#GaK2018 | 1. Woche | Eine Familie geht kaputt

#GaK2018 | 1. Woche: Eine Familie geht kaputt

Predigt am Sonntag, 25. Februar von Gerd Ballon: „Eine Familie geht kaputt“

Bibeltext: Lukas 15, 11 – 15

Bei uns ist die Geschichte bekannt als Geschichte „Vom verlorenen Sohn“. Dabei bleibt offen, wer denn der Verlorene ist. Der, der geht oder der, der bleibt?

Bibeltext

11 Jesus erzählte weiter: »Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Eines Tages sagte der jüngere zu ihm: ›Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe haben.‹ Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf. 13 Nur wenige Tage später machte der jüngere Sohn seinen Anteil zu Geld, verließ seinen Vater und reiste ins Ausland. Dort leistete er sich, was immer er wollte. Er verschleuderte sein Geld, 14 bis er schließlich nichts mehr besaß. Da brach in jenem Land eine große Hungersnot aus. Es ging dem Sohn immer schlechter. 15 In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte.

Thema

In anderen Kontexten heißt sie: Die Geschichte vom barmherzigen Vater.

Mit dieser Überschrift bekommt die Geschichte einen anderen Ton. Das Augenmerk bleibt nicht bei dem Verlorenen, sondern richtet sich auf das, was gefunden wird: Barmherzigkeit.

Zunächst aber: eine Familie geht kaputt!

Am Anfang: ein Vater – zwei Söhne; Brüder – mit der gleichen Liebe und der gleichen Sorgfalt aufgezogen. Mit der gleichen Güte bedacht.

Aber ihre Wege trennen sich. Den einen lockt die weite Welt. Er nimmt sein Erbe und geht.

Der Vater lässt ihn ziehen. Aber er schaut dem Sohn nach…

Angestrengt folgen seine Augen der Gestalt, die kleiner und kleiner wird. Die Augen werden darüber feucht. Er muss ihn ziehen lassen. Das weiß er.  –  Manchmal tut Liebe weh, auch Gottes Liebe.

Der Sohn geht. In den Taschen das Erbe. Die Fremde lockt. Er geht. Leuchtende Augen und ein Lächeln auf seinen Lippen.

Gerade und leicht geht der Weg dahin. Die Luft ist mild. Es riecht nach Linden und Sommer. Was kostet die Welt!

So geht es eine ganze Zeit, Feste, Feiern, Prassen – bis die Taschen leer sind.

Das süße Leben fordert sein Opfer. Endstation Schweinestall.

Hier steht die Luft. Es stinkt nach Schwein. Die grunzenden Schnauzen wühlen im Trog. Dazwischen eine Hand. Sie versucht, etwas Essbares zu erhaschen.

 

Ich wende mich ab. Das will ich nicht sehen. Nicht dieses Elend. Nicht dieses Scheitern. Er ist doch selbst schuld. Hätte er mal… Wäre er doch… Niemand hat ihn gezwungen seine Heimat zu verlassen und in die Fremde zu ziehen. Soll er doch…

 

Eine Familie geht kaputt!

 

Am Anfang: ein Vater – zwei Söhne; Brüder – mit der gleichen Liebe und der gleichen Sorgfalt aufgezogen, mit der gleichen Güte bedacht.

Aber ihre Wege trennen sich. Der eine bleibt. Treu dient und schuftet er. Er wählt die Sicherheit des Vaterhauses und vermehrt das Erbe.

So geht es eine ganze Zeit… Gewohnte Gewohnheit. Nichts, was man erzählen müsste.

Er steht im Schatten. Aber er hat ein starkes Bedürfnis nach

Sicherheit. Der Gleichklang der Tage hat etwas Verlässliches. So soll es sein und bleiben. Treu bleiben, tun, was zu tun ist;

Nicht fragen, ob irgendwo nicht doch auch Abenteuer und süßes

Leben warten. Das Feld vor dem Haus soll genügen.

Von Ferne sieht er, wie der Vater auf einmal losrennt, einer zerlumpten Gestalt entgegen. Was gesprochen wird, kann er nicht hören. Aber er sieht die Verwandlung. Aus den Lumpen wird ein Festgewand; die Hand wird mit einem Ring geschmückt.

 

Neid! Neid nährt Zorn. Er war immer da, hat immer gearbeitet, treu und dienstbeflissen, hat sich selbst nichts gegönnt. Er hat mit dafür gesorgt, dass hier noch immer ein Vaterhaus ist. Das Fest aber bekommt ein anderer.

 

Eine Familie geht kaputt!

 

Das war – laut der Verse Lukas 15, 11-15 – damals so. Bis zu Vers 15 sieht alles ganz schlimm aus. Da ist keine Hoffnung auf Veränderung. Und das ist heute auch in unserem Umfeld, eine immer wieder zu machende Beobachtung: eine Familie geht kaputt. Schrecklich.

Was sind die Hauptfehler, die zu kaputten Verhältnissen führen?

Warum verharren Menschen in der Distanz zu ihren Familien, anstatt auf sie zuzugehen? Ich nenne einmal vier Punkte (die wir in einer Predigt dann noch genauer anschauen wollen):

 

  1. „Ich will nicht zur Besinnung kommen!“
  2. „Ich schlage um mich, statt in mich!“
  3. „Ich bleibe bei den Selbstanklagen stehen!“
  4. „Ich lasse es bei guten Vorsätzen bewenden!“

 

Fragen

 

  • Kenne ich eine dieser vier Verhaltensweisen? Was geht kaputt – auch in mir – wenn ich dabei stehen bleibe?
  • Kenne ich Menschen, die aus einer kaputten Familie stammen? Wo wird das im Umgang mit diesen Menschen deutlich?
  • Aus was für einer Familie stamme ich? War meine Ursprungsfamilie
    • gesund und intakt?
    • kompliziert und schwierig?
    • oder wie war sie?
  • Gab es zerstörerische Lebensmottos in meiner Familie, z.B.
    • Jeder ist sich selbst der Nächste
    • Wer seine Kinder liebt, der züchtigt sie
    • Bei uns wird pariert
    • Man darf sich nicht unterkriegen lassen
    • Ganz oder gar nicht
    • Frauen sind ihren Männern gehorsam
  • Welchen Ausweg würde ich einer kaputten Familie gern empfehlen (außer den christlichen)? Habe ich schon einmal erlebt, welches Konzept greifen konnte und hilfreich war?
  • Kenne ich eine Familie, die gerade mein Gebet gebrauchen könnte? Will ich das jetzt tun: für diese Familie beten? Vielleicht mit meinem Hauskreis zusammen?

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