Salzsäule in Israel. Symbolbild für Lot

Abram und Lot

Lassen Sie uns heute Morgen wieder einmal einen Blick ins Alte Testament werfen. Wir begegnen einem Onkel und seinem Neffen in einer für beide entscheidenden Situation. Es geht um Ländereien. Und um die Frage, wer von den beiden das gute Land bekommt. Abraham und Lot.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Abram und Lot
Reihe
Datum
13.08.2017
Länge
26:16
Bibelstelle
Genesis 13, 5-18
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

5 Auch Abrams Neffe Lot, der sich ihm angeschlossen hatte, war zu einem reichen Mann geworden: Er besaß Schafe, Ziegen und Rinder und eine große Anzahl von Zelten für sein Gefolge. 6 Darum gab es nicht genug Weideplätze für alle Viehherden. Sie konnten unmöglich zusammenbleiben, 7 zumal die Kanaaniter und die Perisiter noch im Land wohnten. Immer wieder gerieten Abrams und Lots Hirten aneinander. 8 Abram besprach das mit Lot: »Es soll kein böses Blut zwischen unseren Hirten geben! Wir sind doch Verwandte und sollten uns nicht streiten! 9 Es ist besser, wenn wir uns trennen. Das Land ist groß genug. Entscheide du, wo du dich niederlassen möchtest! Wenn du das Land auf der linken Seite wählst, gehe ich nach rechts. Wenn du lieber nach rechts ziehst, gehe ich nach links.« 10 Lot betrachtete das Land genau und sah die fruchtbare Jordan-Ebene – überall reich bewässert, bis nach Zoar hin. Später veränderte sich die Landschaft, nachdem der HERR Sodom und Gomorra vernichtet hatte. Jetzt aber sah die Jordan-Ebene aus wie der Garten Eden oder das Nildelta in Ägypten. 11 Darum wählte Lot diese Gegend. Er verabschiedete sich von Abram und machte sich auf den Weg nach Osten. 12 Abram blieb im Land Kanaan, während Lot sich bei den Städten in der Jordan-Ebene aufhielt und mit seinen Zelten umherzog, bis er an die Stadt Sodom herankam. 13 Die Menschen in dieser Stadt waren voller Bosheit und lebten in ständiger Auflehnung gegen den HERRN.
14 Nachdem die beiden sich getrennt hatten, sagte der HERR zu Abram: »Schau dich nach allen Seiten um! 15 Das ganze Land, alles, was du jetzt siehst, will ich dir und deinen Nachkommen geben – für immer! 16 Ich will dir so viele Nachkommen schenken, dass sie unzählbar sind wie der Staub auf der Erde! 17 Mach dich auf den Weg und durchziehe das Land nach allen Richtungen, denn dir will ich es geben!« 18 Abram zog also weiter und schlug seine Zelte bei den großen Eichen von Mamre auf, nahe bei Hebron. Dort baute er aus Steinen einen Altar für den HERRN.

Predigt

Abraham ist eine der Glaubenssäulen des AT, auf die sich das Volk Israel in seinem Nachdenken über Gott und seinen Umgang mit seinem Gott immer wieder bezogen und berufen hat. Abraham, in Ur in Chaldäa geboren, zieht jung verheiratet bereits mit seinem Vater Terach in die Gegend von Haran. Dort wird Abraham unvermittelt von Gott angesprochen. Dieser Gott, den Abraham und alle seine Nachkommen als den einzig lebendigen Gott, als Jahwe, erfahren, führt ihn an die Stätten, die einmal das Volk Israel bewohnen wird. Und irgendwann, nach manchen Gefahren und Umwegen, sind alle wieder zurück im Land Kanaan. Hier aber erleben wir Abraham als einen weisen älteren Mann, der dem jüngeren das Vorrecht der Erstwahl einräumt.

Diese Situation ergibt sich dadurch, dass er und sein Neffe getrennte Haushalte und getrennten Herdenbesitz hatten. Immer wieder kam es nun, besonders in Dürrezeiten, dazu, dass die Hirten sich an den Wasserstellen um das für die Herden lebenswichtige Wasser zankten. Das ganze scheint dann immer mehr in handgreifliche Streitereien ausgeartet zu sein. Und eben das bekümmerte Abram. Damit wurden nicht nur Spannungen in die Familie getragen, es gab da vielmehr noch einen anderen Grund. Und dieser Grund lautete wohl:

1. Kein Streit vor den Heiden!

In Vers 13,7, der vom Streit der Hirten berichtet, steht nämlich noch eine weitere Bemerkung: „Es wohnten auch da zu der Zeit die Kanaaniter und Peresiter im Lande.“ Die schauten zu und bekamen mit, wie sich die um irdische Vorteile stritten, die angaben, mit dem einzig wahren und lebendigen Gott unterwegs zu sein – ob aus tiefster Überzeugung wie Abram oder als Mitläufer so wie Lot, das spielt dabei ja gewöhnlich keine Rolle. Denn diese Unterscheidung ist für Außenstehende auf Anhieb nicht zu erkennen. Die sehen nur: die gottesfürchtigen Neuansiedler haben Probleme miteinander. Die Leute Gottes in der Welt haben offenen Streit. Und die Welt um sie her schaut dem traurigen Spiel zu und hat ihren Spott daran.

Das, was damals, zu Abrams Zeiten, so war, ist leider heute oft nicht anders. Das kommt in größeren Zusammenhängen vor. Etwa da, wo Kirchen um die Ansprüche und öffentliche Einflussnahme gegeneinander kämpfen oder auch Gruppierungen in ihnen; da, wo Missionsgesellschaften um ihr Erstgeburtsrecht bei jungen Kirchen zanken und zu welchem Kirchenbund diese nun gehören sollen – Streitigkeiten oft mit allerlei nichtgeistlichen Mitteln. Da, wo christliche Verlage um Marktanteile ringen – und das vor den Augen der nichtchristlichen Öffentlichkeit.

Aber das kommt auch in kleinen persönlichen Zusammenhängen vor. Vielleicht auch beim Zerreißen einer Sonntagspredigt etwa am sonntäglichen Mittagstisch vor den heranwachsenden Kindern oder vor Gästen.

Und genau das scheint Abram hier zu bekümmern. Er hatte das gewisse Empfinden, dass er den Heiden dieses Schauspiel nicht bieten dürfe. Er fasst einen Entschluss. Und dieser Entschluss lässt ganz handgreiflich deutlich werden, dass Abram Fortschritte gemacht hat auf dem Weg des Glaubens. Dass er im Glauben gewachsen ist. Dass seine Heiligung Spuren zeigt.
Abraham lässt deutlich werden:

2. Glaube schafft Frieden durch Verzicht

– Beispiel Kishon: zwei Menschen geraten vor einer Tür in Streit darüber, wer zuerst eintreten darf….

Spielchen der Höflichkeit nennen wir das. Wir kennen sie alle. Und weil wir an dieser Stelle gebrannte Kinder sind, sind wir versucht, diese raffinierte Denkungsart, die sich großzügig gibt und doch nur den eigenen Vorteil sucht, auch dem Abraham unterzuschieben. Will der nicht auch das bessere Stück Land, indem er auf die Höflichkeit seines Neffen hofft? Pokert er hoch, um einen Kuhhandel abzuschließen?

Nein, bei Abram geht es so nicht zu. Hier gibt es keine Schliche. Abram arbeitet nicht mit Tricks und doppeltem Boden. Nein, hier soll ein Problem ehrlich und dauerhaft gelöst werden. Und wenn das geschehen soll, dann darf kein Nachgeschmack bleiben. Um dies überhaupt und ohne Feilschen zu bewerkstelligen, gibt Abram, der Ältere, entgegen der damals üblichen Sitte, entgegen allem geltenden antiken Recht, dem Jüngeren, also Lot, ohne Hintergedanken den Vortritt. Der Jüngere soll frei wählen können. Wie er sich entscheidet, so soll es gelten. Auch wenn Abram womöglich sich danach schlechter steht: er will Frieden, er will eine dauerhafte Lösung für ein ungestörtes, ungetrübtes Zusammenleben derer, die mit Gott unterwegs sind. Dafür ist ihm kein Preis zu hoch. Dafür kann er auf Ansprüche verzichten und auf Rechte, auf jeglichen Kuhhandel. Er kann dies aber auch noch aus einem anderen, aus dem letztlich entscheidenden Grund: er hat es gelernt, Gott zu vertrauen. Der wird alles wohl machen. Der wird nun auch in der Entscheidung, die jetzt ansteht, die Dinge lenken und für Abram zum Besten führen.

Und wir erleben ganz handfest mit:

3. Die vorteilhafte Wahl muss nicht immer die richtige sein

Abram ist in der Sache offensichtlich derjenige, der den kürzeren gezogen hat. Lot hat anscheinend das bessere Teil erwählt.

Aber der Tag kommt, an dem es sich zeigen wird, dass seine vorteilhafte Wahl doch nicht die richtige war. Vorzeichen dafür gibt es schon hier, wenn es heißt: „Und Lot zog mit seinen Zelten bis nach Sodom. Aber die Leute von Sodom waren böse und sündigten sehr wider den Herrn.“

Abram hat gespürt: Ich bin schlechter weggekommen. Er hatte ja auch damit gerechnet. Denn seine Bemerkung an Lot war ehrlich: „Entscheide Du.“ Aber nun – steht er vor dem Steppenland. Vor der Öde, der trockenen weiten Fläche zukünftigen Lebens. Und dann? Dann redet Gott wieder mit Abram. Was für eine wunderbare Erfahrung. Sie ist doch wichtiger als alle Vorteile! Denn dieser Mann hat gelernt. Er ist im Glauben gewachsen. Er hat begriffen. Gott kann ich vollkommen vertrauen; er wird mir auch im öden Land mein Leben erhalten. Er wird trotz der Dürre und Trockenheit meine Freude erhalten und vertiefen.

Und Abram hat sich nicht geirrt. Gott lässt dieses Vertrauen nicht unbeantwortet. Er ermutigt und tröstet Abram mit seiner erneuten Verheißung. Er eröffnet die Zukunft. Er macht Abram reich auch auf kargem Boden.

Wie wunderbar sich solche Erfahrungen der Nähe und der Verheißungen Gottes.
Und gerade da, wo es um solche schwierigen Wege geht, da zeigt sich auch, ob und dass wir im Glauben gewachsen sind. Ob wir unsere Vorteile suchen – und vielleicht wie Lot auf Dauer den falschen Weg gehen – oder ob wir uns lieber übervorteilen oder herumstoßen lassen – aber darin unser Vertrauen zu Jesus festmachen: Er ist bei mir. Er wird mir helfen.

Und so stellt sich heute Morgen durch diesen AT – Text die Frage:
Wofür lohnt es sich eigentlich zu kämpfen? Doch nicht für unseren Vorteil, oder!
Zu kämpfen lohnt sich nur für den Willen, für die Sache Gottes. Da geht es wahrlich um Kompromisslosigkeit. Und da darf auch die öffentliche Meinung nicht entscheidend sein. Ob andere draußen dieses kompromisslose Eintreten für den Willen Gottes verstehen, billigen oder verneinen. Und da gibt es in unserer Zeit wahrlich genug Konfliktstoff für die Sache Gottes.
Aber ansonsten: da zählt, was Gott uns vermittelt. Auch in unvorteilhafter Lage. In der Steppe. Da zählen seine Verheißungen. Sonst nichts.

Auffällig an dieser Episode ist wieder der Schluss: „Und Abram zog weiter mit seinem Zelt und kam und wohnte im Hain Mamre, der bei Hebron ist, und baute dort dem Herrn einen Altar.“
Am Anfang steht ein Altar. Ein Ort der Gottesbegegnung und des Gebets – und danach auch wieder.
So werden die Dinge gut. So kommen Menschen in jeder Lage zur Ruhe – im Glauben und im Festhalten an dem Gott, der sich des Menschen seiner Wahl annimmt und ihn nicht fallen lässt. Der keinen fallen lässt, der sich festmacht an Gott.
Worum soll es uns – immer wieder – gehen? Wollen wir in Unruhe und Angst darum ringen, uns das Leben ruhig und sicher zu machen, reich und angefüllt mit Ehre? Ruhig werden wir erst im Vertrauen darauf, dass nicht unser Vorteil, unser Gesicht, unser Recht zählt, sondern Gottes Verheißungen für unser Leben.
Gott möchte jeden heute Morgen hier zur Ruhe bringen; er möchte in die Unrast und die Verletzungen, die besorgten Fragen unseres Herzens seinen Frieden schenken und die neuerliche Gewissheit: Der Herr sieht uns. Er weiß, was wir brauchen. Und er wird es uns schenken. So, wie es gut für uns ist. Dazu segne uns Gott.

Amen

Ein Gedanke zu “Abram und Lot

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