#GaK2017 | 4. Woche: Der Leib, nach dem du dich sehnst

#GaK2017 | Predigt | Der Leib, nach dem du dich sehnst

Wir brauchen Gottes Gaben mehr denn je. Wir brauchen nichts, was er nicht gibt. Gar nichts. Wir wollen es auch nicht. Was nicht von Gott ist, kann die Welt gerne behalten. Aber was er gibt durch seinen Geist, das wollen wir auch haben. Das brauchen wir auch. Denn sonst sind wir nur Quasselstrippen, ohne Kraft und Vollmacht. Was ER gibt, das macht den Unterschied. Das wollen wir haben.

Daten

Prediger
Henrik Otto
Thema
Der Leib, nach dem du dich sehnst
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2017
Datum
05.03.2017
Länge
29:47
Bibelstelle
1. Korinther 12,1-11
Henrik Otto, Bundessekretär der Region Süd
Henrik Otto, Bundessekretär der Region Süd

Lesungstext

1 Auch über die Gaben des Geistes möchte ich euch nicht in Unkenntnis lassen, meine Brüder. 2 Als ihr noch Heiden wart, zog es euch, wie ihr wisst, mit unwiderstehlicher Gewalt zu den stummen Götzen. 3 Darum erkläre ich euch: Keiner, der aus dem Geist Gottes redet, sagt: Jesus sei verflucht! Und keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heili-gen Geist redet.
4 Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist.
5 Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
6 Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.
7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
8 Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, 9 dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern – immer in dem einen Geist – die Gabe, Krankheiten zu heilen, 10 einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.
11 Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will.

Predigt

Wer von Ihnen hat den Film Independence Day gesehen? Es gibt eine wirklich ergreifende Szene in diesem Film. Ich denke an ein Gespräch des 2. Helden des Films, des Naturschützers David, mit seiner ehemaligen Frau. Sie haben sich getrennt, sind verschiedene Wege gegangen. Er war zufrieden mit einer interessanten, aber unspektakulären Anstellung; sie wurde die Beraterin des Präsidenten. Und in ihrem Gespräch stellen die beiden fest: Sie lieben sich eigentlich immer noch. Liebe war nie ihr Problem. Etwas anderes war es: „Wolltest du nie Teil von etwas Besonderem sein, David?“, fragt sie ihn. Und seine Antwort, die die Herzen schmelzen lässt: „O Süße, ich war Teil von etwas Besonderem.“ Unvergesslich. „Ich war Teil von etwas Besonderem.“

Harter Schnitt: Wie jeder weiß, war der Apostel Paulus ehelos! Und trotzdem hätte dieser Satz von ihm sein können: „Ich war – nein ich bin Teil von etwas Besonderem.“ Nicht Ehemann, nicht Berater des Präsidenten; für Paulus war „Gemeinde“ Zeit seines Lebens etwas Besonderes. Ab dem Moment seiner Begegnung mit Jesus hörte sein Herz nicht mehr auf zu schlagen für Menschen, die durch das Wirken des Heiligen Geistes zu Gemeinde wurden. Zieh-Vater vieler Gemeinden zu sein war für ihn die Erfüllung seines Lebens. Und nein, sie haben es ihm nicht immer gedankt. Und ja, die Stockschläge der Gegner taten wirklich weh. Aber: Ich bin Teil von etwas Besonderem.

Um das näher zu beschreiben, gebrauchte Paulus ein damals häufig verwendetes Bild: Das Bild vom Leib. Mithilfe dieser Vorstellung will er das Besondere an Gemeinde anschaulich machen:

Der Körper des Menschen ist einer und besteht doch aus vielen Teilen. Aber all die vielen Teile gehören zusammen und bilden einen unteilbaren Organismus. So ist es auch mit Christus: mit der Gemeinde, die sein Leib ist. 1. Kor 12,12

Das ist etwas Besonderes, oder? Ein Organismus, dessen Teile sich perfekt ergänzen, wo einer für den anderen einsteht, und der dann noch einen unglaublich ehrenvollen Namen trägt. Den Namen: Jesus Christus. Leider muss man sagen, dass das Bewusstsein für diesen wunderbaren Organismus in Korinth etwas unterbelichtet war.

Irgendwie sprach das Leben eine andere Sprache. Wie ein Betriebssystem, das ständig von Viren durchlöchert wird und abstürzt. Eigentlich hatte Paulus ihnen gute Startbedingungen verschafft. 2 Jahre lang verkündete er in Korinth die Gute Nachricht von Jesus. Er sammelte die, die zum Glauben kamen und gründete eine Gemeinde.

Es lief im Grunde ganz gut, sogar die Stadtverwaltung machte einen vernünftigen Eindruck. Und doch war der Zündstoff schon von Anfang an vorhanden. Zu unterschiedlich waren die Leute, die dort zur Gemeinde gehörten: Auf der einen Seite Menschen mit jüdischem Hintergrund, andere mit heidnischen Traditionen; wohlhabende Leute, die sich um das tägliche Leben nicht viel Sorgen machten, aber auch viele einfache Leute, die kein großes Ansehen hatten, sogar Sklaven. Das erzeugte Sprengstoff! Und zu guter Letzt waren auch noch diese Christus-Leute aufgetaucht. Christus-Leute…klingt eigentlich gar nicht so schlecht – klingt nach Verstärkung! Aber denkst du! Diese Christus-Leute schleppten ganz abenteuerliche Lehren ein. Paulus traute seinen Ohren nicht: „Es ist doch kein Problem, ein Hotelzimmer stundenweise zu mieten“, sagten sie, „das betrifft doch nur den Körper. Unser Geist, der ist in ganz anderen Sphären zu Hause. Übrigens, Paulus, wo wir gerade bei Geist sind: Empfängst du eigentlich auch Offenbarungen von Christus, kannst du weissagen? Darauf kommt es nämlich an, weißt du?“ Und so weiter und so weiter. Und das waren nur die Christus-Leute. Es gab noch die, die sich auf Petrus beriefen, auf Apollos, sogar Paulus hatte seinen Fanclub. Untereinander standen die verschiedenen Gemeindegruppen in Korinth im Dauerclinch.

Ihr merkt: „Heilsame Beziehungen“ geht anders. Deshalb schreibt Paulus auch so ausführlich darüber. Im Grunde sind die Kapitel 12 – 14 eine Trilogie (Trilogien sind ja auch voll in…). Kapitel 12: Durch den Geist können viele Individuen eine Einheit bilden! Kapitel 14: Wie man den Egoismus aus den Gottesdiensten verbannt. Kapitel 13: Echte Liebe ist der beste Beziehungskitt! Im Grunde eine Trilogie zum Thema „Gemeindeaufbau“ und „Heilsame Beziehungen“. Heute beschäftigen wir uns also mit Kapitel 12, der Vision von einem Körper, in dem viele individuelle Teile zusammenwirken.

Starten wir also mal mit dem ersten Hinweis:

1. Das Wirken des Geistes führt zur Aufwertung

 „Die Gemeinde ist der einzige Ort, wo ich angenommen werde, so wie ich bin.“ Ich weiß noch, wie bewegt ich war, als die junge Frau diese Worte zu mir sagte. Sie hatte es nicht leicht. Im Beruf eckte sie immer wieder an, ihre Belastbarkeit hatte Grenzen. Auch in der Gemeinde ging das nicht immer reibungslos. Und doch war es dort anders. Dort galt der Grundsatz: „Schön, dass es dich gibt. Es ist gut, dass du hier bist.“ Und nach etlichen Jahren sagte sie dann das: Die Gemeinde ist der einzige Ort, wo ich aufatmen kann.

Solche Geschichten motivieren mich. Sie motivieren mich daran zu glauben, dass Gemeinde ein Ort der Heilung ist. Nicht nur: sein sollte. Sondern wirklich ist. Wo Gemeinde ihren Namen zu recht trägt, Christus-Körper, da ist sie ein Ort, an dem Schwache gestärkt, Verletzte aufgerichtet und Verzweifelte getröstet werden. à Dietrich Schindler: Christus con carne.

Dort geschehen unnormale Dinge. Gerade die Teile des Körpers, die schwächer scheinen, sind besonders wichtig, schreibt Paulus. Die Teile, die als unansehnlich gelten, kleiden wir mit besonderer Sorgfalt und die unanständigen mit besonderem Anstand. Das ist nicht normal. Aber das ist Jesus. So war er schon immer: Aussätzige anfassen, Sünder begnadigen, Betrüger zurechtlieben, das war er. Deshalb ist auch seine Gemeinde so. Und ist bereit, weite Wege zu gehen mit den scheinbar hoffnungslosen Fällen.

Und dann geschehen solche Wunder, dass auf einmal die Schwachen die entscheidenden Fragen stellen. Oder Dinge beobachten, die nur wenige sehen. So wie die junge Frau, von der ich erzählte. Ich habe mich manches Mal gewundert über kluge Bemerkungen von ihr und ihr kindliches Vertrauen. Und man fragt sich dann, wer hier eigentlich noch mal der Starke und wer Schwache war. So soll es sein. „Meine Kraft kommt in der Schwachheit am allerbesten zur Entfaltung“, sagt Jesus. Wir sollten uns also nicht wundern, wenn eine alte, vollmächtige  Beterin am Ende genauso wichtig war wie ein von allen gefeierter Redner. Für Minderwertigkeitsgefühle gibt es jedenfalls im Reich Gottes keinen Grund. Ich bin sicher, wir werden uns noch wundern, was das angeht!

2. Das Wirken des Geistes führt zu Vernetzung

Wir dürfen uns diese Sache in Korinth nicht zu einfach vorstellen: Juden aßen normalerweise nicht mit Heiden, weil diese die Reinheitsvorschriften und die Vorschriften zum korrekten Schlachten und Zubereiten der Speisen nicht beachteten. Mindestens wenn ein Jude zum Tempel wollte, um dort ein Opfer darzubringen, betrat er nicht das Haus eines Heiden, um sich nicht zu verunreinigen. Und nun sollte man sich als Glieder am gleichen Leib verstehen, alles teilen, in engster Berührung miteinander sein? Die Vision des Petrus und Paulus von einer Gemeinde aus Juden und Heiden war viel umstürzender, als wir uns das heute vorstellen können.

Oder können wir es uns vielleicht doch vorstellen? Vor einigen Jahres trafen sich in Haifa rund 1000 Jugendliche zu einer Konferenz: Messianische Juden und arabische Christen. Gemeinsames Gebet. Gemeinsames Lachen und Tanzen. Eine Teilnehmerin sagte: „Als ich sah, wie sie zu Gott beten und ich hörte, wie sie in Hebräisch und Arabisch singen, berührte Gott mein Herz. Das sind die Brüder und Schwestern, nach denen ich mein ganzes Leben schon Ausschau gehalten habe.“

Schon immer war er umkämpft, der eine Leib aus allen, die an Jesus glauben. Vielleicht werden wir es noch erleben, dass in unserer Stadt Freikirchler, Brüdergemeindler, Landeskirchler, gläubige Katholiken, ehemalige Moslems und Christen aus arabischen Ländern gemeinsam ein Zeichen für Jesus setzen. Könnt Ihr euch vorstellen, was das bedeuten würde? Wie das aufgenommen würde in der aktuellen Weltlage? Jeder würde sehen, dass die Liebe zu Jesus stärker ist als jahrzehntelanger Hass. Der eine Leib – nach unzähligen Trennungen und Spaltungen im Laufe von 2000 Jahren Kirchengeschichte müssen wir neu entdecken, welche Kraft in dieser biblischen Vision liegt. Heilung durch Vernetzung. Glauben wir nicht, dass das damals einfacher war! Und dann waren da ja auch noch die Sklaven und ihre Herren. Was das erst für Fragen aufwirft! Kann man als Grundbesitzer seine Sklaven wirklich noch wie einen Gegenstand behandeln, wenn man abends zusammen isst und das Abendmahl feiert? Was passiert eigentlich, wenn ein Sklave in die Gemeindeleitung berufen wird? Geht das, oder bringt das alles durcheinander? Und, ach ja: Müssen Männer eigentlich darauf hören, wenn eine Frau prophetisch redet? Ich glaube, dass es diese Fragen gegeben hat. Und noch mehr davon. Vernetzung ist ein neuer Begriff, aber eine alte Herausforderung.

Paulus sagt: Ihr seid alle ein Leib. Alle. Ihr seid alle miteinander verbunden. Keiner kann alleine existieren. Selbst der Begabteste nicht. Und keiner ist mehr wert als der andere. Ihr braucht einander, um Jesus Christus in dieser Welt darzustellen. Oder gibt es irgendjemanden, der sich das alleine zutraut? Bestimmt nicht! Und das ist heilsam. Es ist heilsam, persönlich gebraucht zu werden – und gleichzeitig die Abhängigkeit zu spüren, es nicht alleine zu können. Die Welt braucht keine wild gewordenen Augen, Ohren, Zungen und Füße, sondern einen Leib zum Anfassen – mit Hirn und Herz und Mund und Hand.

3. Das Wirken des Geistes führt zu übernatürlichen Erfahrungen

Schauen wir uns die entscheidenden Verse noch mal an: Paulus steigt nicht sofort ein mit einer Aufzählung der Gnadengaben, sondern mit der vornehmsten Aufgabe des Geistes: Jesus als Herrn zu bekennen. Niemand kann sagen „Jesus ist der Herr“, außer durch ihn, den Geist. Das ist also das wahre Prüfzeichen für die Anwesenheit des Geistes: nicht, dass Menschen in Ekstase geraten und umfallen, sondern dass Jesus bezeugt und geehrt wird! Da das kein Mensch aus sich heraus kann, schreibt Paulus, ist das eine übernatürliche Wirkung, eine „Geburt von oben“ wie Jesus gesagt hatte. „Jesus ist der Herr“, kann von ganzem Herzen nur ein geistgelenkter Mensch sagen.

Und dann, dann stellen sich auch die Gaben ein: Worte der Weisheit, Glauben an die Möglichkeiten Gottes, Heilungsgebet, Wunderwirken und Sprachenrede. Weil dieser Sonntag nur einen Morgen hat, müssen wir uns etwas beschränken und schauen uns noch die letzten beiden dieser Reihe an: Wunderwirken und Sprachenrede. Zwei Wirkungen des Geistes, die klar machen: hier ist Gott am Werk. Das kann kein Mensch. Auch wenn sie ganz verschieden sind, das haben sie gemeinsam: Sie verkünden die Gegenwart Gottes. Sie erzeugen heilige Momente, weil hier der Heilige handelt.

Die Jünger haben so etwas erlebt. Damals, im Boot. Als Jesus dem Sturm befahl: Sei still! Und das Wasser wurde spiegelglatt. Ein Wunder. Der Schöpfer erweist sich als Herr über die Chaosmächte der Natur. Die Jünger kriegen den Mund nicht zu und fragen: Wer ist der? Sie fragen nicht: Wie hast du das gemacht? Oder: Können wir auch mal? Sondern: Wer bist du, Jesus? Du bist ein Mensch aus Fleisch und Blut, aber du bist keiner von uns. Wunder schaffen heilige Momente, so dass sich das Wesen Gottes zeigt.

J.R.: Vor einer Evangelisation in einem Dorf, in der bisher alle Versuche fehlgeschlagen waren, haben sie nachts darum gebetet, dass Gott das „Licht anmacht“ im Dorf. Das wollten sie als Zeichen nehmen, dass die Evangelisation durchgeführt werden soll. Nacheinander wurden die Bewohner offenbar geweckt und die Lichter gingen an…

D.M. brauchte nur ein Drittel der Zeit für eine dringende Autofahrt in Afrika. Er kann sich aber an jeden Kilometer erinnern. Gott tut Wunder. Und wenn er sie immer wieder tut auf das Gebet eines Menschen hin, sprechen wir von einer Gabe.

Es geht bei diesen Erfahrungen nie darum zu zeigen, wer besonders vollmächtig ist. Sondern es geht fast immer um Notlagen, die anders nicht zu bewältigen wären. Es geht nicht um Machtspiele, sondern um Mission. Um den Kampf, den wir um die Herzen der Menschen kämpfen. Und wenn wir dann vor lauter Bedrängnis und Ohnmacht nicht mehr weiterwissen, dann ist die Stunde der Gabe des Wunderwirkens. Eine tolle Gabe.

Als letztes: Die Gabe des Sprachenredens. Auch bei dieser Gabe geht es nicht um einen Wettbewerb unter Christen, wer geistlicher oder vollmächtiger ist. Die Sprachenrede zeugt nicht mehr von der Anwesenheit des Geistes als die Gabe des Gebens oder der Leitung. Sie fällt evtl. nur mehr auf. Denn sie hat offensichtlich rein gar nichts mit unseren natürlichen Fähigkeiten zu tun. Sie entspringt vollständig dem übernatürlichen Wirken des Geistes. Wir können sie nicht machen, sie ist natürlich nicht zu erklären und sie ist uns darum möglicherweise anfangs fremder als andere Gaben. Und doch ist sie eine sehr gute Gabe. Paulus spricht mit Hochachtung vom Sprachenreden.

Das ist übrigens die korrekte Übersetzung: Sprachenreden / Glossolalia;  Glossa = Sprache; lalein = reden. Es geht also nicht darum, unzusammenhängende Laute zu erzeugen, oder wirre Töne zu machen. Sondern wer die Gabe der Glossolalie hat, redet eine Sprache. Das heißt, es geht um ein sinnvolles Gebilde aus Worten und Sätzen, bestehend aus Lauten und einer nachvollziehbaren Sprachmelodie.

Eine echte Sprache eben, mit dem Unterschied, dass man sie nicht versteht. Weil sie fremd ist, auch für den, der sie spricht. Manche sagen, dass bei ihnen diese Gabe mit wenigen Worten angefangen hat, und sie nach und nach neue Worte geschenkt bekamen. Mag sein, dass Gottes Geist so wirkt. Auch die Gabe des Predigens wird nicht immer gleich in Perfektion ausgeliefert… Auf Dauer aber kann man das echte Charisma der Glossolalie daran erkennen, dass er oder sie in zusammenhängenden Sätzen spricht.

Es gibt viele Praktiken in den Religionen, die dazu dienen, sich mit Worten selbst in Trance zu versetzen. „Hare Krischna“ – Leute können das perfekt. Glossolalie ist etwas ganz anderes: Eine sinnvolle Sprache, die nicht durch Effekte aufgebauscht werden muss. Göttliche Worte, die mindestens ebenso geistreich sind, wie Deutsch, Französisch, Russisch oder Bayerisch!

Und so, als geistreiche Geistesgabe, ist sie eine wundervolle Gabe, die Sprachenrede. Ihre Vielfalt ist wirklich beeindruckend. In unserem Text heißt es ja auch: verschiedene Arten von Sprachen („mancherlei Zungenrede“ LU). Eine Art ist das Reden in einer unbekannten, aber auf Erden tatsächlich gesprochenen Sprache: Da betet ein Afrikaner in bestem Oxford-Englisch für einen Deutschen. Der versteht Englisch sehr gut und merkt: Der Mann spricht im Gebet ein seelsorgliches Problem an, von dem niemand sonst wusste. Auf Rückfragen konnte er nicht antworten, er sprach nämlich eigentlich gar kein Englisch. Es ist sofort klar: Hier hat Gott gesprochen durch seinen Geist. Oder: Ein Prediger hält evangelistische Abende – die Sprache der Veranstaltung ist Englisch. Nach einigen Abenden bekehren sich zwei Russen, die jedes Wort in ihrer Muttersprache gehört hatten. Ihnen war sofort klar: Hier ist Gott am Werk. Glossolalie ist eine wunderbare Gabe. Wobei man sagen muss: In diesem Fall handelt es sich – wie an Pfingsten – wohl eher um ein Hörwunder als um ein Sprachenwunder. Ehrlich gesagt glaube ich aber, dass das für Gott keine große Rolle spielt, ob er das Sprachwunder bei den Redenden oder bei den Hörenden wirkt…  Mancherlei Arten von Sprachenrede, schreibt Paulus an die Korinther.

Neben diesen „irdischen Sprachen“ kann Gottes Geist – und er tut es immer wieder – auch Sprachen eingeben, die niemand auf Erden sonst spricht. Die „Sprache der Engel“ in Kapitel 13 könnte ein Hinweis darauf sein. Meistens ist das eine Sprache für ein inniges Gebetsleben. Wer so betet, braucht sich keine Gedanken zu machen über Formulierungen oder Themen, sondern lässt den Geist beten. Gott selbst entscheidet, was er hören möchte, und ein Mensch darf daran beteiligt sein. Das ist besonders!

Gerade auch bei großer Freude oder in tiefen Krisen, wenn uns die Worte fehlen, oder jedes Wort zu wenig erscheint, ist diese Gabe ein echtes Geschenk – manchmal sogar für die ganze Gemeinde. Wenn dort nämlich jemand ist, der die Gabe der Auslegung solcher Sprachenrede hat, ist das ein echter Hauptgewinn. Diese Gabe scheint seltener zu sein als die Sprachenrede an sich. Denn Paulus sagt: Nur wenn so jemand da ist, soll die Sprachenrede im Gottesdienst ausgeübt werden. Damit die Gemeinde und auch die Gäste verstehen können, was gesagt wird. Es war wohl also nicht selbstverständlich, dass jemand zur Übersetzung bereit stand.

Die Übersetzung ist ein ebenso übernatürlicher Vorgang wie die Rede selbst. Wer diese Gabe hat, versteht, was alle anderen nicht verstehen, nämlich was der Sprachenredner sagt. Der Text der Rede liegt quasi vor den Augen dessen, der auslegt.

Natürlich könnte man fragen, warum Gott dann nicht gleich in der Muttersprache der Zuhörer predigen lässt, wenn es ja ohnehin wieder rückübersetzt wird. Sehr sinnvolle Frage. Die Antwort ist wohl: Manchmal reichen menschliche Worte eben nicht aus. Wir können oder wollen nicht hören; die Worte dringen wohl in unser Ohr, aber nicht ins Herz; wir sind unsicher, ob etwas wirklich von Gott ist. Mit dieser Gabe ist klar: Jetzt redet Gott. Das Ganze hier hat Gewicht. Wir erleben einen heiligen Moment. Nicht umsonst sagt Paulus: Ich wünschte, jeder könnte in Sprachen reden (14,4).

Das Ergebnis solcher öffentlichen Sprachenrede, die ausgelegt werden kann, ist eine direkte Ansprache Gottes. Das lässt keinen kalt! Dadurch bricht etwas auf, das wir direkt mit Gottes Reden in Verbindung bringen können. Heilige Momente sind das.

Ihr merkt, im Grunde ist keine Gabe des Geistes verzichtbar. Was Gott gibt, gibt er mit Bedacht. Nie zum Wettstreit, immer zum Aufbau der Gemeinde und zur Bestätigung der Mission. Gerade die übernatürlichen Wirkungen sind keine Effekthascherei, sondern Reden Gottes für die, die genau diese Sprache hören müssen, um ihn zu finden.

Das brauchen wir mehr denn je. Wir brauchen nichts, was er nicht gibt. Gar nichts. Wir wollen es auch nicht. Was nicht von Gott ist, kann die Welt gerne behalten. Aber was er gibt durch seinen Geist, das wollen wir auch haben. Das brauchen wir auch. Denn sonst sind wir nur Quasselstrippen, ohne Kraft und Vollmacht. Was ER gibt, das macht den Unterschied. Das wollen wir haben.

Amen.

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