Symbolbild zur Jahreslosung 2017: "Gott spricht: ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in Euch." - Hesekiel 36,26: Bild einer offenen Bibel, die Seiten bilden ein Herz

Ich gebe euch ein neues Herz

Ich glaube, gerade für die, die Gemeinde gern weiter denken, die sich Veränderung wünschen, gerade die brauchen ein liebendes Herz. Ich kann nur verändern, was ich liebe.

Daten

Prediger
Karsten Wagner
Thema
Ich gebe euch ein neues Herz – Predigt zur Jahreslosung
Reihe
40 Jahre FeG FFB
Datum
09.04.2017
Länge
25:27
Bibelstelle
Hesekiel 36, 22-27
Karsten Wagner, Pastor der FeG Neu Wulmstorf
Karsten Wagner, Pastor der FeG Neu Wulmstorf

Lesungstext

22 Darum richte dem Volk Israel meine Botschaft aus. Sag ihnen: So spricht Gott, der HERR: Was ich für euch tun werde, geschieht nicht um euretwillen. Meine Ehre will ich retten, die ihr vor den Augen anderer Völker in den Schmutz gezogen habt. 23 Ja, ich sorge dafür, dass mein Name wieder geachtet und geehrt wird. Alle Völker sollen sehen, dass ich, der HERR, ein heiliger Gott bin. Darauf gebe ich mein Wort! 24 Ich hole euch zurück aus fernen Ländern und fremden Völkern und bringe euch in euer eigenes Land. 25 Mit reinem Wasser besprenge ich euch und wasche so die Schuld von euch ab, die ihr durch euren abscheulichen Götzendienst auf euch geladen habt. Allem, was euch unrein gemacht hat, bereite ich dann ein Ende. 26 Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist geben. Ja, ich nehme das versteinerte Herz aus eurer Brust und gebe euch ein lebendiges Herz. 27 Mit meinem Geist erfülle ich euch, damit ihr nach meinen Weisungen lebt, meine Gebote achtet und sie befolgt.

Predigt

Für die Predigt habe ich Euch das mitgebracht, was uns in Neu Wulmstorf in diesem Jahr beschäftigt.
Wir haben gemerkt, das die Jahreslosung von diesem Jahr viel mit uns zu tun hat, Gott verspricht darin:
„Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“
Die Gemeinde, deren Pastor ich seit 2014 bin, kennt schwierige Zeiten in den letzten Jahren und die hatten auch immer etwas Hartherzigkeit zu tun.
Man ist miteinander nicht immer gut umgegangen.
Im letzten Jahr gab es ein Gemeindeforum, in dem wir uns offen sagen konnten, was es uns manchmal so schwer macht, in dieser Gemeinschaft zu leben. Dieser Abend war wichtig, aber sicherlich war das kein Glanzstück in der Gemeindearbeit. Manches tat auch richtig weh.
Jemand sagte: „Wir müssen wieder neu lernen, Gemeinde zu sein.“ Und so kam uns das Thema der Jahreslosung genau recht.

Seit dem öffnen wir uns besonders für dieses neue Herz. Durch Predigten über die Liebe Gottes zu uns, über die Frucht des Geistes, über seine Barmherzigkeit und dadurch, dass wir in unseren Versammlungen, einander zuhören und verstehen wollen.
Ich habe eine besonders sensible Person gefragt: „Meinst Du, wir machen als Gemeinde da schon Fortschritte? Spürst Du Veränderung in unserer Gemeinschaft?“
Das fragt der ungeduldige Pastor in mir. Die Antwort war: „Nein, aber in mir verändert sich etwas, ich kann manche Leute hier besser lieben.“
Bei uns persönlich geht‘s los. Ich selbst spüre genau dort auch zuerst Veränderung. Und ich glaube, gerade für die, die Gemeinde gern weiter denken, die sich Veränderung wünschen, gerade die brauchen ein liebendes Herz. Ich kann nur verändern, was ich liebe.
Die Jahreslosung finden wir beim Propheten Hesekiel.

Hesekiel wurde mit vielen anderen nach Babylon ins Exil verschleppt, sein ganzes Leben war ein lebendiger Ruf zur Umkehr. Er musste solche verrückten Dinge tun, wie eine Schriftrolle essen, Brot auf Kot backen und 390 Tage auf der linken Schulter liegen, um dem Volk seine Schuld zu zeigen. Der war mit Haut und Haaren als Prophet eingespannt.
Und er verkündet auch neue Hoffnung, sieben mal ist von einem neuen Geist die Rede und sieben Mal macht dieser Geist lebendig, dort, wo man es nicht mehr erwartet hat. Bei Hesekiel wird Gottes unermüdlicher Aufruf zur Umkehr deutlich, Gott wirbt um sein Volk, schenkt Gnade und Neuanfang. Es wird deutlich, dass es Gott nicht egal ist, was mit seinem Volk passiert.
Allerdings – und das ist für uns vielleicht ungewohnt – es geht zuerst gar nicht um das Volk. Er will nicht retten, weil Israel so super ist, weil sie würdig sind, gerettet zu werden.
Er rettet sein Volk, damit ER wieder geehrt wird. Das Volk Israel und alle anderen Völker sollen Gott als den erkennen, der er ist:
Schöpfer und Erhalter des Lebens, mächtig und zu ehren und deshalb will er handeln und Israel retten.
Es geht zuerst um die Ehre Gottes. Sein Volk hat ihn nicht geehrt und die Konsequenz war die Babylonische Gefangenschaft und damit
verbunden wurde sein Name in den Schmutz gezogen, entweiht.
„Was ist das denn für ein Gott, den Israel da hat. Scheint ja nicht sehr mächtig zu sein.“
Gott stellt seine Ehre wieder her und das tut er, in dem er seinem Volk vergibt, in dem er sein Volk von der Ungerechtigkeit reinigt und in dem er sie zu neuen Menschen macht. Das ist die Verheißung und das war auch die Hoffnung zur Zeit Jesu.
Gott verheißt ein neues Herz, einen neuen Geist, mit denen er wieder geehrt werden kann.
Alte und kalte Herzen können ihn nur schwer anbeten.

Deshalb braucht es eine grundlegende Veränderung, die nur Gott schenken kann und die er schenken will. Er sorgt dafür, dass Menschen ihn wieder ehren können.
Ein Herz aus Fleisch, was auch wirklich schlägt, ein gesundes Herz ohne Herzfehler. Ihr wisst das jetzt schon: Nicht das Organ ist gemeint. Hier muss heute niemand zur Herztransplantation.
Wir verbinden mit dem Herz das Gefühl, wir lieben im Herzen und Liebe ist für uns oft auch zuerst mal eine sehr starke Emotion. Im Hebräischen Denken ist das Herz noch mehr.
Im Herzen werden Pläne geschmiedet, dort wird nachgedacht, es werden Entscheidungen getroffen. Das Herz ist das Zentrum der Willensbildung. Sitz der Vernunft, der Weisheit, des Urteilsvermögens. Das, was wir eher mit dem Gehirn verbinden.
Es geht nicht nur darum, was wir fühlen (so wichtig auch dort eine Erneuerung ist), sondern was wir denken und was wir dann daraus machen.

Wie wir denken. Ob wir von Gott her denken, ob wir von ihm her urteilen.
Es ist die Rede von einem neuen Verstehen, von einem neuen Erkennen und einem neuen Wollen.
Mit Gottes Augen diese Welt und uns selbst sehen und ihn neu entdecken.
Das Zentrum des Urteilens und des Verstehens soll erneuert werden.
Wie denken wir übereinander, wie gehen wir miteinander um? Können wir Vielfalt in Meinungen und Glaubensstilen aushalten? Können wir uns in der Gemeinde als gegenseitiges Geschenk wahrnehmen?
Sie die anderen alle falsch oder ergänzen sie mich und ich sie?
Die gute Nachricht ist: Das neue Herz steht bereit, es ist Christen geschenkt, die Verheißung ging in Erfüllung. Und dennoch erleben wir auch das alte und kalte Herz.
Es ist schon da, aber das Alte spüren wir noch, mehr oder weniger.
Es ist beides: Ein Geschenk und die Annahme des Geschenkes.
Veränderung steht bereit, sie geschieht; ich muss mich darauf einlassen, mich verwandeln lassen.
Vielleicht zu vergleichen mit anderen echten Operationen, neue Hüfte, neues Knie: Wir müssen für die OP bereit sein und hinterher auch trainieren, das Gehen neu üben etc.
Was brauchen wir nun? Immer wieder die bewusste Entscheidung, sich diesem Gott hinzugeben. Ihm die Ehre geben, ihn anbeten und offen sein für seine Veränderung.
Die Anbetung Gottes ist sowohl Ergebnis des neuen Herzens als auch die Therapie, das Herz lebendig zu halten! Deshalb verstärken wir in unseren Gottesdiensten die Zeiten der Anbetung.
Wenn ich mich Gott zuwende, zeige ich Bereitschaft zur Veränderung.
Wenn ich zuerst nur bete, dass Gott meine Gemeinde und all die anderen verändern soll, bin ich selbst nicht bereit, mich verändern zu lassen. Ich kann aber nie die anderen verändern (versucht das mal in der Ehe), sondern nur mich!
Bin ich bereit für ein neues Herz? Bin ich offen für seine Veränderung?

Ich habe ein paar Kennzeichen für harte und steinerne Herzen gesammelt, das könnte jetzt etwas weh tun. Diese Sammlung ist nicht vollständig, vielleicht entdeckt Ihr aber etwas für Euch.
Ein hartes Herz ist nicht mehr empfänglich für das Leid oder einfach nur das Leben anderer Menschen.
Ein hartes Herz denkt viel an sich und handelt für sich. „Was will ich, was brauche ist, wie muss der Gottesdienst sein, damit ICH mich wohlfühle?“
Ein hartes Herz hat wenig Hoffnung, wenig Liebe und wenig Glaube, denn gerade das sind
Kennzeichen eines neuen Herzens, eines weichen, lebendigen Herzens.
Deshalb werden harte Herzen oft zynisch, finden den rechten Ton nicht, merken es vielleicht gar nicht und haben Angst vor jeder Veränderung, sie können nur schwer vertrauen.
Harte Herzen beharren auf ihre eigene Meinung als die allein gültige, deshalb sehen harte Herzen
Andersdenkende eher als Angriff. Es gilt ja etwas zu bewahren.
Manche merken gar nicht, wie sie nur ihr kaltes Herz bewahren.

Harte Herzen neigen dazu, zu verallgemeinern: die Alten, die Jungen, die Kirche, die Evangelikalen, die Flüchtlinge, der Islam und Frau Merkel ist an allem Schuld.
Harte Herzen können oft die Zwischentöne nicht fühlen und denken, können sich schlecht einlassen auf andere, sind empfänglich für populistische, schnelle Antworten, für den Ruf nach einer starken Hand, für den Ruf nach Abgrenzung, „klare Kante gegen“ irgendetwas, irgendjemand.
Es fällt den harten Herzen manchmal schwer, für etwas zu sein, lieber gegen etwas.
Harte Herzen ordnen Menschen in Schubladen, fein säuberlich, gut sortiert, „gut, dass wir wissen, wie Du denkst!“ hörte ich in einer Bibelstunde, das kann auch negativ gemeint sein. Schublade auf und rein.
Hier kommt man schlecht wieder raus. Harte Herzen vergessen nämlich oft, wo sie den Schlüssel haben liegen lassen. Ob das Absicht ist?
Harte Herzen, alte Herzen, die Erneuerung brauchen, sind manchmal auch verbitterte Herzen:
Die Gründe sind unterschiedlich. Vielleicht sind manche Wünsche, auch in Gemeinde nicht in Erfüllung gegangen. Vielleicht bekommt man die Realität des eigenen Lebens und die Vorstellung, wie es sein sollte, nicht unter einen Hut.

Verbittert vielleicht auch, weil die Liebe für sich selbst fehlt. Es fehlt die Selbstannahme, das Wissen um die eigenen Abgründe und das Erleben der Vergebung und der Liebe Gottes. Harte Herzen sind wie der ältere Sohn im Gleichnis der verlorenen Söhne. Er wollte nicht mitfeiern, als sein Bruder wieder zurück kam.
Ich befürchte, dass harte Herzen mit diesen Worten gar nicht zu erreichen sind, sondern sich eher angegriffen fühlen oder gerade an andere denken statt an sich.
Wenn wir ehrlich sind, entdecken wir alle, dass wir Hartherzigkeit kennen, auch wenn es nur ein Gedanke ist, der vielleicht sogar gar nicht zur Tat wird.
Wie verlockend das manchmal sein kann, im Selbstmitleid zu baden oder mal kräftig jemanden die Meinung zu sagen. Einfach mal dem harten Herzen nachgeben, nur nicht nachdenken.
Ich kenne viele ehrliche Menschen, die genau das bestätigen würden: Wir alle brauchen ein verändertes Herz.
Deshalb brauchen wir immer wieder die Erinnerung daran, wie weiche Herzen sind und dass dieses weiche, lebendige Herz immer bereit steht und dass wir als Christen es sogar schon haben. Wir müssen noch nicht mal warten.
Suchen wir Gott, öffnen wir uns ihm, geben wir ihm die Ehre, lassen wir uns von ihm erneuern.

Weiche, lebendige Herzen also: Wie sind die? Ein Herz, was mitfühlt, ein Herz, was Gutes für den anderen im Blick hat. Ein weiches Herz denkt zuerst mal positiv von dem Gegenüber, geht zuerst von Gutem aus. Ist das nicht naiv?
Es entspricht der Goldenen Regel: Die Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will.
Das hat Jesus gesagt.
Ich wünsche mir, dass Menschen mir zuerst mal gute Motive unterstellen.
Ich möchte doch nicht schon verdächtigt werden, weil ich eine bestimmte Hautfarbe habe, einen bestimmten Glauben, oder eine andere Sprache spreche.
Ein weiches Herz lebt das Doppelgebot der Liebe: Gott lieben, den nächsten wie sich selbst.
Dabei geht man davon aus, dass der Mensch sich selbst liebt. Weiche Herzen lernen die Selbstliebe, wie die Feindesliebe, wo es verlernt wurde.
Weiche Herzen sind nicht dumm, sie suchen andere Lösungen, gewaltfreie, setzen sich ein für ein friedliches Miteinander. Nicht aus Naivität, sondern weil die Friedensstifter selig gesprochen werden bei Jesus.
Ein lebendiges Herz ist daran interessiert, dass sich Leben in aller Vielfalt ausbreitet, ein weiches Herz schottet sich nicht ab, ruft nicht nach Mauern, sondern sucht Lösungen, damit alle gut leben können, hat einen Blick für komplizierte Zusammenhänge, gibt nicht zu schnell auf!

Es ist offen und neugierig auf das Andere, den Anderen und die Andere in der Gemeinde wie darüber hinaus. Ein weiches Herz fragt nach Differenzierungen. Alle Alten? Alle Flüchtlinge? Wirklich?
Differenzierungen sind manchmal anstrengend, aber wichtig für ein friedliches Miteinander.
Ein lebendiges Herz freut sich, wenn andere etwas Gutes erleben. Wenn der Gottesdienst nicht den eigenen Geschmack getroffen hat, freut sich das lebendige Herz mit denen, die heute angesprochen wurden.
Daneben werden erneuerte Herzen überall etwas Gutes entdecken können.
Erneuerte Herzen sind im guten Sinne demütig, sie sind nicht nur erlöst, ihr Besitzer sieht auch so aus.
Weiche Herzen stehen in tiefer Verbindung mit Gott, so dass sie von seiner Liebe erfasst werden und sie ausstrahlen.
Solche Herzen haben dann immer einen Blick für die Menschen am Rand der Gesellschaft, so wie die Propheten immer soziale Gerechtigkeit angemahnt haben, ist weichen Herzen das z.B. ein wichtiges Thema. Sie leben Glaube, Liebe, Hoffnung.
Ein neues Herz atmetet viel von Gnade. Gerade, weil ein weiches Herzen sehr wohl die eigenen Abgründe kennt, kann es mit sich und anderen sehr barmherzig sein.
Ein weiches Herz ist beweglich, dort ist etwas zu spüren von der Barmherzigkeit Gottes.
Ein neues Herz ist groß darin, zu vergeben, selbst, wenn danach nicht gefragt wird, noch bevor um Vergebung gebeten wird.
Und ein neues Herz ist freimütig darin, andere um Vergebung zu bitten, weil es Gottes Gnade erlebt hat und sich von ihm vergeben weiß.
Es gibt noch mehr Kennzeichen. Ergänzt sie zu Hause.

Schluss: In eine Gemeinde mit erneuerten Herzen kommt man gerne.
Dort steht Gott im Mittelpunkt, dort wird er geehrt, dort betet man ihn an und öffnet sich für ein neues Herz. Dort ist man offen dafür, das Denken und Wollen verwandeln zu lassen.
Dort gibt es keinen Druck, dort herrscht ein Klima der Gnade und Annahme.
Eine solche Gemeinde könnte mir richtig gut gefallen? Und Dir?
Ich will mein Herz verwandeln lassen! Ob Ihr das braucht, entscheidet Ihr.
Gott segne Euch reichlich und setze Euch zum Segen für Fürstenfeldbruck.

Amen!

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