Symbolbild: "Kraft, Mut und Besonnenheit!": Englisches Wort Courage (übersetzt Kraft) mit Scrabble-Plättchen auf Steinen

Kraft, Mut und Besonnenheit!

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Kraft, Mut und Besonnenheit!
Reihe
Datum
06.08.2017
Länge
12:47
Bibelstelle
2. Timotheus 1,7
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Predigt

Ich bin in diesen Tagen auf einen sehr schönen Vers gestoßen, der, wie ich finde, sehr gut zu einem Tag und einem Thema wie dem heutigen passt. Es ist ein kurzes Gotteswort, das sich an uns Erwachsene genauso richtet wie an Euch zwei junge Menschen am Tag Eurer Taufe. Es ist sehr mutmachend.

Denn Gott sagt darin uns allen und genauso Euch beiden, welches Geschenk er Menschen macht, die ihm vertrauen und mit ihm leben wollen –jeden Tag neu. Und das habt Ihr beide, Patrizia und Maren, uns ja vorhin ganz deutlich gemacht: Ihr wollt das. Und Ihr freut Euch darauf.

Der Vers, den ich meine, steht im 2. Tim 1, und er lautet:

Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Und dieser Vers ist in meiner Bibel genauso schwarzfett hervorgehoben wie einige andere Verse in diesem Brief, die in diesem Gottesdienst schon gelesen worden sind, z.B:

11 Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, erden wir auch mit ihm leben;
12 wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen.
13 Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen

Dies sind Worte, die den jungen Mitarbeiter des Paulus damals ermutigen sollten. Es sind Worte, die auch Euch junge Leute auf dem Weg halten wollen, den Ihr mit Eurer Taufe heute morgen bezeugt.
Was sagen Euch und mir und uns allen diese Worte?

1. Gott hat ja schon gegeben!

Manchmal fühlt sich das wirkliche Leben so an wie das Sitzen in einem Zug – in einem Zug, dessen Bremsen defekt und dessen Wagen verrostet sind, und dessen Zugführer weder die Strecke noch die Signale wirklich kennen. Wenn Ihr in einem solchen Lebensabschnittszug säßet, wie wäre Euch da wohl zumute? Mich würde da das Gefühl von Beklemmung und zunehmender Sorge beschleichen; ich hätte Angst und fühlte eine ziemliche Ungewissheit, was meine Zukunft beträfe.

Manchem von uns kann es in bestimmten Lebensabschnitten ja genauso gehen: Finde ich eine neue berufliche Möglichkeit? Einen Studienplatz? Wird mein Arbeitsplatz sicher bleiben? Wird Krankheit mich verschonen? Wird alles gut gehen mit der Schwangerschaft, mit der Geburt? Wie wird es mir, der Patrizia, der Maren, weiter ergehen in Schule und Ausbildung und all dem, was noch auf mich zukommt?

Da kann man schon, wie Paulus hier sagt, nervös werden. –
Und dann macht sich in uns leicht ein Geist breit. Nicht das „Pneuma agiou„ – der Heilige Geist Gottes, sondern ein anderer Geist – das „Pneuma deilias“ – der Geist der Verzagtheit.

Deshalb ermutigt mich dieser Satzanfang bei Vers 7: Denn Gott hat uns gegeben – nicht den Geist der Verzagtheit, sondern den der dynamis, der Kraft, und den der agape, der Liebe, und den des Symfronismos, der Besonnenheit.

Deshalb, liebe Gemeinde: lasst Euch nicht entmutigen. Gott hat alles wichtige für Euch schon geschenkt. Gott regiert diese Welt. Und alle Verzagtheit muß weichen.
Deshalb sagt Pls: Gott hat schon gegeben. Er hat gegeben – aber: was denn nun?

2. Gott hat gegeben den Geist der Kraft – das pneuma dunamews

Leben kostet Kraft – im ganz persönlichen Leben, so wie im geistlichen Alltag. Auch als junger Mensch spürt man das, auch mit gerade mal 13 Jahren, oder? Und als

Wir brauchen Kraft für so vieles: für das Aushalten der täglichen Einsamkeit; für das Ertragen der leeren Stille, des Alleinseins, der Verlassenheit. Manchem von uns lauert sie auf, sobald er seine leere Wohnung betritt – die Einsamkeit. Gerade die Älteren und die Singles in diesem Kreis wissen, was gemeint ist.
Wir brauchen Kraft für die neuen Aufgaben – für die in der Schule nach den gerade begonnenen Ferien, denn die enden leider ja auch wieder.

Und wir können uns neue Aufgaben und Herausforderungen ja nicht so heraussuchen, wie wir sie wollen. Aufgaben können wir nur annehmen – oder ablehnen, aber dann mit allen Konsequenzen.

Und mancher von uns mag aufstöhnen, wenn er an all diese Herausforderungen denkt – als Vater, Mutter, Ehemann, Ehefrau, leitender Mitarbeiter im Betrieb, Mitarbeiter in der Gemeinde, und ganz gewiss auch als Tochter in einer Familie und als Schwester in einer Geschwisterkonstellation, oder?
Wie soll das alles gehen? Wie kann das geschafft werden?

Deshalb: Gott sei Dank hat Gott Euch und mir und uns allen schon den Geist der Kraft geschenkt. Vergesst das nicht: Geist der Kraft!

3. Gott hat gegeben den Geist der Liebe – das pneuma agaphs

Liebe Gemeinde,

wir alle kennen schwierige Menschen. Der Geist der Verzagtheit macht da dicht. Er sperrt sich gegen Menschen, die mir nicht liegen. Er mauert sich ein. –

Der Geist der Liebe aber hält offen. Er sieht in dem anderen einen Menschen, den Gott lieb hat. Und er tut alles, um Gottes Liebe im eigenen Verhalten deutlich zu machen. Er geht auf den anderen zu. Er tut immer wieder den ersten Schritt. Er fängt immer wieder von vorn an. Er packt den anderen nicht in irgendeine Schublade. Er rechnet damit, dass Gott verändert – und dass er anfängt bei einem selber. Der Geist der Liebe macht bereit, sich gerade derjenigen anzunehmen, die Liebe besonders nötig haben. Die mich auszusaugen drohen – und die mit Undankbarkeit antworten, indem sie selber lieblos bleiben. Der Geist der Liebe liebt. Er verzagt nicht am anderen. Er hält durch. Und er hält offen. Er macht nicht dicht.

Liebe Gemeinde,

hört einmal – auch auf dem aktuellen Hintergrund unserer Lebenssituation auf diese Worte aus 1. Kor 13, dem „Lied der Liebe“:

4 Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
5 Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
6 Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
7 Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.

Gott hat gegeben – einen Geist der Liebe.

4. Gott hat gegeben den Geist der Besonnenheit – das pneuma symfronismou

Was heisst das wohl, Maren und Patrizia, liebe Gemeinde: besonnen sein. Ich will mal ein paar Beispiele versuchen:

Besonnen sind wir…

  • …wenn wir intensiv nachdenken, bevor wir einem anderen etwas sagen. An den Kopf geschleudert ist schnell etwas.
  • …wenn wir uns Zeit nehmen, über eine Bemerkung des anderen lange nachzudenken, bevor wir auf sie reagieren. Unfriede ist schnell gestiftet.
  • …wenn wir Entscheidungen überschlafen, um sie dann zu fällen – besonnen, abgewogen. Falsche, engstirnige Entscheidungen gibt´s genug.
  • …und wenn wir bei den Überlegungen anderer auch deren Bemühen um Besonnenheit voraussetzen und sie in unserem Herzen nicht schon längst als oberflächlich oder unbedacht eingeordnet haben.

Gott hat uns einen Geist der Besonnenheit gegeben. Lassen Sie uns alle immer wieder daran denken – immer. Auf jeden Fall immer öfter.

Gott hat Euch beide, Patrizia und Maren, liebe Gemeinde – er hat uns freigemacht, so sagt 2. Tim 1,7 – von Verzagtheit, Angst, Überreaktion, Lieblosigkeit, Kraftlosigkeit.

Und Gott hat Freude daran, uns zu erfüllen mit seinem Geist; mit dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Konkrete Möglichkeiten der Bewährung wird es im ganz normalen Alltag für Euch beide und für uns alle noch genug geben. Gott hat schon gegeben. Nicht vergessen. Und ganz fröhlich und vertrauensvoll danach leben.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, Liebe und Besonnenheit. Klick um zu Tweeten
Darauf vertraue ich. Ihr auch? Sie auch? Gut, wenn das so ist – und so bleibt.

Das jedenfalls wollen wir gleich auch für Euch beide erbitten, wenn wir Euch segnen.

Amen

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