#GaK2017 | 5. Woche: Die Gewissheit, nach der du dich sehnst – Der Heilige Geist und seine Führung

#GaK2017 | Predigt | Die Gewissheit, nach der Du Dich sehnst – Der Heilige Geist und seine Führung im Leben

Gottes Wort macht ganz klar: der Heilige Geist führt, tröstet und lehrt. Er ist der göttliche Fürsprecher, der Paraklet. Jeder wiedergeborene Christ darf die Gewissheit der Erfahrungen dieser Wirkungen des Heiligen Geistes haben.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Die Gewissheit, nach der Du Dich sehnst – Der Heilige Geist und seine Führung im Leben
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2017
Datum
26.03.2017
Länge
37:34
Bibelstelle
Johannes 14, 15 – 21
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

15 Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll. 17 Es ist der Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. 18 Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, sondern ich komme wieder zu euch. 19 Nur noch kurze Zeit, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet. 20 An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21 Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.

Predigt

Liebe Gemeinde,

weiter geht es mit unserem Segeltörn durch das Gebiet des Heiligen Geistes, seiner Wirkungen in der Gemeinde und seines Handelns an jedem von uns. Und heute morgen vorerst zum letzten Mal stechen wir in See – diesmal mit der Abschlussfrage: Was haben der Heilige Geist und Gottes Führung, Trost und Lehre miteinander zu tun. Antwort wieder: Alles, aber auch alles. Denn:

Gottes Wort macht ganz klar: der Heilige Geist führt, tröstet und lehrt. Er ist der göttliche Fürsprecher (Paraklhtos). Jeder wiedergeborene Christ erfährt diese Wirkungen des Heiligen Geistes. (Diagramm im Arbeitsheft) Deshalb:

 

1. Der Heilige Geist führt

Ich gebrauche einmal – wie sinnig bei „Gemeinsam auf Kurs 2017“ – ein Beispiel aus der Seefahrt: ein Christ kann letztlich erst im vollen Sinne die Führung des Heiligen Geistes erfahren, wenn er „die letzte Leine losgemacht hat“. Das Segelboot ist fertig zum Auslaufen. Die Segel sind getrimmt, und der Wind spielt in der weißen Pracht. Bevor aber nicht die letzte Leine losgeworfen worden ist, wird das Boot nicht flott, es gleitet nicht unter der frischen Brise durch die blauen Fluten.

Die frische Brise des Geistes Gottes aber will uns auf das weite Meer der Möglichkeiten Gottes hinausbringen – und, wer weiß, vielleicht zu aufregenden und unbekannten Küsten und Häfen!

Das aber erfordert bedingungsloses Vertrauen dem Willen Gottes gegenüber.

Hier aber setzt dann auch das Führen des Heiligen Geistes in unserem Leben ein. Ob wir dem Herrn Jesus Christus als Krankenschwester, Pfarrer, Missionar, Techniker, Lehrer, Handwerker, Sekretärin, Hausfrau oder Arzt dienen, macht keinen Unterschied; für jeden Beruf brauchen wir Gottes Berufung. Das Wissen aber, dass Gott uns auf diesen Platz gestellt hat, macht uns nicht nur menschlichen Autoritäten verantwortlich, sondern in ganz besonderer Weise Gott selbst gegenüber. Das gibt uns die richtige Arbeitsmoral und das tiefe, innere Verlangen, dass unser Arbeitsplatz eine Kanzel zur Verkündigung des Evangeliums wird.

Der Apostel Paulus sagt: „Nicht mit Dienstbeflissenheit vor Augen, um den Menschen zu gefallen, sondern als Knechte Christi, die den Willen Gottes tun von Herzen. Tut euren Dienst mit gutem Willen als dem Herrn und nicht den Menschen.“

Das Wissen, dass Gott uns auf diesen Arbeitsplatz geführt hat, gibt uns auch die richtige Haltung, alle Stellenangebote vor Gottes Angesicht zu erwägen, und unseren Arbeitsplatz nur dann zu wechseln, wenn dazu eine Führung des Heiligen Geistes vorliegt.

Aber ist das nicht alles zu geistlich?! Spielen im harten Berufswettkampf, wenn es um Gehaltserhöhungen und Aufstiegschancen geht, nicht andere Faktoren eine Rolle als „Führung des Heiligen Geistes“? Zweifellos! Für den aber, der den totalen Ruf Jesu mit einer totalen Nachfolge beantwortet hat, steht die Führung des Heiligen Geistes über allen anderen Fragen.

Wie kann ich mir aber der Führung des Heiligen Geistes sicher sein? Oft ist das die schwierigste Frage im Leben eines Christen: Ich will mich ja von Gott führen lassen – aber wie macht er das denn in meinem Fall? Deshalb:

 a. Der Heilige Geist führt durch das Wort Gottes

  • Es kann sein, dass bei der täglichen Bibellese plötzlich ein Vers besonders zu leuchten anfängt und mir zum wegweisenden Wort Gottes an einer Weggabelung in meinem Leben wird. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“
  • Es kann auch sein, dass beim Nachschlagen und Vergleichen in der Bibel plötzlich und unerwartet der Vers vor mir steht, der Gottes Antwort für ein schon lange anstehendes Problem ist.
  • Auch kann der Heilige Geist eine Predigt zu einer persönlichen Wegweisung in meinem Leben machen.
  • Warnen allerdings muss man vor zufälligem Bibelaufschlagen, wenn auch vielleicht zu Anfang unseres Glaubenslebens der Heilige Geist solch geistliches Lotteriespielen gebraucht hat, um uns Wegweisung zu schenken, entsprechend unserem geistlichen Kindergartenalter.  Aber eine empfehlenswerte Lösung kann das nicht sein.
  • Und: Eindrücke mit Verweisen auf Gottesworte, die Gott jemandem in der Gemeinde schenkt, sind immer zu überprüfen am geschriebenen Wort Gottes – und dann entweder abzuweisen oder zu bedenken.

 

b. Der Heilige Geist führt durch direktes Reden

Als Paulus und sein kleines Missionsteam durch Kleinasien zog, „ward ihnen gewehrt vom Heiligen Geist, zu reden das Wort in der Provinz Asia“. Als sie durch Bithynien zu reisen suchten, „ließ der Geist es ihnen nicht zu“. Wir bekommen beim Lesen nicht den Eindruck, dass dies ein äußerliches Reden des Helligen Geistes war, sondern vielmehr ein inneres Reden.

Hier aber taucht sofort die Frage auf: Wie kann eine echte Eingebung durch den Heiligen Geist von meinen eigenen Gefühlen und Wünschen unterschieden werden? Inwiefern darf ich den Ausdruck „Der Herr sprach zu mir“ als göttliche Autorität beanspruchen?

– Hier ist zunächst die persönliche Gemeinschaft, die innere Verbindung mit Jesus Christus und mein Lebenswandel im Licht Gottes unbedingte Voraussetzung.

Denn nur in der persönlichen Gemeinschaft mit Jesus ist seine Stimme von den anderen Stimmen zu unterscheiden. Wer sich auf einem Weg befindet, der den Maßstäben Gottes widerspricht oder die Realitäten des Lebens oder seinen klaren Menschenverstand völlig ausblendet, dem unterstelle ich mangelnde geistliche Reife im Umgang mit Gottes Reden zu ihm und – über ihn – zu anderen. Dem spreche ich geistliche Autorität ab.

– Wenn ich aber im Einklang mit dem Willen Gottes zu leben versuche, dann kann ich jederzeit die empfangene Weisung einem kleinen Kreis von Mitarbeitern oder Mitchristen zur Prüfung vorlegen, so wie es Paulus auch tat.

Nun ist es aber nicht so, dass dieses direkte Reden des Heiligen Geistes nur geschieht, wenn wir wie die Ältesten der Gemeinde in Antiochien nach einer Antwort herumtasten und beten. – Gott liebt auch das überraschende Reden. Mose ging seiner alltäglichen Beschäftigung des Schafehütens in der Wüste nach, als er plötzlich Gottes Reden im brennenden Dornbusch gegenüberstand und seine göttliche Berufung erhielt.

Der Heilige Geist redet auch durch Visionen. Das klassische Beispiel ist das Nachtgesicht des Paulus zu Troas, wodurch das Evangelium nach Europa gebracht wurde. Dieses Nachtgesicht illustriert treffend die Kriterien für von Gott gesandte Träume und Visionen, die wir schon erwähnt haben. Wieder aber ist Paulus bereit, die persönliche Vision im Mitarbeiterkreis prüfen zu lassen. Hierin zeigt sich geistliche Reife. Der Erfolg ist dann die Entscheidung: „…alsbald trachteten wir, nach Mazedonien zu reisen.“

 

c. Der Heilige Geist führt durch Umstände und Ereignisse

Als Simon von Kyrene „zufällig“ auf die Prozession traf, die Jesus nach Golgatha führte, und gezwungen wurde, Jesus das Kreuz nachzutragen, da hatte er keine Ahnung, dass dies ein besonderer Einschnitt in seinem Leben war. Er ahnte nicht, dass hier nicht nur der Anfang seiner eigenen Erlösung und seines Dienstes für Jesus lag, sondern auch der seiner Familie. Dankbar denkt später Paulus an die Familie des Simon von Kyrene, wie aus seinen Grüßen im Römerbrief hervorgeht. Denn Simons Frau nahm im Leben des Paulus Mutterstelle ein, und ihr Sohn Rufus wurde ein treuer Christ und Mitarbeiter.

Auch Ereignisse lässt der Heilige Geist zu einer offenen oder verschlossenen Tür werden. Manchmal erscheint eine Tür abgeschlossen. Wenn wir aber im Glauben die Klinke herunterdrücken, stellt sich heraus, dass sie in Wirklichkeit offen war. Auch sollten wir nicht an eine verschlossene Tür mit unseren Fäusten trommeln oder aus Leibeskräften an ihr herumreißen, sondern weitergehen und die nächste Türklinke herunterdrücken, es sei denn, der Geist Gottes ermutigt uns, vor der verschlossenen Tür still zu warten, bis sie sich von innen öffnet – bis also Gottes Zeit gekommen ist. Aber – hast Di die Geistesfrucht der Geduld schon geschenkt bekommen?

 

d. Der Heilige Geist führt durch die Gemeinschaft

Paulus und Barnabas kamen zu ihrem eigentlichen Lebensauftrag durch das Reden des Heiligen Geistes in der Gemeinschaft der Ältesten in der Gemeinde zu Antiochien. Der Auftrag selbst war ihnen schon von Gott gegeben, den Zeitpunkt ihres Auftrages machte der Heilige Geist aber der Gemeinschaft klar, in der sie dienten. Und der Weisung dieser Gemeinschaft durften sie folgen.

 

e. Und schließlich führt der Heilige Geist durch das Zeugnis des göttlichen Friedens

Gottes Wege werden von Gottes Frieden begleitet. „Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden,“ sagt der Prophet Jesaja. Wenn wir also von Gottes Wegen abkommen, verlieren wir recht oft jenen Frieden – den Frieden in uns und meistens auch den um uns. Der Frieden Gottes gleicht der Trillerpfeife des Schiedsrichters im Leben eines Christen. Trillert sie, ist ein Regelverstoß vorgekommen. Zweimal ermahnt Paulus Gemeindechristen, sich unter die Regierung dieses Friedens zu stellen. Gottes Geist ist ein guter Regent!

Welche Art und Weise nun der Heilige Geist wählen soll, um uns zu führen, dürfen wir ihm nicht vorschreiben.

Und – es gibt Christen, die sich immer nach außergewöhnlichen Geistesführungen sehnen. Ein „gewöhnliches“ Bibelwort ist ihnen nicht wundersam genug. Sie wollen unbedingt eine Vision haben. Die Ursache dafür ist oft verborgenes Geltungsbedürfnis oder Unglaube oder beides zusammen. Dieses Geltungsbedürfnis bringt einen Christen in die Versuchung, besonders Offenbarungen und außergewöhnliche Führungen für sich zu beanspruchen, die den Eindruck erwecken, er sei „geistlicher“ als andere Gläubige. Und der Unglaube weckt in ihm das Bedürfnis, sich selbst zu beweisen, dass der Geist in seinem Leben wirksam ist. So schaut er eifrig nach Zeichen und Wundern aus, die beweisen sollen, dass der Geist Gottes in seinem Leben aktiv ist. Diese geistlich unreifen Gläubigen – und auch ihre Gemeinden – möge der Herr vor diesen Zeichen und Wundern bewahren.

 

2. Der Heilige Geist tröstet

Jesus nennt den Heiligen Geist »Paraklhtos«. Dieser Beiname, der wesentliche Wirkungsbereiche des Heiligen Geistes umschreibt, ist schwerlich mit einem Wort zu übersetzen. Im klassischen Griechisch bedeutet das Wort „Mittler“, „Fürsprecher“, „Helfer“, wobei das Wort auch im gerichtlichen Sinne gebraucht wird: „advocatus“.

Im Alten Testament werden die Freunde Hiobs als Paraklhtores bezeichnet. Hier bekommt das Wort auch die Bedeutung von „Ratgeber“. Im Munde von Jesus aber bekommt es einen besonderen, heilsgeschichtlichen Sinn: „Es ist gut für Euch, dass ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Tröster (Paraklhtos) nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden.“

Der Heilige Geist setzt die heilsgeschichtliche Linie von Jesus Christus fort. So ist es zu verstehen, dass Johannes später den Beinamen Paraklhtos auch für Jesus selbst gebraucht. Der Heilige Geist als Paraklhtos „erinnert“ und „belehrt“ die Jünger. Er „bezeugt“ ihnen Jesus. Er öffnet den Jüngern aller Zeiten immer wieder die Augen, dass sie Jesus sehen, obwohl er leiblich nicht da ist. Er macht ihnen die Gegenwart des auferstandenen und erhöhten Herrn real. So richtet er Zweifelnde oder Entmutigte wieder auf. Er ist der Beistand der Christen in allen Situationen. Darum dürfen wir ihn „Beistand“, „Tröster“, „Ratgeber“ und „Fürsprecher“ zugleich nennen.

Der Parakletos will auch uns aus selbstverschuldeter und selbstgewollter Einsamkeit herausführen. Er tröstet und ermutigt uns in der Gemeinde.

 

3. Der Heilige Geist lehrt

Es ist das Vorrecht eines jeden Christen, einen persönlichen Lehrer zu haben, der ihn „in alle Wahrheit führt“. Es geht diesem Lehrer nicht primär um das Vermitteln von geistlichem Wissensstoff. Dazu können wir die Bibel lesen und uns diesen durch begnadete Lehrer auslegen lassen. Es geht diesem Lehrer vielmehr darum, das angehäufte Wissen zum persönlichen Eigentum werden zu lassen. Denn „Wahrheit“ will hier nicht im Sinne von „Richtigkeit“, sondern im Sinne von existenziellem Erfassen, Erleben und Ausleben verstanden werden.

Vieles verstehen wir in der Bibel richtig. Weil wir es aber nicht tun, ist es nicht wahr. Der Geist der Wahrheit will den Christen in ein wahrhaftiges, echtes Christenleben fuhren, in dem geistliche Erkenntnis auch zum geistlichen Handeln wird.

Dann kommt es dem Geist der Wahrheit allerdings auch darauf an, daß wir die Wahrheiten der Schrift richtig verstehen. So begleitet er den Lehrer der Schrift und jeden Christen, der die Schrift mit Ernst und existentiellem Engagement liest. Paulus schreibt: „Wir haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist aus Gott, daß wir wissen können, was uns von Gott gegeben ist.“

Schließen möchte ich mit eine Wort von William Barclay, einem bekannten Ausleger des Wortes Gottes im englischsprachigen Raum. Bei ihm lesen wir:

Offenbarung kommt letztlich nicht zu uns durch ein Buch, ein Glaubensbekenntnis oder das gedruckte Wort, sondern Offenbarung kommt zu uns durch eine lebendige Person. Je näher wir mit Jesus leben, desto besser werden wir ihn verstehen. Je mehr wir ihm gleichen, desto mehr wird er uns zu sagen imstande sein. Um uns seiner Offenbarung zu erfreuen, müssen wir freudig seine Herrschaft annehmen. Sich Christus unterstellen und Christus erkennen, geht Hand in Hand.

Liebe Gemeinde,

Früchte des Geistes und Gnadengaben Gottes sind wunderbare Geschenke eines Herrn, der uns und seine Gemeinde liebt.

Wirklich ankommen wird es aber immer darauf, wie nah wir Jesus Christus, dem Sohn Gottes und unserem Herrn, bleiben. Am Ende steht also immer die Frage: Bin ich bei Jesus? Mit ihm verbunden als Rebe am Weinstock? Denn nur dann kann er seine Geschenke durch mich hindurchfließen lassen – zum Segen für mich, für die Gemeinde, für das Reich Gottes.

Gott segne Dich dabei.

Amen

#GaK2017: Skizze zur Verdeutlichung der Wirkweisen des Heiligen Geistes im Leben der Gemeinde und ihrer Glaubenden
#GaK2017: Skizze zur Verdeutlichung der Wirkweisen des Heiligen Geistes im Leben der Gemeinde und ihrer Glaubenden

Kommentar verfassen