Gott geht mit uns an letzte Grenzen. Bild einer Ackergrenze

Gott geht mit uns Menschen bis an letzte Grenzen – Abraham und Isaak

Am letzten Sonntag sind wir auf den Spuren des alten Abraham gewandert und haben ihn zusammen mit dem Mann Lot erlebt, dem Neffen von Abraham. Lot, der versucht hat, sein Leben lang ein Mitläufer zu sein. Lot, der es Gott und den Menschen recht machen wollte, und der schließlich doch einsehen musste, dass es ohne eine klare Position für oder gegen Gott nicht ging. Lot, der sich das bessere Stück Land ausgesucht hatte – um dann alles zu verlieren, als die Städte Sodom und Gomorrha untergingen.

Heute Morgen wenden wir uns wieder seinem Onkel zu, dem Abraham. In ihm begegnen wir einem Menschen mit einer ganz und gar anderen Einstellung zum Leben und zu Gott. Wir begegnen einem Vorbild im Glauben an Gott; und von Abraham wollen wir heute Morgen lernen. Das Thema für diesen Gottesdienst lautet:
„Gott geht mit uns Menschen bis an letzte Grenzen“. Gott mobilisiert letzte Reserven an Glauben und Vertrauen.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Gott geht mit uns Menschen bis an letzte Grenzen – Abraham und Isaak
Reihe
Datum
20.08.2017
Länge
25:21
Bibelstelle
Genesis 22, 1-14a
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
2 Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar.
3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, holte seine beiden Jungknechte und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Opfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
4 Als Abraham am dritten Tag aufblickte, sah er den Ort von weitem.
5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich will mit dem Knaben hingehen und anbeten; dann kommen wir zu euch zurück.
6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander.
7 Nach einer Weile sagte Isaak zu seinem Vater Abraham: Vater! Er antwortete: Ja, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
8 Abraham entgegnete: Gott wird sich das Opferlamm aussuchen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter.
9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz auf, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
10 Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
11 Da rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich.
12 Jener sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten.
13 Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
14 Abraham nannte jenen Ort Jahwe-Jire (Der Herr sieht), wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der Herr sehen.

Predigt

Was lässt sich in solch einer Situation sagen? Und was lässt sich zu solch einem Erlebnis predigen?

Gott prüft Abraham. Und er prüft einen, der im Glauben gereift ist. Das findet der eine oder andere vielleicht ein wenig tröstlich: Gott mutet diese harte Prüfung keinem Anfänger im Glauben zu. Ein Anfänger würde hier sicher verzweifeln. Und: Gott weiß – trotz dieser schrecklichen Erwartung an Abraham – genau, was er da tut. Gott prüft den Glauben eines Abraham, als dessen Glaube allmählich zur Reifung gekommen ist. Was können wir von diesem Mann Abraham in 1. Mose 22 lernen?

1. Für Menschen, die zu Gott gehören, zeigt sich Gehorsam vor allem im Ernstfall

Der Vers 3 kann uns erschüttern: „Da stand Abram des Morgens früh auf – und gürtete sich – und nahm – und spaltete – und ging.“ Abraham verwickelt Gott nicht in einen Disput über Wert und Unwert dieser göttlichen Entscheidung. Er bittet und bettelt nicht.

Und doch: Abraham ist unterwegs, um seinen Sohn zu opfern. Und mit Isaak opfert er alle Verheißungen. Mit Isaak stirbt für Abraham die Hoffnung auf ein großes Volk, auf die Zukunft seiner Familie, auf die Zukunft des Volkes Gottes! Alles hat Abraham um dieser Verheißung willen aufgegeben. Er hat sich sogar von seiner Frau auslachen lassen. Und nun: Schluss damit – auf dem Berge Morija. Können wir ermessen, was dieser Mann gedacht hat – auf diesem Weg von drei Tagen? Wie sehr ein seinen Gott geliebt, wie sehr er ihm vertraut haben muss, um diese drei Tage durchzuhalten und nicht umzukehren?

An diesem Punkt wollen wir uns fragen: Was heißt das für uns? Können wir das zusammenfassen in dem Satz: „Für Menschen, die Gott gehören, zeigt sich Gehorsam im Ernstfall“?

  • Dann vielleicht, wenn Eltern ihr Kind durch Krankheit oder einen Unfall verlieren; Frauen ihre Männer, Männer ihre Frauen.
  • Dann vielleicht, wenn Menschen Heimat und Besitz verlieren, die Stellung und den Beruf, Gesundheit und Arbeitskraft.
  • Dann, wenn ihnen damit aller Sinn, alle Hoffnung im Leben verloren zu gehen scheint – auch wenn sie Christen sind.

Auch hier in diesem Raum sitzen Menschen, denen Gott Opfer abverlangt hat. Und niemand von uns kennt heute seinen nächsten Morgen. Was, wenn für uns der Morgen der Prüfung erst noch anbricht. Der Prüfung unserer Liebe und unseres Gehorsams zu Gott. Wenn am Ende ein Plan zunichte gemacht ist, eine Hoffnung versiegt.

Es ist doch wahr: Gott kann die Liebe und den Gehorsam von Menschen auch heute prüfen. Und deshalb brauchen wir dieses Kapitel 22 in unseren Bibeln. Wir brauchen es, um einen Menschen zu erleben, der in seiner Prüfung eben nicht verzweifelt, der nicht die Faust gegen Gott geballt hat, der Gott nicht sein Leben vor die Füße geknallt hat, voller Hass und Bitterkeit. Wir brauchen das Beispiel dieses Menschen, der seinen Glauben nicht weggeworfen hat, als Gott ein Opfer erwartete.

Denn wie schnell reagieren wir anders. Verzweifelt, resigniert Gott gegenüber. Wie schnell bricht alles über uns zusammen. Wie wenig stark ist in solchen Situationen oft unser Glaube.

Warum war Abraham damals so stark? Ganz sicher nicht aus sich selber. Gott war so stark in ihm. Gott war ihm trotz dieser Prüfung ganz nah und sorgte für ihn. Darauf kommt es an – auch bei uns.

„Und gingen beide miteinander.“ – Bei Menschen, die zu Gott gehören, zeigt sich Gehorsam im Ernstfall.

2. Dem Glaubenden bleibt nichts erspart

Es ist allgemein bekannt, dass es zum Schwersten im Leben eines Menschen gehört, ein Kind zu verlieren. Das geht jungen Eltern so, das ist nicht weniger schmerzhaft bei alt gewordenen Eltern, vielleicht dann sogar manchmal noch schlimmer.

Vor einigen Monaten habe ich mich gefragt: wie würdest Du weiterleben, wenn eines Deiner Kinder schwer erkrankte oder durch einen Unfall umkäme? Was wäre, wenn Deine Tochter, zu der ein Vater vielleicht immer eine besondere Beziehung aufbaut, umkäme? Wie würdest Du das verkraften? Würdest Du noch weiterleben wollen? Würdest Du jemals noch einmal mit Gott reden oder zu tun haben wollen? Oder wäre dann für immer Schluss mit Lustig – auch im Glauben?

Mancher hier hat eine so schwere Erfahrung machen müssen. Es ist nicht leicht, dann an Gott festzuhalten oder nicht zu verzweifeln am Glauben. Es kann schrecklich schwer sein…

Gott bricht die Prüfung nicht ab, als Abraham das Holz schichtet. Er löst die ungeheure Spannung nicht auf, als Abraham seinen Sohn bindet. Es bleibt dem Abraham nichts anderes übrig, als gegen sein Herz, gegen seinen Glauben, gegen alle Hoffnung seinen Sohn auf den Altar zu legen und das Messer zum tödlichen Stoß zu heben.
Erst da, in letzter Sekunde sozusagen, kommt es zu Gottes Eingreifen. „Abraham, Abraham, lege Deine Hand nicht an den Knaben und tue ihm nichts; denn nun weiß ich, dass Du Gott fürchtest und hast Deinen einzigen Sohn nicht verschont um meinetwillen.“

Nun erst, nachdem Gott gesehen hat, dass Abraham Gott an die erste Stelle in seinem Leben stellt, nun erst darf statt seines Sohnes Isaak das Leben eines Tieres geopfert werden. Gott lässt Stellvertretung zu! Isaak kann nach Gottes gnädigem Willen ausgelöst, erlöst werden.

Und Vater und Sohn stehen nun vor dem Gott, der bei allem Schweren und aller Verzweiflung seine Augen über ihnen wachen ließ, der sie die ganze Zeit gesehen hat; der das Leben des Isaak verschont hat.

Deshalb heißt dieser Ort in der Erinnerung an diesen Augenblick: Jahwe-Jire – Der Herr sieht. Gut, wenn es auch in unserem Leben solche Orte gibt: Lebenserfahrungen, in denen wir in unseren schwersten Augenblicken gespürt haben: Wir sind nicht von Gott verlassen. Gott ist gnädig und bewahrt unser Leben. Er verlangt sehr viel Vertrauen und Liebe von uns – aber er ist uns ganz nah und achtet auf uns.
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Was lernen wir an dieser Rettung Gottes in letzter Minute?
Ich frage mich und Dich: Leben wir unser Glaubensleben nicht oft sehr arglos und blauäugig in der unerschütterlichen Gewissheit, dass Gott uns doch wohl in solche Situationen wie die des Abraham nicht hineinführen wird. Leben wir nicht oft in der tiefen Gewissheit, dass Gott uns von Erfolg zu Erfolg, von Erhörung zu Erhörung führen will. Während rechts und links von uns Menschen von Gott geprüft werden in ihrem Glauben, bitten wir: Herr, lass mich so etwas nur ja nicht erleben.

Ist uns Gottes erlösende Gnade und Liebe eigentlich mittlerweile so selbstverständlich geworden? Können wir uns überhaupt nicht mehr vorstellen, dass Gott uns zumuten könnte, uns von dem Liebsten zu trennen, was unser Herz außer Gott noch kennt?

Hoffen wir nicht stattdessen leidensscheu auf so wenig Leid wie nur möglich und auf baldige Rettung in allen Prüfungen?

Und zu schnell verkaufen wir den Glauben an Jesus auch anderen Menschen als eine Schmerztablette gegen jegliche Art von Ungemach und Last und Leid.

Aber Vorsicht! Gott bestimmt unseren Lebensweg, nicht wir. Und er misst uns das Maß unserer Prüfungen selber bei. Abraham erhebt seine Hand zum Todesstoß gegen seinen Sohn, gegen den Sohn der göttlichen Verheißung – da erst, und keinen Augenblick früher, fällt Gott ihm in den Arm und verweist auf den Widder im Gesträuch. Das allerletzte Opfer braucht Abraham nicht zu leisten. Aber doch viel, sehr viel Glaubenskraft hat er gebraucht. Und sehr viel hat er gelernt über Gott und über sein eigenes Leben. Er weiß nun auch selber: „Ich habe Gott lieber als alles. Sogar – im Extremfall – lieber als mein Kind!“

3. Ende gut, alles gut? – Von wegen!

Es bleibt in diesem ganzen Geschehen eine herausfordernde Frage – und diese Frage heißt: Muss Gott seine Kinder in dieser schier unerträglichen Weise in Versuchung führen? Müsste er uns diese Kämpfe, diese Verzweiflung, ja diese Zerrissenheit nicht ersparen?

Die Bibel sieht das nicht so. Sie offenbart uns nämlich einen Gott, der wirklich Herr ist. Der also geben und nehmen darf, wie er will. Gott ist der Souverän, der sich vor uns nicht zu verteidigen braucht für seine Entscheidungen und seine Erwartungen an unser Leben.

Hast Du das schon akzeptiert – diese Sicht von Gott? Oder hast Du sie irgendwann und vielleicht schon lange – gut verdrängt?

Dennoch aber – und das müssen wir jetzt sehr genau hören – dennoch stehen wir eben nicht nur vor dem mächtigen Gott, dem wir nur schweigend und ohnmächtig zu gehorchen haben. Wir stehen zugleich und vor allem vor dem Gott, der das Unerhörte und Letzte, was er dem Abraham eben nicht zumutet, sich selber nicht erspart!

Gott ist eben nicht einer, der aus einer sicheren Position heraus bei diesem den Gehorsam überprüft, jenem einen geliebten Menschen wegnimmt, dort eine Glaubensprobe vornimmt, während ihm selber nichts Gefährliches zustoßen kann.

Im Römerbrief werden fast die gleichen Worte wie in der Abrahamsgeschichte gebraucht, wenn es dort heißt:

Gott hat seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben. Klick um zu Tweeten

Jesus Christus wurde in letzter Sekunde nicht verschont! Gott fiel den römischen Soldaten nicht in den Arm, als sie Jesus kreuzigten. Für Jesus gab es keine Auslösung. Ihm blieb nur der Schrei „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Mich, deinen geliebten, deinen einzigen Sohn?

Gott hat den höchsten und schmerzlichsten Einsatz uns Menschen zugute nicht gescheut. Er hat sich in Jesus Christus geopfert, um uns auszulösen. Derselbe Gott also, der im Alten Testament Abraham bis zum Äußersten prüft, zeigt Dir und mir seine ganze Liebe. Er stirbt für Dich und für mich am Kreuz und besiegt die Sünde und den Tod in unserem Leben.

Und ich frage Dich: muss ich nicht dann einem solchen Gott weiter gehorsam sein können; auch wenn Schweres in meinem Leben passiert? Muss ich ihn nicht weiter lieben und verehren können in der Zeit, in der er mir auch Leid zumutet? Muss ich ihm nicht weiter vertrauen können, auch wenn er mir Geliebtes wegnimmt – und auch, wenn das in der konkreten Situation so schrecklich schwer sein mag, ihm gehorsam zu bleiben?!

„Gott, weil er groß ist, gibt am liebsten große Gaben; ach, dass wir Arme nur so kleine Herzen haben!“
Gut, wenn wir aus der Kraft des Heiligen Geistes beten können:

Ach, Vater im Himmel, führe mich nicht in Versuchung. Aber wenn es nicht anders sein kann, weil mich Leid und Prüfung näher bringen zu Dir; und wenn dieses Schwere mir einzig und allein dazu hilft, mich an Dich zu klammern – dann bring mich da durch! Bring mich durch wie Abraham. Wie Deinen Sohn Jesus Christus. Ich vertraue Dir. Ich will Dir gehorsam bleiben. Denn Du hast Deinen Sohn auch nicht geschont. Ich danke Dir. Amen.

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