Figuren an der Krippe - Maria und Josef: Holzfiguren der hlg drei Könige, Maria, Josef, Jesus und Tiere.

Menschen an der Krippe – Joseph

Heute Morgen geht es mir um eine weitere Person an der Krippe, und zwar um den Menschen Joseph, den Ehemann der Maria. In der Konkordanz habe ich nachgeschaut, was von Joseph berichtet wird. Da sind dann natürlich Unmengen von Bibelstellen über den berühmten alttestamentlichen Namensvetter des Joseph, über den Sohn des Jakob, der es in Ägypten bis zum Statthalter gebracht hat. Auf den Zimmermann Joseph aber gibt es nur sehr wenige Hinweise. Meistens wird da (Lk 4,22; Joh 6,42; Joh 1,45) die Verbindung zwischen Jesus und Joseph beschrieben: Jesus, Sohn des Joseph von Nazareth. Der Zimmermann Joseph selber taucht nur am Anfang der Evangelien auf. Und diese Stellen habe ich mir aus der Bibel einmal heraus kopiert, um sie vergleichsweise im Konzept zu haben. Es sind nicht sehr viele Informationen.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Menschen an der Krippe – Joseph
Reihe
Menschen an der Krippe
Datum
10.12.2017
Länge
23:01
Bibelstelle
Diverse im Predigttext
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Predigt

1. Zur Person des Zimmermann Joseph

Wer also ist eigentlich dieser Joseph? Was bedeutet der Name Joseph?

Joseph – das heißt: “Er nimmt hinweg!” – und auch: “Er füge hinzu!”
Dies waren einst die Worte der Frau des Stammvaters Jakob, der Rahel. Als sie ihr erstes Kind bekommen hatte, einen Jungen, da rief sie: “Gott hat mir meine Schmach weggenommen!” – und: “Gott füge mir einen anderen Sohn hinzu.” (1. Mo 30, 23f) – sie sagte also “joschef” – und so nannte sie dann ihren Ältesten.
Joseph – “Er nimmt hinweg!” – und auch: “Er füge hinzu!”

Nun gut – aber wer war dieser Mann im NT, der Zimmermann Joseph? Zunächst ein kurzer Überblick:

Joseph, der Verlobte und spätere Ehemann der Maria, der Mutter Jesu Christi, war ein Davidide. So nannte man die Menschen in Israel, deren Stammbaum auf den großen König David zurückführbar war. Joseph aber ist ein schlichter Zimmermann. Er ist fromm und wartet auf die Erfüllung der messianischen Verheißungen. Er umgibt Maria mit reiner, rücksichtsvoller Liebe. Er ist gewissenszart, beherrscht und von einem männlichen Gerechtigkeitsgefühl beseelt. An der herben, wortkargen, männlichen Art seines Sohnes Jakobus (Jakobus 1,2: “Achtet für eitel Freude, wenn Ihr in mancherlei Anfechtung fallt.”) sieht man das Wesen des Vaters Joseph. Gott kann in Träumen zu ihm reden. Er gehorcht blindlings und sofort. So beschirmt er die Kindheit Jesu mit väterlicher Kraft und Fürsorge. Er könnte in den Jünglingsjahren Jesu gestorben sein, denn er tritt in der Geschichte nach dem Tempelgang mit dem zwölfjährigen Sohn völlig zurück. Aber wir wissen es nicht. Nur erwähnt wird er nicht mehr. Also nochmals mit biblischer Begründung:

1.1. Joseph ist Bauhandwerker und wohnt in dem wirtschaftlich aufblühenden Norden, wo er leicht Verdienst findet. Er weiß, dass die Heimat seiner Väter Bethlehem ist, wo er noch Grundstücke besitzt.

Zu jener Zeit ordnete Kaiser Augustus an, dass alle Menschen in seinem Reich gezählt und für die Steuer erfasst werden sollten.
Diese Zählung war die erste und wurde durchgeführt, als Quirinius Statthalter der Provinz Syrien war.
Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, jeder in die Heimatstadt seiner Vorfahren.
Auch Josef machte sich auf den Weg. Aus Galiläa, aus der Stadt Nazaret, ging er nach Judäa in die Stadt Davids, nach Bethlehem. Denn er stammte aus der Familie von König David.
Lukas 2, 1-4

1.2. Joseph ist ein frommer Mann, in dem die messianischen Verheißungen seines Volkes lebendig sind – denn Joseph ist Davidide.

Jakob zeugte Josef, den Mann von Maria. Sie wurde die Mutter von Jesus, der Christus genannt wird.Matthäus 1, 16

4 Denn Joseph stammte aus der Familie von König David.
19 Josef, ihr Mann, war fromm.
41 Die Eltern von Jesus gingen jedes Jahr zum Passahfest nach Jerusalem.Lukas 2, 4+19+41

1.3. Joseph ist gewissenszart, beherrscht und von einem männlichen Gerechtigkeitsgefühl beseelt

Mit der Zeugung von Jesus Christus verhielt es sich so: Seine Mutter Maria war mit Josef schon rechtsgültig verlobt; sie hatten die Ehe aber noch nicht vollzogen. Da stellte sich heraus, dass Maria ein Kind erwartete – durch die Wirkung des Heiligen Geistes.
Josef, ihr Mann, war großmütig und wollte sie nicht vor Gericht bringen. Deshalb hatte er vor, sich stillschweigend von ihr zu trennen.Matthäus 1, 18-19

1.4. Er gehorcht den Weisungen, die ihm Gott im Traume gibt

20 Während er noch hin und her überlegte, erschien ihm im Traum der Engel des Herrn und sagte zu ihm: »Josef, du Nachkomme Davids, scheue dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das Kind, das sie erwartet, kommt vom Geist Gottes.
21 Sie wird einen Sohn zur Welt bringen; den sollst du Jesus nennen. Denn er wird sein Volk von aller Schuld befreien. «
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.
25 Er hatte aber keinen ehelichen Verkehr mit ihr, bis sie ihren Sohn geboren hatte. Und er gab ihm den Namen Jesus.
Matthäus 1, 20-21 + 24-25

13 Nachdem die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum der Engel des Herrn und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten! Bleib dort, bis ich dir sage, dass du wieder zurückkommen kannst. Herodes wird nämlich das Kind suchen, weil er es umbringen will. «
14 Da stand Josef auf, mitten in der Nacht, nahm das Kind und seine Mutter und floh mit ihnen nach Ägypten.
15 Dort lebten sie bis zum Tod von Herodes.
19 Als Herodes gestorben war, erschien dem Josef in Ägypten der Engel des Herrn im Traum
20 und sagte: »Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und kehre in das Land Israel zurück; denn alle, die das Kind umbringen wollten, sind gestorben. «
21 Da stand Josef auf, nahm das Kind und seine Mutter und kehrte nach Israel zurück.
22 Unterwegs erfuhr Josef, dass in Judäa Archelaus als Nachfolger seines Vaters Herodes König geworden war. Da bekam er Angst, dorthin zu ziehen. Im Traum erhielt er eine neue Weisung und zog daraufhin nach Galiläa.
23 Er kam in die Stadt Nazaret und ließ sich dort nieder.
Matthäus 2, 13-23

Lassen Sie uns nun versuchen, von diesem Mann für uns zu lernen. Deshalb:

2. Joseph – ein Vorbild an Verantwortlichkeit

a. Eine klare Ethik

Joseph und Maria waren fest verlobt. Das heißt: jeder in der Umgebung, in der Familie und Nachbarschaft wusste: die beiden gehören fest zusammen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sie heiraten werden. Joseph will vielleicht noch ein wenig mehr Geld ansparen. Vielleicht wird er erst noch die unruhige Zeit der Volkszählung abwarten. Aber dann, klar, die beiden sind schon so gut wie ein Paar. Und erst wenn der Bräutigam die Braut heimgeholt hat – wenn also die Hochzeit vollzogen ist, dann ist die Ehe vollzogen.
Und Joseph und Maria – sie lebten vor der Heirat enthaltsam. Deshalb ist Joseph so erschrocken, als er irgendwann von Maria ins Vertrauen gezogen wird. Ein Kind? Aber sie sind doch noch nie wie Mann und Frau zusammen gewesen.

Ich möchte heute Morgen diesen Gesichtspunkt nur streifen. Aber es macht mich immer wieder nachdenklich, wie sehr heute auch in dieser Frage die persönliche Auffassung zweier Menschen ganz in den Mittelpunkt des Denkens rückt. “Für uns beide ist doch alles klar!” sagen die zwei jungen Leute. Und schlafen dann miteinander.

Für Joseph und Maria war alles damals mindestens genauso klar. Aber die beiden konnten mit Enthaltsamkeit vor der Ehe etwas anfangen, weil sie trotz ihrer Jugend verantwortlich lebten – vor den Menschen und vor Gott. Das hat sie offensichtlich prädestiniert als spätere Familie des Jesus Christus. Darüber bitte ich auch mal in diesem Zusammenhang über ein paar Fragen zur Partnerschaft nachzudenken.

b. Die Verantwortung für den anderen nicht gering achten

Joseph war damals sicher geschockt. Seine blutjunge Frau, gerade mal 14 Jahre alt, so wie das damals üblich war – und schwanger. Nicht von ihm, das wusste er genau. Aber – von wem dann? Hatte sie ihn betrogen? War sie verführt worden? Wie sollte er sich nun verhalten? Er hatte die Möglichkeit, sie zu verklagen. Damit würde sein guter Ruf wiederhergestellt. Für die junge Frau allerdings würde es das Aus bedeuten für immer. Sie würde vielleicht noch zur Mätresse taugen, falls man sie nicht gleich steinigte. Ihre Zukunft würde verpfuscht sein.
Aber – war das sein Problem? Schließlich hatte nicht er sich etwas zu Schulden kommen lassen. Maria war doch selber schuld. Sollte ihre Familie doch sehen, wie man mit dem Problem fertig wurde. So vielleicht dachte er in seiner ersten Enttäuschung. Aber dann dachte er weiter. Und schließlich entschied er sich, selber die Last zu schultern, bei Nacht und Nebel zu gehen und irgendwo neu anzufangen. Seine Liebe zu diesem jungen Mädchen hatte gesiegt. Maria würde neu anfangen können. Eine Steinigung jedenfalls würde er niemals zu verantworten haben.
Was für eine Persönlichkeit. Da fühlt sich einer für einen anderen Menschen weiter verantwortlich, auch wenn er selber sich als der Betrogene erleben muss.
Ist Joseph hier nicht ein Vorbild für mich und Dich? Für die Männer in diesem Raum? Was für ein Gegensatz zu dem, das wir heute in unserer kaputten Gesellschaft viel zu oft erleben. Da ist so oft soviel Grund, sich zu schämen – für die eigene Feigheit, oh ja; und für die Feigheit der anderen Männer. “Neue Männer braucht das Land” – so lautete einmal ein Song. Und neue Männer – die wären manchmal auch in den christlichen Gemeinden dringend nötig. Ich schäme mich manchmal auch für die christlichen Männer. Wenn sich einer aus der Verantwortung heraus stiehlt – egal was mit den anderen passiert – mit der Frau, den Kindern. Wenn Männer schwach und hilflos wirken, wo sie Mut und Verantwortungsgefühl zeigen sollten. Wo sie sich hinter Entschuldigungen verstecken. Joseph ließ seine Frau 11 Jahre später auch nicht allein zurück rennen nach Jerusalem, als sein Sohn Jesus als vermisst zu gelten hatte. Er suchte mit, er stahl sich nicht davon.

In meinem konkreten Alltag geht es meist ja nicht um Schwangerschaften, deren Erzeuger nicht mehr auszumachen sind. Aber, liebe Männer, wie ist das mit der Verantwortung für die schulischen Leistungen unserer Kinder? Wie mit unserem Engagement in Kindergarten und Elternversammlungen? Nicht nur wir haben einen harten Job. Unsere Frauen zuhause auch. Und die sind so oft so dankbar, wenn sie mal zuhause bleiben dürfen, während der Vater ihrer Kinder sich in einer Schulversammlung zeigt oder ein ernstes Wort mit einer Lehrerin spricht, oder die Hausaufgaben in Ruhe und nicht mit Gebrüll kontrolliert. Hier habe wenigstens ich als junger Vater ausreichend versagt. Ihr jungen Männer, macht es besser. Seid froh, wenn Ihr in Eurer Ehe nicht auf eine solche Probe Eurer Liebe gestellt werdet wie Maria und Joseph. Aber bemüht Euch doch darum, die kleinen Proben zu bestehen.

c. Joseph – einer, der in der zweiten Reihe gut leben konnte

Ich sagte zu Anfang, dass die Bibel den Zimmermann aus Nazareth irgendwann nach dem Auffinden des zwölfjährigen Jesus im Tempel nicht mehr erwähnt. Es ist nur eine Vermutung, dass Joseph gestorben sei. Maria und die Brüder des Joseph dagegen tauchen auch weiterhin auf. Einmal stören sie sogar eine Versammlung Jesu empfindlich, als sie Jesus nach Hause zurückzuholen versuchen.

Joseph aber stört das Leben und Wirken seines Sohnes nicht mehr. Im Gegenteil, als alles darum ging, von seiner Frau und seinem Adoptivkind Jesus jeden Anschein eines Makels fernzuhalten, ist er treu zur Stelle. Er verlässt seine Frau nicht, er erklärt Jesus eindeutig als seinen Sohn; und auch wenn ihm trotz seiner Träume und der freundlichen Nähe Gottes so manches unklar geblieben sein muss – er lebt mit Maria eine ganz normale Ehe und bekommt mit ihr etliche Kinder. Was Jesus betrifft, so spürt er in seiner Sensibilität, dass hier etwas ganz Besonderes passiert ist. Aber er dichtet kein Preislied, so wie seine junge Frau, aufgezeichnet in Lukas 1,46ff. Er rennt nicht irgendwann in der Gegend herum und macht allen deutlich, dass er der Vater dieses Wundertäters und vielgehörten Predigers ist, und dass er es ja schon vor der Geburt gewusst habe, dass ”der noch mal was ganz besonderes werden würde”, so nach dem Motto: “Ich kann Euch nicht alles sagen, aber wenn ich auspacken würde – ha, da würdet Ihr staunen!” Joseph ist nicht bei Bekanntwerden der ersten interessanten Wundernachrichten um seinen Adoptivsohn zur Redaktion der nächsten Gazette in Jerusalem gelaufen, zur “Bunten Antiken Illustrierten”, um dort seine Story für viel Geld zu verkaufen.

Er bleibt Zeit seines Lebens im Hintergrund des Hauptgeschehens, er macht die einfache Arbeit weiter. Nirgendwo ist von ihm eine enttäuschte Reaktion überliefert. Vielleicht hat er aufgrund seiner Träume – sollte er da noch gelebt haben – mehr von dem Geheimnis Jesu und von seinem Auftrag in der Öffentlichkeit verstanden als zeitweise die so vielgepriesene Maria. Die schließt sich dem Protest ihrer Kinder an und versucht, Jesus wieder an die Hobelbank zurückzuholen.

Ich möchte von Joseph eines lernen: Demut. Die liebevolle Demut eines Menschen, der im Hintergrund bleiben kann, während Himmel und Welt durcheinandergeraten.

Das ist ja gar nicht mehr so einfach in einer Zeit, in der alle nach vorne wollen ins Scheinwerferlicht, in egal welche Talkshow, Hauptsache, man wird gefragt. Fällt es Dir sehr leicht, zu erleben, wie in Deinem Betrieb oder in Deinem privaten Umfeld andere die Lorbeeren einheimsen, während Du in der zweiten oder dritten Reihe stehst? Wie andere ganz vorn stehen und du hinten? Wie man Dich nicht fragt? Aber sich jederzeit an Dich erinnert, wenn des darum geht, jemanden fürs Grobe zu finden? Einen, der die Drecksarbeit macht, während die anderen schon feiern?

Von Joseph höre ich im NT keine Klage. Nicht, als er den Befehl bekommt, für einige Zeit mit seinem Adoptivkind und mit Maria nach Ägypten zu ziehen. Da hatten die beiden ihm ganz schön was eingebrockt. Zu Hause wartete die Kundschaft sehnlichst auf seine baldige Rückkehr von seinem Volkszählungstourismus – und nun noch das. Keine Klage aber auch später, als Jesus ihn allein lässt, um durch Predigen und Wunderheilungen die Öffentlichkeit zu beeindrucken. Ein demütiger Mann, der immer für Gott da ist, wenn der ihn braucht. Und der an seinen Platz zurückkehrt, wenn kein Bedarf für ihn ist. Gott segne Dich und mich mit dieser Demut eines Joseph. Aber – vielleicht war ist er ja wirklich früh gestorben, nun ja. Aber – Du und ich, wir leben – und wir können noch lernen, auch von Joseph.

Zum Schluss – mich beeindruckt an Joseph seine Offenheit für Gottes Reden. Bestimmt war es auch damals zur Zeit Josephs nicht so üblich, jede Nacht eine göttliche Botschaft durch einen Traum zu erhalten. Joseph hat offensichtlich in seiner erwartungsvollen, aber schlichten Weise zur rechten Zeit hören können – und dann hat er einfach gehandelt, so wie Gott das wollte. Er hat – ein demütiger Mann – seine Träume nicht an die große Glocke gehängt; er hat getan, was nötig war. Und er hat dadurch dem Evangelium den größten Dienst getan zu seiner Zeit: er hat geholfen, das hilflose Jesuskind vor einer großen Gefahr zu bewahren.

Wie gut, wenn es auch heute, auch in unserem Kreis, solche Menschen gibt wie Joseph. Treu und demütig im Hintergrund, aber absolut zuverlässig im Tun des Willens Gottes. Gott segne uns mit diesen Menschen. Und er segne uns im Lernen von Joseph – Dich und mich.

Amen.

Ein Gedanke zu “Menschen an der Krippe – Joseph

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