommen (Matthäus 15,19). Diese Neigung haben wir nicht verloren, und so ist es Lebens fördernd, wenn wir daran erinnert werden, dass Gott ein neues Herz und einen neuen Geist schenkt. Aber die Spannung bleibt. Gott schenkt ein neues Herz und einen neuen Geist – das, lieber Zuhörer, meint, dass wir, Du und ich, irgendwann einmal mit der frohen Botschaft des lebendigen Gottes in Berührung gekommen sind. Irgendwann hast du vielleicht mit Freude und voller Hoffnung bemerkt, wie das neue Herz in Dir zu wachsen anfing. Wie war das? – Wie hast Du herausgefunden, dass Du Dich veränderst?
Viele verschiedene Menschen schreiben ja bis heute bleibende Sätze in mein und Dein Herz. Wir haben aber nicht nur ein neues Herz, sondern wir sind – durch Gottes Erbarmen und durch sein Geschenk eines neuen Herzens und eines neuen Geistes – neu! Mit allen Kanten und Begabungen, mit Licht und Schattenseiten, wir sind, wer wir sind – und, durch Gottes Gnade, doch neu. Wir sind in dem einem Herzschlag noch diejenigen, die Gott das Vertrauen und dem Nächsten die Wertschätzung schuldig bleiben. Und, oh Wunder: mit dem nächsten Herzschlag sind wir genau daraus befreit zu einem neuen Leben. Wir haben nicht nur ein neues Herz, wir sind neu. Die ursprüngliche Schöpfungsordnung Gottes im Menschen ist wieder hergestellt. Weil Gott seine Freude an dieser Veränderung hat. Weil er sie will. Weil wir sie zum Überleben brauchen.

Die Jahreslosung lädt uns ein, daran festzuhalten, dass hier Gott sagt: „Ich will“ !!- ja, Gott will, weil er damals wie heute ein Zeichen für alle setzen will, die IHN vergessen haben. Gott lässt sich nicht beirren, er fängt immer wieder neu an und wir erleben mit, dass Gott selbst bei einem Menschen auf einmal zur Herzensangelegenheit wird. Was sagt das Wort Gottes in Psalm 51, 12-14:

Erschaffe in mir, Gott, ein reines Herz. Und einen neuen Geist gründe fest in mir! Schick mich nicht fort von deinem Angesicht! Nimm deinen Heiligen Geist nicht weg von mir! Lass mich wieder jubeln über deine Hilfe! Gib mir einen Geist, der dir bereitwillig folgt. Psalm 51, 12-14

Diese Bitte erfüllt Jesus gern. Diese Bitte hat er in Dir erfüllt, wenn Du ihn gebeten hast.

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2. Ein ganz praktischer Versuch: Gottes Gedanken mit uns einen neuen Rahmen geben

Liebe Gemeinde,

die Linguistin Elisabeth Wehling aus Berkeley in den USA wurde in der Silvesterausgabe der SZ interviewt über die Macht des Unbewußten und der Wörter, die in den USA und in Deutschland Politik und Wahlen prägen. Mich hat dieses Interview beeindruckt, weil ich darin auch etwas Wichtiges für dieses Thema „Neues Herz – neuer Geist“ zu entdecken glaube.
Ich möchte das einmal erläutern. Wir Menschen drücken das, was uns gefühlsmäßig und intellektuell bewegt, gern in Worten aus. Wir haben ja wenig andere Möglichkeiten, anderen unsere Gedanken zu vermitteln. Und wir greifen leider so oft daneben. Wir benutzen Vokabeln, die irreführend sind, die die Wahrheit verändern, die manchmal das Gegenteil dessen aussagen, was wir anderen vermitteln wollen. Elisabeth Wehling weist darauf hin, dass diese irreführenden Begriffe in Besorgnis erregender Weise zu Fehlentwicklungen führen können, sogar wichtige Wahlen entscheiden können, auch in Deutschland.

Anstatt nach einer Formulierung zu suchen, die das aussagt, was wir meinen, was wahr ist, was gerecht erscheint, greifen wir zu falschen Worten und kommen zu falschen Wahrnehmungen. Elisabeth Wehling spricht in diesem Zusammenhang von dem richtigen „Frame“, dem angemessenen Rahmen. Ich möchte das einmal erläutern (Folien).

Wichtig ist dabei die Definition von „Frame“. Sie lautet nach meinem Verständnis dieses Zeitungsbeitrags:

„Wenn es gilt, Worte oder Ideen zu begreifen,
so aktiviert das Gehirn einen Deutungsrahmen.
Dieser Deutungsrahmen bestimmt die Richtung,
in die man denkt.“

Beispiele dazu…

Halb leer Halb voll
Haben Sie keine Angst Vertrauen Sie uns
Hier gibt es gar keine Gefahr Hier ist alles sicher
Zögern Sie nicht Nutzen Sie jetzt diese Chance
Wir schaffen das Wir wollen das
Koalition der Willigen Koalition der Solidarischen
Globale Erwärmung Erdüberhitzung
Ein Flüchtling hat einen Anschlag begangen Der Terrorist tarnte sich als Geflüchteter

Also – unser altes verhärtetes Herz ist geprägt von Vorbehalten, von Ängsten, von Halbwahrheiten, von Sorgen um die Zukunft.

Wenn Gott ein neues Herz schenkt, dann verändert er immer auch unser Denken.

Dann schenkt Gott uns einen neuen Deutungsrahmen – einen Rahmen voller Wahrheit und Gerechtigkeit und Liebe.

Dann denken und sagen und fühlen wir Dinge anders. Das schafft eine neue Basis von Vertrauen im Leben, von Hoffnung; das prägt unseren Wunsch nach Veränderung und Veränderbarkeit.

Der neue Denkrahmen bringt neue Gedanken und Sichtweisen hervor. Gott verändert uns bis in unsere Worte hinein. Was für eine Chance.

Das erschien mir wichtig als ein Gedanke zu diesem Thema „Neues Herz, neuer Geist“.
Wichtiger aber ist mir nun der dritte Gesichtspunkt.

3. Dieser unverbesserlich gnädige Gott lässt sich von uns jederzeit um ein neues Herz und einen neuen Geist bitten.

Ein neues Herz, ein neuer Geist. O ja, das haben wir so nötig. Wir alle. Ich und Du. Das hat unsere Welt so nötig. Und die Gemeinde Jesu Christi, wie immer sie sich auch nennen mag. Auch die Teilnehmer der Freien evangelischen Gemeinde FFB.

Und Du und ich, wir sind deshalb gut beraten, wenn wir uns auf dieses Wort einlassen. Ein ganzes Jahr lang haben wir wieder Zeit dazu. Gott hat uns dies zwar vor hunderten von Jahren versprochen, aber – er verspricht es in der Jahreslosung für 2017 neu. Heute. Und wie gut, wenn wir, Du und ich, ihm darauf antworten: Tu es doch, guter Gott! Schenke ein neues Herz und einen neuen Geist! Auch wenn sich die Herzen und Geister, die sich in uns breit gemacht haben, dagegen wehren. Weil sie sich eingerichtet haben in unseren Gedanken und Gefühlen und Gewohnheiten. Zieh sie raus. Schmeiß sie heraus. Und dann zieh Du ein! Schenke uns ein neues Herz und einen neuen Geist. Lass dich nicht hindern! Tu’s einfach! Jetzt und immer wieder. Schick uns einen neuen Geist, eine neue Gesinnung. Einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Und schick ein neues Herz. Eine neue Herzlichkeit. Mit herzhaften Schritten aufeinander zu. Und auf die Probleme, die uns belasten. Damit wir gemeinsam Katastrophen verhindern, statt sie zu ermöglichen. Damit wir mit der Welt und ihren Menschen so umgehen, wie du dir das gedacht hast und wie es gut wäre.

Und Gott will’s ja tun. Er verspricht es – mir und Dir. Der Herr. Der Erschaffer der Welt, der Erlöser, unser Vater im Himmel. In diesem Jahr und überhaupt.

Manchmal, liebe Gemeinde, denke ich in diesen letzten Jahren, dass wohl Endzeit ist. Vielleicht nicht nur und unbedingt im apokalyptischen Sinn. Denn niemand weiß Tag und Stunde, wann die Uhr dieser Welt abgelaufen sein wird und wann dann der Herr Jesus wiederkommt in Macht und Herrlichkeit.

Endzeit ist vielmehr schon länger in dem Sinne, dass wir ans Ende gekommen sind mit unseren Träumen von einer besseren Welt. Mit unserem Machbarkeitswahn. Wir taumeln von Krise zu Krise und sehnen uns verzweifelt nach einem, der einen Ausweg weiß. Und die Kraft besitzt, uns mitzunehmen auf diesen AusWeg.

Ist es nicht so: wir glauben nicht mehr so recht an den Fortschritt. Eher sehnen wir uns zurück in die Zeit, in der noch alles geordneter erschien. Übersichtlicher. Beherrschbarer.

Nicht umsonst heißt der aktuelle Mode- und Designertrend „Vintage“. Was so viel heißt wie „altehrwürdig“. Ein Retro-Look für Möbel und Klamotten. Und vielleicht ist ja heute tatsächlich ein Rückschritt der wirkliche Fortschritt. Ein Rückschritt vom Rand des Abgrunds weg und zurück in sichere Gefilde.

Das heißt dann wohl auch für Dich und mich: zurück zum Ursprung. Zurück zum Schöpfer. Zurück zu Gott. Der wartet schon lange auf solche Überlegungen. Auf solche Rückbesinnung. Auf solch einen Rückschritt. Er wartet wie der Vater des Verlorenen Sohnes in jener einzigartigen Geschichte, die Jesus erzählt hat. Er wartet, er will helfen, und er weiß, wie’s geht. Ein neues Herz will er schenken. Einen neuen Geist. Sein Herz. Seinen Geist.

Was das ist? Keine religiöse Sentimentalität jedenfalls. Und auch kein abstraktes Gedankengebäude. Gottes Herz ist Jesus. Sein Geist ist – Jesus. In diesem Menschen, den die Bibel als Gottes Sohn bekennt, wohnt die ganze Weisheit Gottes. Die ganze Gnade. Die ganze Liebe. Die ganze Barmherzigkeit. In Jesus greift Gott ein, packt er zu. In Jesus will er uns aus dem Sumpf herausreißen, der uns zu verschlingen droht.

Beim alttestamentlichen Propheten Hesekiel, aus dessen Buch unsere aktuelle Jahreslosung stammt, steht dieser Satz, diese Verheißung, dieses Versprechen gleich zweimal. So auch hier: „Ich werde ihnen ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ich nehme das versteinerte Herz aus ihrer Brust und schenke ihnen ein Herz, das lebt. Dann werden sie nach meinen Weisungen leben, auf meine Gebote achten und sie befolgen. Sie werden mein Volk sein und ich werde ihr Gott sein.“ (Hesekiel 11,19+20)

Das ist Israel gesagt. Zunächst. Aber heute ist es uns gesagt. Zugesagt. Und damit Menschen, die sich dieses Herz nicht verdient haben. Weil sie nur auf ihre eigenen Herzen gehört haben. Die mit diesem Geist nicht belohnt werden, sondern begnadet. Weil sie stets anderen Geistern gefolgt sind. Umso kräftiger können wir’s beten. Demütig und vertrauensvoll.

Jürgen Werth, Liedermacher und langjähriger Direktor des ERF, hat für ein solches Gebet Worte gefunden, etwa so:

„Ja, Herr, wirf doch dieses neue Herz vom Himmel! Diesen neuen Geist! Wirf es in die UNO und ins Europäische Parlament! Wirf es in unsere Landes- und Kommunalparlamente! Wirf es in die Behörden und Labors! Wirf es in Kinos und Theater und Modeateliers! Wirf es in die Flüchtlingsunterkünfte! Und in die Gefängnisse! Wirf es in unsere Kirchen und Gemeindehäuser! Wirf es in unsere Wohnungen! Wirf es in unser kleines privates Leben! Tausch den Ungeist gegen Geist. Deinen Geist. Dann muss uns nicht bange sein vor dem Morgen.
Wirf dein Herz vom Himmel! Und deinen Geist! Und gib, dass beides uns findet, dass es in uns ankommt. Gib, dass wir es gern eintauschen gegen unser Herz aus Stein und unseren schwachen hilflosen Geist. Damit wir neu werden. Und ein Segen in dieser Welt – für Dich, unseren Gott.“

In diesem Sinne, liebe Gemeinde:
Gottes Segen mit der Jahreslosung 2017.
Am Ende dieses Jahres schauen wir wieder, was daraus geworden ist.
Amen

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