Baum mit Ästen. Symbolbild zum Thema "gehorchen"

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen…

Da stehen um das Jahr 33 nach Christus ein paar Apostel vor dem Sanhedrin, dem Staatsgericht der Juden. Noch in der Nacht vorher waren sie im Gefängnis gewesen. Ein Engel war erschienen und hatte sie befreit. Statt sie aber nun in ihre Verstecke zu schicken, befiehlt Gottes Bote ihnen: „Geht in den Tempel und tut, was Ihr bisher getan habt – bezeugt Gottes Frohe Botschaft.“ Die Behörden sind am nächsten Morgen sehr verlegen. Sie bitten die Apostel wieder zu sich – denn man hat Angst vor einem Aufruhr – und ermahnt sie nochmals deutlich: „Schweigt! Warum macht Ihr diesen Aufruhr in der Stadt?“

Und dann fällt dieser Satz: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ Und das heißt: Wir lassen uns nicht verbieten, unserem Glauben an Jesus Worte zu geben und von dem Auferstandenen zu sprechen. Denn: Er selbst hat es uns so geboten. Und Gottes Wort schneidet Menschenwort!

Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen…
Reihe
Datum
28.01.2018
Länge
27:15
Bibelstelle
Apostelgeschichte 5, 29 – 33 + 40 – 42
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

29 Petrus und die anderen Apostel erwiderten: »Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen! 30 Der Gott unserer Vorfahren hat Jesus, den ihr ans Kreuz geschlagen und getötet habt, von den Toten auferweckt. 31 Gott hat ihn durch seine Macht zum Herrscher und Retter erhoben, damit das Volk Israel zu Gott umkehren kann und ihnen ihre Sünden vergeben werden. 32 Das werden wir immer bezeugen und auch der Heilige Geist, den Gott allen gegeben hat, die ihm gehorchen.« 33 Diese Worte versetzten die Mitglieder des Hohen Rates in maßlose Wut, und sie wollten die Apostel hinrichten lassen.

[…]

40 Man rief die Apostel wieder herein, ließ sie auspeitschen und verbot ihnen noch einmal, in der Öffentlichkeit zu sprechen und sich dabei auf Jesus zu berufen. Dann wurden sie freigelassen. 41 Die Apostel aber verließen den Hohen Rat voller Freude darüber, dass Gott sie dazu auserwählt hatte, für Jesus Verachtung und Schande zu ertragen. 42 Sie lehrten weiterhin jeden Tag öffentlich im Tempel und auch in Häusern und verkündeten, dass Jesus der Christus ist, der versprochene Retter.

Predigt

Diese Worte sind ein Signal – ein deutliches Signal für mutigen Widerstand – Widerstand gegen menschlich angemaßte Autorität, und zwar da, wo Gottes Ordnungen menschliche Ordnungen schneiden. Diese Worte sind ein Aufruf zum Widerstand im Namen Gottes.

Nur – zunächst sagen sie einmal etwas zum Gehorsam gegenüber Menschen. Und allein das ist für viele Zeitgenossen ein ärgerliches Wort. In einer Zeit, in der sich alle möglichen Autoritäten auflösen, in der – wahrlich nicht ohne Grund – eine Politikverdrossenheit sondergleichen sich breit macht und Führungspersönlichkeiten Anlass zu Lächerlichkeit geben, in solch einer Zeit ist Gehorsam ein unbeliebtes Wort. „Ich bin mein eigener Herr“, sagen wir. „Niemand darf mich in meiner Freiheit beschneiden!“ Und wir reagieren wütend und arrogant, wenn der Staat als Ordnungsmacht in unser Leben eindringt.

Also: diese Verse betonen zunächst einmal einen unverbrüchlichen Sachverhalt: ohne Ordnungen und Gesetze herrscht ein Chaos. Ohne Autoritäten versinken Gesellschaften im Egoismus des Einzelnen! Haben Sie noch ein positives Verhältnis zu staatlicher Ordnung und Autorität? Es gibt genügend Stellen im NT, wo staatlicher Autorität ihr Platz gesichert wird. Christen haben Verantwortung für ihre Regierung, ihr Staatsgebilde, ihre Ordnungen!

Und das muss erst einmal klar sein, bevor wir hören: Widerstand! Beten Sie nur regelmäßig für unsere Regierung und unsere Politiker. Die haben es wirklich nötig, auch die königlich – bayrischen. Und ganz aktuell die in Berlin.

Dann aber heißt es in der Tat: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen! Widerstand im Namen Gottes – und das heißt: Schwimmen gegen den Strom in seinem Auftrag. Gewaltlose Auflehnung gegen sündige Strukturen der Ordnungsmacht. Also:

1. Vorsicht – die Harmonie wird gefährdet!

Wir leben in einer Generation, die das private Wohlergehen sehr in den Vordergrund rückt. Wir wollen unsere Ruhe in unseren vier Wänden, in unserem Ort, in unserem Freistaat. Wir scheuen politische Auseinandersetzungen. Sie stören die Harmonie unseres Weltbildes. Schreckliches mag ich im Fernsehen anschauen, aber doch nicht auf meinem heimatlichen Marktplatz.

Kein Wunder, dass alle modernen religiösen Strömungen genau dieses Bedürfnis nach Harmonie ansprechen. Religionskämpfe gehören doch ins Mittelalter. Das tolerante Gespräch ist angesagt! Alles hat doch eine gemeinsame Wurzel! Liebt einander, dann wird alles gut! Und: Lasst mir meine Ruhe! Ich will die Harmonie!
Dieser Begriff wirkt auch in der Gemeinde Jesu. Auch dort gilt schnell: Nur ja nicht die Harmonie gefährden. Nur ja nicht anecken. Nicht in der Gemeinde. Aber auch nicht als Gemeinde. Denn: Vorsicht! Die Harmonie ist gefährdet!

Warum verlieren die Kirchen heute immer mehr an Profil in unserer Gesellschaft – sofern sie es überhaupt noch haben? Weil die Christen den Mut verloren haben zu klaren biblischen Aussagen zu brennenden Fragen unserer Zeit! Politiker und Manager namhafter Wirtschaftsunternehmen ringen die Hände und sagen: „Sagt Ihr Christen uns doch: Was sollen wir tun? Wie sollen wir entscheiden? Was ist richtig? Was brauchen die Menschen?“

Und die Kirchen – verhaspeln sich, verstecken sich hinter windelweichen Allgemeinplätzen und fadenscheinigen Interpretationen. Und ich will die Freikirchen da nicht so einfach herausnehmen. Das Bemühen um Anerkennung beim großen Bruder „Lutherische Landeskirche“ treibt auch hier manchmal lustige Blüten.

Aber: Vorsicht! Harmonie gefährdet. Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Diese Worte wirken unpassend und störend! Nur: Kann es sein, dass diese wenigen Worte zum Leitspruch der Gemeinde Jesu in den ersten Jahrzehnten dieses neuen Jahrtausends werden müssen – um Gottes und seines Wortes Willen? Ich persönlich glaube das.

Aber: fragen wir konkret: Wo geht uns das alles selber an? Wo haben wir, wenn wir’s ernst meinen und Jesus vertrauen, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen?
Wir werden immer wieder manche Möglichkeiten und Notwendigkeiten wahrnehmen.

2. Achtung: Widerstand angesagt!

In Schweden wurde vor einigen Jahren ein Geistlicher staatlicherseits verurteilt, weil er durch Ethikaussagen von der Kanzel aus den entsprechenden Toleranzparagraphen außer Acht gelassen hatte, der Minderheiten, z.B. homosexuell geprägte Menschen, schützen soll. Im Rahmen der EU wird auch die deutsche Gesetzgebung hier immer mehr nachziehen. Wie reagieren Christen hier, wenn ein Widerspruch zu Aussagen des Wortes Gottes entsteht? Was bedeutet das dann in unserem Land: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen! ?
Was heißt das in Bezug auf die sich wieder verstärkende Ausländerfeindlichkeit einer Minderheit in unserem Land, die selbst Verbrechen einsetzt, um Ausländer einzuschüchtern?

Ich war entsetzt zu lesen, wie groß der Antisemitismus in Frankreich auf dem Lande und in den großen Städten aktuell ist. 60 Prozent der jüdischen Bürger dort denken an die Auswanderung nach Israel. Und es gibt kaum positive Unterstützung durch die Bevölkerung.

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen – das heißt ja nicht nur: Widerstand gegen die Obrigkeit! Es heißt auch Widerstand gegen die herrschende Volksmeinung, wenn sie den Ordnungen Gottes widerspricht!

Und bitte: Das erscheint mir noch schwieriger als das erste! Die Obrigkeit sitzt in München oder Berlin! Die öffentliche Meinung aber umgibt uns in unserem Ort! Gegen den Strom schwimmen – wird’s mit Gottes Hilfe gelingen?

  • Weiter: Wie ist das mit der Wahrhaftigkeit im Umgang mit Menschen und Dingen unser Umgebung? Wie oft schweigen wir, um die Harmonie nicht zu gefährden?
  • Wie ist das mit unkorrekten Abrechnungen von Überstunden und Spesen?
  • Wie ist das im Umgang mit Kunden, die man durch falsche Angaben zur eigenen Absatzsteigerung gewinnen kann?
  • Wie ist das mit falschen Erklärungen gegenüber dem Finanzamt und Versicherungen?
  • Wie antworten wir als Christen einer FeG auf die Frage nach dem Verhalten der Partner vor der Ehe? Gottes Wille ist trotz der veränderten gesellschaftlichen Werte immer noch klar und deutlich: Intimes gehört in eine vorm Standesamt geschlossene Ehe – ob das meinen Nachbarn und Freunden gefällt oder nicht! Und die Harmonie ist gefährdet, wenn wir hier Stellung beziehen!
  • Oder wie ist das mit der Verantwortung für die Gefühle eines anderen Menschen, wenn ich mich am Strand halb oder ganz unbekleidet zeige? Ich kann die Veränderung in meiner Gesellschaft nicht verhindern – aber ich kann durch mein Verhalten reden, indem ich deutlich mache: ich denke weiter – aus Liebe zum anderen Menschen und seinen Gefühlen!

Denn eines müssen wir sehen: die Volksmeinung winkt überall hier doch weithin ab. Das alles ist doch legitim, salonfähig. Das ist im Ehrenkodex eines Bundesbürgers insgeheim doch längst verankert!

Ich muss doch heute im Umgang mit dem allen schon darauf bestehen, dass es mit rechten Dingen zugeht! Wenn ich eine Rechnung erbitte, dann wird wie selbstverständlich gefragt: „Was soll ich schreiben, bitte? Büroartikel?“

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen! – werden wir das durchhalten – auch gegen die öffentliche Volksmeinung: bei der Wahrheit zu bleiben – aus Liebe zu Jesus?

– Und zuletzt: Wie ist das mit der Auflösung der Ehe und der „lebenslangen Treue“? Immer häufiger trifft jemand auf verwunderte und auch spöttische Blicke, wenn er nach zwanzigjähriger Ehe noch ungeschieden und treu lebt! Lebenslange Treue – wie langweilig! Immer noch derselbe Mann; immer noch dieselbe Frau?

Werden wir in ethischen Fragen dem Druck von außen standhalten? Um Gottes willen?
Fragen an Dich und mich! Und leicht ist das nicht, denn:

3. Obacht: Mut zum Widerstand gibt es nicht zum Nulltarif!

Klar, in Deutschland kostet es nicht immer gleich das Leben, Gott mehr gehorsam zu sein als den Menschen. Auch ins Gefängnis wandern wir dafür nicht. Aber zum Nulltarif gibt es diesen Mut auch hier nicht! Beispiele:

  • Wegen einer mutigen Entscheidung in Feindschaft mit Kollegen leben – Tag für Tag? Das ist nicht leicht!
  • Auf den beruflichen Aufstieg verzichten, um nicht zu lügen? Christen im Osten Deutschlands können uns ein Lied davon singen, wie das drüben einmal war! Es kostete etwas, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen!
  • Und es kann schon gefährlich werden, sich auf die Seite von Ausländern oder jüdischen Mitbürgern zu stellen und die Aufmerksamkeit von Radikalen auf sich zu lenken. Ein Molotowcocktail in den Eingangsbereich unseres Gemeindezentrums geschleudert – es wäre nicht auszudenken!

Wagen Sie als christliche Gemeinde in einer Großstadt wie München in diesen Tagen eine Veranstaltung zu irgendeinem hochbrisanten Thema von denen, die derzeit in unserem Land überall debattiert werden. Sie werden erleben können, wie man Ihnen die Mikrofone zerstört und die Veranstaltung sprengt. In FFB passiert das vielleicht noch nicht. Aber sicher bin ich mir nicht.

Also: diese Bibelstelle ist alles andere als ein Schlafmittel.
Die Apostel damals sind zunächst mit einer Geißelung davongekommen – schmerzhaft, aber nicht lebensgefährlich! Dennoch – sie haben widerstanden. Und für einige hat das später große Opfer bedeutet, auch den Tod. Widerstand gegen die Obrigkeit und Volksmeinung gibt es nicht zum Nulltarif. Aber um Gottes Willen, aus Liebe zu Jesus – wird es für Nachfolger Jesu immer wieder heißen: „Lasst uns Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Herbert Marcuse, ein Altvater der neuen politischen Linken, hat davon geträumt, dass soziale Umwälzungen nicht von den Massen, sondern von einer Koalition von Randgruppen herbeigeführt würden.
Er scheint Recht zu bekommen. Derzeit gelingt es lautstarken Minderheiten, die Politik unter Druck zu setzen und für sich Meinung zu machen. Der Journalismus interessiert sich oft viel mehr für verschrobene Meinungen einiger weniger, wenn sie nur gegen noch vorhandene Autoritäten gerichtet sind, sei es der Staat oder die Kirche. Ein paar wenige brauchen lediglich gezielte Gerüchte oder alte Notizen weiterzuleiten, und schon geraten Minister auf die Abschussrampe. Die Masse ist träge, Kleingruppen sind stark und aktionsschnell!

Wann erkennen wir die Kraft, die im Bereich der Gemeinde in dieser gelebten Überzeugung der wenigen liegt: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!“?

Was will Gott durch die Minderheit „Gemeinde Jesu“ heute tun? Was sind wir bereit zu opfern? „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“

Gott segne uns mit einer mutigen Antwort auf dieses Wort Gottes – als Gemeinde – und als einzelne Christen!

Amen

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