#GaK2018 | Woche 2: Der Kampf um die Umkehr

#GaK2018 | Predigt | Der Kampf um die Umkehr

Der Sohn fasst den Plan, zurück zu seinem Vater zu gehen, um seine Schuld offen und ungeschminkt zu bekennen. Vor ihm und vor Gott.

Geschätzte Lesezeit: 12 Minuten

Daten

Prediger
Klaus Gundelbacher
Thema
Der Kampf um die Umkehr
Reihe
Gemeinsam auf Kurs 2018
Datum
04.03.2018
Länge
27:45
Bibelstelle
Lukas 15, 16 – 20
Klaus Gundelbacher
Klaus Gundelbacher

Lesungstext

16 Oft quälte ihn der Hunger so sehr, dass er sogar über das Schweinefutter froh gewesen wäre. Aber nicht einmal davon erhielt er etwas. 17 Da kam er zur Besinnung: ›Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. 18 Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. 19 Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Lass mich bitte als Arbeiter bei dir bleiben!‹ 20 Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Predigt

Auf unserem ersten G-Kongress, 1992 in Kassel, erzählte ein Redner von einem internationalen Kongress, wie Dozenten anderer Länder ihre Vorträge typischerweise beginnen:

  1. Der Deutsche beginnt natürlich mit einigen Vorbemerkungen
  2. Der Amerikaner erzählt erstmal eine Geschichte,
  3. Der Afrikaner stellt sich vorne hin und lächelt warmherzig und ausdauernd seine Zuhörer an.

Wir sind in Deutschland, also erstmal eine Vorbemerkung, falls man sie überhaupt so nennen kann.
Worum geht´s ?

Bevor ich mich dem Thema Umkehr dieser Predigt widme, möchte ich erstmal ein besonderes Augenmerk auf Jesus richten, auf Jesus als den Literaten.
Ja, das klingt erst einmal ungewöhnlich und vielleicht ein bisschen unverständlich,.
Denn, von Jesus ist nichts bekannt, dass er selbst irgendetwas Schriftliches verfasst und hinterlassen hätte.
Nur einmal wird berichtet, dass er etwas geschrieben habe, in den Sand auf dem Boden.
Kein Mensch weiß, was das war, der Wind dürfte es sehr bald wieder ausgelöscht haben.
Und so jemand soll ein Literat sein ?
Ja, und was für einer. Er ist ein Gigant.
Seine unerreichte Meisterschaft besteht darin,
mit möglichst wenig Worten möglichst viel auszudrücken.
Und das ist alles andere als einfach.
Ich bin mir sicher, dass im Laufe der Jahrhunderte viele Dichter, Schriftsteller, Autoren ihn um diese Fähigkeit sehr beneidet haben und es wohl immer noch tun.
Gemeint sind hauptsächlich seine Gleichnisse.
Niedergeschrieben wurden sie erst von den Evangelisten, nicht von Jesus selbst.
Wir betrachten in diesen Wochen das Gleichnis vom verlorenen Sohn und versuchen dabei, neue und wichtige Entdeckungen zu machen.
Die Bezeichnung „verlorener Sohn“ stammt nicht von Jesus selbst, sondern wurde von Bibelübersetzern hinzugefügt um den biblischen Text mit Zwischenüberschriften zu versehen.
Diese geläufige Bezeichnung – der verlorene Sohn – beschreibt nur einen Teil des Gleichnisses.
Dann gibt es: „die zwei verlorenen Söhne“: Ein bisschen besser, aber auch zu kurz gesprungen.
Andere schreiben: Vom barmherzigen Vater. Nicht falsch, aber auch nicht zufriedenstellend.

Ich habe mir in der Vorbereitung auch einige Gedanken darüber gemacht und schlage folgendes vor:
Ein Familienratgeber für ganz schwierige Situationen und was man sich von Gott zeigen lassen kann
Um eine Heilung zu ermöglichen.
Das lese ich ganz klar aus dieser Geschichte und möchte in dieser Predigt diesen Aspekt dann auch besonders berücksichtigen.
Aber dieser Titel wäre auch zu wenig und wird dieser Geschichte nicht gerecht.
Martin Luther hat über den verlorenen Sohn gemeint, dass – angenommen – alle Bibeln dieser Welt würden vollständig verloren gehen , und nur dieses Gleichnis bliebe übrig , es genügen würde, um daraus die gute Nachricht zu verkünden.
Eine ganz schön steile Aussage.
Aber Luther hat Recht.
Wir haben hier einen Sündenfall.
Der Mensch findet sich in einer gefallenen Schöpfung wieder.
Durch seine Boshaftigkeit und falsche Entscheidungen erleben wir Chaos und Niedergang. Ausbeutung.
Wir sehen Besinnung und Umkehr und Gott geht auf die Menschen zu,
Und somit ist Versöhnung mit Gott möglich.
Das ist nichts anderes, als was uns die große Bibel sagt.
Man könnte die Geschichte also auch Kleines Evangelium nennen.
Und das ist sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange, es steckt sicherlich noch mehr drin.
Jesus hat diese Geschichte so erzählt, dass die Menschen sie seit 2000 Jahren verstehen und nachempfinden können und oft zu Tränen gerührt werden.
Ob Analphabethen, Naturvölker ebenso wie hochzivilisierte Eliten, aus hunderten von verschiedenen Kulturen können und sollen dieses Gleichnis verstehen.
Von der Antike bis in unsere digitalisierte High-Tech-Zeit hinein.
Da kann es einem im Kopf schon etwas schwindlig werden.
Wo gibt es in der Weltliteratur so eine Geschichte, die das alles hergibt ?
Ich habe mir hier diese Geschichte aus der interlinearen Übersetzung heruntergeladen.
Locker beschriftet, gerade mal eine DIN-A4-Seite.
Das hier ist Weltliteratur.
Natürlich muss man auch noch etwas zu den Stilmitteln sagen, die Jesus anwendet:
Zum einen erzählt er quasi in Überschriften, in Schlagzeilen.
Ich will das mal an einem Beispiel deutlichen machen.
Am 20. Januar 2018 gewinnt ein junger Deutscher die Streif. Jeder, der sich etwas für Sport interessiert weiß, dass das die schwerste Skiabfahrt der Welt ist, nur die besten Abfahrer können dieses jährliche Rennen bestreiten und nur die allerbesten können es dann auch noch gewinnen.. Deutsche Sieger haben großen Seltenheitswert und sind eine Sensation.
Jesus würde evtl. schreiben: ein Deutscher gewinnt die Streif. .
Jesus vermeidet so weit es geht Details.
Warum ? Er will seine Geschichten offen halten, damit unsere Geschichte darin Platz hat.
Wir sollen uns darin wiederfinden.
Ich möchte darauf hinweisen, dass es in diesem Gleichnis nicht darum geht, alle Detaillücken die Jesus ließ, aufzufüllen.
Das kann man tun, um die Sache verständlicher zu machen, aber unter dem Vorzeichen, dass dies oftmals nur eine von mehreren Möglichkeiten ist.
Sondern wir sollen uns fragen:
Wo finde ich mich wieder ?
Als Rebell, wie der jüngere Sohn
Als zu sehr Angepasster, wie der ältere Sohn ?
oder als Vater oder Mutter, die auch nicht alles richtig machten, ?
Und sogar auch mal in anderer Zeit auch in einer anderen Rolle.
Die Zuhörer und Leser werden persönlich angesprochen und sollen daraus lernen

Nächstes Stilmittel:
Jesus erzählt gerne extreme Geschichten.
Wir haben es hier mit einer sehr extremen Geschichte zu tun.
Bei Erbangelegenheiten liegen häufig Neid, Missgunst und Streit in der Luft und können Familien dauerhaft auseinander bringen.
Aber das, was hier beschrieben wird, schlägt dem Fass den Boden aus.
Diese Geschichte handelt in einer sogenannten Schamkultur.
Ganz Afrika und Asien sind Schamkulturen. Auch heute noch.
Ein Kennzeichen dieser Kultur ist es, dass Familien, Familien-Clans einen enorm hohen Stellenwert haben.
Der Vater als Familienoberhaupt ist praktisch unangreifbar.
Der amerikanische Theologe Kenneth Bailey (gestorben 2016) lebte und arbeitete vier Jahrzehnte in Nordafrika bis nach Indien.
Also voll in Schamkulturen.
Ihn hat diese Geschichte so sehr beschäftigt dass er über viele Jahre hinweg immer wieder Einheimische fragte, was sie von dieser Geschichte halten.
Er stellte immer die gleichen Fragen und erhielt unisono immer die gleichen Antworten.
Also, der Sohn verlangt das Erbe.

Hat in ihrem Dorf jemals irgendwer eine solche Forderung gestellt ?
Niemals

Wäre es möglich, dass jemals irgendwer eine solche Forderung stellt ?
Unmöglich.

Wenn jemals irgendwer das täte, was würde geschehen ?
Sein Vater würde ihn verprügeln.

Warum ?
Die Forderung bedeutet: er wünscht, dass der Vater tot sei.

Das ist dann schon ein ganz anderes Kaliber.
Jesus geht deshalb ins Extreme, weil er die Menschen kennt.
Denn es kann vorkommen, dass Personen, die sehr schuldig geworden sind, denken;
meine Schuld ist so groß, die kann doch nicht vergeben werden.
Und Jesus will deutlich machen, keine Schuld ist groß genug um nicht vergeben werden zu können. Keine.
Niemand soll sich ausgeschlossen fühlen müssen. Niemand.
Oder denken wir an das Bild vom Balken im Auge.
Es ist unmöglich einen Balken im Auge unter zu bringen.
Aber…jeder kann verstehen, was er damit meint.

Noch ein Stilmittel, das Jesus verwendet:
Jesus erzählt oft die Geschichten von einzelnen Menschen. Hier von einer Familie.
Diese sind aber allgemeingültig:
Alle können Lehren daraus ziehen, alle können sich betroffen fühlen.
Seine Methode also: vom Einzelnen zum Allgemeinen.
Jetzt können wir besser verstehen, warum er Details weglässt.
Wie vermittelt man in unserer Zeit Wissen, Fachwissen ?
Bei uns schreibt man Fachbücher.
z.B. einen Ratgeber „Wie gelingt mein Familien-Leben“.
Beschrieben wird zuerst das Allgemeine.
Alle möglichen Familien-Szenarien, und noch mehr Lösungsansätze.
Mit mehr oder wenig vielen Fachbegriffen.
Und jetzt: finde die Lösung die zu dir passt.
Also vom Allgemeinen zum Einzelnen.
Fachbücher richten sich mehr an den Verstand.
Die Geschichten von Jesus treffen den Verstand und das Herz.
Diese Vorbemerkungen sollten also dazu dienen, dieses und andere Gleichnisse und Aussagen besser zu verstehen.
Nun zur eigentlichen Predigt über die Umkehr und ich werde Vers für Vers durchgehen.

Er wäre froh gewesen, wenn er seinen Hunger mit den Schoten, die die Schweine fraßen, hätte stillen dürfen, doch selbst davon wollte ihm keiner was geben.
Die Krise hat sich zur Existenzkrise ausgeweitet.
Geld weg, Ehre weg, Freunde weg, .und als Krönung absolut nichts mehr zu essen.
Da eine große Hungersnot herrschte, wollte man ihm nichts Essbares geben. uttermittel, sind jetzt viel zu kostbar.
Schweine werden in Zeiten des Hungers zu Wertgegenständen, täglich steigen die Fleischpreise.
Der Hirte war also bereit, sich in puncto Essen auf die Stufe von Schweinen zu stellen.
Man stelle sich das mal vor: der Hirte und seine Schweine nehmen die gleiche Mahlzeit ein.
Absolut würdelos, soll er doch das Laub von den Bäumen essen. Ist noch genügend da.
Lohn bekommt er, aber vom Geld allein kann man bekanntlich nicht satt werden.
Ausbeutung ist heute wohl aktueller denn je.
Was sagt das über eine Gesellschaft aus, in der Menschen so gnadenlos ausbeutet werden und ihnen nicht mal das allernötigste zugestanden wird.
Damals wie heute.
Er ist am absoluten Tiefpunkt angelangt und es wird immer brenzliger für ihn. Ihm droht jetzt sogar der Hungertod.

Von 100 auf Null
Aber dieser Tiefpunkt wird zum Wendepunkt.
Die gute Nachricht ist:
So, wie er bisher alles falsch gemacht hat, macht er – ab sofort -alles richtig.

Jetzt kam er zur Besinnung. Punkt
Hier beginnt die Umkehr.
Umkehr ist die Einsicht, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben und eine Abkehr, der bisherigen Lebensführung.
Die Besinnung ist ein Prozess, ein Vorgang, bei dem alles auf den Tisch kommt. Vollständig und schonungslos.
Wie konnte ich nur das tun ?
Wie konnte ich mich nur so entscheiden ?
Und kein:, ich bin Opfer geworden, hab keine eigene Schuld-
Kein Abwälzen auf Andere oder auf unglückliche Umstände.
Was müssen das für seelische Qualen sein, sich dem eigenen Versagen, der Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Vater und was seitdem sonst noch alles geschah, zu stellen.
Sich einzugestehen, ich war doch ein fieser, undankbarer, egoistischer Drecksack.
Habe nur an mein Vergnügen gedacht.
Das tut unsäglich weh.
Mit diesem Hinweis des zur-Besinnung-kommens trifft Jesus einen wunden Punkt bei uns Menschen und noch stärker bei den Menschen aus einer Schamkultur.
Jesus kam in eine Schamkultur hinein.
Bei uns im Westen hat die sogenannte Schuldkultur den Vorrang.
Ein anderes Kennzeichen der Schamkultur ist, dass das Schamgefühl schmerzhafter und größer ist, als das der Schuld selbst.
In der Schuldkultur wird offener und offensiver der Schuld begegnet.
Ein Vergleich als Beispiel: Deutschland stellte sich seiner Verbrechen aus der Nazizeit, auch wenn es schmerzte.
Andere Völker in der Schamkultur tun sich da unheimlich schwer Verbrechen einzugestehen (Stichwort Armenien).
Man lügt sich lieber selber in die Tasche.
Jesus repräsentiert- natürlich –die Schuldkultur.
Er wirbt also mit dieser Geschichte dafür, sich seiner Schuld zu bekennen, damit es zu Vergebung und Versöhnung kommen kann.
David war sein Vorläufer, wir haben es im Psalm 32 vorhin gehört.
Stellt euch doch der Schuld. Die Wahrheit macht euch frei.
Denn ohne reinen Tisch zu machen, kann keine Umkehr funktionieren.
Bringe ich den Willen und die Kraft auf, Selbsttäuschungen und Lebenslügen über Bord zu werfen ?.
Aber bitte auch keine Teil-Umkehr, keine Umkehr light, sonst kommt es irgendwann zum Rückfall und der Kreislauf fängt wieder von vorne an..

Er sagte sich: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, und alle haben mehr als genug zu essen!
Ich dagegen komme hier vor Hunger um.
Sein Hungergefühl sagt ihm: tu was, mach was, überleg mal, es muss eine Lösung gefunden werden. Er erinnert sich an sein zu Hause und er denkt daran, wie gut es den Tagelöhnern gehen muss.
Ihm wird klar, wie gut er es doch hatte.
So vieles was selbstverständlich war, wird im Rückblick zu etwas Besonderem.

Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:
Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;

Krisen sind ein Stehen an einer Weggabelung.
Geb ich auf oder mache einen Neuanfang.
Nachdem er also in sich gegangen war, fasst er einen Entschluss.
Einen mutigen Entschluss.

Er will zum Vater gehen und ihm sein schändliches Verhalten, sein Versagen, sein Scheitern bekennen.
Er weiß nicht, wie die Reaktion des Vaters aussehen wird.
Er riskiert es, noch eine weitere und vielleicht endgültige Demütigung zu erleiden.
Aber, er will und muss es seinem Vater persönlich sagen, wie sehr es ihm leid tut.
Dem Sohn muss spätestens jetzt klar geworden sein, dass das Verhalten des Vaters völlig ungewöhnlich war.
Dass er damals überhaupt bereit war, den Sohn auszuzahlen.
Er wurde auch nicht verprügelt, als er sein Erbe verlangte.
Was ist es nun, dass er sich eine Heimkehr vorstellen kann, was gibt ihm die Hoffnung, wenigstens als ein Knecht aufgenommen zu werden ?
Letzten Sonntag hat Silvia erzählt, dass sie sich im Hauskreis darüber gewundert haben, wie es denn sein konnte, dass der Vater das Erbe so freiwillig ausbezahlte.
Der Vater erscheint dabei zu nachgiebig.
Heute hörten wir von Laure, dass sich ihr Hauskreis diese Woche darüber unterhalten hat, was wohl die Ursache war, dass sich der Sohn wieder nach Hause getraut hat.
Erkennen wir jetzt, dass das Eine mit dem Anderen zu tun hat ?
Denn der Vater hat die Brücken nicht abgebrochen !
Ohne zu wissen, ob der Sohn sie jemals wieder betreten wird.
Er hat wahrscheinlich nicht gesagt, hier ist das Geld. Nimms.
Aber zurückkommen brauchst du auch nicht mehr. Lass dich hier besser nicht mehr blicken.
War das jetzt zu nachgiebig oder doch stark ?
Der Vater sehnt sich nach heilen Beziehungen. Was gibt’s denn Schöneres, ja Wichtigeres im Zusammenleben ?
Und deshalb tut er nichts, um eine Versöhnung seinerseits zu verhindern.
Im Englischen gibt es einen schönen Begriff dafür:
Reunion. Wieder Zusammenkommen.
Aber es gibt überhaupt keine Garantie, dass der Sohn im Falle eines Scheiterns wirklich zurückfände.
Es hätte doch auch anders gehen können.
Der Sohn baut sich mit dem Geld eine eigene Existenz auf und ist erfolgreich.

Weiß man´s vorher ?

Der Vater handelte klug und weise.
Auch wenn der Sohn nicht zurückkommt, kann er sich immer noch sagen,
Ich habe die Tür offengelassen.
Mit dieser Hoffnung lässt es sich doch besser leben, als mit einem aus und vorbei. Klappe zu, Affe tot.
Damit sagt uns diese Geschichte: Wenn es ein Zerwürfnis gibt, brecht doch die Brücken nicht ab. Ihr wisst nie, was einmal passiert.
Das ist Seelsorge pur.
In diesem Vers 18 ist auch plötzlich von Gott bzw. vom Himmel die Rede.
Auch sein Versagen vor Gott einzugestehen, gehört für Gläubige Menschen zur Umkehr.
Ob man es will oder nicht. Gott sitzt auch im Boot unseres Lebens.

Ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn genannt zu werden.
Er erkennt, er akzeptiert, dass er die Würde seiner Herkunft verloren hat.
Die Privilegien sind weg, aber egal was geschehen ist,
er bleibt immer der Sohn seines Vaters, ob er will oder nicht..

So machte er sich auf den Weg zu seinem Vater.
Der Sohn zündet also die dritte Stufe. Nach der Besinnung kam der Entschluss. Jetzt macht er sich auf den Weg zurück nach Hause, ins Vaterhaus.
Nur noch als Kind eines Vaters.

Dieser sah ihn schon von weitem kommen, und fühlte Mitleid
Zwei Gefühle werden das Herz des Vaters erschüttert haben.
Es sieht diesen zerlumpten und abgemagerten Mann und erschrocken frägt er sich:
Wie schaut denn der aus ?
Was ist mit meinem Kind geschehen ?
Was ist bloß mit meinem Kind geschehen ?
Und die Rückkehr sagt ihm auch:
Er erinnert sich meiner. Er hat sich noch einen Rest an Vertrauen bewahrt.
Der Vater platzt schier vor Glück. Gott sei Dank, dass er wieder da ist.

und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Der Vater wußte vielleicht nicht, welche Gefühle er haben wird, falls der Sohn zurückkommt.
Er war bereit zur Vergebung, er hat es sich jedenfalls fest vorgenommen.
Und jetzt, wo er ihn sah, war alles klar, es ist nur noch Liebe in seinem Herzen.
Und wieder verhält sich der Vater ungewöhnlich.
Er vergisst seine Wunden, den Stolz.
Ist das menschlich ? ich meine menschen-möglich ?
So zu empfinden und so zu handeln ?
So voller Freude die tiefsten Verletzungen im tiefsten Meer zu versenken ?
Der menschliche Vater spiegelt hier den himmlischen Vater wieder.
Was will uns Jesus hier sagen ?
Macht es wie der Vater im Himmel und vergebt, versöhnt euch.
Versucht es wenigstens, ändert eure Haltung, ich helfe euch dabei.
Ich gebe euch die Kraft dazu.
Ich sehe darin auch einen Hinweis, dass Gott wirklich gnädig und barmherzig ist:

denn Gott würde von uns unvollkommenen Menschen nicht etwas verlangen, was er uns selbst nicht entgegen entgegen bringen würde.
Das ist nicht vorstellbar.
Der Teufelskreis von Verletzung, Hass, Bitterkeit und Rache muss endlich durchbrochen werden.
Er kann durch Gottes Vorbild und Hilfe durchbrochen werden.

Gerade dort, wo Menschen eng zusammen leben, wird das Zusammenleben schwierig.
Wir werden aneinander schuldig. Es lässt sich einfach nicht vermeiden.
Einzelinteressen treffen auf Familien- interessen, schon haben wir einen Konflikt.
Konflikte lösen will gelernt und geübt sein.
Und immer wieder ist Umkehr nötig, kleine wie große.
Es kann also durchaus sein, dass auch der Vater mit verantwortlich ist, dass es in dieser Geschichte zum Zerbruch kam.
Und dass auch er eine Umkehr vollziehen mußte.
Umzukehren soll nicht erst in Erwägung gezogen werden, wenn es fast schon zu spät ist.
Entscheidungen wollen gut überlegt sein, mit kühlem Kopf, mit einem Plan B.
Ich will es mal so ausdrücken:
Je enger wir uns an Jesus halten, um so weniger falsche Entscheidungen werden wir treffen, ganz automatisch.
und um so weniger werden wir schuldig werden.
Nachdem David diesen berühmten Schlamassel angerichtet hat und er vor seinen Sohn Absalom fliehen mußte, konnte er im beten (Psalm3):
Du Herr, wirst meine Ehre wieder herstellen, sodass ich meinen Kopf erheben kann.
Und am Schluss von Psalm 34 lesen wir:
Wer sich ihm anvertraut (dem Vater), dem gibt er trotz aller Schuld einen befreiten Anfang.

Amen

Es ist doch überhaupt nicht gesagt, dass man in der Krise dann auch richtigen Entscheidungen trifft.
Was schreibt uns Petrus ins Stammbuch ?
Werft eure Sorgen auf ihn. Er kümmert sich darum.
Er will uns entlasten, vor Fehlentscheidungen bewahren.
Uns Menschen fehlt doch oft der Überblick. Oft können wir die Folgen unserer Entscheidungen gar nicht absehen.
Meine Mutter sagte gerne: Unverhofft, kommt oft.
Ja und jetzt, „wenn ich das vorher gewusst hätte“, heisst es dann !
Petrus fleht uns richtig an, lasst es doch den Vater machen.

Alle konnten und sollten es verstehen. können wir ihm gleichtun.
Wenn es nicht so wäre, würde ja Gott von uns unvollkommenen Menschen mehr verlangen, als er selbst bereit wäre zu geben.
Und das ist einfach unvorstellbar.
Und Umkehr benötigt nicht immer so einen Total-Crash.

Ich will nochmals darauf hinweisen, dass es in diesem Gleichnis nicht darum geht, die Detaillücken die Jesus ließ, aufzufüllen.
Wann kann sie nicht und braucht sie nicht herausfinden.
Wenn Prediger es tun, dann sollten es nur Verständnishilfen sein.
Sondern wir sollen uns fragen:
Wo finde ich mich wieder ? Sohn1 , Sohn 2, in der Elternrolle ?
Lasse ich mich als Elternteil (Vater oder Mutter) dazu ermutigen, so zu reagieren wie es der Vater tat ?
Kann ich es wenigstens versuchen.
Was mein Herz wirklich ?
Spüre ich die Sehnsucht nach Versöhnung ?

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