Symbolbild Wachstum. Sonnenblumen in Nahaufnahme

Welches sind die ausschlaggebenden Faktoren beim Gemeindewachstum?

Während meiner Dienstzeit hat mich ein Student der unserer Hochschule interviewt. Er hatte ein Abschlussarbeit zu schreiben mit dem Thema: „Welches sind die ausschlaggebenden Faktoren beim Gemeindewachstum?“ Ich habe ihm geantwortet so gut ich konnte. Nach einem halben Jahre habe ich ihn nach dem Ergebnis gefragt. Er sagt: „Ich bin so klug als wie zuvor.“
Er hätte es einfacher haben können. Die ausschlaggebenden Faktoren zum Gemeindewachstum finden sich in Apostelgeschichte 9, 31

Daten

Prediger
Gustav Adolf Pötz
Thema
Welches sind die ausschlaggebenden Faktoren beim Gemeindewachstum?
Reihe
Datum
24.09.2017
Länge
23:58
Bibelstelle
Apostelgeschichte 9, 31
Gustav A. Pötz , Pastor in der FeG FFB von 1986 bis 1994
Gustav A. Pötz , Pastor in der FeG FFB von 1986 bis 1994

Lesungstext

So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa, Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und wuchs durch den Beistand des heiligen Geistes.

Predigt

1. ausschlaggebender Faktor: Der Zeitpunkt.

Hier steht „nun“ hatte die Gemeinde Frieden, zu der Zeit, jetzt. Es kam zu einer besonderen Gnaden-, Heils- und Erweckungszeit. Das Neue Testament nennt solche Zeiten „Kairos“. Kairos ist eine von Gott geschenkte, besondere Gnadenzeit.
Was war passiert? Nach seiner Bekehrung und Berufung hatte Paulus leidenschaftlich das Evangelium in Damaskus verkündigt. Er wurde verfolgt und flüchtete nach Jerusalem. Aber auch dort gab es gegen ihn Widerstand. Griechische Juden wollten ihn töten. Da ‚geleiteten ihn die Apostel‘ nach Caesarea und schickten ihn nach Tarsus, in seine Geburtsstadt. Damit war Paulus auf dem Abstellgleis, er war aus dem Verkehr gezogen. Und nun hatte die Gemeinde Frieden. Nun erlebte sie den Kairos Gottes, die geschenkte Segenszeit.
Solch einen Kairos hat Gott unserem Volk in der Reformation geschenkt. Auch nach dem Ende der Hitlerzeit 1945 gab Gott ihn. Ich habe damals nach Verführung, Krieg und Vernichtung meine Bekehrung erlebt. Auch der Fall der Mauer war ein besonderes Geschenk Gottes. Den Kairos Gottes kann man politisch, persönlich und auch gemeindlich erleben.
In einer meiner Gemeinden habe ich mich an Anfang sehr schwer getan. Lag es an mir? Lag es an der Gemeinde? Da passierte etwas Außergewöhnliches. Einer der Gemeindeältesten brach während der Predigt auf der Kanzel tot zusammen.

Wir erlebten dann das, was hier steht: „So hatte nun die Gemeinde Frieden…“ Sogar die Gründung einer neuen Gemeinde in der Nachbarstadt war für uns möglich.

2. ausschlaggebender Faktor: Der Frieden.

Das Wort, das im NT für ‚Frieden‘ steht, hat die gleiche Wurzel wie das Wort für sprechen, reden. Wenn ich nicht mit meiner Frau spreche ist kein Friede da. Wenn ich nicht mit meinen Brüder und Schwestern in der Gemeinde spreche, wenn ich nicht mit meinen Nachbarn, Kollegen spreche, wenn ich nicht mit Gott spreche ist kein Friede da.
Das Wort für Frieden im AT heißt ‚Schalom‘. Schalom bedeutet mehr als nur miteinander reden. Es bedeutet: den anderen grüßen, für ihn beten, ihn segnen, ihm beistehen, sich für ihn opfern.
Ich habe hier ein Mini-Ackerwagenrad aus früherer Zeit. Ich will dieses Rad mit der Gemeinde vergleichen. Die Felge ist der Umkreis der Gemeinde. Die Nabe, das Zentrum ist der Herr Jesus Christus und die Speichen, das sind wir, du und ich. Je näher wir beim Zentrum, bei Christus sind, der ja unser Friede ist, desto näher sind wir auch unserem Bruder, unserer Schwester und beim Frieden mit ihnen.

3. ausschlaggebender Faktor: Der Gemeindebau

Es ist keine Frage, Der Herr Jesus Christus selbst baut seine Gemeinde. „Ich will bei meine Gemeinde!“, sagt Jesus. Nach Eph. 2 ist Jesus der ‚Eckstein‘ der Gemeinde. Das Wort das für Eckstein steht ist das gleiche, das für auch ‚Schlussstein‘ steht. Im Altertum hat man Kapellen gebaut, die sechs- oder achteckig waren. Wenn der Schlussstein, der sechs oder achteckig war, eingesetzt war, war der Bau fest. Man konnte das Gerüst wegnehmen. Jesus wird die Gemeinde einmal vollkommen, „ohne Flecken und Runzeln“ dem Vater darstellen.
Aber hier steht: „Die Gemeinde baute sich“. Für uns gilt: Baut euch, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. Jeder von uns hat Gaben und damit auch Aufgaben. Ich hörte den schönen Satz: Kann ich nicht Dombaumeister sein, behau ich als Steinmetz einen Stein. Fehlt mir auch dazu Geschick und Verstand, trag ich Mörtel herzu und Sand. Wenn ich nicht Architekt sein kann, dann vielleicht Statiker. Wenn ich das nicht, dann vielleicht Meister, Polier, Maurer oder Handlanger.
Jemand hat sich einmal aufgeregt, als ich den Satz sagte: Gott hat keine anderen Hände als unsere, er hat keine anderen, als unseren, keinen anderen Mund als unserem Mund.
Zur Symbiose, zur Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch, gibt es folgende Geschichte: Ein Pastor besuchte in USA einen Farmer. Der Farmer zeigte ihm seine Gebäude und Stallungen und der Pastor sagt: Der Heilige Geist und ihr habt Großes geleistet. Diesen Satz sagte der Pastor jedes Mal wenn der Farmer ihm seine Äcker und Weiden zeigte und seine Rinder und Pferde. Und als der Pastor sich verabschiedete sagte er wiederum: Der Heilige Geist und ihr habt Großes geleistet. Darauf sagte der Farmer: Dann hättest du mal die Gegend sehen sollen, als der Heilige Geist allein hier tätig war.

4. ausschlaggebender Faktor: Die Gegenwart Jesu.

Hier steht: Sie lebten in der Furcht des Herrn. D.h.: Leben im Bewusstsein der Gegenwart Jesu. Wir singen: Gott ist gegenwärtig. Unsere Kinder haben früher gebetet: Wo ich gehe, wo ich steh, ist der liebe Gott bei mir… Psalm 139: „Ich sitze oder stehe, ich liege oder gehe, von allen Seiten umgibst du mich…“ Gott ist bei uns auch wenn wir nicht bei ihm sind.
1945 lag Deutschland in Schutt und Asche. Ich erinnere mich, dass am 16. Dezember 1944 Siegen zerstört wurde. Auch das Haus meines Großvaters lag „omm ronne Dozz“. Gerade da hatte ich meinen Abschluss an der Realschule in Kreuztal gemacht. Was sollte ich für einen Beruf ergreifen? Deutschland musste wieder aufgebaut werden. Ich habe dann das Handwerk eines Zimmermanns erlernt. – Auf dem Zimmerplatz hatten wir Azubis einmal etwas Dummes angestellt. Heute weiß ich nicht mehr was. Ein Kollege, ein bekennender Christ, er leitete den CVJM-Posaunenchor in Unglinghausen, sagte zu mir: „Die anderen können sich das erlauben, du musst aber immer daran denken: Was würde Jesus dazu sagen?“
Seine Autobiografie hat der hessische Kirchenpräsident Martin Niemöller mit diesem Satz überschrieben: Was würde Jesus dazu sagen?

Niemöller war im letzten Krieg U-Boot Kapitän. Im Buch fragt er: Was würde Jesus zu meinem Glauben, meiner Theologie, meiner Familie, meiner Kirche, meiner Politik sagen?

5. ausschlaggebender Faktor: Der Heilige Geistes.

Es gibt eine Kausalität: Wenn von Jesus Christus gepredigt wird, wirkt der Heilige Geist Und wenn der Heilige Geist wirkt, dann zeigt er uns Jesus, dann macht er uns Jesus groß. Am Pfingsttag predigte Petrus von Jesus. Es war eine christozentrische Predigt, die nicht den Heiligen Geist zum Thema hatte. Danach geschahen aber die Wirkungen des Heiligen Geistes.
Friedrich von Bodelschwingh machte mit seiner Familie Ferien an der Nordsee. Am Strand gab er seinen Kindern einen Stock, mit dem sollten sie einen geraden Strich in den Sand ziehen. Sie versuchten es, aber es gelang nicht. Ihre Gebilde waren krumm und schief. Daraufhin machte er es den Kindern vor. Er nahm den Stock fest in seine Hand und suchte sich den Kirchturm auf der Nachbarinsel. Darauf marschierte er geradewegs zu. Sein Strich im Sand war kerzengerade. Wenn wir auf Christus fokussiert sind, wird unser Leben gradlinig, es bekommt Struktur und die Wirkungen und Segnungen des Heiligen Geistes stellen sich ein.
Früher gab es Fahrräder mit einem Hilfsmotor, heute gibt es die E-Bikes. Mit solchen Fahrrädern kann man in die Pedale treten und es geht los. Wenn dann Steigungen kommen, wenn uns unsere Kräfte verlassen, schalten wir den Motor ein. Manche Dinge können wir in unserem Leben schaffen. Wenn es uns aber zu schwer wird, wenn unsere Kräfte nicht ausreichen, können wir um den Beistand des Heiligen Geistes bitten. Gott gibt seinen Geist denen, die ihn darum bitten.

Hier sind die ausschlaggebende Faktoren kompakt zusammengefasst:

So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa, Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und wuchs durch den Beistand des heiligen Geistes.

Gott schenke auch uns seinen Kairos!
Amen

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