Geschenk als Symbol für das Geschenk Gottes

Weihnachten – Gottes Geschenk an uns

Es gibt keine schönere Schilderung der Geburtsgeschichte Jesu als die bei Lukas. Lassen Sie uns deshalb heute Morgen bei Lukas 2,1-20 bleiben. Dabei wollen wir über diese uns so vertraute Geschichte und Gottes Geschenk derart nachdenken, dass wir sie im Zusammenhang des gesamten Lukas – Evangeliums sehen. Jeder der vier Evangelisten hat über Jesus aus seiner persönlichen Sicht berichtet und das festgehalten, was ihm selber und im Blick auf seine Leser besonders wichtig erschien. So auch Lukas. Schon in seiner Weihnachtsgeschichte erkennen wir Züge, die für sein gesamtes Evangelium bezeichnend sind.

Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Weihnachten – Gottes Geschenk an uns
Reihe
Datum
26.12.2017
Länge
15:10
Bibelstelle
Lukas 2, 1-20
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

1 In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
2 Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien. 3 Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
4 So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. 5 Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.
6 Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, 7 und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.
8 In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. 9 Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, 10 der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: 11 Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. 12 Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.
13 Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:
14 Verherrlicht ist Gott in der Höhe / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade.
15 Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Bethlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ.
16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. 17 Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 18 Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten.
19 Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach.
20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.

Predigt

1. Gott beginnt mit Jesus eine neue Menschheitsgeschichte

Um die Bedeutung der Geburt Jesu besser zu erfassen, schauen wir einmal in den Stammbaum Jesu – steht in Lukas 3. Dort finden wir eine Unmenge an Namen. Wichtig ist dabei der letzte Name ganz am Schluss des Stammbaums. Vers 38 sagt:

Enosch, Set, Adam; (der stammte von) Gott.

Wenn wir diesen Stammbaum mit dem bei Matt vergleichen- und wer mag, kann das heute Nachmittag einmal tun – dann fällt uns ein bedeutsamer Unterschied auf: Matthäus verfolgt die menschliche Herkunftslinie Jesu bis zu David und Abraham. Seine Leser leben in Palästina. Sie sollen wissen: Jesus ist der Sohn Davids, der erwartete Messias Israels. In ihm erfüllen sich die alttestamentlichen Weissagungen.

Lukas dagegen schreibt für Nichtjuden, für Menschen mit grie Prägung wie Theophilus. Er richtet sich also an Menschen mit heidnischer Lebens – und Denkweise. Deshalb muss Lukas noch weiter zurück, weit hinter David. Er geht bis zum ersten Menschen, zu Adam. Und er sagt damit: Alle, Juden und Heiden, alle Menschen haben Jesus nötig. Für beide ist er gekommen. Er ist Heiland der ganzen Welt. Er will allen Menschen gehören.

Um das zu verdeutlichen, spricht die Bibel auch von der Adam-Christus-Typologie. Da versucht Pls in Rö 5 klarzumachen: Weil durch Adam die Sünde und der Tod in die Welt hineingebrochen sind, sind alle Menschen davon belastet. Und dann macht Pls deutlich: Durch Jesus wird nun umso wirksamer die Vergebung und das Leben allen Menschen angeboten.
Lukas sagt das so:
„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.“
Er ist der Heiland aller Menschen, mit dem Gott eine neue Heilsgeschichte beginnt. Deshalb spricht der Engel im Evangelium des Lk von der großen Freude. Jesus ist der Heiland aller Welt. Und das ist dem Lukas wichtig zu betonen. Das macht er auch in seinem Evangelium deutlich, z.B. wenn er später davon berichtet, dass Jesus einmal in einem samaritanischen Dorf um Unterkunft bittet. Jesus überschreitet die volkseigenen und religiösen Grenzen.
Und spätestens in Apg 2, 9-11 in der Pfingstgeschichte wird deutlich: Gott formt eine neue Menschheit, nämlich: die Gemeinde Jesu Christi. Sie ist das Ziel allen Handelns Gottes in Christus. Und sie ist für alle da, die Jesus lieb haben. Sie kennt keine Nationalstaaten oder Stammesgrenzen. Jeder, wirklich jeder Mensch zu allen Zeiten kann zu dieser Gemeinde Jesu gehören, wenn er das wirklich will.

2. Jesus ist der Heiland der Armen

Die Weihnachtsgeschichte des Lk zeigt nicht nur, dass Jesus die volkseigenen und religiösen Grenzen überschreitet, sondern auch die Grenzen innerhalb der Gesellschaft. Er hebt die Grenzen zwischen Arm und Reich auf, zwischen Angesehenen und Verachteten. Jesus tritt besonders an die Seite der Benachteiligten. Einige Beispiele:

a. Seine Wertschätzung der Frau

Den Frauen gab man damals das Gesetzesbuch nicht in die Hand, da nicht einmal sicher schien, ob eine Frau eine Seele hätte und für das Reich Gottes tauglich sei. Nun aber wird eine Frau angeredet: „Sei gegrüßt, du Begnadete. Der Herr ist mit Dir!“ Und in der Weihnachtsgeschichte wird Maria vor Josef genannt. Hier wird deutlich: Bei Jesus ist die Frau wertgeschätzt und geliebt. Und es ist wiederum Lukas, der berichtet, Jesus habe sich von Frauen begleiten lassen, und sei im Hause der Maria und Martha eingekehrt. Die Probleme, die wir mit der Frauenfrage in unseren Gemeinden manchmal erzeugen, sind, auch von der Weihnachtsgeschichte her, unberechtigt. Für Jesus war damals – vergleichsweise – im Umgang mit Frauen in der Jüngerschaft mehr möglich als bei uns heute.
Jesus ist der Heiland der Armen und Geringgeachteten.

b. Jesus achtet auch die Hirten

Es begegnet uns nirgendwo im NT ein abfälliges Urteil über den Hirten. Im Gegenteil, in den Evangelien wird seine Bundestreue gelobt. Im Gleichnis vom verlorenen Schaf sieht Jesus sich selber als Hirten, als guten Hirten. Damit sind die Schilderungen des NT ein krasser Gegensatz zur Zeit Jesu. Denn damals waren die Hirten im Judentum verachtete Leute, denen man nichts abkaufen sollte, weil nie sicher war, ob man nicht Gestohlenes erwarb, Hehlerware, sozusagen. Hirten durften weder Zeugen noch Richter sein.

Und nun sagt Lk in der Weihnachtsgeschichte: gerade diesen Menschen, diesen Hirten, wird die Geburt Jesu zuerst und vor allem anderen angekündigt. Gerade sie sind die ersten Zeugen des Kindes. Das alles macht also deutlich:

c. Jesus sieht in den Verachteten die wertvollen Menschen

Auch das wird im Lukas sehr klar vermittelt: Verachtet waren auch die Zolleinnehmer. Und als Jesus später, als junger Wanderprediger, auf dem Weg durch Jericho war, kehrte er unter dem Protest der scheinbar Frommen und Hochanständigen in das Haus des betrügerischen und gehassten Zachäus ein.

Von einer stadtbekannten Dirne ließ sich Jesus die Füße waschen und zum Ärger der Zuschauer auch noch salben. Die bekannten Gleichnisse vom verlorenen Schaf, vom verlorenen Groschen und dem verlorenen Sohn finden sich nur bei Lukas und sonst bei keinem anderen Evangelisten.

Jesus ist der Heiland der Armen und Verachteten. Ein Viehstall ist sein Geburtsort. Ein Futtertrog ist dass Erkennungszeichen für die Hirten. Jesus bevorzugt die Welt der Armen und warnt die Reichen davor, den Reichtum an die erste Stelle im Leben zu setzen; man denke an das Wort vom Kamel und dem Nadelöhr.

Der Akademiker Lukas also, der einer hochgestellten Persönlichkeit, eben dem Theophilus, sein Evangelium widmet, predigt Jesus als den Heiland der Armen. Das muss uns zu denken geben, wieder zu denken geben in einer Zeit, in der viele Christen sich schämen, mit Menschen Umgang zu haben, die unter ihnen stehen – sozial, intellektuell, gesellschaftlich. Wer Sozialempfänger ist und nicht gleichzeitig Flüchtling, der hat´s schwer, oft auch in der Gemeinschaft der Christen. Lk sagt: Jesus ist der Heiland der Armen.

3. Jesus ist die Mitte der Zeit

Weil es dem römischen Kaiser gefiel, Steuerlisten anfertigen zu lassen, musste die hochschwangere Maria eine gefährliche Reise von Nazareth nach Bethlehem machen. Weil zu viele Menschen dort zusammengeströmt waren, musste Jesus mit einem Viehstall vorlieb nehmen.

So ist die Geschichte Jesu von Geburt an mit der Weltgeschichte verflochten. Die Geschichte Gottes, die Heilsgeschichte, fließt ein in die Weltgeschichte. Und manchmal sieht es so aus, etwa bei der Weihnachtsgeschichte, als ginge die Geschichte Gottes in der Geschichte dieser Welt unter, als bliebe nichts mehr übrig als Zensus und Kindermord und Römisches Reich.

Aber wenn Lukas als einziger neutestamentlicher Schreiber Namen von römischen Kaisern erwähnt – den Tiberius in Kap 3,1 und den Augustus in unserem Abschnitt Kap 2, dann heißt das für ihn gerade eben nicht: die Gottesgeschichte geht in der Weltgeschichte unter, sondern: die Gottesgeschichte wird Weltgeschichte, und Christus ist der Herr der Geschichte. Während Augustus sich als göttlicher Römer und als Heiland des ganzen Menschengeschlechts in Rom feiern lässt, beten weise Männer scheu den neugeborenen König aller Könige in Bethlehem in einem Stall an. Und die Hirten preisen den Heiland der Welt. Die Geburt Jesu bedeutet: Zeitenwende! Sein irdisches Leben fällt in die Mitte der Zeit!

Denn mit Johannes dem Täufer ist eine Epoche zu Ende gegangen; mit Jesus hat eine neue Zeit begonnen; ihm folgt aber die Zeit der Gemeinde. Und alle Kaiser und Weltreiche werden von dieser Zeitenwende an gerechnet: „vor Christus“ – „nach Christus“. Gottesgeschichte wird, wie Lk deutlich macht, Weltgeschichte. Weihnachten heißt:

  • Gott beginnt in Jesus eine neue Menschheitsgeschichte.
  • Jesus ist der Heiland der Armen
  • in seiner Stellung zu den Frauen
  • in seiner Achtung der Hirten
  • in seiner Wertschätzung der Verachteten
  • Jesus ist die Mitte der Zeit.

Es wird demnächst einmal wiederum ein Datum der Weltgeschichte sein, an dem Christus seine Herrschaft sichtbar durchsetzen wird. Jesus Christus meldet seinen Herrscheranspruch an die Welt und die Weltgeschichte an, und er wird diesen Anspruch sicher durchsetzen, bis sich alle vor ihm beugen und bekennen werden: „dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters“ so Phil 2,11. Dann wird niemand, auch nicht im hintersten Winkel unseres Planeten, übersehen oder überhören können: Gott kommt zu uns. Der erhöhte Christus kommt wieder. Maranatha. Herr komme bald!

Gesegnete Weihnachten 2017!

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