#GaK2017 | 3. Woche: Die Klärung, nach der du dich sehnst – Der Heilige Geist und Evangelisation

#GaK2017 | Predigt | Die Klärung, nach der Du Dich sehnst – Der Heilige Geist und Evangelisation

Weiter geht es mit unserem Segeltörn durch das Gebiet des Heiligen Geistes, seiner Wirkungen in der Gemeinde und seines Handelns an jedem von uns. Was haben der Heilige Geist und Evangelisation miteinander zu tun. Antwort: Alles, aber auch alles.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Die Klärung, nach der Du Dich sehnst – Der Heilige Geist und Evangelisation
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2017
Datum
26.02.2017
Länge
35:47
Bibelstelle
Römer 8,12-17
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

12 Darum, liebe Brüder und Schwestern, sind wir nicht mehr unserer alten menschlichen Natur verpflichtet und müssen nicht länger ihren Wünschen und ihrem Verlangen folgen. 13 Denn wer ihr folgt, ist dem Tod ausgeliefert. Wenn ihr aber mit der Kraft des Geistes eure selbstsüchtigen Wünsche tötet, werdet ihr leben. 14 Alle, die sich vom Geist Gottes regieren lassen, sind Kinder Gottes. 15 Denn der Geist Gottes, den ihr empfangen habt, führt euch nicht in eine neue Sklaverei, in der ihr wieder Angst haben müsstet. Er macht euch vielmehr zu Gottes Kindern. Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: „Vater, lieber Vater!“ 16 Gottes Geist selbst gibt uns die innere Gewissheit, dass wir Gottes Kinder sind. 17 Als seine Kinder aber sind wir – gemeinsam mit Christus – auch seine Erben. Und leiden wir jetzt mit Christus, werden wir einmal auch seine Herrlichkeit mit ihm teilen.

Predigt

1. Der Heilige Geist überführt von Sünde

Es gibt ein sehr interessantes Buch des Missionars Don Richardson („Friedenskind“), der darin seine Beobachtung beschreibt, dass Gott durch seinen Geist in den Urglauben der Völker die Hoffnung auf seine in Christus geschenkte Befreiung gelegt hat. Alte Geschichten werden von Naturvölkern bewahrt, in denen oft von Menschen in hellerer Hautfarbe die Rede ist, die ein heiliges Buch bringen und dem eigenen Volk Freiheit verschaffen. Oft hat es einen entscheidenden Durchbruch in der Mission von Naturvölkern gegeben, wenn Missionare diese von Gott sozusagen eingebaute Erlösungsstrategie durchschauten und daran ihre Bezeugung des Evangeliums fest machten.

Detmar Scheunemann, Missionar und Pastor, schreibt ebenfalls zu diesem Thema. Er erzählt:

„Vor einigen Jahren noch hatte ein Mann als Opferpriester seines Dorfes den Götzen geopfert. Da hörte er eines Tages beim Opfern mit seinen eigenen Ohren Gottes Stimme, die ihn anrief: „Bekehre Dich zum lebendigen Gott!“ Auf der Stelle verließ er den Götzendienst und baute dem lebendigen Gott ein Haus, in dem er fortan an jedem 7. Tag mit seinem Dorf den lebendigen Gott anbetete, und zwar in Wort und Gesang….
Zwei Jahre später bekam er die ersten Kontakte mit Christen. Als die ersten Evangeliumsboten in sein Dorf kamen, fanden sie eine wartende, alttestamentliche Gemeinde vor – vorbereitet auf das Evangelium von Jesus Christus..“

Das hat sich auf Timor zugetragen. Aber es passiert in anderer Form doch auch bei uns. Wir haben es leider wohl nur vergessen:
Wenn in einer Veranstaltungswoche eine Gemeinde Menschen eingeladen hat zu Vorträgen über Fragen des Glaubens. Und wie dann die Mitarbeiter im Kontakt mit diesen Besuchern erleben, wie sehr sie bereits durch Gottes Geist vorbereitet sind auf eine klare Lebensübergabe an Christus. Der Heilige Geist und sein vorbereitendes Handeln sind mit bloßen Händen greifbar. Sehr ermutigend. Der Heilige Geist und Bekehrung.

Es ist so wohltuend zu wissen, dass Gottes Geist bei Menschen am Werk ist, lange bevor sie und andere das begreifen. Es ist gut, wenn wir uns das ganz real vorstellen, wenn wir einem Menschen das Evangelium weitersagen oder vor einer Menschenmenge stehen. Wenn ich mit einem Muslim oder einem Zeugen Jehovas spreche, ist es z.B. eine große Hilfe, zu wissen, dass der Geist Gottes jetzt seine evangelistische Funktion ausübt. Es kommt letztlich nicht auf meine Kunstfertigkeit im Dialog an, sondern auf das Licht des Geistes Gottes, der Worte der Heiligen Schrift plötzlich für einen anderen Menschen hell aufleuchten lässt und vielleicht ein verschüttetes Gewissen freilegt oder in eine schwierige Lebenssituation hinein eine Antwort schenkt. Mancher, der heute Morgen hier sitzt, hat das selber so erfahren. Das ist Wirken des Heiligen Geistes und sonst gar nichts. (Matt 10,19-20)

2. Der Heilige Geist ruft zu Jesus Christus und macht die Bedeutung des Kreuzes unmissverständlich klar

Der Heilige Geist ist es, der Sündenerkenntnis bewirkt und der den Mund zum Sündenbekenntnis öffnet – als dem ersten entscheidenden Schritt des Menschen (1. Joh 1, 7-9). Der Heilige Geist ruft einen Menschen zu Jesus und macht ihm die Bedeutung des Kreuzes von Golgatha klar, an dem Jesus Christus für unsere Sünden starb. Dabei wird deutlich, wie dieses Kreuz Jesu durch die Vermittlung des Heiligen Geistes in mindestens acht verschiedene Situationen menschlichen Lebens hineinspricht

Das Kreuz als Stellvertretung – islamische Situation

Der Gesetzesübertreter müsste sterben; ein Opfertier nimmt seinen Platz ein
1.Petr. 2,24; Joh 1,29; Jes 53,45

Das Kreuz als Versöhnung – animistische Situation

Friedensschluss zwischen zwei sich bekriegenden Stämmen
Röm 5,1; 2. Kor 5,19; Röm 5,10

Das Kreuz als Erlösung

Beispiel Pfandhaus; einen Gegenstand von dort freikaufen durch „Erlösen“
1. Petr. 1, 18 – 19

Das Kreuz als Erneuerung

Nicht nur Vergebung, sondern Befreiung von der Wurzel der Sünden her, von der sündigen Natur
Rö 6,4-11; Gal 2,19-20

Das Kreuz als Heilung – z.B. von Leid und Krankheit

Gebet über Kranken, Krankenheilung
Jes 53,4-6

Das Kreuz als Reinigung

Sinn in einem hemmungslosen, sinnentleerten Leben
1. Joh 1,7; Hebr. 9,22

Das Kreuz als Befreiung – z.B. in okkulte Situation hinein

Kol 2,14-15; Eph 6,10-12

Das Kreuz als Rechtfertigung

Erschüttert – und Verzweifelt – Sein sind rar geworden!
Röm 3,23-28; 5,18; 2. Kor 5,21

Auf alle diese Weise ruft der Heilige Geist Menschen in ihr Leben hinein an. Und so verschieden unsere menschliche Situation, so verschieden der liebevolle Ruf des Geistes Gottes.
Der Heilige Geist jedenfalls ruft zu Jesus. Wie wunderbar, dass er das tut!

3. Der Heilige Geist schenkt Heilsgewißheit (Joh 3,16)

Wenn ein Mensch im lebendigen Glauben Jesus Christus als persönlichen Herrn und Erlöser aufnimmt, kommen der lebendige Herr selbst und der Heilige Geist in das Leben dieses Menschen:

  • Sein Leib wird ein Tempel des Heiligen Geistes
  • Der Geist Gottes wirkt die neue Geburt, die Wiedergeburt von oben her
  • Der Mensch empfängt ewiges Leben
  • Manchmal urplötzlich sind alle Ungewissheit und aller Zweifel gewichen.

Liebe Gemeinde, das habe ich selber immer wieder in meinem Leben und Pastorendienst erlebt. Ich habe mit Menschen zusammen gesessen, die mir ihre Zweifel gestanden hatten – Zweifel an der Existenz Gottes; Zweifel daran, ob Gott auch wirklich antwortet. Und dann haben diese Menschen vielleicht mein Beispiel von dem Sprungtuch ernst genommen: dass die Hinwendung zu Jesus nämlich so etwas ist wie der Sprung ins Ungewisse. Ich habe – im Vergleich gesprochen – die Menschen begleitet bis an die Brüstung des Fensters. Ich habe ihnen angesichts ihres brennenden Lebenszimmers auf die Brüstung geholfen. Aber ich konnte sie nicht hinunter stoßen. Obwohl ich sicher war und bin, dass das Sprungtuch der liebevollen Hand Jesu sie auffangen würde – springen mussten sie selber. Und dann sind Menschen gesprungen. Was für eine Freude. Und danach – danach waren dank des Heiligen Geistes aus Zweifeln und Fragen Gewissheit und Zuversicht geworden. Und leuchtende dankbare Augen – denn Christus hatte geantwortet. Und aufgefangen. Geschenk des Heiligen Geistes. Und eine wunderbare Erfahrung mit der Kraft dieses Geistes.

Der Heilige Geist schenkt Heilsgewißheit. – Schauen Sie – eine Besonderheit des Glaubens an Christus, der sich abhebt von allem, was andere Religionen eben nicht können, ist das Geschenk der Heilsgewißheit.

Ich selber bin so froh und dankbar, dass ich das für mich selber wissen darf: ich gehöre Jesus Christus. Und: ich bin errettet. Ich brauche nicht mehr bis zu meinem Tode in Angst zu leben, ob ich nicht vielleicht doch in der Hölle lande. Ich weiß: solange ich von ganzem Herzen Jesus Christus als meinen Herrn und Erlöser annehme und Christus bitte, mich zu führen und mir Schuld zu vergeben – solange darf ich sicher sein, in den Himmel zu kommen. Ist das nicht ein wunderbares Geschenk Gottes durch seinen Heiligen Geist?

Viele Menschen leiden darunter, dass sie hier Unsicherheit erleben. Nochmals eine Erfahrung von Detmar Scheunemann. Er schreibt:

„Etwas abwartend und erstaunt saß die alte Menadonesin neben mir auf der Kirchenbank. Ihr silberweißes Haar hob sich Ehrfurcht gebietend vor ihrem feinen braunen Gesicht ab. Sie war sichtlich erfreut gewesen, als ich als weißer Pastor ihr an der Kirchentür die Hand geschüttelt hatte. Dann aber war die Verwirrung gekommen. Ich hatte sie gefragt: „Bei Ihrem hohen Alter müssen Sie doch immer bereit sein, wenn Gott Sie aus dieser Welt abruft. Wissen Sie auch, wohin Sie gehen?“
„Hoffentlich, hoffentlich in den Himmel“, hatte sie geantwortet und mich dabei etwas verlegen angeschaut.
Nun saßen wir also zu zweit in der leeren Kirche.
„Kennen Sie noch Johannes 3,16 aus dem Konfirmandenunterricht?“
Sie nickte und fügte hinzu: „Vieles habe ich wohl schon vergessen, aber Joh 3,16 nicht.“
„Dann sagen Sie doch einmal den Vers auf!“
Sogleich schoss sie los: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben…“
Hier unterbrach ich sie: „Glauben Se persönlich an den Herrn Jesus?“ „Ja, ich glaube von ganzem Herzen an ihn!“
„Dann fahren Sie fort.“
„…auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden.“ Nun hielt sie inne und wiederholte noch einmal langsam diese Worte. Ich sah, wie der Geist Gottes als Gottes großer Evangelist in ihr sein Werk tat. Ihre Augen leuchteten, als sie fortfuhr: „…sondern das ewige Leben haben.“ „Sehen Sie, nicht „haben werden“ oder „hoffentlich haben“, sondern „haben“, fügte ich hinzu. – Am Ende zog sie ihres Weges gewiss und fröhlich.

Liebe Gemeinde,

ich finde, es tut so unendlich gut, sich dies einmal ganz bewusst zu machen: dass der Heilige Geist für das Wichtigste im Leben eines Menschen sorgt: für dessen Heil und Heilsgewissheit.
Heiliger Geist – das ist für uns oft zuerst das Wundersame. Das ist für uns: Gnadengaben und Sprachenrede. Für Gott ist es das ja auch. Aber – Gott schenkt seinen Geist umfassend. Er schenkt ihn, damit jeder Mensch die heilende Kraft seines Evangeliums begreifen und erleben kann. Er schenkt ihn als Bereicherer von Gaben in der Gemeinde. Und er schenkt ihn als Befreier. Deshalb noch:

4. Der Heilige Geist als Befreier bei der Bekehrung von Namenschristen und okkult belasteten Menschen

a. Gottes Geist macht Motorschaden deutlich

(1. Kor 2, 14; 1. Kor 3,1+3; Phil 3,19)

Es gibt heute in vielen Gemeinden Christen, die gleichen einem neuen VW, den eine Missionarin im Hafen von Jakarta freudestrahlend im Empfang nahm (damals war VW noch eine angesehene deutsche Automarke). Der neue Käfer wollte aber nicht laufen. Schließlich stellte sich heraus, dass der Motor fehlte. Auf dem Schiff ausmontiert! Die Enttäuschung war natürlich groß. Was nützte da eine nagelneue Karosserie!

Christen ohne Motor, ohne – Christus! Die Form stimmt, die ist auch modern. Aber – der Inhalt fehlt. Karosseriechristen. Zweifellos kann dieser Wagen bergab fahren und dabei beträchtliche Geschwindigkeit erzielen. Er kann sich auch abschleppen lassen, so wie es ja geistlich manchen Christen ohne Christus auch geht – immer im Schlepptau anderer.

Die Bibel spricht von mehreren Weisen dieses Christseins ohne Motor. Paulus nennt sie in 1. Kor 2, 14 und 1. Kor 3,1+3 den „anqropos psucikos“ und den „anqropos sarkikos„, den seelischen und den fleischlichen Christen. Und er spricht in Phil 3,19 derb von „Christen des Bauches“. Was heißt das?

  • Viele Christen bleiben bei der Erfahrung der großen Sündenvergebung stehen. Ihr Seelen – und Leibesleben kommt nicht unter die erneuernde Macht und die Herrschaft des Heiligen Geistes. Sie freuen sich über die Sündenvergebung, aber – sie werden nicht weiter verändert. Sie bleiben stehen, wo sie bei der Bekehrung angefangen haben – Menschen der Seele – und Menschen des Fleisches.
  • Andere Christen begreifen nicht, dass das Tor zum geistlichen Leben die geistliche Wiedergeburt bedeutet. Ihr Christsein erschöpft sich in Versuchen auf der Ebene der Seele. Sie sind nur rein statistisch in der christlichen Gemeinde.
  • Und wieder andere möchten Gott mit ihrem Verstand erfassen. Sie möchten Gott in sich erfahren. Sie möchten Gott mit dem eigenen Willen und praktischen Tun allein dienen.

In all diese Lebensbereiche hinein aber redet der Heilige Geist als der Evangelist.

Er möchte Menschen, die mit Gott leben wollen, mit dem Motor ausrüsten. Christus soll in das Zentrum allen Denkens, Handelns und Fühlens. Der Wille eines Menschen soll nach dem Willen Jesu Christi suchen und ihm folgen. Nachfolge soll echt und ernst werden – und wirklich hinter Jesus Christus hergehen. Erst wenn Jesus wirklich der Kapitän meines Lebensschiffes ist und nicht nur der gute Koch, oder der Steuermann oder der Lotse – sondern der Herr, der alle Macht in meinem Leben behalten soll – erst dann ist der Motor drin. Und der Käfer kann fahren.

b. Gottes Geist macht Gebundenheit deutlich (Joh 8,36)

Gottes Geist ist es auch, der okkult belasteten und gebundenen Menschen ihre innere Abhängigkeit an böse Mächte deutlich macht.
– Ein hartes egoistisches, unsoziales, nur auf mich konzentriertes Wesen, abnormale Sexualität, unkontrollierte Zornes – und Gefühlsausbrüche, Depressionen ohne irgendeine Ursache, ein ständig von Furcht und Angst geprägtes Leben, Hang zu Selbstmordgedanken; oder auch militanter Atheismus, Gleichgültigkeit und Zynismus gegenüber Gottes Wort, Einschlafen bei der Verkündigung, Hass auf Christus, besonders auf die Erlösung durch sein Blut, Unvermögen zu beten, zu glauben und den Namen Jesus anzurufen – alles das müssen nicht, aber können Signale sein, die mich durch Gottes Geist wach machen und nach der Ursache suchen lassen. Der Heilige Geist will Menschen befreien von Belastungen und Gebundenheiten, die sie von einem fröhlichen vertrauensvollen Glauben fernhalten.

Liebe Gemeinde, ich halte wahrlich nichts von einem Herumstochern in der Vergangenheit – in der Hoffnung, doch noch irgendeinen verborgenen (d.h. okkulten) Grund zu finden für geistliche Not. Zu oft kommt es da zu Verletzungen, die nichts mit dem Wirken des Geistes Gottes, wohl aber mit verantwortungsloser Seelsorge zu tun haben. Zu schnell sind wir dabei, okkulte Phänomene zu sehen, wo eine natürliche Erklärung viel weiter helfen würde.

Aber in einer Zeit, in der menschliche Werte immer mehr verloren gehen und in der das Tödliche sich auf vielerlei Weise breitmacht, ist außer der Warnung vor falsch verstandener magischer Seelsorge genauso wichtig die Mahnung, z.B. oben genannte Phänomene nicht zu schnell abzutun mit menschlichen Gesichtspunkten. An dieser Stelle möchte ich auch weiterhin lernen. Und hier brauche ich die Leitung des Heiligen Geistes genauso wie Ihr alle.

Die Klärung, die wir alle so sehr brauchen – Der Heilige Geist und Evangelisation – das Thema heute morgen in unserer Reihe Gemeinsam auf Kurs. Gottes Segen beim Nachdenken in den Hauskreisen. – Amen

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