Symbolbild "Halten, nicht fallen": Baby in der Hand

Gott spricht: ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.

Gott schafft geistliche Herausforderungen – schon allein, indem er uns beauftragt, dieses Leben zu leben, unsere Verantwortung in welchen Lebensbereichen auch immer zu übernehmen und nicht zu resignieren, aufzugeben, nachzulassen. Deshalb: „Ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Gott spricht: ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“
Reihe
Datum
23.04.2017
Länge
22:44
Bibelstelle
Josua 1, 1-9; 5. Mose 34, 10-12
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Als Mose gestorben war, sprach der HERR zu Josua, dem Sohn von Nun, der Mose bei seinen Aufgaben geholfen hatte: 2 »Mein Diener Mose ist tot. Nun wirst du Israel führen! Befiehl dem Volk, sich für den Aufbruch fertigzumachen. Ihr alle werdet den Jordan überqueren und in das Land ziehen, das ich euch gebe. 3 Jedes Gebiet, das ihr betretet, gehört euch. Das habe ich schon Mose versprochen. 4 Euer Land wird von der Wüste im Süden bis zum Libanon im Norden reichen und vom Euphrat im Osten bis zum Mittelmeer im Westen; das ganze Gebiet der Hetiter wird euch gehören. 5 Dein Leben lang wird niemand dir standhalten können. Denn ich bin bei dir, so wie ich bei Mose gewesen bin. Ich lasse dich nicht im Stich, nie wende ich mich von dir ab. 6 Sei mutig und stark! Denn du wirst das Land einnehmen, das ich euren Vorfahren versprochen habe, und wirst es den Israeliten geben. 7 Halte dich mutig und entschlossen an das ganze Gesetz, das dir mein Diener Mose gegeben hat. Weiche kein Stück davon ab! Dann wirst du bei allem, was du tust, Erfolg haben. 8 Sag dir die Gebote immer wieder auf! Denke Tag und Nacht über sie nach, damit du dein Leben ganz nach ihnen ausrichtest. Dann wird dir alles gelingen, was du dir vornimmst. 9 Ja, ich sage es noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.«


10 Nach Mose hat es in Israel keinen Propheten mehr gegeben, dem der HERR von Angesicht zu Angesicht begegnet ist. 11 Nie wieder sind so große Wunder durch einen Menschen geschehen; nichts lässt sich mit dem vergleichen, was Mose im Auftrag des HERRN in Ägypten vollbracht hat, um dem Pharao, seinen Hofbeamten und seinem ganzen Land Gottes Macht zu beweisen. 12 Niemand hat seitdem so schreckliche und gewaltige Dinge vor den Augen aller Israeliten getan wie er.

Predigt

Liebe Gemeinde,

es war ein paar Tage nach dem Jahresbeginn 1989. Meine Frau und ich saßen abends ziemlich betroffen und nachdenklich in unserem kleinen Wohnzimmer in Duisburg – Homberg. Wir hatten sogar ein paar Tränen vergossen aus Furcht vor einer möglichen neuen Herausforderung, die uns kurz zuvor übers Telefon erreicht hatte. Der damalige Leiter der Inlandmission unseres Bundes, EW Erdlenbruch, hatte nachgefragt, ob wir uns eine Berufung nach Garmisch -Partenkirchen vorstellen könnten. Er hatte lange mit mir geredet und seine Gründe für diese Anfrage genannt. Dann bat er um ruhiges Nachdenken über diese Herausforderung.

Und nun saßen wir da und fragten uns, wieso andere Menschen auf den Gedanken kommen konnten, uns in solch eine Aufgabe hinein zu berufen. Da hatte ein brillanter Kollege vierzehn Jahre lang eine vorzügliche Gemeindarbeit gestaltet. Er war ganz allein mit seiner Frau 1976 nach Oberbayern gezogen, hatte irgendwann mit Gottesdiensten angefangen und oft als einzigen Predigthörer nur seine Frau erlebt – eine wunderbare Möglichkeit natürlich, dem Ehepartner sogar in gottgeschenkter Autorität auch einmal die Leviten zu lesen… –

Gott hatte viel Gnade geschenkt; und nun, 1989, stand dort eines der schönsten Gemeindezentren des Bundes FeG; und es gab dort eine motivierte und wachsende Vorzeigegemeinde, die gerade eben als leuchtendes Beispiel in unserer Bundeszeitschrift ChristseinHeute vorgestellt worden war. Was also hatte ich dort zu suchen? Und kurzzeitig stellte ich mir vor, wie ich nach einer erstaunlich kurzen Zeit diese blühende Gemeinde restlos zugrunde gerichtet hätte und als einzige Gottesdienstbesucher je und dann von der Kanzel aus nur noch auf meine Frau und meine noch unmündigen Kinder herabschauen könnte. – Nun ja, ganz so schlecht ist es  – dank der Gnade Gottes – dann doch nicht gekommen. Wir haben acht Jahre lang als Pastorenehepaar unser Bestes gegeben, und noch heute gibt es in der Gegend ein paar Unverbesserliche, die immer noch dankbar an unseren Dienst dort zurückdenken.

Aber an diese Begebenheit vor vielen Jahren kann ich mich noch sehr gut erinnern. Und genauso muss es einem Mann im alten Israel gegangen sein, der in einer bestimmten Lebenssituation eine Berufung in eine schier unbewältigbare Aufgabe hinein bekommen hatte. Und damit steigen wir ein in die Auslegung eines alttestamentlichen Bibelwortes und schauen uns heute, kurz nach Ostern, einmal genau um im ersten Kapitel des Josuabuches.

 

Gott schafft gute geistliche Herausforderungen – und Ostern ist die Grundlage dazu

Das war die Ausgangssituation des Josua im Augenblick seiner Berufung: einer der größten charismatischen Führerpersönlichkeiten des damaligen Volkes Israel war von Gott auf eine herausragende Weise in die Ewigkeit abberufen worden. Das Volk trauerte noch innig um diesen Mann, da ruft Gott den Josua in die Nachfolge hinein.

Josua war im Volk kein Unbekannter. Mose selber hatte ihm noch vor seiner Todesstunde – so wird es in 5. Mo 34,9 berichtet – die Hände aufgelegt und ihm so den Geist der Weisheit vermittelt. Er genoss zudem hohes Ansehen im Volk, weil er zusammen mit Kaleb die Einzigen unter den Kundschaftern gewesen waren, die nach ihrer Erkundungstour ins Land Kanaan Gottvertrauen ausströmten und behaupteten, dass diese kraftvollen Völker mit Gottes Hilfe besiegbar wären.

Trotzdem erlebt Josua diese Aufgabe als sehr herausfordernd. So herausfordernd, dass Gott ihm im Rahmen seiner Berufungsrede an Josua an drei Stellen immer wieder dasselbe sagt: Sei nur getrost und unverzagt! ( Jos 1,6;1,7) Und noch einmal stärker in Jos 1,9: Siehe, ich habe Dir geboten, dass Du getrost und unverzagt seiest. Lass Dir nicht grauen und entsetze Dich nicht; denn der Herr, Dein Gott, ist mit Dir in allem, was Du tun wirst.“

Gott muss Josua also mindestens dreimal ganz stark ermutigen. Das macht deutlich, wie verunsichert dieser Mann wahrscheinlich in diesem Augenblick auf die Verantwortung schaute, die Gott ihm da aufbürden wollte. Gut verstehbar angesichts eines Volkes Israel, das störrischer und ungehorsamer war als ein alter Esel – wie unter Mose vor noch gar nicht so langer Zeit bewiesen.

 

Liebe Gemeinde,

immer wieder stehen wir als Gemeinde und als Einzelne vor Herausforderungen in unserem Leben. – Gewiss ist die ab 2018 akute Pastorensuche so eine Herausforderung für die ganze Gemeinde.

Andere von uns verändern sich in diesen Monaten beruflich oder schulisch. Und weil sie das auch im Vertrauen auf Gottes Führung tun, ist damit auch eine geistliche Herausforderung von Gott her verbunden.

Wieder andere spüren, welche Verantwortung Gott ihnen mit dem Geschenk eines Kindes oder einer ganzen Kinderschar aufgebürdet hat.

Mancher von uns sieht vor sich die Herausforderung im Umgang mit einer Krankheit und dem Kampf dagegen. Und auch Krankheiten können ja geistliche Herausforderungen sein, an denen wir im Glauben wachsen können und sollen – und nicht nur, wie wir kurzsichtig oft meinen, Angriffe des Bösen.

Gott schafft geistliche Herausforderungen – schon allein, indem er uns beauftragt, dieses Leben zu leben, unsere Verantwortung in welchen Lebensbereichen auch immer zu übernehmen und nicht zu resignieren, aufzugeben, nachzulassen. Deshalb: „Ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“

 

Gott steht zu seinem Wort – auch nach Ostern 2017!

Josua scheint damals ein Mann gewesen zu sein, der Ermutigung wirklich nötig hatte. Obwohl von Mose selber noch in seinen Auftrag eingesegnet – als er dann davor stand, brauchte er ganz viel Rückenstärkung von außen.

Und interessant, wie Gott diese Ermutigung schenkt – in seiner Berufungsrede Josua gegenüber. Josua hört also:

 

Ich bin Euch immer einen Schritt voraus in meiner Fürsorge

Josua soll Israel in Kriege hineinführen, an deren Ende die Landübernahme Kanaans und damit die Abgrenzung der Jahrhunderte langen Wohnstätte des Volkes liegen wird. Es wird also nicht einfach werden. Es wird gefährlich werden. Aber – Gott hat bereits jeden Zentimeter Boden, den ein Israelit betritt, bereits geschenkt und gesichert. Er hat also bereits für alles gesorgt. Nicht die starke Kampfkraft der israelitischen Heere ist ausschlaggebend, sondern die Macht Gottes hat an jedem Ort bereits den Sieg errungen, den die Israeliten mit ihrem Führer Josua noch betreten werden. Ist das nicht eine wunderbare Zusage an einen Mann, der eine so herausfordernde Aufgabe anvertraut bekommt? Und – was können wir selber für uns daraus ableiten, dass Gott uns in seiner Fürsorge immer einen Schritt voraus ist?

– Das kann bedeuten: in allen seelsorgerlichen Fragen meines Lebens sind Gottes Liebe und seine segnende Hand schon in meinem Leben aktiv, bevor ich den ersten Schritt auf Veränderung hin tue. Nicht die Sorge über eventuell in der Vergangenheit zurückliegende Fehlverhalten, nicht das Nachforschen nach Belastungen durch fremde Mächte soll an entscheidender Stelle stehen, sondern die Gewissheit: Gott hat schon alles Land für mich eingenommen. Ich kann ihn zu aller erst loben und dann mutig nach Lösungen suchen.

– Das kann bedeuten: in leichter oder schwerer Krankheit, in beruflichen oder gemeindlichen Herausforderungen gilt: Jesus hat schon für mich gesiegt. Das Areal ist frei für mutige Schritte nach vorn. Ich brauche mich nicht zu fürchten.

Das ist doch wunderbar. Das kann mir und Dir doch nur gut tun und unseren Mut stärken im Blick auf alle vor uns liegenden Herausforderungen. Gott sei Dank, oder?

 

Gott steht zu mir und lässt mich nicht fallen!

Der eine oder andere von uns hat das vielleicht schon erlebt, was es bedeutet, von Menschen fallengelassen zu werden wie eine heiße Kartoffel. Im beruflichen passiert einem das ja durchaus schon mal. Da haben Kollegen oder auch Vorgesetzte uns Mut gemacht, ein Problem anzusprechen oder ein herausforderndes Gespräch zu führen. Und dann entwickeln sich die Dinge erwartbar schwierig, und wir geraten zwischen die Stühle. Klar, kein Konflikt lässt sich so einfach lösen. Und dann – ziehen sich andere von uns zurück. Sie wollen nicht mit hineingezogen werden. Sie retten ihre Haut – und lassen uns fallen.

Das wäre fatal, wenn Gott dem Josua nur vermitteln wollte: „Josua, keine Angst! Übernimm diese Leitungsaufgabe für Dein Volk Israel. Machs einfach!“ – Und dann geht Josua an die Aufgabe – und im entscheidenden Augenblick fühlt er sich fallengelassen von Gott. Allein. Hilflos. Verraten.

Schon einmal so gefühlt? Vielleicht sogar so, als ob Gott Dich zu einer Zumutung herausgefordert hat – und sich dann leise zurückzieht? Das sind schlimmste und verletztendste Gefühle. –

Gerade in diese Situation hinein aber ermutigt dieses Bibelwort: “Gott spricht: ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“ (Vers 5)

Gott sagt mir und Dir heute – eine Woche nach Ostern: „Nein, das werde ich niemals tun. Selbst wenn Du Dich einmal so fühlen solltest – es ist niemals wahr. Ich verlasse Dich nicht. Ich lasse Dich nicht fallen. Ich stehe zu Dir. Ich halte Dich. Und ich halte Dich fest. Du kannst Dich felsenfest auf mich verlassen.“

Damit wir uns da aber nicht missverstehen: Damit nimmt Gott uns nicht unseren eigenen Gestaltungsspielraum und unsere eigene Verantwortlichkeit zu handeln.

Josua konnte nun nicht einfach sagen: „Der Herr wird´s schon machen.“ – Und es wurde dann durchaus nicht leicht für ihn. Im Gegenteil. Seine Führungsaufgabe damals war der schlimmste Knochenjob, den man in der Antike zu vergeben hatte.

Und auch vor mir und Dir liegen vielleicht noch voraussehbar schwierige und harte Herausforderungen. Aber gerade in diese Herausforderungen hinein gilt ja: “Gott spricht: ich lasse Dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“

Alles klar?

 

„Josua“ – ein Programm Gottes mit dem Blick auf „Jesus“

Josua hatte einen wunderbaren Namen. Er war, wie die hebräischen Namen allgemein, ein Programm. Übersetzt hieß sein Name: „Jahwe ist Hilfe“ oder „Jahwe ist Helfer“. Und irgendwo im AT wird dieser Mann genannt: „Jeschua, der Sohn Nuns“. Jesus Christus hieß im aramäischen ja auch „Jeschua“ und wurde von seiner Mutter sicher so gerufen.

Also: mit der Berufung Josuas wird wieder deutlich: im Alten Testament ist der eine biblische Gott gegenwärtig und an der Arbeit, der eines vor allem will: dem Menschen helfen, ihn retten, ihn heilen, ihn ans Ziel bringen. Josua konnte immer wieder zu sich selber sagen: „Ich bin Joschua, der Sohn Nuns. Ich weiß und darf fest glauben: Gott, Jahwe, ist mein, ist unser Helfer und Retter.“

Josua ist der Namensträger des göttlichen Programms für uns Menschen: „Jahwe ist Retter!“ Und er ist damit an einer entscheidenden Stelle ein Vorläufer des Sohnes Gottes, Jesus Christus. Josua, der Sohn Nuns, durfte Israel nach Kanaan führen. Jesus, der Sohn Gottes, hat uns durch Karfreitag und Ostern Gottes Ewigkeit geöffnet. Josua und Jesus – zwei Beispiele also für Gottes Rettungsperspektive und seinen Willen, Menschen an ihr Ziel und zur Ruhe zu führen.

Wenn wir also heute Morgen einen Blick auf das Leben des Josua richten, dann erkennen wir vielleicht auch in unserem Leben: Gott hat seine Verheißung wahr gemacht. Gott meint es ernst wenn er sagt: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“ Gottes Verheißung hat das Leben dieses Mannes reich gemacht und gesegnet.

Wenn ich, liebe Gemeinde, heute zurückschaue auf 40 Dienst- und fast 64 Lebensjahre, dann kann ich nur in großer Dankbarkeit sagen: Gott hat sich durch meine Fehler und Grenzen nicht abschrecken lassen. Er hat Verheißungen wahr gemacht, die als Ermutigung mit mir gegangen sind und mir in schwierigen Zeiten geholfen haben durchzuhalten. Und die Begabungen, die er mir mit auf den Weg gegeben hat, haben ausgereicht – bis heute.

Und vielen von Euch wird es genauso gehen: der Blick zurück auf Erfahrungen im vergangenen Lebensabschnitt macht Mut: Gott hat auch in Eurem Leben Verheißungen erfüllt und manchmal Wunder getan, die wir niemals erwartet hätten. Und deshalb wird er auch in Zukunft in Eurem Leben an das Wort halten, das er einmal Josua gegeben hat: „Ich lasse dich nicht fallen und verlasse Dich nicht.“

In diesem Vertrauen lasst uns miteinander in diese nachösterliche Zeit hineinblicken und hineingehen. Gott segne uns dazu.

Amen.

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