#GaK2018 | 5. Woche: Gott als der vollkommene Vater

#GaK2018 | 5. Woche: Gott als der vollkommene Vater

Predigt am Sonntag, 25. März von Laure Schneider und Albrecht Hesmert: „Gott als der vollkommene Vater“

Bibeltext: Lukas 15, 12b.20.22-24.31f

Bibeltext

12 Eines Tages sagte der jüngere zu ihm: ›Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe haben.‹ Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf.
20 Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
22 Sein Vater aber befahl den Knechten: ›Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus und legt es meinem Sohn um. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt Schuhe für ihn! 23 Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern! 24 Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen ein fröhliches Fest.
31 Sein Vater redete ihm zu: ›Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Alles, was ich habe, gehört auch dir.

Thema

Nähmen wir die Güte, die Weisheit und das Mitgefühl der besten Mütter und Väter, die jemals gelebt haben, wäre das nur der Hauch eines Schattens der Liebe und Barmherzigkeit, die wir im Herzen des erlösenden Gottes finden.
Brennan Manning in „The Signature of Jesus“

Als der Sohn seinen Erbteil endlich in der Hand hielt, standen ihm tausend Möglichkeiten offen. Er konnte losziehen und leben so wie es ihm gefiel. Aber es lief nicht alles nach Plan. Als er dann ganz
unten angelangt war, fing er an, sich nach seinem Zuhause zu sehnen. Auf Einmal erschien ihm die Vorstellung nicht mehr so schrecklich, bei seinem Vater zu sein. Doch, wie war denn dieser Vater?

Auch wenn die Forderung des Sohnes unerhört ist, der Vater gibt ihm, was er will! Ja, hat dieser Vater den Verstand verloren? Wie kann er sich auf eine solche Forderung einlassen? Welcher Vater würde so etwas zulassen – vor allem zu der damaligen Zeit? Und dann, als die Misere des Sohnes so groß ist, was macht der Vater? Er unternimmt nichts, um seinen Sohn zu finden oder ihm zu helfen. Er wartet zu Hause. Unglaublich, oder?

Doch in diesem Warten steckt die tiefe Sehnsucht des Vaters, endlich seinen Sohn wieder zu erblicken. Vielleicht hat er täglich, sogar mehrmals, seinen Blick auf die lange Einfahrt schweifen lassen, immer mit dieser Hoffnung: Heute ist der Tag, heute kommt mein geliebtes Kind nach Hause. Kannst du dir das vorstellen, kannst du nach-fühlen wie tief diese Sehnsucht ist?

Als dieser Tag endlich da ist, wartet der Vater auf der Veranda mit verschränkten Armen, seine „Ich-hoffe-du-hast-daraus-gelernt“-Predigt schon auf den Lippen? Nein, keinesfalls! Im Gegenteil, er springt von der Veranda herunter, läuft, so schnell er kann, seinem Sohn entgegen. Wer hätte das gedacht!? Und was geht wohl im Kopf des Sohnes vor? Er hatte sich bereits seine „Entschuldigungsrede“ zurecht gelegt und trug sie auch gleich vor, sobald der Vater bei ihm war. Aber das interessiert den Vater überhaupt nicht. Er umarmt seinen Sohn, die Freude, dass dieser endlich wieder daheim ist, ist so groß, dass weder Vorwürfe noch Ärger über seine Lippen kommen. Schon wieder überrascht dieser Vater, indem er die Ausrichtung eines Festes anordnet. Wie, ein Fest, für diesen Sohn, der alles falsch gemacht hat, was nur geht? Er hat doch eine Strafe verdient und kein Fest zu seiner Ehre!

Dieser Vater handelt an vielen Stellen in diesem Gleichnis anders, als wir es von einem liebenden Vater erwarten würden. Warum verhält sich dieser Vater so? Was wünschte er sich, von Anfang an?

Kann es sein, dass ihm die Beziehung zu seinen Söhnen fehlte? Der Jüngere sah vielleicht in ihm nur die Geldquelle und der Ältere nur den strengen Vorgesetzten. Beide wohnten bei ihrem Vater, aber keiner von ihnen war in der Liebe des Vaters daheim. Der Vater lässt seinen jüngeren Sohn ziehen, damit dieser ans Ende seines Strebens nach Unabhängigkeit kommt und entdeckt, wer sein Vater wirklich ist.

Als der Sohn ins Nachdenken kommt und sich entscheidet, zu seinem Vater zurückzugehen, weiß er auch noch nicht, auf welch einen Vater er treffen wird. Aus Angst vor seinem Zorn legt er sich seinen Spruch zurecht, indem er seine Unwürdigkeit, jemals wieder sein Sohn genannt zu werden, bekennt. Er hatte also keine Ahnung davon, wie geliebt er war und dass sein Verhalten die Liebe seines Vaters in keiner Weise verändert hatte.

Diese Sehnsucht des Vaters nach einer Freundschaft mit seinen beiden Söhnen war die ganze Zeit da, von Anfang an. Er wollte nicht, dass sie ihm blind gehorchten, sondern er wollte ihre Herzen erreichen. Deshalb setzte der Vater alles aufs Spiel, als er seinem Sohn seinen Erbteil auszahlte und somit zuließ, dass dieser seinem Willen nachging. Nur wenn der Sohn ans Ende seiner Unabhängigkeit kommt, wird er herausfinden, wer sein Vater wirklich ist.

Der Vater hat nie versucht, den Sohn zu manipulieren. Er hat ihn einfach nur geliebt. Deshalb konnte er ihn ziehen lassen und hastete ihm entgegen, als dieser endlich nach Hause kam. Die Not hatte den Sohn zur Rückkehr bewogen. Alles andere spielte keine Rolle.

Gab es einen Moment, wo der Vater seinen jüngeren Sohn mehr liebte als zu einem anderen Zeitpunkt? Nein, der Vater liebte seinen Sohn während der ganzen Zeit voll und ganz! Die Ereignisse in diesem Gleichnis können nicht mit der unterschiedlichen Liebe des Vaters erklärt werden, sondern nur mit der unterschiedlichen Wahrnehmung von ihr seitens des Sohnes. Obwohl der Vater beständig in seiner Liebe zu seinem Sohn war, hat der Sohn teilweise so gelebt, als wäre er weniger geliebt:

  • als er das Geld nahm und fortzog
  • als er so lebte, wie es ihm gefiel und dachte, er könnte losgelöst leben
  • als er nach Hause kam und seine Bußrede vorbrachte (er wollte sich selbst zum Sklaven seines Vaters machen)

Erst während des Festes begreift er: Er ist geliebt. Aber er war es die ganze Zeit! Ab jetzt weiß er, dass er nicht so leben muss, als wäre er nicht geliebt.

Nun zum älteren Bruder. Am Ende weigert er sich ins Haus zu gehen und zu Ehre seines heimgekehrten Bruders mit zu feiern. Obwohl er die ganze Zeit zu Hause geblieben war, seine eigenen Ziele nicht
verfolgt hat, hat er die Beziehung, die sein Vater mit ihm haben wollte, verpasst. Er betrachtete sich als Sklave und die Bitten seines Vaters als Pflicht.

Wir wissen nicht, wie sich am Ende der ältere Sohn entschieden hat: Feiert er mit oder bleibt er draußen, weil er das Verhalten seines Vaters für ungerecht hält? Hat er begriffen, wie unendlich lieb auch der Vater ihn hat? Das ist die entscheidende Frage.

Glaubst du, dass Gott genauso für dich empfindet wie der Vater in diesem Gleichnis? Gott möchte, dass du erkennst, wie sehr du geliebt bist – ohne Dienst, ohne Opfer, ohne Geld, usw. Und er hofft, dass du dich auch entscheiden wirst, ihn zu lieben.

Fragen

  • Weißt du, wie lieb der Vater dich hat? Und zwar immer, zu jeder Zeit, unabhängig von deinem Verhalten, deinem Tun, deinen Leistungen, deinem Befinden, deinen Gefühlen? Es gibt nichts, was du tun könntest, damit Gott dich mehr liebt und es gibt auch nichts, was du tun kannst, dass Gott dich weniger liebt. Hast du das mit dem Herzen begriffen oder ist es noch eine „Kopfsache“?
  • Was hast du über Gottes Liebe gelernt? Was ist dir klargeworden?
  • Kannst du dich eher mit dem jüngeren Sohn oder mit dem älteren identifizieren? Weshalb?
  • Gibt es Momente oder Situationen wo du dich von Gott weniger geliebt fühlst? Was unternimmst du dann, wie reagierst du?
  • Wo lebst du „weniger geliebt“? Beispiele:
    • wenn du der Sünde nachgibst
    • wenn du dich in die Angst treiben lässt, weil deine Umstände nicht gut sind
    • wenn du versuchst, Gottes Gunst durch Anstrengungen zu erlangen
    • wenn religiöse Verpflichtungen dich gefangen nehmen, um von Gott akzeptiert zu werden
    • wenn du dich sorgst, dass Gott ein schreckliches Opfer von dir fordert

Bitte Gott dir zu zeigen, wie sehr er dich liebt.

Textquelle und Fragen: Teilweise entnommen aus dem Buch von Wayne Jacobsen „Geliebt“

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