"Geborgenheitsort" - Künstlerischer Gottesdienst zu einer Arbeit aus Filz: Das Kunstwerk im Gottesdienst

Geborgenheitsort

ER ist da, umfließt, umwirbt mich, bietet mir seine Liebe, seinen Schutz, Heilung, seine Führung in Richtung meiner Bestimmung an. Wie ich Radiowellen nicht wahrnehmen kann, trotzdem sie um mich sind, so ist sein Geist um mich, überall, bereit mir alles zu schenken. Doch mein Geist ist verschlossen. Nur meine bewusste Entscheidung, sein Angebot – IHN -anzunehmen, öffnet meine Sinne, meine Wahrnehmung, meinen Geist, mein Herz für seine fürsorgliche Liebe. Ich werde neu geboren. Dann erlebe ich die Farbigkeit seines Wesens, erfahre den Strom des Lebens, berge mich mit meinem ureigenen Wesenskern in seinem Schutz und erfahre klare Weisung auf dem, von Beginn meines Lebens an erdachten Weg. Dann, dann erst erlebe ich Sinn, Freude und inneren Frieden. – Angekommen… im Geborgenheitsort.

Daten

Prediger
Gerd Ballon in Zusammenarbeit mit Angelika Geißler
Thema
Geborgenheitsort – Künstlerischer Gottesdienst zu einer Arbeit aus Filz
Reihe
Datum
05.02.2017
Länge
29:21
Bibelstellen
Jesaja 30,15; 2. Mose 33,7ff; 1. Mose 28,16f; Johannes 14,2
"Geborgenheitsort" - Künstlerischer Gottesdienst zu einer Arbeit aus Filz: Gerd Ballon und Angelika Geißler vor dem Kunstwerk
Gerd Ballon und Angelika Geißler vor dem Kunstwerk

Lesungstext

Jesaja 30,15

Denn so spricht der Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe werdet Ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist Eure Stärke!

2. Mose 33,7ff

1. Mose 28, 16f

Da nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Gewiß ist der HERR an diesem Ort, und ich wußte es nicht; und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.

Johannes 14,2

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich doch nicht zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte und eine eigene Wohnung zu bereiten …

Predigt

"Geborgenheitsort" - Künstlerischer Gottesdienst zu einer Arbeit aus Filz: Das Kunstwerk in der Austellung
„Geborgenheitsort“ – Künstlerischer Gottesdienst zu einer Arbeit aus Filz

So, liebe Gemeinde, endet die kleine Einführung in diese wunderbare Installation, die Angelika Geißler gestaltet und uns für diesen heutigen Gottesdienst und die kommenden Tage anvertraut hat, dieses sich vor unseren Augen befindliche Kunstwerk.

Ich bin sehr beeindruckt. Und bewegt. Und ich lade Sie ein, für einige ganz konkrete Augenblicke einmal schweigend diese Installation in uns aufzunehmen und unsere eigenen Gedanken zuzulassen – bevor ich dann in der folgenden Predigt einige weitere Gedanken äußern möchte…

Ich stelle mich einmal bewusst jenseits dieser Installation in diesen Raum. Und ich versuche einmal Empfindungen einzufangen, die derzeit meine Gedanken und mein Lebensgefühl prägen, vielleicht auch das Deine.

Ich bin ein winziger, aber lebendiger Teil dieser Welt. Einer Welt, die schon sehr alt ist – aber die mir noch nie verletzbarer, kaputter, gehetzter, verwundeter, unberechenbarer erschien als gerade jetzt – kaum auszuhalten zum Darin leben. Weltordnungen, die mich seit meiner Kindheit begleitet haben, geraten durcheinander; ein nach dem Ende des 2. Weltkrieges kaum glaubbarer Unfriede umgibt mich; innerlich und äußerlich verletzte Menschen, wohin ich schaue und lese.
Und dieser Unfriede war auch Thema des letzten Gottesdienstes über Christenverfolgungen überall auf der Welt. Der dunkle, düstere Hintergrund, auf dem wir ein paar neue Akzente setzen möchten mit diesem Gottesdienst heute. Aber es ist wahr: wir sind Teil einer Welt, die manchmal nicht mehr lebbar erscheint; aus der ich manchmal für immer fliehen möchte; die mir Angst macht und von der ich kaum glauben mag, darin jemals wieder zu Hause zu sein.

Eine trostlose Welt. Und Du und ich, wir hängen mit drin und hängen von ihr ab. Von ihrem Schicksal und Ergehen. Von ihrem Auf und Ab, ihrem Wohl und Wehe.

Eine Welt, die mir fremd erscheint. Und doch habe ich keine andere.

Immer schon, liebe Gemeinde, war diese unsere Welt nicht nur ein Ort des Feierns, der Freude und der Liebe der Menschen, sondern so ein Ort der Fremdheit.

Und seit langer Zeit hat Gott, der Erschaffer dieses Kosmos, unter dieser schlimmen Entwicklung gelitten. Er hat Lösungen versucht, hat dem Menschen Wege gebaut und gewiesen, um herauszufinden aus diesem Chaos. Um diese Welt und das Böse in ihr zu überwinden, um sicher zu sein und zur Ruhe zu kommen.

Und wir können in der Bibel nachlesen: Gott greift sich irgendwann ein kleines unbedeutendes chaotisches Volk am Rande der damals zivilisierten Welt und beginnt, es mitzunehmen auf einem Weg in die Freiheit und Hoffnung.

Er nennt ihm Auswege zur Flucht und Pfade zur Ruhe.

Denn so spricht der Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und durch Ruhe werdet Ihr gerettet. In Stillsein und in Vertrauen ist Eure Stärke! Jes 30,15

Bis heute gelten diese Wege noch, und wir dürfen diese ermutigenden Worte des Alten und Neuen Testamentes hören und ihnen vertrauen.
Nur – wir müssen uns auch aufmachen und in die richtige Richtung bewegen.

Von einer Begebenheit, von einer großen Bewegung berichtet uns das Alte Testament. Ein ganzes Volk bricht aus dem Chaos der Versklavung auf und sucht die Freiheit der Kinder Gottes. Aber auch dieses große Volk braucht einen Ort der Ruhe, einen Ort der Begegnung mit einem liebenden, fürsorglichen Gott; ein Ort der Stärkung und der Hoffnung.

Angelika Geißler beschreibt uns diesen Ort, wenn sie in dem Begleitheft zu dieser Installation 2. Mose 33,7 zitiert – ein Bericht im Umfeld des Begegnungszeltes, der Stiftshütte:

Mose nahm das Zelt und schlug es für sich außerhalb des Lagers auf, in einiger Entfernung vom Lager. Er nannte es Offenbarungs(Begegnungs)zelt. Wenn einer den Herrn aufsuchen wollte, ging er zum Offenbarungszelt vor das Lager hinaus. … Sobald Mose das Zelt betrat, ließ sich die Wolkensäule herab und blieb am Zelteingang stehen. Dann redete der Herr mit Mose… Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden. 2. Mose 33, 7ff

Was für eine wunderbare Erfahrung – so mit Gott im Gespräch sein zu dürfen, ihm so nah zu begegnen.

Und die Bibel berichtet immer wieder von solchen Orten, manchmal in ganz ungewohnter Umgebung. Ein Jakob übernachtet bei seiner Flucht vor seinem Bruder Esau in der Wüste unter dem und unter dem offenen Sternenhimmel.

Da nun Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Gewiß ist der HERR an diesem Ort, und ich wußte es nicht; und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels. 1. Mose 28, 16f

Auch hier hat ein Mensch einen Ruheplatz inmitten und doch jenseits all des Erdenchaos gefunden – und Gott zeigt sich ihm als Freund und Erbarmer.

Dies alles geschieht in einer lebensfeindlichen Umgebung damals, in der Wüste, der Einsamkeit, inmitten von Gefahren.

Und, liebe Gemeinde, inniger als im Neuen Testament lässt sich Geborgenheit und Frieden sicher nicht beschreiben, als da, wo Jesus Christus seinen Jüngern in ihre Furcht vor dem baldigen Alleinsein Hoffnung und Zukunft geben wollte. Denn diese Menschen sagten damals gewiss auch: Wir – ohne Jesus – sind ein winziger, aber lebendiger Teil dieser Welt – die uns noch nie verletzbarer, kaputter, gehetzter, verwundeter, unberechenbarer erschien als gerade jetzt – kaum auszuhalten zum Darin leben.

Und dann, in dieses Verlassenheitsgefühl hinein, sagt Jesus Christus diese Worte:

In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, so wollte ich doch nicht zu euch sagen: Ich gehe hin, euch die Stätte und eine eigene Wohnung zu bereiten … Johannes 14, 2

Haben Sie schon einmal einem anderen Menschen die Wohnung eingerichtet? Ja, richtet einmal jemandem die Wohnung ein. Spätestens dann, wenn Ihr zu dem Wandschmuck kommt, seid Ihr am Ende. Oder aber: Ihr kennt den anderen bis in seine Empfindungen hinein so genau, daß Ihr erspüren könnt: dort an die Wand will er das Löwenfell hingehängt haben. Und der röhrende Hirsch muß gegenüber über den Spülstein. – Dann geht’s. Sonst aber nicht.

Jesus Christus aber geht, um Wohnungen zu bereiten. Euch und mir. Wohnungen voller Wärme und Geborgenheit. Wohnungen, in denen wir uns wohlfühlen, und die sonst kein anderer einfach beanspruchen darf. Wohnungen, die geprägt sind von der einfühlsamen Liebe des Schöpfers und Erretters unserem kleinen Leben gegenüber. Wohnungen, die uns aus jeder Ecke entgegen rufen: „Ich, Jesus, liebe Dich. Du gehörst zu mir. Du bist Erbe des Himmels. Sei für immer mit mir zusammen. Fühle Dich wohl. Sei glücklich!“

Mir die himmlische Wohnung einrichten – das kann nur Jesus. Denn nur er kennt meine Bedürfnisse; er kennt meine innersten Gedanken. Er kennt meine Gefühle genau. Und vor allem: seine Beziehung zu mir ist geprägt von seiner Liebe.

Können wir ermessen, was das für uns bedeutet? Können wir uns darüber freuen? Wann haben wir Jesus das letzte Mal gedankt für unsere Teilhaberschaft im Himmel? Dafür, daß unsere Lebensperspektive dort weitergeht, wo der irdische Tod einsetzt?

Aber das alles ist ja nicht nur Vertröstung auf das Leben nach dem Tode. Das alles hat ja schon jetzt, mitten im Leben, seine tiefen Wirkungen. Denn das ist es ja, was die Hauptaussagen dieses Gottesdienstes heute morgen prägt.

Wir auf Geborgenheit, auf Sicherheit, auf kuschelige Wärme angewiesenen Geschöpfe Gottes. Wir bergen uns gern in schützenden Räumen.

Und deshalb hat Angelika Geißler diese wunderbare Installation auch „Geborgenheitsort genannt.

Und deshalb hat sie am Ende ihrer Einführung in die Installation diese Sätze geschrieben:
ER ist da, umfließt, umwirbt mich, bietet mir seine Liebe, seinen Schutz, Heilung, seine Führung in Richtung meiner Bestimmung an… ich erlebe die Farbigkeit seines Wesens, erfahre den Strom des Lebens, berge mich mit meinem ureigenen Wesenskern in seinem Schutz und erfahre klare Weisung auf dem, von Beginn meines Lebens an erdachten Weg. Dann, dann erst erlebe ich Sinn, Freude und inneren Frieden. – Angekommen… im Geborgenheitsort.

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