Figuren an der Krippe - Maria und Josef: Holzfiguren der hlg drei Könige, Maria, Josef, Jesus und Tiere.

Figuren an der Krippe: Ochse und Esel im Stall

In den staden vorweihnachtlichen Adventwochen sind sie in Oberbayern immer wieder zu bewundern, die schönen alpenländischen Krippen in der Anmutung eines Stalles. Mich faszinieren sie immer wieder, und wo ich eine Ausstellung vermute, da schaue ich einmal hinein.

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Ochse und Esel im Stall
Reihe
Menschen an der Krippe
Datum
24.12.2017
Länge
23:59
Bibelstelle
Jesaja 1,3
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

Jeder Ochse kennt seinen Besitzer, und jeder Esel die Futterkrippe seines Herrn. Israel aber will nicht begreifen, wem es gehört; mein Volk nimmt keine Vernunft an!

Predigt

Beeindruckend sind neben den schönen Krippenbauten die oft filigran gearbeiteten Krippenfiguren. Große, kostbare Gestalten; aber auch solche aus Pappe. Hirten kann man bewundern, Könige und Kamele, Maria und Josef, das Jesuskind. Und Engelchöre, die irgendwo im Gebälk der Scheune hängen oder sitzen und jubilieren. Karl Heinrich Waggerl hat’s ja beschrieben in seinen Weihnachtslegenden.

Zwei Gestalten dürfen bei keiner Krippenszene fehlen; sie gehören einfach zu einer gescheiten Krippenszene dazu: der Ochse und der Esel. So wie wir sie ja auch im alltäglichen Zusammenleben leider immer wieder finden.

Nun könnten Sie einmal in den biblischen Schriften nachschauen, die die Weihnachtsgeschichte nacherzählen; maßgeblich ist es das Lukasevangelium, das uns einen Blick in den Stall mit der Heiligen Familie erlaubt. Von Ochse und Esel werden Sie dort überhaupt nichts Lesenswertes finden. In den biblischen Berichten wird nirgendwo bezeugt, dass diese beliebten beiden Kreaturen der Geburt und dem Szenarium in der Heiligen Nacht zugesehen hätten. Aber gerade auf den Bildern alter Maler sind sie regelmäßig zu finden: der Ochse, der gütig seinen gewaltigen Kopf in eine beängstigende Nähe zum Jesuskind bringt; und der Esel, der sich einen Halm aus der Strohunterlage des Herrn einheimst. Warum? Die Maler wollten nicht etwa ihre Bilder mit phantasievollen Einzelheiten ausschmücken. Aber sie kannten ihre Bibel – und ihre Bilder sollten eben auch Botschaften vermitteln. Wenige Menschen konnten bekanntlich im Mittelalter lesen. Aber jeder konnte sich ein Bild anschauen und daraus die jeweilige Botschaft entnehmen. Deshalb hat man die ersten Kirchen der Christenheit so sehr ausgemalt mit Fresken. Die Bibel in Bildersprache konnte auch der Ungebildetste verstehen.
Der Ochse und der Esel erinnern nämlich an ein Bibelwort aus dem 1. Kapitel des Jesaja. Die beiden machen deutlich, warum Jesus Christus Mensch werden musste und wie wir Menschen Jesus recht begegnen. Es heißt in der Bibelstelle in Jesaja 1,3:

Jeder Ochse kennt seinen Besitzer, und jeder Esel die Futterkrippe seines Herrn. Israel aber will nicht begreifen, wem es gehört; mein Volk nimmt keine Vernunft an! Jesaja 1,3

Das war für Bauern und Hirten in Israel selbstverständlich: Jeder Ochse, jeder Esel kannte seinen Herrn. Für diesen Herrn musste er arbeiten. Und dieser Herr sorgte für sie.

Und nun stehen ein Ochse und ein Esel neben der Krippe. Wem sie wohl gehören? Maria und Joseph jedenfalls nicht. Die waren zwei arme Leut! Aber dass die beiden da stehen, das ist kein Zufall. Denn jedes Geschöpf gehört letztlich zu dem einem dazu – zu seinem Schöpfer. Zu Gott. Und der ist Mensch geworden und liegt in einer Krippe. Der Herrscher der Welt liegt in „Marien Schoß“.

Darum geht es in der Adventszeit und zu Weihnachten. Es geht eben nicht um ein paar freie Tage, um glänzende Kinderaugen und deutsche Gemütlichkeit allein. Da liegt ein Kind in der Krippe – und dieses Kind ist der Herr des Himmels und der Erden. An dieses Kind wurden und werden wir erinnert – auch in der Advents – und Weihnachtszeit 2017. Und wir sollen uns durch Ochse und Esel fragen lassen: Habe ich begriffen, dass dieses Kind auch mein Herr ist? Habe ich das erkannt? Wird davon mein Leben geprägt?

Nun stehen also Ochse und Esel an der Krippe des Jesuskindes. Nur: warum werden gerade sie uns als Beispiel vorgehalten? Es gilt ja bei uns nicht gerade als Kompliment, für einen sturen Ochsen oder einen dummen Esel gehalten zu werden. Andererseits: jeder Bauer in Israel wusste auch, wie stark und mutig Stiere sind. Und wie schlau, geduldig und treu ein Esel ist. So dumm sind sie gar nicht, der Ochse und der Esel. Denn das wussten die Bauern damals auch: Ein losstürmender Stier ist nicht mehr aufzuhalten. Und ein Esel, der nicht mehr weitergehen will, der bleibt eben stehen. Da hilft nichts. Da kann ein Knüppel über ihm zerschlagen werden. Er steht.

Und wir Menschen? Wir sind ja viel mehr als Ochse und Esel. Wir sind begabt mit Einsicht, Verstand und Gewissen. Und nun kommt unser Herr zu uns, in die Krippe. Wie verhalten wir uns da? Die Bürger von Bethlehem hatten keinen besseren Platz für ihn als eine Krippe. Der König Herodes wollte das Kind töten, und seine Soldaten haben befehlsgemäß ein Blutbad in Bethlehem angerichtet. Die Leute in Jerusalem schrien: Kreuzige ihn. Und Pilatus ließ ihn in Feigheit hinrichten. Und wir? Die allermeisten Menschen gehen heute ihren Weg, ohne nach ihrem Herrn zu fragen. Daran ändern auch überfüllte Gottesdienste wie an jedem Heiligen Abend nichts.

Sicherlich haben die Kritiker zunächst einmal recht – für den grübelnden Verstand gibt es manche Fragen an der Krippe von Bethlehem. Aber wenn uns das klar wird, dass wir hier an der Krippe Jesu zum Gehorsam, zur Demut und zur Nachfolge gerufen werden – wollen wir das dann tun? Wollen wir uns einlassen auf die Begegnung mit dem Retter der Welt und unseres Lebens, so klein er da in der Krippe jetzt auch noch erscheinen mag? Oder wehren wir uns? Wehren wir uns gegen Jesus Christus, weil wir misstrauisch sind und lieber selber die Herren unseres Lebens bleiben wollen?

Nun mag man einwenden: es ist ja kein Wunder, dass der Esel die Krippe seines Herrn kennt. Er weiß, dass es hier gutes Futter gibt, Hafer, vielleicht auch einmal eine Handvoll Datteln. Es geht dem Esel doch gar nicht um den Herrn selber – es geht ihm um die volle Krippe, um das Futter.

Dieser Einwand hat recht. Es geht tatsächlich ums Futter. Es geht damit aber auch um das, was jedes Lebewesen notwendig zum Leben braucht. Auch wir Menschen. Und es geht um den Herrn, der uns genau das schenkt.

Denn: Wenn der Esel die Krippe seines Herrn so gut kennt und so sehr schätzt, dann hat er doch eigentlich einen ganz guten Herrn. Der kümmert sich um sein Tier. Der gibt ihm, was es braucht. Er vergisst es nicht.

Und wir Menschen? Wir haben den besten Herrn, den man sich vorstellen kann. Das ist Jesus Christus. Er kümmert sich um uns. Wir liegen ihm am Herzen. Er hat uns lieb. Er ist ein guter, fürsorglicher Herr. Ja, am Karfreitag stirbt er für unsere Schuld, damit wir die Begegnung mit dem lebendigen Gott dermaleinst überleben können.

Deshalb aber ist es doch nicht nur egoistische Berechnung, wenn ich mich an seine Krippe halte. Ich suche seine Nähe, ich höre seine Stimme unter den vielen Stimmen, die mich umgeben, und folge nur ihm. Das ist doch eigentlich selbstverständlich. Es ist Dankbarkeit. – Wer einen solchen Herrn hat, der bleibt nicht nur bei ihm, weil der ihn beschenkt. Er bleibt bei diesem Herrn lebenslang – aus Dankbarkeit.

Und wieder fragen uns der Ochse und der Esel und sehr direkt: Bist Du wirklich einer, der Jesus Christus dankbar ist für all das Gute, das er Dir im Leben geschenkt hat? Und – folgst Du diesem Herrn nach? Darf er in Deinem Leben – Herr sein?

Es sieht alles so gemütlich und warm aus bei den Krippendarstellungen. Nichts scheint da bedrohlich zu sein: zwei Menschenfiguren mit ihrem Kind, umgeben von Hirten und Königen, daneben ein paar Schafe, und eben ein Ochse und ein Esel im Stall. Diese Szene eingebettet den Stadel eines oberbayerischen Bauernhauses. Das wirkt sehr anheimelnd. Nur – vor 2000 Jahren war das eine bittere Überlebensrealität. Sie hätte ein vernünftiges Bett verdient, die Maria, und ein ordentliches Dach über dem Kopf. Stattdessen ging es ums nackte Überleben in einer Krippe.

Und wir vergessen zu schnell, auch bei dem Blick auf Ochse und Esel: in dem allen geht es wirklich um Leben und Tod. Wenn der Esel die Krippe seines Herrn verlässt und nicht mehr dorthin zurückfindet, dann geht ihm irgendwann das Futter aus. Er mag noch an manchem Tag an irgendeinem Straßenrand was zu fressen finden. Aber irgendwann kommt der Hunger, die Schwäche, der Tod.

Uns Menschen geht es übrigens gar nicht anders damit. Wer Jesus hat, hat einen überaus fürsorglichen Herrn. Er wird geliebt, geführt, bewahrt. Er ist geborgen mit seinem kleinen Leben in einer großen Welt. Wer aber an ihm vorbeigeht, wer von ihm wegläuft und nicht mehr zurückfindet, der wählt, das sagt die Bibel ganz deutlich – der wählt den Tod.

Es singt sich zu leicht zur Weihnachtszeit: „Welt ging verloren, Christ ist geboren“, oder: „Christ, der Retter ist da.“ Wir sollten nicht überhören, dass es dabei dann doch um Leben oder Tod geht, um Verlorensein und Rettung.

Das Thema des Advent und der Weihnachtszeit ist immer schon eine Frage ans Überleben gewesen. Denn Gott als der Schöpfer der Welt steigt nicht aus der Sicherheit seines Himmels herab in eine Krippe mit ein paar Haustieren, wenn es nicht alles gälte. Es stand alles auf dem Spiel damals. Und am Ende wird dann deutlich, worauf alles hinausläuft: das Kind in der Krippe bekommt es am Ende mit einem anderen Holz zu tun: es wird an ein Kreuz genagelt. Und unter dem Kreuz stehen dann nicht Ochse und Esel, sondern verzweifelte weinende Frauen und Jünger.
Weihnachten heißt: Gott bietet Dir und mir das Leben an. Und die Alternative ist nicht irgendetwas, sondern das Tödliche, die Eiseskälte einer gottverlassenen Welt. Wie diese Welt aussehen kann, erleben wir ja tagaus tagein mit in den Schreckensszenarien, die sich in unserer Gegenwart in den verschiedenen Teilen der Welt abspielen.

Der Ochse und der Esel an der Krippe fragen uns Menschen zu Weihnachten 2017 vielleicht heute Abend: Willst Du ohne Jesus Christus weiter auf dem falschen Weg weiter rennen oder mit ihm gerettet werden?

Willst Du weiter herumsuchen nach Essbarem, nach Lebenswertem für Dein Leben; oder willst Du an Jesu Krippe stehen und von ihm alles empfangen, was Du zum Leben brauchst?

Mach Dir die Antwort nicht zu leicht. Versteck Dich nicht hinter Krippenidylle, dem Weihnachtsbaum oder einem so schönen Abend wie dem heutigen.

Jesus Christus sucht einen Ochsen oder Esel wie Dich und mich, um uns wirklich Lebenswertes zu schenken. Er möchte Frieden mit mir und Dir machen, indem er uns befreit von allem, was uns Angst und Sorge macht. Er lädt uns dorthin ein, wo er ist – in seine Gegenwart und Liebe. Machst Du mit? Kennst du die Krippe Deines Herrn? Und – folgst Du ihm nach?
Gott segne heute abends jeden, der hier sitzt – mit seiner Liebe und seinem Ruf an seine Krippe des Lebens.

Amen

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