Symbolbild "Ende der Welt": Brennende Stadt

Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt

„Matthäi am letzten“ – so nennt mancher diesen Vers im Matthäusevangelium. Er steht zunächst einmal als letzter Satz im Matthäusevangelium. „Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ Das ist der Schlusssatz, so wie die Offenbarung des Johannes als das letzte Buch de Bibel das „Herr, komme bald“ wie eine Schlussantwort auf diesen Satz formuliert.

Aber: „Der ist Matthäi am letzten“ – haben Sie diesen Satz schon einmal gehört? „Der ist Matthäi am letzten“ – das heißt: der ist am Ende. Dem kann nur noch dieser Trostsatz des Herrn Jesus helfen. Der hat niemanden mehr als Gott.

So am Ende ist hier – hoffentlich – niemand heute Morgen. Aber wenn – dann ist er am richtigen Ort. Denn dieser Vers ist allerdings ein sehr trostvolles Wort, das uns sehr viel Mut und Zuversicht geben will. Deshalb lassen sie uns heute Morgen in dieser wg. des Abendmahls sehr kurzen Predigt darüber nachdenken.

Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten

Daten

Prediger
Gerd Ballon
Thema
Siehe, ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt
Reihe
Datum
04.02.2018
Länge
11:06
Bibelstelle
Matthäus 28, 20
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter
Gerd Ballon, Pastor und Gemeindeleiter

Lesungstext

20 Lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch aufgetragen habe. Ihr dürft sicher sein: Ich bin immer bei euch, bis das Ende dieser Welt gekommen ist!«

Predigt

1. Ich bin bei Euch alle Tage – während sich alles um mich herum verändert

Wir spüren es eigentlich überall um uns herum: die Dinge verändern sich alle; es entgleitet uns so viel. Wir leben schon lange in einer rasanten Zeit. Und es scheint, dass auf kaum etwas Verlass ist. Ich nenne einige Dinge:

Rastlose Freundschaften

Wir haben kaum noch Zeit, menschliche Beziehungen zu pflegen. Ständig sagen uns auch Menschen, die gern mit uns zusammen sein würden: Du, da habe ich keine Zeit. Und haben wir einmal einen Gesprächskontakt, dann wirkt der andere abgehetzt und unruhig. Manche meiner Kollegen wirken so weit entfernt mit ihren Gedanken, haben schon den nächsten Menschen im Auge, während sie mit mir reden. Und ich fürchte, ich bin auch schon so. Nach dem Gottesdienst z.B. glaube ich ein sehr rastloser Mensch zu sein. Ich will anderen etwas sagen; ich werde gefragt, mancher wartet auf mich. Schlimm, wenn das uns Menschen so verändert. Jemand hat gesagt: „Der Mensch der Endzeit ist der verplante Mensch.“

Zerbrechende Ehen im Freundeskreis

Kennen Sie das auch? Ich ziehe Bilanz in meinem Freundes – und Kontaktkreis – und ich stelle fest: so viele befreundete Ehen sind bereits zerbrochen. So viele Freunde haben Krach mit ihren Partnern; die Kinder gehen eigenartige Wege. 20 Jahre sind oft eine bruchreife Zeit. Schlimm ist das. Und das macht so unsicher. Ich frage: wie kann ich diese bruchreife Zeit sicher überstehen?

Arbeit und Technik

Wir spüren es vielleicht hier am stärksten: die Dinge sind enorm im Wandel. Eine neue Arbeitsrevolution hat längst begonnen. Unsere Gesellschaft hat längst den Schritt in das Informationszeitalter getan. Und wir werden in den nächsten Jahren weitere Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in unseren westlichen Gesellschaften erleben – Veränderungen wie vielleicht niemals zuvor. Wie werden wir als Ältere oder noch jüngere Menschen damit fertig werden? Was wird aus uns und unseren Familien?

Die Dinge sind enorm in Bewegung. Und viele sind verunsichert. Unsicherheit aber macht Angst. Sie fragt nach etwas Festem, Verlässlichem.

Dieser kleine Schlussvers Matthäi am letzten macht in diese Unsicherheit hinein deutlich: da ist einer, der sagt vor 2000 Jahren das, was nach 2000 Jahren immer noch felsenfest gilt:
„Ich bin bei Dir. Ich bin Dein Freund. Ich höre Dir zu. Ich gebe Dir Kraft. Ich schütze Deine Ehe. Ich gehe mit Deinen Kindern in deren Zukunft. Ich sorge für Dich, wenn Dein Betrieb Dich nicht mehr braucht oder will. Ich bleibe bei Dir.“

Jesus Christus ist absolut verlässlich. Macht Dir das Mut? Hilft Dir das ein bisschen in Deiner Unruhe? Das wäre so gut, denn eine andere sinnvolle Beruhigung wäre angesichts all dieser Herausforderungen an mich und Dich doch nur Augenwischerei. Also:

2. Ich bin bei Euch alle Tage – einer interessiert sich für mich und ist verlässlich

Machen Sie Sich einmal bewusst, wie es wirklich ist für einen Menschen, der keinen Halt im Leben hat. Peter Strauch, der ehemalige Präses unseres Bundes FeG, schreibt das einmal so:

„Sie gehen immer weiter hinein in ein Jahr, bei dem es absolut offen ist, wie es für Sie enden wird. Ob Sie gesund bleiben oder dahinsiechen, vielleicht qualvoll sterben müssen – bis auf Ihre engsten vertrauten Menschen fragt niemand danach. Ob es Gott gibt? Vielleicht ja, vielleicht nein. Und wenn ja, so ändert das nichts. Er gibt sich nicht zu erkennen. Ihr Leben scheint ein Zufallsprodukt zu sein, das Ergebnis eines evolutionären Prozesses, bei dem Ihr Bewusstsein und Ihre Empfindungen ohne Bedeutung sind. Über Ihre Zeitgenossen hinaus gibt es niemanden, mit dem Sie wirklich rechnen können. Angesichts des Kosmos sind Sie tatsächlich eine Art Zigeuner am Rande des unvorstellbar großen Universums, das für Ihre Musik taub ist und gleichgültig gegenüber Ihren Hoffnungen und Leiden. Totale Verlassenheit! Sie haben recht, das ist kaum auszuhalten. Deshalb gibt es auch nur wenig Ungläubige, die sich ihrem Unglauben stellen und ihn ganz konsequent zu Ende denken!“

So ist das also, wenn man ohne Hoffnung lebt, liebe Gemeinde. Kein schöner Gedanke. Und auf diesem Hintergrund wird vielleicht besonders deutlich, wie wunderbar diese Zusage Jesu Hoffnung und Zuversicht vermitteln will.

Jesus Christus sagt: „Ich bin bei Euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Und das sagt einer, der weiß, wie wir hier auf der Erde leben. Der mit uns gelebt hat, ca. 33 Jahre lang. Einer, der Menschen sehr nahe kommen wollte, der sich nicht schämte vor ansteckenden Krankheiten und krimineller Energie. Einer, der kein ruhiges Sterbebett fand, sondern an einem Kreuz in glühender Sonne starb.
Und dieser Sohn Gottes interessiert sich für Dein und mein Leben. Ich komme bei ihm vor. Er wird nicht hektisch und nervös, wenn ich ihn anspreche. Er winkt nicht schon den nächsten Gesprächspartner heran, kaum dass ich mein Anliegen genannt habe. Er sagt nicht: „Ach Du, das habe ich ganz vergessen, tut mir aber leid!“ – er erinnert sich an alles in meinem Leben. Er ist jederzeit ansprechbar.

Er ist einfach bei mir. Immer. Tagsüber. Nachts. Die Bibel spricht ja schon im Alten Testament von dem Treuebund Gottes mit uns Menschen. Gott liegt an Kontinuität. Ihm liegt von seinem Wesen her an Verbindlichkeit und Zuverlässigkeit. Denn er weiß, wie sehr wir das brauchen: die Gewissheit, nicht allein zu sein; die Gewissheit, dass wenigstens Jesus Christus eine ewige Konstante bleibt, dass ich ihn mir in diesem Augenblick so vorstellen darf, wie er einem Menschen vor 2000 Jahren begegnet ist.

Deshalb sind die Berichte in den Evangelien von Matth. bis Johannes ja so aufschlussreich. Sie geben uns das Wesen eines Herrn Jesus Christus wieder, der dieses Wesen auch heute so hat. Er bleibt wieder erkennbar. Er bleibt sich selber treu. Er bleibt uns treu. Er ist immer bei uns. Und er wird auch in meiner dunkelsten Stunde da sein – so wie auch Gerswinde Michnick das vor zwei Wochen ganz aktuell erlebt haben wird, als Jesus ihr ihren Wunsch erfüllt und sie aus dem Schlaf heraus in seine Ewigkeit gebracht hat.

Gott segne Dich mit dieser Zuversicht und Hoffnung – Tag für Tag. Du und ich, wir brauchen das. Dringend.

Amen

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