Reichstag in Berlin, Symbolbild "Politik" mit deutscher Flagge

Christsein und Politik

Derzeit wird in unserer Welt mehr über Politik geredet und nachgedacht als je vorher, scheint mir. Das hat gewiss mit der Unsicherheit zu tun, die durch Donald Trump, Wladimir Putin, Recep Tayin Erdogan und andere Politiker spürbar ist. Was werden die nächsten Wochen und Monate bringen? Was kommt nun nach den Wahlen in Frankreich. Und in der Tat, wie wird es nach dem September in Deutschland weitergehen.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Christsein und Politik
Reihe
Datum
21.05.2017
Länge
35:59
Bibelstelle
Römer 13, Offenbarung 13
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

Römer 13

Der Christ und die staatliche Ordnung

1 Jeder soll sich den Behörden und Amtsträgern des Staates unterordnen. Denn es gibt keine staatliche Macht, die nicht von Gott kommt; jede ist von Gott eingesetzt. 2 Wer sich also den Regierenden widersetzt, handelt gegen die von Gott gegebene Ordnung und wird dafür von ihm verurteilt werden. 3 Wer gut und richtig handelt, braucht die staatliche Macht ohnehin nicht zu fürchten; das muss nur, wer Böses tut. Wollt ihr also ohne Angst vor Bestrafung leben, dann tut, was richtig und gut ist, und euer Verhalten wird Anerkennung finden. 4 Die Staatsgewalt steht im Dienst Gottes zum Nutzen jedes Einzelnen. Wer aber Unrecht tut, muss sie fürchten, denn Gott hat ihr nicht ohne Grund die Macht übertragen, Strafen zu verhängen. Sie handelt im Auftrag Gottes, wenn sie unbestechlich alle bestraft, die Böses tun. 5 Es sind also zwei Gründe, weshalb ihr euch der staatlichen Macht unterordnen müsst: zum einen, weil euch sonst das Urteil Gottes droht, zum andern, weil schon euer Gewissen euch dazu auffordert. 6 Die Vertreter des Staates üben ihren Dienst im Auftrag Gottes aus, deshalb zahlt ihr ja auch Steuern. 7 Gebt also jedem, was ihr ihm schuldig seid. Zahlt die Steuern, die man von euch verlangt, ebenso den Zoll. Unterstellt euch der staatlichen Macht und erweist denen, die Anspruch darauf haben, den notwendigen Respekt.

Das wichtigste Gebot

8 Bleibt keinem etwas schuldig! Was ihr einander allerdings immer schuldet, ist Liebe. Wer nämlich seine Mitmenschen liebt, der hat Gottes Gesetz erfüllt. 9 Die Gebote: »Du sollst nicht die Ehe brechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; begehre nicht, was anderen gehört« und alle anderen Gebote sind in einem Satz zusammengefasst: »Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst.« 10 Denn wer seinen Mitmenschen liebt, tut ihm nichts Böses. So wird durch die Liebe das ganze Gesetz erfüllt.

Leben im Licht Gottes

11 Liebt also eure Mitmenschen, denn ihr wisst doch, dass es an der Zeit ist, aus aller Gleichgültigkeit aufzuwachen. Unserer endgültigen Erlösung sind wir jetzt näher als zu Beginn unseres Glaubens. 12 Bald ist die Nacht vorüber, und der Tag bricht an. Deshalb wollen wir uns von den Taten trennen, die zur Dunkelheit gehören, und uns stattdessen mit den Waffen des Lichts rüsten. 13 Lasst uns ein vorbildliches Leben führen, so wie es zum hellen Tag passt, ohne Fressgelage und Saufereien, ohne sexuelle Zügellosigkeit und Ausschweifungen, ohne Streit und Eifersucht. 14 Legt all das ab und zieht Jesus Christus wie ein neues Gewand an: Er soll der Herr eures Lebens sein. Darum passt auf, dass sich nicht alles um eure selbstsüchtigen Wünsche und Begierden dreht!

Offenbarung 13

Das Tier aus dem Meer: der Antichrist

1 Ich sah ein Tier aus dem Meer emporsteigen. Es hatte sieben Köpfe und zehn Hörner; auf jedem Horn trug es eine Krone. Auf den Köpfen standen Namen, die Gott verlästerten. 2 Das Tier sah aus wie ein Leopard, aber es hatte die Tatzen eines Bären und den Rachen eines Löwen. Der Drache gab ihm seine ganze Macht, setzte es auf den Herrscherthron und übertrug ihm alle Befehlsgewalt. 3 An einem Kopf des Tieres sah ich eine tödliche Wunde; aber diese Wunde wurde geheilt. Alle Welt lief dem Tier voller Bewunderung nach. 4 Und die Menschen fielen vor dem Drachen nieder und beteten ihn an, weil er seine Macht dem Tier gegeben hatte. Auch das Tier beteten sie an und riefen: »Wo auf der ganzen Welt ist jemand, der sich mit ihm vergleichen kann? Wer wagt es, den Kampf mit ihm aufzunehmen?« 5 Das Tier wurde ermächtigt, große Reden zu schwingen und dabei Gott zu lästern. 42 Monate lang durfte es seinen Einfluss ausüben. 6 Wenn das Tier sein Maul aufriss, beleidigte es Gott. Es verhöhnte seinen Namen, sein Heiligtum und alle, die im Himmel wohnen. 7 Dem Tier wurde erlaubt, gegen die Menschen zu kämpfen, die zu Gott gehören, und sie sogar zu besiegen. Es herrschte uneingeschränkt über alle Völker und Stämme, über die Menschen aller Sprachen und Nationen. 8 Und alle Menschen auf der Erde werden das Tier verehren und anbeten: alle, deren Namen nicht schon seit Beginn der Welt im Lebensbuch des geopferten Lammes stehen. 9 Wer Ohren hat, der soll auf meine Worte hören: 10 Wenn jemand dazu bestimmt ist, ins Gefängnis zu kommen, dann wird er auch gefangen genommen. Und wenn jemand durch das Schwert sterben soll, dann wird er auch mit dem Schwert getötet. Hier muss sich die Standhaftigkeit und die Treue aller bewähren, die zu Christus gehören.

Das zweite Tier: der falsche Prophet

11 Aus der Erde sah ich dann ein anderes Tier aufsteigen. Es hatte zwei Hörner wie ein Lamm, und es redete wie ein Drache. 12 Dieses Tier übte dieselbe Macht aus wie das erste und erhielt von ihm seine Aufträge. Es brachte alle Bewohner der Erde dazu, das erste Tier, dessen tödliche Wunde geheilt war, zu verehren und anzubeten. 13 Dieses zweite Tier vollbrachte große Wunder. Vor den Augen der Menschen ließ es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde fallen. 14 Im Auftrag des ersten Tieres verführte das zweite Tier die Menschen durch solche Wunder. Es forderte sie auf, eine Statue zu Ehren des ersten Tieres zu errichten, das durchs Schwert tödlich verwundet und dann wieder lebendig geworden war. 15 Doch das war noch nicht alles. Es gelang ihm sogar, der Statue Leben einzuhauchen. Sie begann zu sprechen und verlangte, dass jeder getötet werden sollte, der sie nicht verehrte und anbetete. 16 Das zweite Tier brachte alle dazu – ob groß oder klein, reich oder arm, ob Herr oder Sklave –, auf der rechten Hand oder der Stirn ein Zeichen zu tragen. 17 Ohne dieses Zeichen konnte niemand etwas kaufen oder verkaufen. Und dieses Zeichen war nichts anderes als der Name des Tieres, in Buchstaben geschrieben oder in Zahlen ausgedrückt. 18 Doch um das zu ergründen, ist Weisheit nötig. Wer Einsicht und Verstand hat, kann herausfinden, was die Zahl des Tieres bedeutet. Hinter ihr verbirgt sich ein Mensch. Es ist die Zahl 666.

Predigt

Liebe Gemeinde,

am Sonntag wurde in NRW eine rot-grüne Regierung abgewählt. Seitdem fanden Koalitionsgespräche statt. – Eine Vorentscheidung vielleicht zur Bundestagswahl? Wir wissen es nicht.

Derzeit wird in unserer Welt mehr über Politik geredet und nachgedacht als je vorher, scheint mir. Das hat gewiss mit der Unsicherheit zu tun, die durch Donald Trump, Wladimir Putin, Recep Tayin Erdogan und andere Politiker spürbar ist. Was werden die nächsten Wochen und Monate bringen? Was kommt nun nach den Wahlen in Frankreich. Und in der Tat, wie wird es nach dem September in Deutschland weitergehen.

Aber hat Christen das alles eigentlich zu interessieren? Wir leben doch zwar in der Welt, aber wir sind nicht von der Welt. Unser Ziel ist die Neuschöpfung durch Gott, die sichtbare Gemeinschaft mit ihm, wenn wir diese Erde verlassen haben und, wann danach auch immer, die Ewigkeit beginnt.

Gleichzeitig engagieren sich Menschen unserer Gemeinde immer schon auch für politische Parteien und im Stadtrat. Und wir beten für sie – vor einigen Jahren für Rolf Eissele, nun für Dieter Kreis oder Gunter Senf.

Wie also geht das – politisch verantwortliches Handeln in unserer Welt, in FFB? Darüber möchte ich die Bibel befragen mit Euch zusammen. Und vielleicht zu ein paar Konsequenzen gelangen. Es ist an der Zeit, finde ich, darüber heute einmal nachzudenken.

Denn in Erinnerung ist mir noch sehr gut, was vor einigen Jahren in ChristseinHeute, der Gemeindezeitschrift des Bundes FeG, geschrieben wurde über die Verblendung, die auch die Gläubigen in Freikirchen, auch in der FeG , in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts zu Nachfolgern der Nazis gemacht hat – und das weniger aus tiefer Überzeugung, als aus Halbwissen, aus falsch verstandener Frömmigkeit und Obrigkeitsgehorsam. Die Folgen waren verheerend. – Und noch heute gibt es Menschen, die sagen: Naja, der Autobahnbau, den Hitler vorangetrieben hat damals, der hat doch viele in Arbeit und Brot gebracht – und weg von der Strasse.

 

Liebe Gemeinde,

das mindeste, was ich von jedem Nachfolger Jesu Christi erwarte, ist, dass er so gut informiert bleibt über die politische Landschaft heute, wie irgend möglich. Nicht alle müssen diese große süddeutsche Tageszeitung lesen; meine Frau und ich finden sie nach wie vor sehr hilfreich, um eine politisch ausgewogene Meinung zu entwickeln. Und wir werden immer nur selektiv informiert werden können, ob wir die heute.de – Nachrichten anschauen oder die im Ersten Programm. Aber ohne geht nicht. Süddeutsche oder Merkur – alles klar? Denn BILD ist zu wenig.

Und nun: was sagen Altes und Neues Testament zum Thema Politisches Handeln?

 

Blick ins AT

Im Alten Testament sind das politische und das religiöse eng verwoben. Das Israel zur damaligen Zeit war eine Theokratie. Die Politische Ordnung wurde durch göttliche Ordnungen geregelt. „Suchet der Stadt Bestes!“ – dieses Wort aus Jer 29,7 macht das deutlich. Könige wie David und Salomo repräsentieren Staatslenker, die eine tiefe Gottesbeziehung lebten und gleichzeitig gute Politiker sein wollten, die – den alttestamentlichen Vorgaben gemäß – auch das Wohl ihres Volkes im Blick hatten, denn sie wussten: dieses Volk ist Volk Gottes. Und Gott achtet auf seine Menschen. Und er bestraft Machthaber, die sie unterdrücken und schlecht für sie sorgen.

Natürlich sind dem Gehorsamsgebot schon im AT Grenzen gesetzt. Im Danielbuch wird beschrieben, wie Daniel und die anderen treuen Juden geehrt wurden für ihre Weigerung, sich in der babylonischen Gefangenschaft vor dem König niederzuwerfen, der sich als Gott ausgab. Sie widersetzten sich einem Gebot, das eine gotteslästerliche Handlung befahl. Dazu gleich noch mehr zum NT.

 

Blick ins NT

Das Neue Testament hat eine eindeutig positive Einstellung zur staatlichen Macht als einer gottgewollten Institution. Der Apostel Paulus legte keine starre Lehrmeinung über den Staat bzw. die Beziehung zwischen Staat und Kirche fest. Sein Rat an eine spezifische Glaubensgemeinschaft in einem bestimmten historischen Kontext ist jedoch nützlich, wenn wir sie richtig verstehen.

„Jeder unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten“ schrieb Paulus an die Gemeinde in Rom. Und er fügt hinzu: „Denn es ist keine staatliche Macht außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet.“ (Rom. 13,1) Dieser Befehl in Vers 13,1 wurde ursprünglich einer jungen Gemeinde erteilt, die in der Hauptstadt des römischen Reiches für ihren Glauben kämpfte. Das Neue Testament bekräftigt aber eindeutig, dass die Existenz einer funktionsfähigen staatlichen Macht ein Geschenk Gottes an die Menschen ist, die der friedlichen Koexistenz, einer rechtmäßigen Ordnung und menschlichem Gedeihen dienen soll. Wenn die zivile Staatsgewalt abwesend ist oder nicht funktioniert, dann ist das – und wir erleben das heute hautnah mit in Somalia, in Irak und Syrien – eine Katastrophe und ein Fluch für die Menschheit. Paulus bestätigt hier, dass Christen sich der staatlichen Gewalt unterordnen sollen, sogar der totalitären Macht Roms.

Der Grund dafür ist die Oberherrschaft Gottes über alle Dinge. Gott behält seine absolute Macht, bevollmächtigt jedoch in gewissem Maß rechtmäßige menschliche Machthaber, Staatsmächte und Institutionen, die im Gegenzug ihm gegenüber verantwortlich sind und von ihm zur Rechenschaft gezogen werden. Da steht noch ein Gespräch im Himmel aus. Gott hat die Staatsgewalt eingesetzt und sie mit rechtmäßiger Vollmacht ausgerüstet. Wer sich der Staatsgewalt widersetzt, läuft daher Gefahr, sich dadurch der Autorität Gottes zu widersetzen, wie Paulus warnt: „Wer sich daher der staatlichen Macht widersetzt, widersteht der Anordnung Gottes; die aber widerstehen, werden ein Urteil empfangen.“ (Röm. 13,2).

Auf der anderen Seite, liebe Gemeinde, macht das Wort Gottes auch ganz klar, dass die Grenze des Gehorsams und der Unterstützung gegenüber dem Staat dann erreicht ist, wenn der Staat Gottes Gebote und Ordnungen missachtet. Sehr leicht lässt sich das merken: Rö 13: Unterstützung staatlicher Ordnung; Offb 13: Passiver Widerstand gegen den Staat, der Anbetung fordert. Und zwar Widerstand bis in den Tod. – Auch das, liebe Gemeinde, ist politisches Handeln. Und hier wird deutlich, dass es für Christen nicht um Kadavergehorsam geht oder ähnlichen Unsinn. Die Bundeswehr kennt seit ihrer Entstehung die sog. „Innere Führung“. Das bedeutet: Befehle, die den Menschenrechten zuwider laufen, dürfen nicht befolgt werden. Ziviler Ungehorsam ist dann das Gebot der Stunde.

Aber nochmals: Die Vernichtung von Staatsordnungen durch Chaosmächte verurteilt die Bibel scharf. Staatsordnungen sind lebenswichtig für Gesellschaften.

 

Blick in die Kirchengeschichte

In der Kirchengeschichte wird diese Verbindung von Politik und Christsein unterschiedlich weitergeführt.

Im Anschluss an die Bekehrung von Kaiser Konstantin und der Legalisierung des Christentums im Jahr 381 wurde es zur offiziellen Religion Roms erklärt. In den folgenden Jahrhunderten verließ sich die Kirche zunehmend auf den Staat, um Häretiker und Gegner jeder Couleur zu bestrafen. Danach rangelten Kirche und Staat Jahrhunderte lang um die Oberhand in einem brüchigen Bündnis. In der langen Geschichte dieses Bündnisses machten sowohl Kirche wie der Staat Maßstäbe und Werte in der Gesellschaft geltend. Und es ging immer auch um ein Gerangel um die Oberhand. –

Der Gottesstaat und der irdische Staat, wie Augustinus sie in „De civitate Dei“ („Vom Gottesstaat“) beschreibt, stecken weltweit in einem oft bitteren Kampf um Einfluss und Macht. Es entsteht bald der Konflikt darüber, welche Bereiche zur Religion und welche zur Politik gehören.

Der Streit zwischen dem religiösen und dem weltlichen Reich, wie es Augustinus beschreibt, weitet sich dann zusehends aus. Wie die Geschichte zeigt, haben Katholiken wie Protestanten versucht, die immense Macht des Staates für sich zu nutzen, um den Untertanen gewisse Glaubensvorstellungen aufzuzwingen.

Aber echter Glaube kann nie forciert werden. Heute tendiert man zu der Vorstellung, dass der Staat die Religion völlig ausschließen oder ausklammern sollte. Diese Ansicht kommt zunehmend im weltlichen Gerichtswesen der westlichen Welt zum Ausdruck. Die Folge davon ist die gezielte Absicht, Christen davon abzuhalten, ihren Glauben öffentlich zu bekennen oder den Staat irgendwie zu beeinflussen, was nichts weiter ist als eine Einschränkung des Rechts auf die freie Ausübung den Glaubens.

Die Frage ist also: welchen moralischen Kompass haben wir letztendlich – abgesehen von der Heiligen Schrift und dem Glauben – wenn wir mit Themen wie Abtreibung, Sterbehilfe, Todesstrafe, Armut, Theorien über den (gerechten) Krieg, Umweltfragen u.a. ringen?

Im römischen Reich war es übrigens der christliche Einfluss, der zum Verbot von Abtreibung, Kindesaussetzung und Kindesmord führte. Der christliche Einfluss führte 404 n.Chr. zum Verbot der brutalen Gladiatorenkämpfe, wie auch zum Eigentumsrecht und anderen Schutzmaßnahmen für Frauen zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichte.

Die Abschaffung der Sklaverei ist zurückführbar auf politisches Handeln von mutigen Christen, Wilberforce und John Newton (Amazing Grace).

All diese Veränderungen geschahen, weil Christen erkannten, dass sie ihren Nächsten wie sich selbst liebten, wenn sie die Gesetze und den Staat zum Guten beeinflussen konnten. So würden sie tun, was Jesus ihnen aufgetragen hatte: „So soll euer Licht leuchten vor den Menschen“ und „Ihr seid das Salz der Erde“. (Matth. 5,13-16)

Aktuell haben wir Deutschen vor über 25 Jahren miterleben dürfen, was politisches Handeln auslösen kann: die Montagsdemonstrationen 1989, die zum Zusammenbruch der DDR führten, gingen Hand in Hand mit Gottesdiensten in den Kirchen der großen Städte dort; und dass kein Schuss fiel, wird von der Gemeinde Jesu bis heute als eine Folge der Bewahrung Gottes verstanden.

 

Wenn wir diese Beobachtungen einmal zusammenfassen, dann bedeutet das:

  • Gott sagt nicht, dass wir politisch sein müssen; er verbietet es aber keineswegs. Das Wort Gottes ermuntert dazu.
  • Gebet für unseren Staat und für Politiker, auch das Gespräch mit Politikern ist wichtig und gewollt.
  • Wir sind als Nachfolger Jesu in gesellschaftliche Verantwortung gerufen und in der Demokratie sogar durch die Möglichkeiten von Wahlen ausdrücklich dazu eingeladen. Andererseits: eine Wahlpflicht gibt es auch nicht. Siehe: Freiheit!
  • Es besteht ein Unterschied zwischen Parteipolitik und politischem Handeln. Meine Überzeugung ist: Parteipolitische Äußerungen gehören nicht in die christliche Gemeinde oder in den Mund eines Gemeindepastors. Ich würde keiner Partei erlauben wollen, in unserem Gemeindezentrum eine politische Veranstaltung durchzuführen. Ich gehöre keiner politischen Partei als Mitglied an, wenn ich auch eine klare politische und hoffentlich ausgewogene Meinung habe und ggfs. vertrete. Aber ich mache keine Werbung für SPD, CSU, ÖDP, FDP etc.

Und ich würde einem Gemeindemitglied, auch dem ehrenwerten Dieter Kreis, nicht erlauben, in der Gemeinde offen für eine Partei zu werben. Ich bete durchaus für Politiker und rufe dazu auf; aber deren Parteilinie interessiert mich dabei nicht.

Versteht ihr, liebe Gemeinde: es besteht ein Unterschied zwischen Parteipolitik und politischem Handeln. Und den gilt es nicht zu verwischen.

 

Was kann das nun ganz konkret bedeuten?

Ich möchte nun zusammenfassend einige Gedanken formulieren, die ein Nachfolger Jesu Christi in unserer Gesellschaft und als Demokrat in der Bundesrepublik Deutschland bedenken sollte.

  • Informiertheit über Politisches Denken und Handeln in der Welt ist Gebot der Stunde. Eine Zeitung lesen, die Nachrichten hören und bedenken; zu einer Meinung finden – das ist eine wichtige Aufgabe für mich und Dich.
  • Jede demokratische Partei bleibt für mich als Christ wählbar; und ich muss mich vor niemandem rechtfertigen dafür. (Eine Teilnahme an einer Pegida-Demonstration ist da durchaus anders zu bewerten!!)
  • Eine christliche Gemeinde wird bestimmte wichtige politische Themen in ihrem Kreis diskutieren und ihnen ein Gesprächsforum zu geben versuchen: Abtreibung, Familienverständnis, Gender, Umwelt.
  • Das Gebet für politisch Engagierte in der Gemeinde ist ein Gebot der Liebe und Fürsorge. Es sollte selbstverständlich sein.
  • Der Umgang mit den Medien wird von Respekt, aber auch von kritischem Begleiten geprägt sein. Schließlich ist jede Gemeinde auch für ein eigenes positives Auftauchen in diesen Medien dankbar.
  • Politisch handeln meint auch: Abgeordneten des eigenen Landkreises positiv und ermutigend schreiben; aber auch Kritik gut und fair formulieren.
  • Demokratie in der BRD ist nicht das „kleinere Übel“ oder so. Ich persönlich glaube, dass es keine bessere Alternative für das Zusammenleben von Menschen in einem Staat gibt; und unsere Demokratie ist sehr wehrhaft und gut.
  • Sehr kritischer Umgang mit Fake News oder vermeintlichen Fake News ist geboten. Ich muss nicht alle Aufrufe weitergeben; sehr vieles ist ein Hoax und kursiert schon seit Jahren sinnlos im Netz herum; es gibt auch Unmengen christlicher Fake News. Fromm ist nicht immer gleich wahr!!

 

Und zum Schluss:

Ich habe ein Gebet gelesen – als einen Vorschlag für Polizisten und Staatsangestellte oder Menschen in irgendeiner Machtposition. Es lautet so:

Himmlischer Vater, da alle Macht von dir kommt und ich mich nur in einer Machtstellung befinde wegen meiner Uniform, meiner Dienstmarke oder meiner Dienstanweisung, musst du mich wohl dazu ermächtigt haben. Ich bin also letztendlich dir verantwortlich. Ich möchte dieses kostbare Geschenk gut einsetzen und nicht missbrauchen. Ich möchte dich ehren durch die Art und Weise, wie ich es gebrauche, ich verabscheue alles, was deine Autorität entehrt. Bitte segne alle, die mir, deinem Diener, heute begegnen. Amen

Karl Barth hat am letzten Abend seines Lebens in einem Gespräch mit einem Freund etwa so gesagt: Die Welt ist dunkel. Aber wir brauchen uns nicht zu fürchten. Denn: Es wird regiert.

 

Gott segne Euch in dem gleichen Vertrauen auf einen regierenden Gott im Himmel.

Amen

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