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#GaK2017: Von den Früchten und Gaben des Heiligen Geistes – Begegnung mit den Geschenken Gottes an seine Gemeinde

Wir, Du und ich, dürfen Gott innig um die Geschenke seiner Geistesfrüchte bitten. Und wir dürfen sicher sein: unabhängig von unseren subjektiven Gefühlen werden wir von ihm beschenkt werden und uns geistlich weiter entwickeln.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Von den Früchten und Gaben des Heiligen Geistes – Begegnung mit den Geschenken Gottes an seine Gemeinde
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2017
Datum
22.01.2017
Länge
41:26
Bibelstelle
Galater 5, 22
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Sanftmut, Keuschheit.

Predigt

Liebe Gemeinde,

wir werden ja Mitte Februar mit unserem nächsten „Gemeinsam-auf-Kurs-Programm unter dem Thema „Von den Früchten und Gaben des Heiligen Geistes – Begegnung mit den Geschenken Gottes an seine Gemeinde“ beginnen, und dies in Zusammenarbeit mit unserem Bundessekretär Süddeutschland, Henrik Otto. Dazu wird es auch wieder ein Arbeitsheft für die Gemeindehauskreise geben, das hoffentlich Anfang Februar herauskommen kann.
Henrik Otto und ich hatten uns abgestimmt, dass eine Predigt über die Geistesfrüchte nach Gal 5,22 dieser Aktion vorausgehen sollte. Das wird heute morgen der Fall sein. Ich werde gleich über die Früchte des Heiligen Geistes predigen.

Wir gehen dabei von eine uns sehr wichtigen Voraussetzung aus, nämlich: dass das Geschenk der Charismata, der Gnadengaben Gottes an Menschen in der Gemeinde Jesu, immer vorbereitet und begleitet sein muss von dem Geschenk der Früchte des Heiligen Geistes im Leben dieser Menschen. Warum ist das so?

Besonders das Geschenk der herausragenden Gnadengaben Gottes, wie z.B. Sprachenrede und Auslegung der Sprachenrede, Prophetie, Heilungsgabe, Geisterunterscheidung sind herausgehobene Geschenke Gottes und fordern von einem Christen, den Gott so begabt, wohl auch eine besondere Verantwortung im Umgang mit diesen Gaben den anderen Glaubensgeschwistern gegenüber. In diesem Zusammenhang sind besonders die Geistesfrucht der Demut und der Zurückhaltung von besonderer Bedeutung. Sie bewahren einen von Gott so besonders Beschenkten davor, sich in der Gemeinde wichtig zu machen oder andere durch hochmütiges Verhalten zu verletzen. – Wer also an dieser Stelle geistliche Wachstumsprobleme hat, sollte meiner Auffassung nach nicht um das Geschenk von Gnadengaben beten, sondern Gott zunächst innig um das Heranwachsen von Geistesfrüchten beten, die Gott uns ja so gerne schenkt, die wir alle so dringend brauchen – besonders aber die, denen Gott Gaben anvertraut, die in besonderer Weise in den geistlichen Mittelpunkt des Gemeindelebens zu stellen vermögen.

Deshalb möchte ich nun in einem ersten Teil die Früchte des Geistes Gottes nennen und ganz kurz beschreiben.
Eine umfangreichere Version wird im Arbeitsheft auftauchen; es empfiehlt sich, an irgendeiner Stelle dann in den nächsten Wochen auch diese Sonderlektion im HK zu bedenken. – Also:

1. Die einzelnen Früchte des Heiligen Geistes

Paulus schreibt in Gal. 5,22: “Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Glaube, Sanftmut, Keuschheit.”

Liebe (agape)

Diese göttliche Liebe, die Paulus auch in 1. Korinther 13 beschreibt, hat ihren Ursprung in Gott und unterscheidet sich von der freundschaftlichen Liebe zwischen zwei Menschen (filia) und der geschlechtlichen Liebe zwischen Mann und Frau (eros). Die göttliche Liebe agape kann nicht für sich bleiben, sie muß immer auf ein »Du« zugehen. Sie will sich verschenken an andere Menschen. Und nur, weil Gottes Liebe in unser Herz durch den Heiligen Geist ausgegossen ist – darum können wir unseren Nächsten in der agape lieben, in dieser Liebe, die alles Gute für den anderen sucht und will. Wir brauchen nur dem Geist Gottes in uns Raum zu geben – und er wird zu wirken beginnen.

Freude (cara)

Der Mensch freut sich, wenn er sich gesundheitlich wohl fühlt. Er freut sich, wenn das Essen ihm schmeckt. Er erfreut sich nach einem guten Schlaf auf einen neuen Tag. Diese Freude liegt zweifellos auf der Ebene unserer Leibhaftigkeit und gehört zum Geschenk unseres Menschseins dazu.

Die Freude, die der Geist Gottes als Frucht im Leben eines Christen wirkt, liegt aber noch auf einer anderen, tieferen Ebene. Es ist eine geistliche Freude, die unabhängig ist von der Welt um mich und in mir. – Paulus und Silas erlebten sie, als sie im Gefängnis von Philippi mitten in der Nacht Loblieder anstimmten. Ihre Körper: voller Schlagwunden und in den altertümlichen Stock gespannt. Ihre Gefühle: Verachtetsein und Verlassensein nagen… und plötzlich doch ein Lobgesang, der durch die zerschundene Seele bricht! Die Frucht aber des Geistes ist Freude, nicht nur in Paulus, sondern auch in Silas.

Seit Ostern ist diese Freude das Kennzeichen der Christen, die dem auferstandenen Herrn begegnet sind – eine Freude, die unabhängig ist von Äußerlichkeiten und die auch in der Traurigkeit durchhält.

Frieden (eirene)

Die Bibel kennt vier Arten dieses Friedens:

  • Gott macht Frieden mit den Menschen. Das Kreuz von Golgatha beendigt den Kriegszustand zwischen Gott und den Menschen:
  • Der Frieden der Erlösung: Der Mensch nimmt Gottes Handeln im Glauben und erfährt ihn als Heilung.
  • Das Zur Ruhe Kommen inmitten aller Unruhe und Verwirrung dieser Welt, von allen eigenen Anstrengungen in der Heiligung und im Dienst für Jesus, ein Frieden, “welcher höher ist als alle menschliche Vernunft.”
  • Der Frieden mit dem Mitmenschen. Menschen, die Gottes Frieden erfahren, werden zu Friedensstiftern und Brücken der Versöhnung.

Mit Frieden als Frucht des Geistes ist zweifellos der dritte und vierte Frieden gemeint. – Bist Du ein Mensch des Friedens Gottes? Wie viel Unruhe plagt Dich noch?

Geduld (makrotumia)

Diese Frucht des Geistes makrotumia kann auch mit »Großmut«, »Langmut« oder, wie es in der indonesischen Bibel so plastisch heißt, mit »langem Herzen« übersetzt werden. In der Bibel hat makrothymia aber noch eine besondere Bedeutung. Mit dieser ausharrenden und langmütigen Geduld trug Jesus einen Judas und Petrus, ja, seine ganze, oft so ungläubige Jüngerschar. – Beides hängt also eng zusammen: die Fülle des Geistes und das weite Herz eines Christen.

Freundlichkeit (crhstoths)

Hier ist nun eine Frucht, die der Heilige Geist besonders in der hektischen Hitze oder in der Kühle des unpersönlichen Alltags zum Tragen bringen will. Der freundliche Gruß, die Anteil nehmende Frage, ein offener, mitfühlender Blick und das warme Leuchten eines vom harten Leben gezeichneten Gesichts, sie alle sprechen eine nicht zu überhörende Sprache in einer nur auf Gewinn und sich selbst bedachten Welt und sind zugleich Ausstrahlungen jener geistgewirkten Freundlichkeit.

Güte (agatqwsune)

Güte und Freundlichkeit sind eng miteinander verbunden. Güte ist aktive Freundlichkeit. Das griechische Wort agaqwsune, das Paulus hier gebraucht, kommt im säkularen Griechisch seiner Zeit nicht vor. Es ist ein speziell neutestamentliches Wort und meint ein durch und durch gutes Handeln, ein Handeln, das in keiner Weise von dem sündigen Wurm des Egoismus angefressen ist. Also:

  • Ich helfe, ohne in irgendeiner Weise auf Wiederhilfe zu
    spekulieren.
  • Ich helfe, ohne dafür Dank oder Anerkennung zu erwarten.
  • Ich helfe, ohne vor Gott und den Menschen gut dastehen zu
    wollen.

 

Glaube (pistis)

Diese Frucht ist eigentlich eine Doppelfrucht. Das griechische Wort pistis umfaßt beides: Trauen und Treue, Glaube und Glaubwürdigkeit. Der Geist Gottes läßt ein immer tieferes Gottvertrauen heranreifen, gepaart mit geistlichem Verantwortungsbewußtsein. Diese Frucht hilft zur Treue im Kleinen und im Großen, bewahrt vor dem Verschwenden von anvertrauter Zeit und anvertrautem Gut, hilft vergesslichen Leuten, ihre Pflichten und Versprechen zu erfüllen. Und bitte: diese Frucht nicht verwechseln mit dem einmaligen Geschenk des Glaubens zu Beginn meiner Beziehung zu Christus. Und auch nicht verwechseln mit der Gnadengabe, dem Charisma des Glaubens. Das wird demnächst Thema sein.

Sanfmut (prautes)

Bei keiner Frucht des Geistes wird wohl der Gegensatz zum gefallenen, menschlichen Wesen so deutlich wie bei der Sanftmut. Jesus sagt: “Glückselig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.” – Wenn das Neue Testament zur Sanftmut auffordert, so meint es dabei keine vom menschlichen Willen eingeübte Verhaltensweise, sondern ein Merkmal der Erlösung; keine Charaktereigenschaft, sondern eine echte Wirkung des Heiligen Geistes, also eine gottgeschenkte Lebensmöglichkeit und Handlungsweise. Wie gut, wenn es in unserer Gemeinde sanftmütige Christen gibt – durch Gottes Heiligen Geist.

Keuschheit (egkrateia)

Diese letzte von Paulus erwähnte Frucht des Geistes meint nun Selbstbeherrschung im weiteren Sinne und schließt die Keuschheit, also Disziplin auf sexuellem Gebiet mit ein. Diese Frucht des Geistes ist Gottes Hilfe gegenüber jedem uferlosen, selbstherrlichen Denken und einem oft maßlosen Wollen.
egkrateia ist Gottes Zügel in der christlichen Ehe und Kindererziehung. egkrateia ist auch Gottes feiner Zügel besonders in der Seelsorge. Sie hilft, Versuchungen zu überwinden und selbst nicht zur Versuchung zu werden.
Diese Frucht des Geistes hat übrigens nichts mit Askese zu tun. Sie hilft nur, die von Gott in den Menschen hineingelegten Gaben zu seinem Wohl und zum Lobe Gottes zu entfalten. Bist Du ein selbstbeherrschter Mensch?

Dies also war ein Schnelldurchgang durch die Früchte des Heiligen Geistes. Nachzulesen und nochmals gemeinsam zu bedenken demnächst im Arbeitsheft zu unserer Aktion.

2. Seelsorge an Menschen mit wachsender geistlicher Frucht

Hier ist nun ein seelsorgerliches Wort am Platz.
Denn: nicht wenige Glaubende haben in innerer Hoffnungslosigkeit schon einmal gesagt: „Diese Aufzählung der Geistesfrüchte führt bei mir zu einer inneren Verzweiflung.

  • Ich kenne wohl meine Position als Rebe am Weinstock. Aber bringe ich wirklich Frucht?
  • Ich spreche mit Paulus: “Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe aber; doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.” Aber es gibt Stunden, ja, Tage in meinem Leben, da ist das praktisch nicht wahr. Nicht die Früchte des Geistes, sondern die Früchte meines alten ichbezogenen Wesens werden sichtbar.
  • Es gibt Zeiten, da erlebe ich das umgestaltende Wirken des Geistes Gottes, also: etwas von der Freiheit im Geist, von der Paulus in Römer 8 spricht. Aber dann gebe ich irgendwie einer Versuchung nach und die Fülle des Geistes in meinem Leben stockt.

Ich komme mir wie eine abgeschnittene Rebe vor. Aber ich muß ja vor mir und meinen Mitchristen als ein geisterfüllter Mensch bestehen. Darum versuche ich verzweifelt, das Wasser des Geistes Gottes wie in einem löcherigen Gefäß aufzuhalten. Vergebens! Leere, Dunkelheit und Selbstanklage sind die Folge!“ – Kennst Du das auch? Was tun?

Eine erste wichtige Antwort:

Wir dürfen uns die Früchte des Geistes nicht zu einem frommen Ideal, zu einem neuen Gesetz für „geisterfüllte Christen“ machen lassen. Sie sind und bleiben Gottes Geschenk, Gottes unverdiente und unverdienbare Gnade. Sie wachsen und reifen in unserem Leben der Vollendung entgegen. Wir selbst merken es oft gar nicht. Doch andere bemerken diesen Wachstumsprozeß und preisen Gott für das, was sich in meinem Leben getan hat und tut.

Eine zweite Antwort:

Christen leben auch im Umgang mit den Früchten geistlichen Lebens nicht zuerst aus dem Gefühl, aus der Selbstinspektion, sondern aus dem Glaubenden Vertrauen darauf, dass Gott wirklich etwas tut in meinem geistlichen Leben.
Das bedeutet:

  • Glaube mit Gefühl ist ein schöner Glaube,
  • Glaube ohne Gefühl ist ein schwerer Glaube,
  • Glaube gegen das Gefühl ist ein tiefer Glaube. Er ist nicht so leicht aus der Bahn zu werfen von irritierenden oder widersprüchlichen Empfindungen.

Denn er weiss: Was Gott zusagt – also das Geschenk seiner Geistesfrucht – das hält er auch gewiss.

3. Wenn Gottes Geist seine Früchte in mir wachsen lässt…

Liebe Gemeinde,

Glaubenswachstum durch die Früchte des Heiligen Geistes – das ist oft kein linearer Prozess – leider!
Immer wieder passiert es uns, dass wir scheitern in dem, was wir von herzen wollen. Und das tut, wenn Gottes Geist in uns lebendig ist, eben weh und ist ein gutes Zeichen für unsere Empfindsamkeit für Gottes Willen mit uns.
Sind wir aber wieder in Sünde zurückgefallen, ist also unser altes Wesen wieder „explodiert“, oder wir stehen erschüttert vor dem Scherbenhaufen unserer Heiligung, weil wir uns haben gehen lassen und nach vielleicht anstrengenden geistlichen Herausforderungen geistlich sozusagen im Schlafanzug herumgelaufen sind, anstatt „gegürtet“ zu sein und „den Schild des Glaubens“ in der Hand haben, wie uns Eph 6,16 empfiehlt – dann stehen uns im Umgang mit Gottes verändernden Geistesfrüchten praktisch drei Wege offen:

  1. Wir gehen zur Tagesordnung über: „Es ist nun einmal passiert. So und so waren die Umstände. Unser Auftrag ist größer als unser menschliches Versagen. Egal also! Weitermachen!“ – Dies ist der Weg der Verhärtung. Kein guter Umgang mit den Erfahrungen geistlicher Herausforderung.
  2. Oder wir versuchen, unser Lehrgebäude von der Heiligung aufrechtzuerhalten, indem wir uns sagen: „Wir sind mit Christus gekreuzigt. Das ist faktisch so, ganz abgesehen von unserem jetzigen geistlichen Zustand und Krampf.“ – Dann aber operieren wir mit geistlichen Vokabeln ohne Inhalt, ohne Wirklichkeit und Vollmacht. – Dies ist der Weg der Selbsttäuschung. Auch der führt zu nichts Gutem.
  3. Darum empfiehlt uns das Wort Gottes den dritten Weg: es ist der Weg der Selbstannahme und Buße. Ich darf so, wie ich bin, zu Jesus kommen. Auch als geisterfüllter, mit Geistesfrüchten beschenkter Christ brauche ich nicht zuerst heiliger zu werden; im Gegenteil, ich soll alle frommen Mäntel und Schutzmasken zur Seite legen. Die innere Spannung – nämlich: geistlicher sein zu wollen, als man wirklich ist – löst sich dann. Gottes Gnade empfängt und umfängt mich als ein von ihm geliebtes Kind – auch wenn ich mich dennoch immer wieder als einen Sünder erlebe.

Liebe Gemeinde,

wir, Du und ich, dürfen Gott innig um die Geschenke seiner Geistesfrüchte bitten. Und wir dürfen sicher sein: unabhängig von unseren subjektiven Gefühlen werden wir von ihm beschenkt werden und uns geistlich weiter entwickeln.

Dadurch werden wir noch besser bereit, auch geistliche Gaben und Geschenke, eben die „Charismen“, von Gott zu empfangen – zum Segen und Frieden meiner Gemeinde.

Dabei bleibt Gott in allem souverän. Er lässt sich von uns nicht die Reihenfolge seiner Geschenke vorschreiben. Mancher Christ wird von Gott mit einem Charisma beschenkt – und muss dann manchmal leidvoll lernen, dass ohne die Frucht der Demut eine solche Gabe zur Behinderung für ihn und die Gemeinde werden kann. Aber, liebe Gemeinde: deshalb gibt es ja auch das Geschenk der Vergebung und des Lernens im Umgang mit Gottes Gaben in seiner Gemeinde.

Und gut, wenn wir alle nun innig um die Früchte des Geistes für einander bitten. Damit sind wir gewiss auf einem guten Weg.

Gott segne uns dabei. – Amen

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