Buchcover: „Wenn Leid zum Himmel schreit“ - Wie Anbetung auch in schweren Zeiten möglich wird.

Wenn Leid zum Himmel schreit

Wir müssen das Leid, dass wir mitbringen nicht im Foyer abgeben, bevor wir „richtig“ anbeten können. Sondern wir dürfen es bei Gott ablegen. Dadurch ehren wir ihn, weil wir ihn wieder voll und ganz Herr unseres Lebens sein lassen und bekennen, dass wir auf ihn angewiesen sind.

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Daten

Prediger
Stefanie Helzel
Thema
Wenn Leid zum Himmel schreit
Reihe
Datum
28.05.2017
Länge
32:39
Bibelstelle
Stefanie Judith Helzel, Theologin, Buchautorin, Referentin
Stefanie Judith Helzel, Theologin, Buchautorin, Referentin

Predigt

In Deutschland gibt es das Sprichwort: „Jeder sein Paket zu tragen“? Damit ist gemeint, dass jeder schon einmal schwere Zeiten erlebt hat, sei es Stress, Erschöpfung, Verzweiflung, Konflikte, Trauer, Verlust, Ungewissheit, was werden wird, Sorgen, Krankheit, geplatzte Träume. Daher hat jeder sein Paket an Erfahrungen zu tragen und dieses bringen wir auch Sonntags in den Gottesdienst mit. Wir bringen all das Gute mit, das wir erleben, aber auch all das Schwere, das uns die Woche über nicht in Ruhe gelassen hat. Und wenn wir dann zum Lobpreis anstimmen, kann in solchen Zeiten schnell ein Widerspruch zwischen dem entstehen, was wir in Anbetungsliedern bekennen und dem was wir selbst erleben. Wie soll ich noch loben und Gott noch Dankbarkeit entgegenbringen, wenn mich meine Lebensumstände derzeit gar nicht dankbar stimmen.

Um diesen Widerspruch zu überwinden ist es daher wichtig zu sehen, was die Bibel über Anbetung sagt. Dabei stellen wir dann nämlich schnell fest, dass Anbetung nicht erst da anfängt, wo wir Gott Lob und Dank entgegenbringen, sondern dass sogar Klage eine Form der Anbetung sein kann, wenn wir sie an Gott richten.

Daher möchte ich heute drei wesentliche Aspekte von Anbetung herausgreifen und beschreiben, die uns, wenn wir sie verinnerlicht haben, dabei helfen können Anbetung auch in schweren Zeiten zu leben.

1. Aspekt: Es gibt einen Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung

Im deutschen / evangelikalen Sprachgebrauch wird zwischen Lobpreis und Anbetung nicht groß unterschieden. Es gibt aber einen entscheidenden Unterschied, den wir kennen sollten.

Begriffe, die im Hebräischen bzw. Griechischen eher für „Loben“ und „preisen“ stehen sind vor allem in Bibelstellen zu finden in denen Menschen ganz konkret Gottes Hilfe erlebt haben und ihm dafür mit Worten und Liedern danken z.B. in 2. Mose 15 und Lk 18, 43. Im Lobpreis wird Gott also vorallem mit Lieder und Worten dafür geehrt, dass er zu Gunsten von Menschen gehandelt hat.

Anders ist es, in Bibelstellen, in denen es um Anbetung geht und in denen Begriffe vorkommen, die mit „Anbetung“ bzw. „anbeten“ übersetzt werden. In solchen Stellen wird eher ein Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen deutlich. Es geht um die innere Haltung Gottes Herrschaft anzuerkennen und ihn als Schöpfer dieser Welt zu ehren, unabhängig davon ob uns sein Handeln gerade gefällt. Gott ist Gott und ich bin es nicht. Dies gilt es anzuerkennen.

Es ist wichtig, dass wir diesen Unterschied zwischen Lobpreis und Anbetung kennen, damit wir Anbetung nicht auf Lobpreis und auf das Ausdrücken von Lob und Dank mit Worten und Liedern reduzieren. Entscheidend ist nicht die Handlung, sondern die innere Haltung, mit der sie vollzogen wird.

Entscheidend ist nicht die Handlung, sondern die innere Haltung, mit der sie vollzogen wird. Klick um zu Tweeten

2. Aspekt: Wir dürfen uns Gott anvertrauen

Diese Haltung um die es in Anbetung geht, sich Gott unterzuordnen und seine Herrschaft anzuerkennen können wir ganz unterschiedlich empfinden. Eine Möglichkeit besteht natürlich darin, es als demütigend und bedrückend zu empfinden uns Gottes Herrschaft unterzuordnen. Schließlich liefern wir uns ihm dabei in gewisser Weise aus und geben die Kontrolle über unser Leben ab.

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, es als positiv zu empfinden, unsere eigene Stellung Gott gegenüber anzuerkennen, nämlich dann wenn wir von Gott erwarten, dass er seine Macht nicht einsetzen wird, um uns ins Verderben zu stürzten, sondern um sich uns in unserer Situation gnädig zuzuwenden. Gott Herr unseres Lebens sein zu lassen, kann uns nämlich auch die Last von den Schultern nehmen, unser Leben alleine bewältigen zu müssen. Und dann können wir es auch als eine Form der Anbetung ansehen, Gott unser Leid zu klagen und uns in unserem Schmerz Gott anzuvertrauen. Schließlich lassen wir ihn gerade dann Herr unseres Lebens sein und erkennen seine Herrschaft an, wenn wir ihm unsere, Sorgen, Nöte und Ängste nicht vorenthalten.

So verhielt sich auch Hanna in 1. Sam 1 + 2., die jahrelang darunter litt, keine Kinder zu haben. Jedoch wendet sie sich nicht enttäuscht von Gott ab und sagt „ich schaffe das schon alleine“ oder „Gott wird mir eh nicht helfen“. Sondern sie trägt ihre Klage über Jahre hinweg vertrauensvoll zu Gott. Auch die Psalmschreiber werden uns darin zum Vorbild die eigene Not in der Anbetung nicht außen vor zu lassen, sondern sie selbstverständlich zu Gott zu tragen. Dabei bewirkt oft schon allein dieses „Ausweinen“ bei Gott eine gewisse Linderung, sodass die Psalmschreiber oft im zweiten Schritt dann auch den Weg zum Lobpreis finden. Dabei hilft ihnen außerdem auch der Blick zurück. Die Psalmschreiber erinnern sich daran, dass Gott schon in der Vergangenheit oft zu Gunsten von Menschen gehandelt hat und auch wenn es aktuell für ihn selbst anders aussieht, so erkennen sie daran doch Gottes Güte und Gnade. Wie z.B. in Psalm 77, 10 – 15.

Hat Gott vergessen, gnädig zu sein, hat er sein Erbarmen im Zorn verschlossen? Ich sprach: Darunter leide ich, dass die rechte Hand des Höchsten sich so ändern kann. Darum gedenke ich an die Taten des HERRN, ja, ich gedenke an deine früheren Wunder und sinne über alle deine Werke und denke deinen Taten nach. Gott, dein Weg ist heilig. Wo ist ein so mächtiger Gott, wie du, Gott, bist?
Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern. Psalm 77, 10 – 15

Und wenn wir auf die Geschichte Gottes mit den Menschen zurückblicken, dann steht da doch eigentlich der Größte Beweis für Gottes Gnade am Horizont oder? Christus am Kreuz!

Und das ist der dritte Aspekt von Anbetung:

3. Aspekt: Der Blick auf Christus ist entscheidend

Wenn wir in schweren Zeiten den Blick auf den für uns gekreuzigten und auferstandenen Christus richten, kann uns dies in dreifacher Hinsicht helfen, Anbetung auch im Leid leben zu können:

Erstens können wir daran Gottes Liebe zweifelsfrei erkennen. Wenn Gott sogar seinen Sohn geopfert hat, kann es ihm nun nicht darum gehen uns ins Verderben zu stürzten? Auch wenn wir dadurch die „Warum-Frage“ nicht unbedingt auflösen können, dürfen wir dennoch an diesem Liebesbeweis Gottes festhalten und erkennen, dass er es dennoch gut mit uns meint.

Zweitens eröffnet uns Jesu Rettungstat am Kreuz eine Perspektive der Hoffnung. Auch wenn wir gegenwärtig noch Leid erleben, dürfen wir zuversichtlich auf unsere Erlösung warten. Diese Perspektive kann uns sogar, ähnlich wie in den Psalmen dabei helfen, in unserer Klage nicht stehen zu bleiben, sondern im zweiten Schritt auch Loben und Danken zum Ausdruck bringen zu können:

„Denn ich denke, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. Römer 8, 18

Drittens lässt uns Christus bis dahin dennoch nicht allein. Wir dürfen uns in unserer Not genauso Gott anvertrauen, wie es die Psalmschreiber getan haben. Dementsprechend fordert das Neue Testament immer wieder dazu auf, unsere Not nicht stillschweigend zu ertragen, sondern uns vertrauensvoll an Gott zu wenden:

„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unserer Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.
Hebräer 4, 15 – 16

Wir müssen dieses Paket, dass wir mitbringen nicht im Foyer abgeben, bevor wir „richtig“ anbeten können. Sondern wir dürfen es bei Gott ablegen. Dadurch ehren wir ihn, weil wir ihn wieder voll und ganz Herr unseres Lebens sein lassen und bekennen, dass wir auf ihn angewiesen sind.

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