Bild Altstadt Jerusalem

Du und Ich – Erben des Reich Gottes?!

Und siehe, es sind Letzte, die werden Erste sein, und sind Erste, die werden die Letzen sein. Lukas 13,30, Mt. 19,30

Der Monatsspruch für den September 2017.

Auf dem Weg nach Jerusalem ging Jesus durch Dörfer und Städte und lehrte.
Da fragt ihn ein Jude: „Herr, meinst du, dass nur wenige selig werden?“
Darauf die Antwort von Jesus:

Ringt darum, dass ihr durch die enge Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch, werden danach trachten, dass sie hineinkommen, und werden’s nicht können.
Sobald der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat und ihr anfangt, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen: Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu euch sagen: Ich weiß nicht, wo ihr her seid. Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unsern Straßen hast du gelehrt. Und er wird zu euch sagen: Ich weiß nicht, wo ihr her seid. Weicht alle von mir, ihr Übeltäter! Da wird sein Heulen und Zähneklappern, wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.
Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes.
Und siehe, es sind Letzte, die werden die Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten sein. Lukas 13,22 – 30

Diese Antwort von Jesus auf die Frage „Wie werde ich gerettet?“ findet sich auch im Matthäus-Evangelium Kapitel 19, 16 – 30, wieder.  Ein reicher junger Mann fragte Jesus, wie er in das Reich Gottes kommen könne. Nachdem der junge Mann Jesus bestätigte, dass er alle Gebote halten würde, forderte Jesus ihn auf: “ Wenn du vollkommen sein willst, so geh hin, verkaufe deine Habe und gib den Erlös den Armen! Und du wirst einen Schatz im Himmel haben. Und komm, folge mir nach!“. Daraufhin geht der junge Mann traurig weg. Und Jesus erklärt den Jüngern: „Schwer wird ein Reicher in das Reich der Himmel hineinkommen.“ Die Jünger sind entsetzt und fragen sich, was mit ihnen ist: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt. Was wird uns nun werden?“ Und auch hier sagt Jesus: Und ein jeder, der Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker um meines Namens willen verlassen hat, wird hundertfach empfangen und ewiges Leben erben.  Aber viele Erste werden Letzte und Letzte Erste sein.

 

Wie werde ich gerettet? Wie werde ich selig?

Was bedeutet das überhaupt „gerettet“, „Reich Gottes“, „Ewiges Leben“? Gerettet bin ich, wenn ich im Reich Gottes bin. Wenn ich die Ewigkeit mit Gott verbringen darf. Wie das dann genau aussieht, das wissen wir nicht. Aber mit was es vergleichbar ist und was es für uns bedeuten wird, das können wir in der Bibel nachlesen: Wir werden bei Gott sein. Es ist wie eine Hochzeitsfeier, wie ein Festmahl, ein Ort, wo es keine Tränen, keinen Streit, keine Trauer mehr gibt. Wir werden die Herrlichkeit Gottes sehen und mit ihm teilen.

Jesus sagt, es wird viele geben, die in das Reich Gottes kommen wollen, aber nicht hineingehen können. Daher sollen wir darum ringen (Lukas 13,24). Es ist es wert, alles zu tun, um in das Reich Gottes zu kommen. Warum? Wie das Ewige Leben in letzter Vollkommenheit sein wird, das wissen wir nicht. Aber es ist geprägt von der innigen endgültigen Verbundenheit mit Gott. Und es wird in der Bibel mit Bildern der ungetrübten Freude beschrieben: eine Hochzeitsfeier, ein Festmahl, ein Ort, wo es keinen Streit, keine Tränen, keine Trauer mehr gibt.

Es ist das vollkommene Ziel, das der liebende Vater, für uns, seine von ihm geliebten Kinder, bereit hält.

 

Aber wie erlangen wir dieses Ziel?

Hier stellt Jesus das System unserer Welt auf den Kopf.  „Es gibt Erste, die werden Letzte sein und Letzte, die werden Erste sein.“ Es ist Gott, der entscheidet und Gott hat eine andere Hierarchie als sie in unserer Gesellschaft üblich ist. Wer bei uns „Erster“ ist, ist das nicht automatisch bei Gott.

In Lukas 13 ist es ein Jude, der Jesus nach der Errettung frägt, einer vom Volk Gottes, ein Nachkomme von Abraham, Isaak und Jakob. Und wer, wenn nicht er, aus dem auserwählten Volk Gottes, sollte in das Reich Gottes kommen. So könnte man denken – und so dachten und denken viele Juden. Und trotzdem, so Jesus, kann es sein, dass für ihn das Tor verschlossen ist. Dass Menschen aus den Heidenvölkern in das Reich Gottes kommen können, und er, trotzdem er Jude ist, nicht.

In Matthäus 19 ist es ein reicher, junger Mann, der alle Gebote kennt und hält, und die Errettung sucht. Er ist reich und fromm und trotzdem „reicht es nicht“ für das Reich Gottes. Das „Erarbeiten“ des Reiches Gottes ist für uns Menschen unmöglich.

 

Wie dann?

Nur durch Gott selber ist es möglich, in das Reich Gottes zu kommen. „Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich.“ (Mt. 19,26). In Lukas 13 spricht Jesus von der „engen Pforte“, durch die wir hineingehen müssen.

Aber was ist „die enge Pforte“? Vielleicht sollte die Frage besser lauten: Wer ist die enge Pforte?

Die Bibelstelle erinnert mich an Johannes 10,9: „Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden und wird ein und aus gehen und Weide finden.“
Jesus Christus ist „die enge Pforte“, die „Tür, durch die wir Zugang zum Reich Gottes haben“.

Aber wie „gehe ich durch Jesus hinein“? In Matthäus 19 fordert Jesus den reichen jungen Mann auf, seinen ganzen irdischen Schatz aufzugeben, Jesus nachzufolgen, um einen Schatz im Himmel zu gewinnen. Zu dieser Aufgabe aller irdischen Schätze und zur völligen Hingabe an Jesus ist der junge Mann in dem Moment aber nicht bereit und geht weg. Er entschließt sich, nicht durch die enge Pforte zu gehen. Er schätzt den Wert seiner irdischen Schätze höher, als den Wert des himmlischen Schatzes – und verschätzt sich.  Anders die Jünger von Jesus. Sie haben alles verlassen: Heimat, Familien, Besitz, Arbeit – um Jesu willen. Und Jesus verspricht Ihnen, dass sie für all das entschädigt und das Ewige Leben erben werden. Gott weiß, was sie für ihn aufgegeben haben, nichts ist vergessen oder wird übersehen. Gott weiß, dass sie seinen Willen über ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse gestellt haben. Er wird ihnen „Hundertfach zurück geben“, was sie für ihn verlassen haben und ihnen das Ewige Leben schenken.

Sein Leben ganz Jesus zur Verfügung stellen, mit allen Wünschen und Bedürfnissen Jesus anvertrauen. Ihm sozusagen die Souveränität, die Herrschaft, im eigenen Leben übergeben – nichts weniger.

Das ist doch Wahnsinn. Das ist völlig verrückt, naiv, leichtsinnig… . Ich muss doch für mich und die Meinen sorgen. Wer tut es sonst?

Jesus sagt, er selber tut es. Er selber ist der gute Hirte (Johannes 10,11), er ist die Tür, die zu „frische Weiden“ führt (Johannes 10,9).

Aber leicht ist das nicht. Das weiß auch Jesus. Er sagt ja auch, dass wir darum „ringen“ sollen.

Voraussetzung dafür ist, dass ich meinem Hirten vertraue. Dazu muss ich ihn kennen. Jesus sagt, dass seine Schafe seine Stimme, ihn, kennen. Es ist also möglich, ja es ist notwendig, Jesus zu kennen – wie sonst könnte ich ihm mein Leben anvertrauen? Als Andreas Jesus kennenlernen wollte, ist er ihm in sein Haus gefolgt und hat Zeit mit ihm verbracht (Johannes 1, 37 – 40). Jesus hatte ihn eingeladen: „Kommt mit, dann werdet ihr es sehen!“ (Johannes 1,39). Diese Einladung gilt auch heute noch – nur ein wenig anders.
Es gilt immer noch, Zeit mit ihm verbringen, „sehen“ wer Jesus ist. Das kann ich vor allem in der Bibel. Sie ist uns geschenkt, um Jesus darin kennen zu lernen.

Das kann ich wir, in dem ich bereit bin, mich dem Heiligen Geist zu öffnen: dieser „wird euch alles erklären und euch an das erinnern, was ich (Jesus) gesagt habe.“ (Johannes 14,26).

Das kann ich im Gebet, im Gespräch mit Mitchristen, in Glaubensschritten, die ich wage. Dafür muss ich mir aber Zeit nehmen und offen sein. Und dann darf ich ihm vertrauen, dass er mir begegnet und ich ihn immer mehr kennenlerne und ihm folgen kann – nur ihm. Eintreten durch die enge Pforte  – als Erste, unabhängig davon, ob ich im irdischen Leben „Letzte“ bin oder nicht.

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