Figuren an der Krippe - Maria und Josef: Holzfiguren der hlg drei Könige, Maria, Josef, Jesus und Tiere.

Menschen an der Krippe – Maria

Während ein Krippenteilnehmer namens Joseph, der Unbekannte, demnächst sicher etwas hervorgehoben werden soll, muss ich wohl Maria, die Vielgepriesene, heute morgen, was römisch – katholisch geprägte Ohren betrifft, erst einmal etwas zurücksetzen. Dazu gleich.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Menschen an der Krippe – Maria
Reihe
Menschen an der Krippe
Datum
03.12.2017
Länge
27:17
Bibelstelle
Diverse im Predigttext
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Predigt

1. Zur Person der Hausfrau Maria

Maria heißt auf Hebräisch “Mirjam” und – übersetzt gar nichts so Erfreuliches: “Bitterkeit, Betrübnis” – ein schwieriger Name für die Mutter des Sohnes Gottes. Verständlich aber, wenn wir bedenken, was diese Frau an ihrem Auftrag und an dem Schicksal ihres Sohnes gelitten haben muss, dessen Weg sie bis unters Kreuz mitverfolgt hat.
Wie hat ihr Leben ausgesehen? Was für ein Mensch war sie?

Im Überblick:

Maria ist die “reine, demütig gehorsame, glaubende, in den Verheißungen der Väter lebende, still besinnliche Magd, die von Gottes Gnade erwählt wird, die Mutter seines eingeborenen Sohnes zu werden. Sie erlebt in tiefer Freude, Mutter des Herrn Jesus zu sein, und sie jubelt sie in einem Psalm heraus. Sie hat an ihrem Sohn eine Stütze bis zu seinem 30. Lebensjahr und vertraut ihm ganz darin, dass er zu allen Sachen Rat weiß. Sie erlebt mit tiefem Schmerz, dass ihr Sohn ganz anders ist als sonst irgendein Mensch – und dass er ihrer mütterlichen Leitung entgleitet, weil er ganz auf seinen Vater im Himmel hört. Sie macht vergeblich den Versuch, ihn in den schützenden Kreis der Familie zurückzuholen – und muss ihn zum Kreuz ziehen lassen. Dort geht das Schwert durch ihr Herz, von dem der alte Simeon gesprochen hat. Sie ist zusammen mit Johannes, der Sohnesstatt an ihr vertritt, unter der Schar der ersten Jünger. So hat sie sich durchgerungen von der Mutterliebe zum Glauben an den Heiland.

2. Die Person der Maria im Einzelnen und mit Bibelstellen

2.1 Maria ist von Gott erwählt, Mutter des Sohnes Gottes zu sein.

Fürchte Dich nicht, Du hast Gnade bei Gott gefunden.Lukas 1,30

a. Sie ist rein und holdselig.

Wie soll das zugehen, zumal ich von keinem Manne weiß Lukas 1,34

Gegrüßet seist Du, Holdselige! Lukas 1,28

b. Sie lebt in den Verheißungen der Väter.

Er denket an die Barmherzigkeit, wie er geredet hat zu unseren Vätern, Abraham und seinem Samen, ewiglich. Lukas 1,54

c. Sie ist gläubig.

Bei Gott ist kein Ding unmöglich. Lukas 1,37

Selig bist Du, die Du geglaubt hast. Lukas 1,45

d. Sie ist demütig und gehorsam.

Er stößt die Gewaltigen vom Stuhl und erhebt die Niedrigen. Lukas 1,52

Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Lukas 1,48

Siehe, ich bin des Herrn Magd, mir geschehe, wie du gesagt hast. Lukas 1,38

e. Sie bewegt alles in ihrem Herzen

Maria behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Lukas 2,19

Seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Lukas 2,51

2.2 Sie erlebt die beseligende Freude, Mutter des Herrn Jesus zu sein, und jubelt sie in ihrem Psalm hinaus.

Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes, denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen, denn von nun an werden mich selig preisen alle Kindeskinder, denn er hat große Dinge an mir getan. Lukas 1,46

2.3 Sie traut Jesus, der ihre Stütze ist bis zu seinem 30. Lebensjahr, zu, dass er in allen Verlegenheiten helfen kann, so dass sie auch wunderliche Anordnungen befolgt.

Die Mutter Jesu spricht zu ihm: Sie haben nicht Wein. Johannes 2,3

Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Johannes 2,5

2.4 Maria erlebt, wie die Weissagung Simeons sich schrittweise erfüllt.

Dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird…und es wird ein Schwert durch seine Seele dringen. Lukas 2,34

Mein Sohn, warum hast Du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. Lukas 2,58

Weib, was habe ich mit Dir zu schaffen? Johannes 2,4

Es gingen aber hinzu seine Mutter und Brüder und konnten vor dem Volke nicht zu ihm kommen. Und es ward im angesagt: Deine Mutter und Brüder stehen draußen und wollen dich sehen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und Brüder sind diese, die Gottes Wort hören und tun. Lukas 8,19

Das das seine Familie hörte (nämlich dass sie vor dem Volk nicht Raum hatten zu essen) gingen sie aus und wollten ihn zurückhalten, denn sie sprachen: Er ist von Sinnen. Markus 3,21

Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter. Johannes 19,25

Der Herr sorgt für sie: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Danach zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter. Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. Johannes 19,26

2.5 Maria kommt von der Mutterliebe zum Glauben an den Erlöser.

diese waren alle stets beieinander mit Beten und Flehen samt den Frauen und Maria, der Mutter Jesu, und seinen Brüdern. Apostelgeschichte 1,14

Jesus erlebt also mit, was wir uns ja auch von ganzem Herzen wünschen: dass seine Geschwister und seine Mutter zum Glauben an ihn kommen und in der späteren Gemeinde dabei sind, ja sogar Verantwortung übernehmen, man denke nur an Jakobus, den Leiter der Jerusalemer Gemeinde.
(Es kann übrigens sein, dass man vor einigen Jahren das Ossuarium, d.h. den Knochenschrein dieses Mannes gefunden hat. Derzeit streiten sich ja die Wissenschaftler, was die Aufschrift darauf bedeutet: “Jakobus, der Sohn Josephs, der Bruder Jesu.” Interessant, nicht?)

3. Maria, die Mutter Gottes

Für einen evangelisch geprägten Menschen gibt es in der Marienfrömmigkeit der römisch-katholischen Kirche sehr vieles, was unverständlich und fragwürdig, ja: nicht biblisch abgesichert ist. Dort hat man innerhalb von zwei Jahrtausenden aus der Mutter des Herrn Jesus eine zweite Gottheit gemacht, die, zumindest in der Volksfrömmigkeit, der Person ihres Sohnes den Rang abgelaufen hat. Viele Menschen beten innigst zu Maria und erwarten größte Wunder von ihr – aber sie können kaum etwas anfangen mit Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Die Marienerscheinungen wundersamster Prägung sind Legion. Einige besondere Stätten wie Lourdes oder Vierzehnheiligen oder Tschenstochau haben Weltruhm erlangt. Wundertaten geschehen dort, warum auch immer. Aber sie schaffen kaum Glauben an den Auferstandenen, ja sie verwirren die Menschen oft nur in einer sich an diesen Zeichen nährenden falschen Marienverehrung.

Und erlauben Sie hier einige kritische Äußerungen. Ich schockiere manchen Katholiken immer wieder einmal, indem ich behaupte: Maria, die Mutter Jesu Christi, ist so tot wie meine Oma Martha – und sie ist so wirksam wie diese meine Oma in meinem Leben – nämlich überhaupt nicht. Maria wird einmal so wie meine gläubige Oma auferstehen, wenn die Posaunen des Gerichtes erschallen. Bis dahin wird sie genauso wenig heilspendend sein können wie Martha Ballon. Und jeder, der etwas anderes behauptet – und sei es eine ganz große und alte Kirche wie die in Rom – irrt nach meiner Überzeugung – und scheitert an dem Wort Gottes. Denn dort wird von einer Wirkkraft der Maria über ihren Tod hinaus nichts vermittelt.

Maria war eine wirklich einfache Magd. Sie war wenig gebildet, hatte aber das Herz an der richtigen Stelle. Sie dachte über viel nach, was ihren Sohn betraf. Aber Jesus rügt seine ganze Familie – wir haben davon gerade gelesen – wegen ihrer Ignoranz seinem Auftrag gegenüber. Und in der Urgemeinde in Jerusalem war sie sicher gern gesehen, aber nicht dauerhaft einflussreich. Sie hat noch etliche Kinder nach Jesus gehabt und eine normale Ehe mit Joseph dem Zimmermann geführt. In der Bibel sind keine Wunder von ihr überliefert. Erst in der Traditionsgeschichte der ersten Kirche kommt eine Legende zur anderen, eine Geschichte zur anderen. Es lässt sich, liebe Gemeinde, nicht anders sagen: Maria bleibt eine ganz normale Frau, die die Gnade empfangen hat, die Mutter Jesu Christi zu sein. Und sie wird durch den lebendigen Glauben an Jesus als den gekommenen Messias errettet. Damit aber erschöpft sich an ihr die Gnade Gottes – bis zum Jüngsten Tag.

Ich hoffe, es ist heute Morgen niemand hier, den das zu sehr irritiert. Dies ist ja immerhin ein evangelischer Gottesdienst in einer Freien evangelischen Gemeinde. Da sollten diese Wahrheiten klar sein. Wer es anders sieht – ich stehe nach dem Gottesdienst gern zu Gesprächen bereit.

4. Maria und ihre Bedeutung für uns – oder: bitte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten

Leider hat die evangelische Christenheit aus Angst vor der Mutter Gottes und dem damit verbundenen irrigen Glauben an ihre Wirk – und Wunderkraft den fatalen Fehler gemacht, sich ganz und radikal von dem Nachdenken über diese junge Frau und ihren schweren Auftrag zu trennen. Und damit dürften wir die Möglichkeit verloren haben, von den Berichten über Maria in der Bibel zu lernen. Denn so wie wir noch über Joseph nachdenken werden, so wollen und dürfen wir doch auch über Maria nachdenken. Was möchte uns Gottes Wort an Helfendem sagen durch den Blick auf die Person Maria, die Mutter des Herrn Jesus. Dazu noch ein paar Gedanken:

a. Das Verwundern über Gottes Größe

Maria hat einen wunderbaren Psalm gebetet, ja herausgerufen, nachdem ihr die Tragweite ihrer Schwangerschaft bewusst wurde. Maria hat nämlich erkannt, was ich in diesem Bild erläutern will; stellen Sie sich vor:

Das Flugzeug, in dem der große Staatsgast erwartet wird, rollt auf dem Flugfeld ein. Der rote Teppich wird ausgerollt. Die Blaskapelle spielt. Schwarz und elegant gekleidete Damen und Herren warten gespannt. Einer raschelt schon mit dem Konzeptpapier seiner wohl formulierten Rede. Alle Augen blicken gebannt auf die Ausstiegsluke des Düsenjet. Und während alle warten, speist der Stargast gutgelaunt im Imbissraum mit ein paar Kofferträgern. Er ist mit seinem alten verrosteten VW-Käfer bereits angekommen.

Deswegen, liebe Gemeinde, gerät Maria ins Psalmensingen: Gott macht seine Geschichte total anders, als alle es erwarten. Maria erkennt: Gott nimmt sich ja gerade der Unterdrückten, der Armen an. Gott tut es schon, indem er eine Maria erwählt. Und er wird es immer wieder tun – von der Geburt bis zum Kreuz wird das in den Evangelien deutlich: Gott erwählt die Niedrigen. Er ist bei den Unwerten, Ausgestoßenen, Sündigen – ob uns das nicht auch ermutigen kann zum Lob?

Vielleicht kennen Sie solche Augenblicke auch. Augenblicke, in denen nicht mehr das zählt, was mir sonst immer Angst macht, was so mächtig erscheint, was meinen Gott klein zu machen versucht. Sondern Augenblicke wie hier bei Maria, die in den Armen ihrer Cousine Elisabeth gelegen und von ihr gehört hat: „Wie glücklich kannst Du, Maria sein, weil Du geglaubt hast. Was Gott dir angekündigt hat, wird geschehen.“
In dieser Situation spricht es aus der Maria heraus: „Von ganzem Herzen preise ich den Herrn. Ich bin glücklich über Gott meinen Retter..“ usw.
Maria ist die erste, von der im Neuen Testament ein Anbetungslied überliefert ist. Von dieser Frau können wir lernen für unseren eigenen Lobpreis.

b. Das Lied der Maria erinnert uns daran, dass Gottes Geschichte mit uns weitergehen soll

Mit Maria konnte Gott seine Geschichte machen. Kann Gott sie auch mit uns machen? Sind wir noch demütig genug zusagen: „Siehe, ich bin Gottes Magd, Gottes Knecht, mir geschehe, wie Du gesagt hast!“
Ich habe manchmal Zweifel an mir selber und an uns, an unserer Demut, an unserer Selbstlosigkeit. Ich spüre soviel Egoismus, soviel Absicherung im eigenen Leben. So wenig Freude am Dienen, soviel Interesse an mir selber.
Kann Gott mit uns seine Geschichte weiterführen? Auch durchs Leiden hindurch, auch durch Ablehnung hindurch, durch den Hass, das Belächelt werden hindurch? Sind wir uns schon zu schade dazu? Jemand hat einmal gesagt:
„Nur der Arme hat Zugang zu Gott, der geistlich und geistig Arme – weil nur der Arme von sich selber weggeht und sich für Gott auftut.“
Und: „Wer alles weiß, hat und kann – mit dem macht Gott seine Geschichte nicht!“

Liebe Gemeinde,
gerade die Adventszeit will uns erinnern – erinnern daran, dass alles in dieser Welt vorläufig ist. Dass der wiederkommende Herr unsere Lebensbiographie bestimmen will. Dass das, was er uns in unser Leben hineinlegen will, dieses unser Leben wirklich reich macht. Die irdische Mutter unseres Herrn Jesus Christus hatte durchaus kein Bilderbuchleben zu führen. Aber sie führte es im Vertrauen auf einen Gott, der ihr die Gewissheit vermittelte: Du bist von mir gesehen; geliebt; gebraucht. Du bist von mir bewahrt.
Und diese Frau geht ihren Weg im Vertrauen auf einen Gott, der ihr den Blick auf einen am Kreuz hängenden leidenden Sohn nicht ersparen kann. – Deshalb höre einmal: was auch immer Du verloren hast; wie groß auch immer Dein persönliches Lebensleid ist oder noch sein wird – der Mensch Maria macht Dir und mir Mut, unsere Liebe zu Gott, unser Vertrauen auf Jesus Christus nicht wegzuwerfen, sondern in Liebe zu Christus zu leben und – ans Ziel zu kommen. Dieses Ziel hat Maria erreicht. Sie wird am jüngsten Tag auferstehen in Herrlichkeit – zum Jubel ihres Gottes. Bleib auch Du vertrauensvoll unterwegs. Christus bringt Dich ans Ziel, zur Auferstehung, zum Jubel. Es ist Advent. Gott segne Dich in diesen Wochen im Jahr 2017!

Amen

Ein Gedanke zu “Menschen an der Krippe – Maria

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