Symbolbild "Weinstock und Reben": Nahaufnahme von Trauben an einer Reben, an einem Weinstock.

Weinstock und Reben – Teil 2

Wir sind ausersehen Reben zu sein, diese Verbindung zwischen dem knorrigen Weinstock und der Frucht. Kanäle für das Wasser des Lebens. Das sind die Christen!
(Teil 1)

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Weinstock und Reben – Teil 2
Reihe
Weinstock und Reben
Datum
19.03.2017
Länge
10:34
Bibelstelle
Johannes 15,1 – 8
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt. 3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe. 4 Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt.
5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen. 6 Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten. 8 Mein Vater wird dadurch verherrlicht, dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.

Predigt

Liebe Gemeinde,

Ich möchte heute morgen, wie im letzten Jahr angekündigt, an den nächsten drei Abendmahlssonntagen bis in den April hinein das Bild vom Weinstock aufnehmen und dazu Predigtgedanken äußern. Dieses Bild hat im letzten Jahr im Rahmen von Eindrücken eine Rolle gespielt, über die wir nachgedacht haben. – Der Bibeltext in Joh 15 ist ja abermals schon gelesen worden.

Wir haben beim letzten Mal – das war schon im November 2016 – geendet mit diesem Gedanken:

Deshalb sagt Jesus ja auch nie zu uns: „Los, bringe Frucht!“ Wie unsinnig wäre das. Wie hilflos wären wir. Und vielleicht hat mancher Christ die Freude am Weitersagen der Guten Nachricht verloren, weil er immer gehört hat: Du musst Frucht bringen. Denn allerdings: das schafft keiner. Und dieser Appell macht uns nur mutlos.

Jesu hat aber gesagt: „Bleibet in mir. Seid eben keine Hektiker und auch keine Erfolgsbilanzler. Vernachlässigt Eure Familie eben nicht. Sondern: bleibet in allem in mir. Bleibt in mir verwurzelt und ganz eng mit mir verbunden.

Ob wir das heute Morgen einmal verinnerlichen können? Und uns einfach darüber freuen: Bleibet in mir. Ganz eng mit mir verbunden. Dann wird alles gut.

Nur – was heißt das denn nun des Weiteren – in Jesus bleiben? – Deshalb:

1. Jesus sagt: Bleibe im Bewusstsein meiner Gegenwart!

Und hier geht es zunächst einmal nicht um äußere Formen wie Stille Zeit, Gebet, Bibellesen, Gemeinschaft mit anderen Christen. Diese Dinge sind unerhört wichtig. Und viele gescheiterte Christen sind an eben dieser Stelle irgendwo abgesprungen – beim Bibellesen, beim Gebet oder in der Gemeinschaft in einer Gemeinde. Aber dieses „Bleiben Jesu“ setzt viel tiefer an. Vielleicht haben Sie das auch schon einmal an sich selber beobachtet:

  • ich bete, ohne dabei wirklich mit Gott zu sprechen.
  • ich lese die Bibel, ohne zu begreifen, dass Gott ja mich persönlich meint und erreichen will; dass er mich ansprechen will, mich ganz persönlich.
  • ich kann auf diese Weise hunderte von Predigten hören, tausendmal die Bibel aufschlagen; aber ich bin mir der Gegenwart Gottes überhaupt nicht bewusst.

Ich lebe also mit christlichen Verhaltensmustern in meinem Alltag dahin, aber ich tue das ohne ein Bewusstsein für die Gegenwart dessen, der mit in all diesen Bereichen begegnen will.

Das kommt daher, dass unser Denken geprägt ist von den sichtbaren Dingen: sehen, wiegen, befühlen, bezahlen. Das aber prägt auch unseren Glauben.

Theoretisch glauben wir an Gott. Aber im alltäglichen Leben sieht das anders aus. Da ist uns nicht bewusst, dass Gott jederzeit dabei ist – wirklich jederzeit – weil er uns liebhat und unsere Nähe sucht.

Das ist das vollkommen Unverständliche: wir leben total anders, als wir das oft sagen. Ein Beispiel:

Wie kann das sein, dass uns am Telefon oder im persönlichen Gespräch Worte und Zusammenhänge über die Lippen kommen über andere Menschen, vielleicht sogar Mitchristen in der Gemeinde, für die wir uns im Grunde schämen würden, wenn wir plötzlich Jesus neben uns stehen sähen. Aber – er ist doch da. Er kriegt das doch mit. Auch unsere Gedanken. „Bleibe in dem Bewusstsein meiner Gegenwart“ – das heißt: „Lebe jeden Augenblick so, als ob ich Dir über die Schulter sehe.“ –

Oder ich ärgere mich über meinen Partner und murmele meinen Ärger in bösen Gedanken und Worten heraus, die ich dem anderen gegenüber niemals direkt und offen aussprechen würde. Ich würde mich vor mir selber schämen, wenn ich das täte. Aber – Jesus hört doch zu bei alledem. Er ist in meinem Leben da, immer. Weil er Gemeinschaft mit mir sucht.

Ich aber lebe oft meinen Alltag so, als ob es nur mich gäbe – ganz allein. Und doch – auf Rückfrage würde ich sicher sagen: Ja, am Weinstock Jesus Christus als Rebe fest verbunden leben – das will ich. Anders geht es doch gar nicht.

Aber darum, liebe Gemeinde, geht es ja. Jesus sagt: Bleibe im Bewusstsein meiner Gegenwart. Ich habe Dich lieb. Ich will Gemeinschaft mit Dir. Ich will meine Kraft durch Dich hindurch zu Deiner Lebensfrucht leiten. Macht Dir das doch bewusst. Lebe bewusst – mit mir als Deinem Herrn und Freund.

Ich bin sicher: wenn wir als Nachfolger Jesu Christi dies wirklich immer ernst nehmen – dass Jesus nämlich immer dabei ist; immer – als unser Ermutiger! – dann werden wir mit vielem Schwierigem im Leben allgemein, aber natürlich auch im Umgang miteinander, vielleicht auch einmal mit den schlimmsten Streitigkeiten untereinander, auch in der Ehe, viel besser fertig werden. Im Bewusstsein der dauernden Gegenwart Jesu in unserem Leben rechnen – davon lebt die christliche Gemeinde Tag für Tag und Woche für Woche. Das soll sie prägen. Im Umgang miteinander und im persönlichen Glauben.

Wollen wir das einmal bedenken und einüben in den nächsten Wochen? – Dann erst kann es am nächsten Abendmahlssonntag gehen um den zweiten wichtigen Punkt:

Bleibe in meinem Wort – sagt Jesus Christus

Zweiter Teil – Amen

Jesus sagt: Bleibe im Bewusstsein meiner Gegenwart! #WeinstockUndReben Klick um zu Tweeten

Ein Gedanke zu “Weinstock und Reben – Teil 2

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