Symbolbild "Gebet": Nahaufnahme betende Frau

Ausdauerndes Gebet

Unser Gebet spiegelt unseren Glauben wieder. Es zeigt, an wen wir uns in der Not wenden, ob wir mit Gott im Gespräch bleiben, auch wenn er nicht sofort auf unsere Gebete antwortet und ob wir Gott Großes zutrauen.

Daten

Prediger
Thomas Scheitacker
Thema
Ausdauerndes Gebet
Reihe
Datum
02.04.2017
Länge
34:12
Bibelstelle
Lukas 18, 1-8
Pastor Thomas Scheitacker, FeG Germering
Pastor Thomas Scheitacker, FeG Germering

Lesungstext

1 Wie wichtig es ist, unermüdlich zu beten und dabei nicht aufzugeben, machte Jesus durch ein Gleichnis deutlich: 2 »In einer Stadt lebte ein Richter, dem Gott und die Menschen gleichgültig waren. 3 In derselben Stadt lebte auch eine Witwe. Diese bestürmte ihn Tag für Tag mit ihrer Not: ›Verhilf mir doch endlich zu meinem Recht!‹ 4 Lange Zeit stieß sie bei ihm auf taube Ohren, aber schließlich sagte er sich: ›Mir sind zwar Gott und die Menschen gleichgültig, 5 aber diese Frau lässt mir einfach keine Ruhe. Ich muss ihr zu ihrem Recht verhelfen, sonst wird sie am Ende noch handgreiflich.‹« 6 Und Jesus, der Herr, erklärte dazu: »Ihr habt gehört, was dieser ungerechte Richter gesagt hat. 7 Wenn schon er so handelt, wie viel mehr wird Gott seinen Auserwählten zum Recht verhelfen, die ihn Tag und Nacht darum bitten! Wird er sie etwa lange warten lassen? 8 Ich sage euch, er wird ihnen schnellstens helfen. Die Frage ist: Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde überhaupt noch Menschen mit einem solchen Glauben finden?«

Predigt

In Jakobus 4,2 lesen wir:

Ihr streitet und kämpft und habt nichts, weil ihr nicht bittet.

Häufig bemühen wir uns, strengen uns an, arbeiten über unsere Kräfte – vielleicht sogar auch in der Gemeinde – aber am Ende ist das Ergebnis unbefriedigend. Wir bitten Gott nicht dafür, dass er Gelingen und Segen schenkt, sondern wollen alles selbst tun und schaffen.

Heute geht es in der Predigt um das anhaltende und ausdauernde Gebet.

In der Bibel finden wir eine Geschichte, durch welche Jesus auf genau diesen Aspekt hingewiesen hat und er uns ermutigen wollte, im Gebet dran zu bleiben.

Jesus erzählte hierzu ein Gleichnis, also eine Geschichte aus dem alltäglichen Leben der Leute. Im Normalfall muss man Gleichnisse auslegen und interpretieren. Heute ist dies nicht erforderlich. Wir lesen nämlich, bevor Jesus es erzählt hat schon, welche Absicht Jesus damit verfolgte.

Jesus wollte seinen Jüngern zeigen, dass sie unablässig beten sollten, ohne sich entmutigen zu lassen. Deshalb erzählte er ihnen folgendes Gleichnis: Lk 18,1

Er wollte seine Jünger zum unablässigen beten ermutigen, ohne  sich dabei entmutigen zu lassen. Jesus hält das Gebet für unverzichtbar. Das Gespräch mit Gott in Form von bitten, danken, loben in den unterschiedlichsten Situationen des Alltags hat für ihn hohe Priorität.

Ausdauernd beten war für Jesus normal. Kurz bevor Jesus im Garten Gethsemane gefangen genommen wurde, hat er zu seinen Jüngern gesagt, dass sie in einiger Entfernung von ihm warten, wachen und beten sollten (vgl. Mt 26,36-41). Jesus selbst ging etwas weiter, um ebenfalls zu beten. Als Jesus zu seinen Jüngern kam, schliefen sie. Seine anschließende Kritik lautete: „Kriegt ihr es nicht hin, eine Stunde zu beten? Überfordert euch das?“

Heute fällt es uns manchmal schon schwer, fünf oder zehn Minuten am Tag zu beten.

Ich glaube, beten ist eine Fähigkeit, die wir wieder ganz neu lernen dürfen.

Nachdem Jesus gesagt hat, dass es ihn bei diesem Gleichnis um das ausdauernde, anhaltende Gebet ging, schauen wir uns an, wie es weiterging:

Der Richter

Jesus erzählte von einem Richter. Im mosaischen Gesetz kann man nachlesen, dass in jeder Stadt ein Richter sein sollte, dessen Aufgabe es war, sich um gerechte Rechtsprechung zu kümmern. Er sollte schlicht und ergreifend dafür sorgen, dass die vielen Gesetze, die Gott den Israeliten am Berg Sinai gegeben hatten auch eingehalten und umgesetzt werden. Doch dieser Richter war genau das Gegenteil: Er fragte weder nach Gott noch nahm er Rücksicht auf irgendwelche Menschen.

Er weiß auch selbst, dass die Witwe im Recht ist, aber ist nicht bereit, ihr Recht zu sprechen.

Doch irgendwann ändert er seine Haltung und hilft ihr doch.

Ihr Durchhaltevermögen brachten ihn zum Einlenken. Nun gab er der Witwe, was ihr zu stand und verhalf ihr zu ihrem Recht.

Witwe

Eine verwitwete Frau war damals fast immer großer Not und Gefahr ausgesetzt. Die Gesellschaft war streng männlich dominiert.

Der rechtliche Schutz von Frauen war allein über Familienverband und Ehemann gewährt. Alleinstehende Frauen hatten weder erbrechtliche noch sozialrechtliche noch sonstige vermögensrechtliche Ansprüche. Alleinstehend sein– so sagen es uns die Sozialgeschichtler – war für Frauen fast gleichbedeutend mit rechtlicher Schutzlosigkeit und sozialer Verelendung, ganz den Exzessen, Egoismen und dem Druck unterworfen, der von den Mächtigen ausging.

Die Witwe hatte nur eine einzige Waffe, nämlich die beharrliche Bitte. Diese setzte sie in ihrer Ohnmacht immer wieder ein. Solange, bis sie sich als erfolgreich erwies.

Jesu Auslegung und Anwendung

Jesus macht nun in seiner Auslegung einen scharfen Kontrast deutlich. Selbst der ungerechte Richter hat der Witwe irgendwann zu ihrem Recht geholfen. Sollte Gott – der kein ungerechter Richter ist – erst recht nicht dafür sorgen, dass seine Auserwählten zu ihrem Recht kommen? Jesus gibt selbst die Antwort: „Er wird dafür sorgen, dass sie schnell zu ihrem Recht kommen.“

Mich spricht diese Geschichte an, weil ich mir oft so vorkomme, wie die Witwe.

Ich bringe meine Anliegen vor Jesus. Ich bete dafür und tue es immer wieder. Hat meine Gebete immer erhört, wie ich Gott gebeten habe?

Ich würde euch anlügen, wenn ich dies bejahen würde. Ich bin davon überzeugt, er hat sie alle gehört – aber das heißt noch lange nicht, dass er sie so, wie ich es möchte, erfüllt hat.

Es gibt mindestens vier mögliche Antworten Gottes auf unser bitten:

  • Ja“ – Gott erhört unsere Bitte!
  • Nein“ – Gott erfüllt unseren Wunsch nicht!
  • Noch nicht“ – Gott erfüllt unsere Bitte zu einem späteren Zeitpunkt!
  • Wachse“ – Gott lehrt uns seinen Willen zu erfahren und zu verstehen!

Gerne würde ich auf diese vier noch einmal eingehen.

Ja – Gott erhört unsere Bitte.

So wünscht man es sich als Beter. Ich bitte um Hilfe, und Gott antwortet umgehend. Wenn ich mir einige dieser Gebetserhörungen in Erinnerung rufe, wird mir deutlich, dass mir Gott häufig damit sagen wollte:

„Ich zeige dir mit dieser Erhörung, dass ich für dich da bin. Vertraue mir deshalb auch in den Fragen, auf denen du noch keine Antwort hast oder keine Hilfe erfährst.“

Ich muss mir leider auch eingestehen, dass ich diese Erhörungen oft schnell wieder vergesse.

Die Gefahr ist groß, dass wir diese Erhörungen schnell zu Alltagserfahrungen degradieren.

Nein – Gott erfüllt unseren Wunsch nicht!

Ich bitte Gott und es tut sich scheinbar nichts!

Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal daran, dass die Witwe ein Recht auf etwas hatte und in dieser Sache sprach sie beim Richter vor. Sie sprach nicht bezüglich ihrer vielen Wünsche beim Richter vor. Jesus sagt auch in der Auslegung: Gott sorgt dafür, dass die Auserwählten zu „ihrem Recht“ kommen und nicht, dass er all ihre Wünsche erfüllt.

Worauf habe ich bei Gott ein Recht? Wo kann ich bei ihm etwas einfordern oder wo schuldet er mir etwas? Um ehrlich zu sein: Ich lebe aus seiner Gnade und aus seiner Vergebung. Einfordern im Sinne, dass er mir gegenüber liefern muss, kann ich nichts von ihm.

Ich darf mich aber darauf verlassen, dass er sich an seine Zusagen und Versprechen, d.h. an seine Verheißungen hält, die wir in der Bibel finden können.

Darauf vertraue ich. Das ist so etwas, wie die Rechtssicherheit des Glaubens.

Noch-nicht – Gott erfüllt unsere Bitte zu einem späteren Zeitpunkt!

Sie ist die Antwort, die die Witwe lange bekam. Die Witwe wusste das aber nicht. Für sie war es jedes Mal, wenn sie beim Richter war, wie ein „nein“. Doch sie blieb dran.

Sie hatte auch gar keine andere Möglichkeit. Wenn der Richter ihr nicht recht spricht – wer dann? Heute fällt uns das ausdauernd für ein konkretes Anliegen beten oft schwer, weil wir in einer „instant-Gesellschaft“ leben. Alles muss sofort passieren.

Wenn Gott Gebete noch-nicht erhört, dann oft, weil er uns damit eine wichtige Botschaft geben will:

Wachse! – Gott lehrt uns seinen Willen zu erfahren und zu verstehen!

Wachsen müssen wir auch in unserem Glauben. Mit Jesus zusammen zu leben, bedeutet ja nicht, jeden Wunsch erfüllt zu bekommen. Leben mit Jesus zeichnet sich dadurch aus, dass wir in seine Wünsche hinein wachsen, unsere Wünsche verblassen und sein Wunsch für unser Leben immer mehr an Gewicht gewinnt, dass sein Wille unserem Willen entspricht und wir im Gebet dann auch das bitten, was Gottes Wunsch ist und nicht unserer.

 

Wenn ich bete, will ich an Folgendes denken:

Die Liebe Gottes, will das Beste für mich.

Die Weisheit Gottes weiß, was das Beste für mich ist.

Die Kraft Gottes wird dafür sorgen, dass dies geschieht.

 

Manchmal denke ich zu wissen, was das Beste ist und bete und bete dafür. Mein Verstand ist nicht so tief und weit, wie seiner.

Am Ende des Gleichnisses lesen wir noch, dass Jesus gesagt hat:

Wird der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde solch einen Glauben finden“, also einen Glauben, der sich immer wieder ohne nachzulassen bittend an Gott wendet? Lk 18,8

 

Unser Beten spiegelt unseren Glauben wieder.

Es zeigt, an wen wir uns in der Not wenden, ob wir mit Gott im Gespräch bleiben, auch wenn er nicht sofort auf unsere Gebete antwortet und ob wir Gott Großes zutrauen.

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