Symbolbild zur Predigt "Schatz im Acker - köstliche Perle": Spiegelnder Wassertropfen, ähnlich eine Perle vor hellem, leerem Hintergrund

Schatz im Acker – köstliche Perle

Wir wenden uns heute Morgen einem der Himmelreichgleichnisse zu. Dabei ist erst einmal wichtig, was das NT über das Himmelreich sagt. Johannes der Täufer macht das in Matt 3,2 (4,17; 10,7) ganz deutlich: „Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.“ Beim Himmelreich geht es immer um etwas Zukünftiges und um bereits mit dem Kommen Jesu Geschenktes, Angebrochenes. Dass das Himmelreich in meinem Leben wirksam wird und dass ich die Hoffnung auf den Anbruch des Himmelreichs bis in die Ewigkeit hinein nicht verliere, das ist das Anliegen Jesu an seine Gemeinde und an jeden Einzelnen. Jesus Christus ist Gottes Geschenk an uns – eine köstliche Perle, ein Schatz im Acker, der Anlass für ein Festmahl, ein wiedergefundener Groschen.

Und auf diesem Hintergrund fragen die Himmelreichgleichnisse immer dasselbe:
Was ist Dir das Reich Gottes wert? Alles? Oder nur ein müdes Lächeln? Einen Sonntagmorgen-Spaziergang oder ein jährliches Monatsgehalt? Zwei Wochen Urlaub oder, wie Martin Luther es in einem Lied sagt, „Gut, Ehr, Kind und Weib“? Dein ganzes Leben mit allem, was Du hast und bist?
Von der Antwort auf diese Frage hängt laut dem Neuen Testament vieles ab! Mindestens die Freude Deines Lebens! Wenn nicht Deine Zukunft bei Gott!

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Schatz im Acker – köstliche Perle
Reihe
Gleichnisse
Datum
11.06.2017
Länge
31:03
Bibelstelle
Matthäus 13, 44-46
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker. 45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, 46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Predigt

Jesus stellt uns hier zwei Menschen vor, die unterschiedlich geprägt sind; unterschiedlich begabt; unterschiedlich begütert: ein armer Tagelöhner und ein reicher Kaufmann. Beide tun etwas im Gleichnis. Der eine bearbeitet den Ackerboden, ohne groß etwas zu erwarten. Der andere sucht angestrengt nach wertvollen Perlen. Beiden ist etwas Entscheidendes gemeinsam: sie kommen zu einer ungeheuren Freude und verkaufen alles, was sie besitzen, um das alles Entscheidende zu bekommen: das Königreich Gottes. Und der Arme und der Reiche kommen dabei beide gleich weg. Der Arme verkauft alles, und der Reiche tut das auch. Beide haben am Ende dasselbe gekauft: das Reich Gottes. Wie kommt es dazu?

Da pflügt ein Mann sein Feld. Er ist Tagelöhner. Heute nun arbeitet der auf diesem Feld. Es gehört ihm nicht, aber er plagt sich darauf. Er tut jeden Tag so etwas; denn an jedem Morgen steht er erwartungsvoll auf dem Marktplatz, um sich von einem Gutsbesitzer anheuern zu lassen. Besondere Erwartungen hat er also keine. Wenn er dieses Feld gepflügt hat, kommt vielleicht ein anderes dran. Der Mann ist genügsam. Die Familie ernähren können, das ist sein großes und einziges Ziel. Während er vielleicht so nachdenkt, bleibt der Pflug auf einmal stecken. Der Mann flucht leise! Wieder irgend so ein verflixter Stein. Man hat schon seine liebe Not mit diesem steinigen Acker. Nicht der erste Stein am heutigen Morgen. Der Mann gräbt nach dem Gegenstand, um ihn dann wegzutragen an den Ackerrand. – Und dann passiert etwas in seinem Leben, das ihn total verwandelt. Der Stein entpuppt sich als Truhe, in der sich ein kostbarer Schatz befindet, von irgendjemandem – in Kriegszeiten vielleicht – vergraben und dann vergessen. Der Mann beginnt innerlich vor Aufregung zu glühen. Er deckt die Stelle wieder gut zu, macht sein Zugtier fest und eilt nach Hause, verkauft alle seine wenigen Habseligkeiten, und läuft zu dem Besitzer des Grundstückes. Dieser meint dem Armen dort einen Gefallen zu tun. Der Boden ist im Übrigen so schlecht, dass er ihm gern dieses Stück Land überlässt. Der Mann selber wird nun zum glücklichsten Menschen seiner Umgebung. Er hat einen Schatz gefunden – einen Schatz im Acker.

Das ist die Situation des Tagelöhners und damit der erste Teil des Gleichnisses. Jesus erzählt es, um herauszustellen, wie es ist, wenn ein Mensch mit dem Himmelreich Gottes, mit der Herrschaft Gottes bei den Menschen in Berührung kommt. Was kann uns dieser erste Teil des Gleichnisses sagen?

1. Gottes Geschenk überrascht uns im Alltag

Selten liegen Schätze einfach auf der Straße herum. Jedenfalls nicht Schätze wie dieser hier. Auch Gottes Hauptgabe liegt nicht auf der Straße. Gott lässt nicht an jeder Straßenecke auf sich hinweisen. Er überfällt die Menschen nicht mit Massen von Flugblättern. Gott macht in der Regel kein Aufhebens von sich. Der Tagelöhner entdeckt den Schatz nicht auf dem Jahrmarkt der Möglichkeiten. Er entdeckt ihn irgendwo verborgen unter der Erdkruste.
So ist es nun auch mit Gottes Geschenk Jesus Christus. Auch Jesus liebte nicht das Marktschreierische. Er legte viel mehr Wert auf stille, einsame, verborgene Begegnungen. Er begegnet einer Frau um die Mittagszeit am Jakobsbrunnen. Er bleibt ein Wanderer und Heimatloser, ohne viel Geld und feste Schlafstellen. Gottes Sohn, der köstliche Schatz, bleibt den Menschen verborgen; er beginnt seinen Weg in einer unscheinbaren Krippe und endet am Kreuz. Wer Jesus sucht, wer Gott finden will, der darf nicht dort suchen, wo marktschreierisch von Gott gesprochen wird. Er muss auf dem Acker des Lebens nachsehen, dort, wo Gott ist. Und Gott erscheint jedem einzeln, in der Stille, vielleicht im Urlaub jetzt, wo Menschen Ruhe haben. Aber er erscheint klar und deutlich. Der Tagelöhner ging seiner täglichen Arbeit nach. Da wurde er auf einmal – von Gottes Reich überrascht.

2. Gottes Geschenk ist vielleicht in einem Problem verborgen

Im Augenblick sehen wir vielleicht gar nicht das strahlende, prächtige Geschenk, sondern den Ärger, das Hindernis. Der Tagelöhner wird geflucht haben, als er auf einmal nicht mehr weiterkam. Wütend hat er den vermeintlichen Stein ausgegraben. Es kostete ihn einige Mühe. Aber dann erlebte er, wie er unglaublich beschenkt wurde. Von einem Augenblick auf den anderen entwickelte sich das große Hindernis zur großen Lebensmöglichkeit, wurde aus der Strapaze das Geschenk.
Mit dem Geschenk des göttlichen Himmelreichs mag es mir und Dir vielleicht auch so gehen oder gegangen sein:

  • in dem Schicksalsschlag, der uns zu überwältigen droht,
  • hinter der Schwierigkeit, die uns wütend und verzagt stimmt,
  • hinter einem beruflichen Hindernis, das uns am Fortkommen hindert…

…leuchtet wenig später die große Möglichkeit Gottes auf: sein Himmelreich, sein Herrlichkeit. Wo vorher noch Arbeit und Steine drohten, ist auf einmal Freude und aufgeregtes Handeln. Gott erscheint manchmal auf eigenartigem Wege, eben nicht sofort deutlich erkennbar. Er lässt sich finden auf dem Acker des Lebens. Und er versteckt sich manchmal hinter Sorgen und Problemen, um uns dann umso heftiger zu überraschen und froh zu machen. Dies kann uns vielleicht der eine Teil des Gleichnisses lehren: Gottes Probleme sind unsere Chancen.

3. Gott lässt sich von den Suchenden finden

Die zweite Person des Gleichnisses ist der Händler. Er ist ein gewiefter Geschäftsmann, immer auf der Suche nach Kostbarkeiten, die ihn wenig und andere viel kosten. Diesmal ist er auf der Suche nach Perlen. Er sucht vielleicht ohne großen Sachverstand – aber auf einmal hat er eine Perle in der Hand, von der er weiß: das ist sie! Das ist für mich die Perle überhaupt. Eine schönere und bessere kann es nicht geben. Das ist sie, nach der ich eigentlich schon immer gesucht habe. Nur – die Perle ist ungeheuer teuer. Der Kaufmann setzt alles daran, an diese Perle zu kommen. Er wird trotz seiner Suche von dem Wert des Gefundenen völlig überrascht. Und als er auf diese Perle stößt, lässt er sein ganzes Vermögen zurück. Das ist ihm diese Perle wert.

Unsere Zeit ist eine Zeit des Suchens. Menschen wenden sich ab von Bestehendem und suchen nach neuen Möglichkeiten. Sie suchen nach etwas Schönem, über das sie sich freuen können, das ihrem Leben Sinn gibt.
Und oft sind es nur billige Attraktionen, die zwar funkeln, die aber wertlos sind. Überall von Plakaten und über Funk und Fernsehen werden Perlen angepriesen, die Freude versprechen und Hoffnung. Die Menschen kaufen diese Perlen und fallen jämmerlich damit herein. Sie kaufen die Perlen des Konsums, der Ideologie, der Sexualität, der Information – aber sie werden unglücklich damit. Und die meisten übersehen die entscheidende, die schönste Perle, die Perle, die Gottes Reich öffnet – Jesus Christus – vielleicht aus mangelndem Sachverstand, vielleicht aber auch, weil ihnen diese Perle zu teuer ist. Der Kaufmann scheute keine Opfer, um an seine Marguerita, an seine Perle zu kommen. Er gab alles auf, was er vorher besaß.

Und darin liegt wieder das Gemeinsame zwischen beiden Personen – bei aller Unterschiedlichkeit: Der Tagelöhner und der Kaufmann geben alle ihre Sicherheiten auf und kaufen diesen für sie entscheidenden Schatz. Der eine gibt seine Hütte auf, vielleicht seine Arbeitsstelle. Der andere seinen Bungalow, seine Bediensteten, seinen Rolls Royce, seine Büroräume – alles, radikal alles, was sie besaßen, geben sie auf. Nur wegen eines Schatzes im Acker und einer Perle von ungeheurer Bedeutung. Alles für das Eine!

Denn das wird beim Kaufmann besonders deutlich: das Himmelreich erhalte ich nicht so einfach mal eben zwischendurch. Ich muss es mich schon etwas kosten lassen. Gott aber macht jedem seinen Preis. Ein armer Tagelöhner und ein reicher Kaufmann geben ihr letztes her – und beide erhalten dasselbe – das Himmelreich, die Zusicherung der Gemeinschaft mit Gott – für den Rest ihres Lebens – und für die Ewigkeit.

4. Was ist Dir das Reich Gottes wert?

Diese Frage muss hier erlaubt sein: Wie viel ist das Reich Gottes uns wert? Wie viel geben wir darauf, Gottes Kinder zu heißen? Was machen wir aus den manchmal radikalen Herausforderungen Gottes?
– Ein Peter Waldus, der Gründer des Waldenserordens, hat seinen ganzen Reichtum – und das war nicht wenig – an ein paar Arme weggegeben und ist als Bettelmönch durchs Land gezogen, so wie ein Franz von Assisi das Jahrhunderte vor ihm getan hat. Als Warnung mag ihnen die Fehlentscheidung des reichen jungen Mannes in der Bibel gedient haben, der sich leider nicht von seinem Reichtum trennen wollte und traurig wegging ( ).

Gottes Schatz kostet nicht wenig. Das hat auch Dr. Martin Luther erkannt. Ein von ihm gedichtetes Lied nimmt das allen Ernstes auf: „Nehmen sie den Leib, Gut, Ehr´, Kind und Weib – lass fahren dahin, sie haben´s kein Gewinn, das Reich muss uns doch bleiben.“
Das klingt sehr locker. Aber Luther sagte das als einer, für den wirklich alles auf dem Spiel stand.

Könnten wir eigentlich diese Strophe bewusst mitsingen? Oder tun wir das nur mit halbem Herzen? Was die Zukunft denen bringen wird, die sich nach der köstlichen Perle ausstrecken, das wissen wir nicht. Es wird sicherlich in dieser Welt nicht schöner und freier werden für diejenigen, die sich für den göttlichen Schatz Jesus Christus entscheiden, sondern eher schlimmer und bedrückender. Wie viel aber ist uns unsere Zukunft wert, die über den Tod hinausreicht, und unser jetziges Leben mitbestimmt und beeinflusst? Was bist Du bereit zu opfern, wenn es um alles geht?

Jesus jedenfalls stellt uns zwei Leute vor, die konsequent waren. Sie wollten etwas für sie entscheidendes, und das wollten sie ganz. Das ließen sie sich alles kosten. Denn anders ging das nicht.

5. Vorsicht – Falle! – Freude, nicht Ermahnung!

Es wäre sicher nicht im Sinne des Gleichnisses weitergesprochen, wollten wir jetzt betroffen an unsere Brust schlagen und versprechen, dass alles anders werden soll und unsere Opferbereitschaft sich vergrößern müsse. Das ist ja im Gleichnis gerade nicht der Fall. Hier laufen keine Appelle an. Hier wird nicht gefragt: Ja, wie viel erwartet Gott denn nun von mir? Nein, ganz anders!

Hier finden zwei Menschen das für sie Entscheidende und reagieren wie selbstverständlich darauf. Der Vergleichspunkt dieses Gleichnisses kann ja nicht heißen: Verkauft alles, was ihr habt, und kauft das Reich Gottes ein! Dieses Ziel vertritt Jesus gar nicht mit seiner Rede. Die Tatsache, dass hier zwei Menschen so radikal sind, muss und soll sicher zu der Frage anregen, was das für uns bedeuten könnte. Das, was Jesus in diesem Gleichnis aber vorhat, ist etwas ganz anderes.

Die Aussage Jesu ist: Das Reich Gottes ist etwas so Schönes und Herrliches, dass Menschen dadurch in höchste Freude und Aufregung versetzt werden und alles andere relativieren angesichts dieses Schatzes. Das Entscheidende am Handeln der zwei Menschen ist das Motiv, aus dem heraus sie alles verkaufen: nicht Ermahnung oder ein schlechtes Gewissen gehen voraus, sondern mitreißende Freude ist ihr Grund. Die beiden sind so überschwänglich froh, das Wichtigste ihres Lebens gefunden zu haben – der eine überrascht, der andere suchend – dass sie nicht anders können als alles einzusetzen, um an ihren Schatz zu kommen. Dieser Schatz macht alles andere, was ihnen vorher etwas bedeutet hatte, so nebensächlich, vergänglich, unnütz. Das ist doch ihre Erfahrung: der Schatz verändert ihre Wertescala. Ihre Freude misst nicht nach: wie viel darf ich mich den Acker oder die Perle kosten lassen? Wie viel kann ich herunterhandeln?
Die Freude über das Gefundene ist so groß, dass alles andere relativ wird und zurücktritt. Der Schatz und die Perle wiegen alles andere auf. Sie überstrahlen alle Verluste, allen Spott der Nachbarn, alles Bleiben in der alten Gewohnheit und Sache. Sie überstrahlen auch alle materiellen Einbußen und Einschränkungen meines Lebensstandards, die ich abgebe für dieses Eine und Größte in meinem Leben Die Freude lässt alles anders erscheinen: neu – froher – heller.

  • Deshalb, liebe Gemeinde, gingen Christen lobend in den Rachen der Löwen.
  • Deshalb konnten sie später singen angesichts des Schafotts.
  • Das Licht der Perle drang auch hinein in die düsteren Gefängnisse der Christenverfolgungen. Es ließ eine Marie Durant zahllosen Hugenotten im Tour de la Constance Mut zusprechen….
  • Es leuchtet hinein in die zahllosen Folterkammern.

Die Freude ist nicht totzukriegen. Sie steht über allem anderen. Denn sie ist viel mehr als alles Leben und Lieben zusammengenommen. Es ist die Freude über Jesus, über Gottes Geschenk der Vergebung, über seine Zusage des ewigen Lebens. Das ist wichtiger als alles – oder?

Vielleicht verstehen wir jetzt besser, warum diese beiden Männer hingingen und alles verkauften. Ihnen war klargeworden: Nur eines ist wirklich wichtig im Leben, nur der Schatz. Wenn ich den habe, dann habe ich alles andere auch. Der Schatz ist das Lebensziel und der Inhalt.

Bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ich immer wieder an die Trilogie von Tolkien gedacht: Herr der Ringe. In diesem vor einigen Jahren verfilmten Werk geht es ja gerade darum: dass ein Gollum alles daran setzt, seinen Ring, seinen geliebten Schatz, sein ersehntes Ein und Alles wieder zu gewinnen. Der Schatz des Gollum aber hat dieses Wesen verunstaltet und vernichtet es am Ende.
Der Schatz, um den es hier geht, der beglückt und verändert zum Guten. Er macht wirklich reich. Darum vergiß Gollum – und suche nach dem von Christus Dir wunderbarer Weise in Dein Leben geschenkten Schatz.

Gott segne Dein Suchen und Finden. Der göttliche Schatz – Jesus Christus und sein Heil und alles, was daraus in Deinem Leben an Segen entsteht – ist wichtiger als alles.

Amen

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